Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Schleusen, Pokern, Würfelspiele – mit reichlich Lust auf Abenteuer und einer professionellen Glücksspiel-Ausrüstung düst Familie Groh in die Herbstferien nach Frankreich.

Eine Familienfeier führt uns aus dem Norden in die Alpen. Der Samstag steht ganz im Zeichen des Wiedertreffens der Cousins, Cousinen, Tanten, Onkels … Nach einem schönen Fest und einem stärkenden Frühstück packen wir unsere Sachen und fahren in die Herbstferien! Wir fahren mit einem Kuhnle-Hausboot, einer Kormoran 1280. Dieses Mal probieren wir ein neues Revier aus: Frankreich! Wir sind gespannt und freuen uns.

Sonntag

Mit fünf Stunden Verspätung erreichen wir um 23 Uhr den kleinen charmanten Hafen in Niderviller. An den Tischen sitzt eine Gruppe von jungen Männern, die gerade ihren Betriebsausflug ausklingen lässt: Mit vier Kormoranen hatten sie ein Teambuildingwochenende mit 20 Leuten. Wir bekommen gleich die wichtigsten Insidertipps und ein Willkommens-Bier.

Montag

Der nächste Tag begrüßt uns freundlich, die Sonne scheint, die Kinder schlafen bis 9 Uhr.

Charlotte (12):

Nach einer langen Nacht wachte ich auf. Unter meiner weichen Bettdecke war es warm. Ich schnappte mir mein Buch und las, bis alle wach waren. 

Der Blick aus dem Fenster war fantastisch! Der kleine Hafen mit dem Häuschen sah schön aus. Keine Welle war auf dem Wasser. Die Enten quakten, die Sonne lachte.

Als erstes musste eingekauft werden.

Der Hausboot Hafen Niderviller
Die Kuhnle-Tours Basis in Niderviller am Rhein-Marne-Kanal.

Und als der Einkauf im Boot verstaut war, gab es ein typisch französisches Frühstück mit Croissants und Baguette. Schon nach dem Frühstück wollten wir nicht mehr weg. Es war einfach zu gemütlich.

Aber als wir uns aufrafften, lohnte es sich!

 

Den Sportbootführerschein beim Hafenteam zum Kopieren bereithalten und ab geht’s zu „Cora“, dem französischen Supermarkt, nur 4 km entfernt. Mit viel zu vielen französischen Leckereien kehren wir glücklich zurück.

Was kommt alles mit aufs Hausboot
Unsere Beute von Cora, dem Supermarkt in Sarrebourg.

Wir frühstücken mit Croissants, Kaffee, Baguette und – weil es so lecker ist – auch mit Oliven, frischer Petersilie und zur Feier des Tages sogar mit einem Crémant d’Alsace – einem französischem Sekt. Parallel studieren wir den Törnplaner und beschließen, in Richtung Saverne zu starten. Hier erwarten und Tunnel und das Schiffshebewerk.

Es ist 13 Uhr – los geht’s. Gleich die erste Brücke ist schmal und stimmt uns auf die weitere Fahrt ein:

Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal
Passen wir da durch? Mit dem Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal.

Wir fahren nicht wie in Mecklenburg über große Seen, sondern genießen eine abwechslungsreiche Kanalfahrt, mit vielen Reihern, stehend am Ufer, und Fahrradfahrern und Profiradlern, die auf den sehr guten Radwegen parallel zum Kanal an uns vorbei düsen.

Wir freuen uns auf die zwei angekündigten Tunnels, denn, wer ist schon mal mit einem Boot durch einen Tunnel gefahren? Das ist schon fast so abstrus wie mit dem Schiff durch die Wüste. (Erlebt bei einer Reise in den Sinai vor gefühlt 100 Jahren!)

Und da ist der erste: knapp 500 Meter lang.

ab in den ersten Tunnel auf dem Rhein-Marne-Kanal
Schiffstunnel: Wasser und Boot verschwinden einfach in einem Berg.

Wir schalten den Scheinwerfer ein und fahren ganz langsam in die dunkle Röhre, die Kinder sind vorne rechts und links positioniert, der Mann hinten und ich versuche vom Steuerstand aus mein Bestes. Man sieht am Ende des Tunnels das Licht, das ist gut, und im Tunnel gibt es ausreichend weitere Beleuchtung.

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Trotzdem – es ist schmal und ungewohnt. Aber ohne Probleme passieren wir die 500 Meter und freuen uns wieder auf das Tageslicht.

Tunnelausfahrt. Rechts im Bild sind die Gleise der früheren Treidel-Lok zu sehen. Die zog die Schiffe ohne eigenen Antrieb durch den Tunnel, weil dieser für die Treidelpferde zu schmal war.

Abenteuer pur. Alle sind fröhlich und schon kündigt sich der zweite Tunnel mit über 2000 Metern Länge an. Auch dieser ist schnurgerade, so dass wir das Ende gut sehen können. Die Kinder rufen: „links etwas eng“, oder: „rechts wird es knapp“ und so schleichen wir uns gut geleitet durch den Tunnel. Es ist einfach eine tolle Erfahrung mit einem Boot durch einen Berg zu fahren! Im Nachhinein muss ich aber gestehen, ich fahre lieber über kleine Seen im Sonnenlicht. Übrigens: Gegenverkehr ist ausgeschlossen, eine Ampel regelt das Geschehen.

Nach den Tunneln sind alle sehr beeindruckt und wir genießen nun die warmen Sonnenstrahlen: Anfang Oktober und 23 Grad.

Und schon wartet das nächste Highlight: ein Schiffshebewerk. Wir sind oben und sehen das Tal vor uns in der „Tiefe“, das bedeutet es geht hinunter! Wir fahren ganz langsam in eine Art Wasserbecken – den Vorhafen – hinein und genießen von hier eine fantastische Aussicht.

Vor uns öffnet sich nun ein Tor, ein Boot kommt heraus. Jetzt sind wir dran: Langsam fahren wir in den Trog (es tropft erfrischend viel Wasser auf uns herunter), wie in eine größere Badewanne; ein zweites Boot folgt uns, viel mehr Platz ist nicht. Die Tore schließen. Wir stehen quer zum Berg in der „Badewanne“ und nun geht es mit samt der Wanne auf einer schiefen Ebene nach unten – die Kinder jubeln, wir sind beeindruckt.

45 Höhenmeter sind so in kürzester Zeit überwunden! Was das bedeutet im Vergleich zu vielen kleinen Schleusen, die hier vorher den die Schiffe den Berg herunter (oder heraus) brachten, verstehen wir einen Tag später noch viel besser (darüber berichten wir dann an späterer Stelle).

Unten angekommen halten wir gleich rechter Hand an und genehmigen uns erst einmal eine Pause von den vielen Eindrücken. Die Kinder spielen auf der angrenzenden Wiese und beobachten bei den Wehren und Mini-Seen die Vogelwelt: Fischreiher, Schwäne, … Die Bäume beginnen, sich bunt zu verfärben.

Wir beschließen, zu bleiben und den schönen Herbsttag hier unten ausklingen zu lassen. Es wird gekocht, gepokert und gewürfelt bis uns allen zeitig am Abend die Augen zu fallen.

 

Dienstag

Ein herrlicher Morgen. Das Wasser dampft.

Heute wollen wir bis nach Saverne fahren, das bedeutet, wir schleusen 13 Mal. Unsere vor der roten Ampel wartenden Mitschleuser erklären uns, dass alle Schleusen (wegen des schmalen Kanals) in eine Richtung frei geschaltet werden, so dass man wie mit einer grünen Welle alle 13 Schleusen nacheinander passieren kann, theoretisch ohne Gegenverkehr. Das bedeutet noch etwas warten … Irgendwann schaltet die Schleuse auf grün und tatsächlich haben wir bis Saverne freie Bahn. Das Wetter ist perfekt, die Sonne scheint, es ist warm (22 Grad) und wir schleusen uns voran durch die schönen Täler.

An jeder Schleuse wartet ein anderes verwunschenes Schleusenwärterhäuschen, die meisten sehen eher verlassen aus, denn die Schleusen funktionieren automatisch ohne Schleusenwärter. Schade eigentlich, es hätte sicher viel Spaß gemacht, die Franzosen kennen zu lernen.

Wir starten bei Schleuse Nummer 18 und landen in Saverne bei Nummer 30. Die „Mit-uns-Schleuser“ sind Franzosen, eine Familie mit zwei Jungs. Wir verstehen kein Wort und sie auch nicht, trotzdem sprechen wir bei jedem Schleusengang miteinander und freuen uns auf das Wiedersehen.

Charlotte:

Das mit den Mitschleusern war lustig:

Ich und Constantin standen vorne, wenn wir in die Schleusenkammer reinfuhren. Vor uns waren die anderen. Weil uns die Jungs die ganze Zeit angeglotzt hatten, haben wir das irgendwann auch gemacht und gemerkt, dass sie nicht nur Brüder, sondern Zwillinge waren. Sie redeten französisch, wodurch ich nur ab und zu ,,Oui, maman!“ oder: ,,NON!“ verstand.

Später zeigten sie, dass wir überholen könnten, weil sie Mittag aßen. Eigentlich schon ein bisschen schade, weil wir uns auch ohne Worte gut verstanden. „Mit ihnen zu reden, bringt eh nichts, weil wir sie sowieso nie wieder sehen“, dachte ich. Aber Abends, als wir in Saverne in der Nähe eines Hafens angelegt hatten, fuhren sie doch aber tatsächlich nochmal an uns vorbei und wir winkten ihnen freundlich.

Anscheinend hatten sie in der Nähe angehalten, da sie am Weg auf der anderen Seite des Bootes nochmal an uns vorbeiliefen.

Aber die Krönung war dann schließlich, als wir uns mitten in Saverne in einem mini-kleinen Supermarkt nochmal begegneten.

 

Saverne ist eine hübsche Kleinstadt.

Ecluse 30 – die Stadtschleuse in Saverne.

Gleich nach der Schleuse kommt rechter Hand das Schloss aus rotem Sandstein. Aber der Hafenmeister gegenüber sieht uns und weist uns den Weg zu einem Seitenkanal. Wir wenden und machen zwischen zwei großen Känen fest.

 

Der Landgang ist kurz, aber sehr schön! Wir kochen zusammen, sitzen an Deck, spielen Würfel und erzählen uns vom Tag: Der großen Burg, die wir vom Boot gesehen haben und den vielen Schleusen. Dazu gibt es Wein, Baguette und Käse.

 

 

 

Mittwoch

Der Tag beginnt mit frischen Croissants vom Bäcker und Kaffee und Tee. Wir spielen den ganzen Vormittag zusammen und starten erst gegen 13 Uhr:

13 Schleusen bergauf stehen auf dem Programm, wir wollen wieder zurück bis zum Schiffshebewerk und dort an der Halbinsel anlegen, Fußball spielen und grillen.

Das Schleusen zu Berg ist etwas anstrengender als bergab, denn das einströmende Wasser fließt schnell und wirbelt mächtig. Die Crew ist konzentriert und so gelingen uns die Manöver immer besser. Die Pausen zwischen den Schleusen sind kurz, so dass nicht viel Zeit zum Spielen bleibt. Wir sitzen an Deck, sonnen uns, genießen die fantastische Fahrt durch die Täler, mitten durch die hübschen Dörfer. Um 17.30 Uhr sind wir dann zurück.

Der Grill wird angeworfen und wir sitzen dann bei Steak und Wasser und Wein an Deck. Unsere allabendliche Würfelrunde beendet den Abend und um 22 Uhr liegen alle angenehm kaputt in den Kojen.

Donnerstag

Der Morgen ist mild. Wir beginnen den Tag mit Kaffee und warmen Croissants, diesmal aus dem Bordbackofen, im Angesicht der „Schiffshebebadewanne“. Um 10 Uhr starten wir in den Tag und „schleusen“ als erste an diesem Tag mit der Kormoran wieder die über 40 Meter nach oben – noch immer ein kleines Wunder.

Danach tunneln wir wieder.

Video Tunnelfahrt

Dieses Mal deutlich sicherer und entspannter, die vielen kleinen Schleusen waren eine gute Übung! Wir kehren im Hafen in Niderviller zum Mittag ein und wollen noch mal zu „Cora“, das eine oder andere ist dann doch alle geworden.

Mittagessen im Heimathafen.

Wir starten um 16 Uhr die Weiterfahrt ganz entspannt in die andere Richtung. Ab hier fährt nur noch Johannes 😊

Johannes, der Papa (55):

Ich habe bisher keinen Bootsführerschein, fahre aber gern und viel lieber auf den langen, geraden Kanälen von Niderviller Richtung Saarland. Da kann ich gut auf den „Mittelpunkt am Ende des Kanals“ zielen und bekomme auch bei voller Fahrt mit kleinen Bewegungen des Heckruders ein gutes Gefühl, wie sich so ein Boot von 12,80 Meter im Wasser steuern lässt. Auch die absichtlich verengten Einfahrten unter Brücken oder vor Ortschaften sind bald kein Problem mehr für mich. Herausfordernd ist immer Gegenverkehr, aber alle sind rücksichtsvoll und entspannt. Am schönsten ist das „Flow-Gefühl“, wenn bei voller Fahrt im Gegenwind mir die Schatten der Äste auf dem Kormoran-Dach suggerieren, das Boot würde gar nicht fahren. Es ist wie Fliegen!

Wir legen nach zwei Stunden an einer hübschen Stelle am Kanal an, die Kinder steigen aus, spielen Ball und erkunden das Ufer. Die Sonne verwöhnt uns und so gehen wir erst mit der Dunkelheit hinein.

 

 

Ein sagenhafter Sternenhimmel leuchtet durch die Kojenfenster! Wir lesen noch ein bisschen und schlummern dann schnell ein.

Freitag und Samstag

Der Morgen beginnt immer mit einer warmen Dusche und duftendem Kaffee.

Herbstferien mit Morgendusche auf der Badeplattform!

Unsere Fahrt führt uns die beiden Tage mit nur einer Schleusen (Ecluse 1) durch zahlreiche hübsche Kanäle. Dabei fahren wir sogar über eine Straße hinweg und schauen auf die Autos unter uns.

Kanalbrücke über eine Landstraße

Irgendwie witzig ist zudem die Fahrt durch einige große Seen, Etangs genannt, wobei man immer im Kanal bleibt, also eine Kanalfahrt durch einen See! Ankern auf dem See geht deshalb nicht. Die Seen sind an der höchsten Stelle des Rhein-Marne-Kanals und versorgen den Kanal mit Wasser.

Die Sonne scheint, es ist sehr schön warm, zeitweise spannen wir sogar den Sonnenschirm auf.

Die letzte Nacht verbringen wir an einer großen Wiese, wo noch einmal kräftig Ball gespielt wird. Leider kullert dieser ins Wasser, so dass einer von uns nun doch noch Baden gehen muss. Johannes opfert sich und rettet den Ball. Abbaden!

Abbaden! Mehr oder weniger freiwillg …

Abends wird noch mal ausgiebig gewürfelt und Karten gespielt,

bis wir dieses Mal kurz nach der Dunkelheit schon schlafen gehen.

Samstag

Mittags um 13.30 Uhr erreichen wir unseren Heimathafen. Wir hatten auf der Rückfahrt schon alles zusammen gepackt, so dass wir schon um 14 Uhr die Schlüssel abgeben und die Heimreise nach Mecklenburg antreten können.

Es war mal wieder ein cooler Kuhnle-Urlaub!

 

Alle Infos zu Ihrem Hausbooturlaub in Frankreich  

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Von Dagmar Kuhnle

Am 5. Oktober 2018 gab es im Hafendorf Müritz Grund zum Feiern: Im Dachstuhl des ersten Gebäudes der Marina Müritz Apartments baumelte der Richtkranz und Harald Kuhnle durfte als Mit-Bauherr den symbolischen letzten Nagel in den Dachstuhl einschlagen, was das Ende des Rohbaus symbolisiert. Direkt daneben wartet schon das zweite Gebäude auf den Dachstuhl und ein paar Meter weiter legten Mit-Bauherr Christian Langhoff und Kuhnle den Grundstein für weitere zwei Gebäude. „Wenn alles nach Plan läuft“, so Christian Langhoff, „stehen hier im Sommer 2019 vier Häuser mit zusammen 20 schönen Ferienapartments mit Blick auf Müritz und Classee.“

Über den Dächern des Hafendorf Müritz: Richtkranz des ersten Apartmentgebäudes der Marina Müritz Apartments

Wie kam es dazu?

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

Kaum ein Zitat passt besser auf das Hafendorf Müritz, als das von Goethe. Wissen Sie noch, wie es im Hafendorf Müritz vor über 20 Jahren aussah?

Werftgelände Ex-VEB Schiffswerft Rechlin
Das ehemalige Werftgelände des VEB Schiffswerft Rechlin (Luftbild von 1995).

Hallen, mehr oder weniger ansehnlich, der große Turm mittendrin, eine große, halb kaputte Sliprampe aus Beton – an Beton war überhaupt so einiges da. „Steine, aus denen ich etwas bauen konnte, waren in der Tat genug vorhanden“, schildert Harald Kuhnle seinen ersten Eindruck. „Tja, ich wollte aber eigentlich Boote bauen. Beton verwendet man da als Baustoff eher selten.“

Alle hatten sie hier gebaut: Seit 1917 die Erprobungsstelle, in der DDR eine Werft. Ein Wrack lag auch noch im Claassee, das hatte beide überdauert.

Gab es hier schlechte Vorzeichen, die Kuhnle davon hätten abhalten sollen, das Gelände zu übernehmen?

„Aufgeben war keine Option“ – Harald Kuhnle berichtet während der Feier vom auf und ab im Hafendorf Müritz.

„Jede Menge! Altlasten im Boden, 1100 ehemalige gefrustete Mitarbeiter des VEB Schiffswerft Rechlin, die Tatsache, dass ich als Maschinenbauingenieur in der Immobilienwelt höchstens als Lehrling durchgegangen wäre, fehlende Ahnung von allem, was nicht mit Maschinenbau, Wassersport und Tourismus zu tun hatte.“

Der letzte Nagel sitzt. Kritisch beäugt Mit-Bauherr und Rechtsanwalt Christian Langhoff (rechts), wie Harald Kuhnle den letzten symbolischen Hammerschlag ausführt.

Mit 41 Jahren war Harald Kuhnle plötzlich Besitzer einer Industriebrache und hatte ein paar Millionen Schulden. Er hatte das Gelände der ehemaligen Schiffswerft 1997 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Es gibt nichts zu beschönigen: Dieses Projekt hätte ihn fast ruiniert. Umweltausgleichsmaßnahmen, die Armleuchteralge, das Arbeitstempo in den Behörden, die eine oder andere Wirtschaftskrise, eine echte Bombe unter einem Hallenfundament, manch Stein legte sich ihm gut getarnt in den Weg.

Grundstein für die Gebäude 3 und 4. In einer Werkzeugkiste liegen sicher verpackt und vergraben Urkunden und Dokumente vom Tag der Grundsteinlegung.

Aufgeben war für Kuhnle keine Option. „Es hing nicht nur meine eigene Existenz am Erfolg dieses Projektes, sondern auch die von 80 Mitarbeitern und ihren Familien. Es blieb nur: Dranbleiben, durchhalten, langsam dicke Bretter bohren, hin und wieder ein Gericht bemühen, kämpfen.“ Er habe nie den Glauben an das Grundstück verloren.

Häfen waren immer der Dreh und Angelpunkt von wirtschaftlicher Entwicklung. Hier hatten KUHNLE-TOURS und Kuhnle Werft einen geschützten Hafen und vor der Tür den größten Binnensee Deutschlands. Verbunden mit 1700 Kilometern sensationell schöner Wasserwege. Harald Kuhnle blickt zurück: „Vielleicht war ich der einzige, der das touristische Potenzial dieser Fläche erkannt hat. Ein Vorteil, sicher. Aber zwischendurch wäre es nett gewesen, wenn ein großer Hotelkonzern oder ein Touristik-Riese das auch erkannt hätte. Naja, es ging auch so.“ Immer mehr einzelne Investoren ließen sich vom Sonnenuntergang an der Müritz begeistern, so ging es Stück für Stück voran.

Mit-Bauherr Langhoff: Lob und Dank für die Baufirma Gottfried Maag aus Teterow und den Bauleiter Thomas Maehl.

Am Freitag, 5. Oktober feierte Kuhnle zusammen mit Mitarbeitern, Freunden, Gästen und Geschäftspartnern Richtfest für die ersten beiden Gebäude der Marina Müritz Apartments und legte den Grundstein für die Bebauung der letzten Baulücke direkt am Wasser. Die Besonderheit der Marina Müritz Apartments ist, dass hier der Grundstückseigentümer als Mit-Bauherr wirkt. Harald Kuhnle ist mit dem Projektentwickler Frank Behn und dem Rechtsanwalt Christian Langhoff aus Stralsund eine Kooperation eingegangen, die nun ihre Früchte zeigt.

Makler und Investor: Carsten Scholz (rechts) von Engel & Völkers hat ein eigenes Haus im Hafendorf und erzählte warum sich das Investment an der Müritz lohnt.

Während in den Städten die Wohnungspreise explodieren und andere Ferienimmobilienentwickler an der Müritz die zu erwartende Wertsteigerung gleich beim Erstverkauf mit ansetzen, sind die Preise der Marina Müritz Apartments eher moderat: Ab 177.310 Euro brutto (149.000 € netto) zahlt man für ein knapp 60 Quadratmeter großes Apartment mit Wasserblick. Auf Wunsch übernimmt die Kuhnle-Group auch Vermarktung und Bewirtschaftung des Apartments.

Dichter am Wasser geht nicht: Vorn links im Bild vom Haus 1 ist ein Stückchen Hafenkante und ein Segelboot zu sehen.

Die Entwicklung des Hafendorfs Müritz zum wassertouristischen Zentrum der Südmüritz schreitet damit wieder ein Stück weiter voran. Seit Anfang 2002 ist aus einer Industriebrache in Traumlage nach und nach ein Feriendorf mit großem Wassersportangebot, Werftservice und dem besten Sonnenuntergang an Deutschlands größtem Binnensee geworden.

Aber: Es sind noch nicht alle Steine verbaut. „Wir hoffen immer noch auf einen Hotelinvestor, außerdem könnte man einige der noch vorhandenen Hallen durch weitere Apartmenthäuser ersetzen.“

 

Weitere Bilder und eine Webcam finden Sie in unserem Bautagebuch auf www.marina-mueritz.eu

Blick auf den Claassee und die Marina Müritz vom Penthouse aus.

 

Sängerin Anke Schüler kam aus der nördlichen Müritz mit Gitarre und Shanties.

 

Besuch auf der Baustelle: Das Richtfest wurde von den Gästen genutzt, um sich das Apartmenthaus genau anzusehen.

 

Lecker. Das Team vom Captains Inn und die Chartercrew hatten die Baustelle gastfreundlich hergerichtet.

 

Marina Müritz Apartments: Die Bauplätze für Haus 3 und 4 sind schon abgesteckt.

 

An die Schippe! Harald Kuhnle und Christian Langhoff bedecken den Grundstein mit Erde.

 

Gäste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Hamburg Berlin waren zur Richtfest-Grundstein-Feier an die Müritz gekommen.

 

Zur Begrüßung gab es von Azubi Ravshan Sharifov ein Glas Cremant von der Mosel.
Im Winter durch Berlin

Im Winter durch Berlin

O5. Februar 2OI8 (Tag1)

I2:45 Uhr Wir verlassen die Mecklenburgische Seenplatte und freuen uns auf BERLIN. Das Wetter wird traumhaft: Sonne, Sonne, Sonne und schön knacke kalt.

Die Kinder freuen sich riesig und haben alles eingepackt: vom Kuscheltier bis zum Schachbrett.

Berlin, Rummelsburg, Citymarina, gleich neben der Hafenküche Berlin:

I5 Uhr Wir sind an Bord unseres Lieblingsschiffes, einer KORMORAN , diesmal eine 1150 (das heißt, dass das Boot 11,50 m lang ist und damit wunderbar groß, damit alle Platz haben.)
Die Jungs von der Marina sind total unkompliziert, berlinerisch freundlich und wir haben Spaß an Bord zu gehen.
Neben dem Charterboot – alles voll mit Hausbooten, auf denen es sich einige Berliner gemütlich gemacht haben und hier auch den Winter verbringen.

Wir packen aus und ein und genießen das maritime Ambiente. Nun erst mal einen Bordschluck: leckerer Sekt und das Gute: die Eiswürfel finden sich auf Deck: Außentemperatur minus 2 Grad.

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Wir sind schon viel mit der Kormoran auf den Mecklenburger Seen unterwegs gewesen, Berlin ist neu für uns. Und wir haben etwas Respekt: vor der Schifffahrt, den Schubverbänden, den nicht bekannten Wasserstraßen. Deshalb soll die Probefahrt im Winter sein, wenn nicht so viel los ist.

Sonnenuntergang ist um 16.30 Uhr. Wir beschließen deshalb die erste Nacht im Hafen zu verbringen. Ein schöner Sonnenuntergang verspricht gutes Wetter für morgen. Die warmen Sachen liegen parat, Mütze, Schal, Handschuhe, da kann es morgen gerne kalt werden.

Die Vorräte sind ausreichend, so dass wir beim nahe gelegenen Supermarkt morgen mit dem Schiff nicht anhalten brauchen. Es ist erst mal alles dabei.

Die Tochter malt

der Sohn hat es sich in der Kinderkoje mit seinen Kuscheltieren gemütlich gemacht.


Wir quackeln und freuen uns auf die gemeinsamen Winterferien!
Die Heizung läuft lautlos, es ist gemütlich warm, wir haben extra Zudecken, so dass niemand frieren kann. Die Kinder schlafen gemeinsam und wir trinken noch ein Glas Rotwein, zusammen mit einem Schulfreund, der zufällig nebenan im Kletterpark unterwegs war. Es gesellt sich noch ein weiterer Schulkamerad dazu, der schon immer mal auf so ein Boot wollte. Wir berichten von vergangenen Schiffstouren und genießen das gemütliche Beisammensein…

O6. Februar 2OI8 (Tag 2) 

Die Sonne scheint und es geht los. Ganz langsam! 10 m nach vorne, leicht nach rechts, das Schiff steuert sich einwandfrei, ganz ruhig passieren wir die Berliner Hausbootbesitzer, grüßen heftig und schon sind wir raus aus dem Hafen und fahren auf der Treptower Spree.
Wir haben uns abends entschieden über den Teltowkanal bis nach Potsdam zu fahren und dann über den Wannsee zurück durch Berlin nach Rummelsburg, wir haben ca. 4-5 Tage Zeit…
Der Teltowkanal überrascht uns positiv, er ist breit, kaum Verkehr, Sohnemann ist mit an Deck

und gemütlich eingepackt schippern wir die malende Tochter und den schachspiel-aufbauenden Vater

in Richtung Potsdam vorbei an den „Weinbergen von Berlin“,

durch alte Brücken bis zur Schleuse Keinmachnow – cooles Teil.

Gegen 17 Uhr sind wir am Griebnitzsee

– traumhafte Villen reihen sich hier aneinander und wir beschließen hier Anker zu werfen und diesen Anblick zu genießen. Es ist extrem ruhig!

Auf dem gesamten Teltowkanal kam uns nicht ein Boot entgegen, ausser 2 Schubverbänden. Ein dunkelblauer Himmel, malerischer Sonnenuntergang,

der Mond leuchtet hell – ein Traum! Und wir schauen (zum ersten Mal an Bord, obwohl wir schon seit ca. 5 Jahren Bootsurlaub machen) „Traumschiff“. Der Fernseher machts möglich! Sonst sind wir auch ohne gut ausgekommen. Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Königsberger Klopse: auf dem Boot gibt es das, was es sonst zu Hause nicht gibt: angerührten Kartoffelbrei, Königsberger Klopse aus der Büchse, Flammkuchen aus dem Kühlregal… Man kann natürlich auch richtig kochen, die Küche lässt an nichts zu wünschen übrig, aber wir haben ja Urlaub! Wir spielen „Name, Stadt, Land“, Schach, ein bisschen wird auch geübt: die unregelmäßigen Verben, sowohl in Deutsch für den Drittklässler, als auch in Englisch mit Mausi aus der 6. Klasse.

7. Februar 2018

10 Uhr krabbeln wir an Deck: die kalte Luft, der Duft des Kaffees, mehr geht nicht.

Nachts waren es minus sieben Grad, das Eis gefriert schon am Ufer, aber durch die Strömung, ist es gut befahrbar. Vor dem Kaffee geht es für meinen Mann in das kalte Nass.

Frühstück:

Ab in die warmen Klamotten und in Zeitlupentempo passieren wir die Villen.

Natürlich könnten wir auch von unten steuern, aber die klare kalte Luft ist zu verführerisch. Alles liegt ganz ruhig vor uns. Töchterchen malt wieder.

Die Männer spielen Schach.

Wir sind in Potsdam! Babelsberg begrüßt uns mit seinem schönen Park, dem Schloss. Da die Bäume keine Blätter tragen, sieht man sehr gut die baulichen Anlagen!
Zuerst fahren wir weiter in Richtung Schwielowsee, aber irgendwie ist es hier nicht so spektakulär und außerdem kommen gen Süden Wolken auf, so dass wir hinter der Fährstelle wenden und Kurs nehmen in Richtung Glienicker Brücke – für uns Ossis immer noch ein Thema und ein besonderer Ort.

Direkt unter der Brücke halten wir an und nehmen noch den älteren Sohn mit Frau und Enkelkind (ein Jahr) an Bord.

Wir begegnen langen Schubverbänden.

Weiter geht’s gen Norden in den Krampnitzsee. Wir passieren die alten Wach- und Grenzposten, Erinnerungen …. Es gibt Kaffee und Stracciatella-Kuchen. Graureiher, Kormorane, … Wir genießen die Vogelwelt!

Es ist 16 Uhr, die Dämmerung lässt nicht lange auf sich warten.

Wir bringen die kleine Familie zurück zur Glienicker Brücke und fahren in der wunderschönen Abendsonne weiter zur Pfaueninsel.

16.45 Uhr ist die Sonne weg, wir ankern. Die Kinder lieben das Ankern: wie tief ist es: am westlichen Ufer 15 m, 16 m , es wird immer tiefer, obwohl das Ufer näher kommt. Und ach ja in der Karte steht es auch, Achtung „Kante“, also erst extrem tief und dann extrem flach. Wir verlassen die Wasserstraße in Richtung Pfaueninsel. Hier wird es langsam flacher: 5, 4, 3 m. Manchmal geht es ganz schnell, aber wir fahren ja langsam. Bei 3 m wird der Anker runter gelassen, das Boot dreht sich in den leicht wehenden Wind. Wir stehen neben der Wasserstraße und es wird langsam richtig kalt draußen. Ab und an schaukelt das Boot ganz leicht, denn ein Schubverband kommt vorbei. Heute Nacht soll es minus 13 Grad werden! Mal sehen, ob es warm bleibt. Wie immer spielen wir abends zusammen, lesen uns Geschichten vor und gegen 20 Uhr liegen alle gemütlich in der Falle, heute sicherheitshalber unter 2 Decken.


8. Februar 2018 (Tag 3)

Alle haben gut geschlafen, draußen ist der See leicht gefroren, aber die Eisdecke beginnt sich langsam zu schließen. Nächste Nacht werden wir auf jeden Fall wieder in der Stadt verbringen: Da ist es deutlich wärmer. Wir wollen starten, aber die gesamte Bordenergie ist in diesem Moment weg. Da haben wir wohl zu lange die Batterien verbraucht. Aber egal, es gibt ja immer einen Notknopf. Nach rechts drehen wie beim Starten nur viel weiter rum. Damit springt der Motor verlässlich an. Er blubbert ganz zufrieden. Wir kochen Kaffee und Kakao für die Kinder. Wir trinken den Kaffee mit Mütze an Deck, die Kinder den Kakao gemütlich im Bett. Diese Morgenstunden sind einfach immer unvergesslich schön! Heute kühlt sich niemand im Wasser ab. Wir kuscheln dann noch in den Kojen zusammen: Familienkuscheln! Und nach warmen Brötchen mit Honig geht’s los – ab in die Hauptstadt.

Mitten durch Berlin! Im Radio läuft (nicht ganz leise) coole Musik. Wir nähern uns der Urbanität.
Wir fahren über den Wannsee!
Dann kommt eine Schleuse. Wir werden freundlich empfangen! Das Schleusen geht einfach, und noch einfacher jetzt, wenn keine anderen Boote mitschleusen. Die Kinder helfen stolz und routiniert. Schon geht’s weiter.

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Berlin von der Wasserseite aus kennenlernen – eine völlig neue, begeisternde Perspektive. Man sieht moderne Bauten, kleine Häfen, dann wieder Industrielandschaften, Kräne, riesige Baustellen, wohin man schaut.

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Dann wieder die Rückseite von Kaffees mit ihren Terrassen direkt am Wasser (zur Zeit natürlich nicht besetzt, weil – WINTER, aber man kann sich vorstellen, was hier im Sommer los ist.) Ganz anders als in Mecklenburg, wo die Natur einmalig besticht, sind es die Bauten hier. Das Wetter ist traumhaft, die Sonne scheint, viele Menschen sind an den Ufern unterwegs. Alle winken, grüßen, wollen mit aufsteigen. Wir genießen die Musik, das urbane Umfeld und die Möglichkeit fast lautlos ganz langsam durch die durchaus niedrigen Brücken zu gleiten.

Die Kinder sind auch begeistert. Sie holen sich die Decken raus, legen sich auf das Deck und wollen nichts verpassen.

Wir sind wohl die Einzigen – außer ein bisschen Berufsschifffahrt – kaum zu glauben! Dann kommt der spannendste Teil: das Kanzleramt! Ganz langsam gleiten wir an der „Machtzentrale“ vorbei.

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Die Architektur ist beeindruckend! Der Reichstag!

Und dann die Museumsinsel: das Bode-Museum direkt vor uns,

das Pergamonmuseum rechts neben uns,

der Berliner Dom, mächtig gewaltig und wir genau daneben.

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Linkerhand sieht man den Fernsehturm,

dann eine knappe Stunde später die Oberbaumbrücke direkt vor uns.

16.50 wir sind wieder in unserem Hafen Citymarina in Rummelsburg. Wieder bei traumhaftem Sonnenuntergang!

Wir haben ein bisschen Angst vor dem „Einparken“, aber dank Bugstrahlruder gelingt es uns ganz langsam rückwärts einzuparken. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich, obwohl wir uns doch eigentlich nicht kennen. Aber auf und am Wasser sind alle eine große Familie.

9.Februar 2018 (Tag 4)

Der zweite große Bruder kommt an Bord und so starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück gemeinsam in Richtung Müggelsee.

Die Nacht war wieder sehr kalt, die Eisdecke beginnt zuzufrieren. Wie ein hauchdünnes Glas.

 

Vorbei am Köpenicker Schloss fahren wir bis zur Regattastrecke,

 

dort wird das Eis dicker und wir beschließen ganz langsam die Heimreise anzutreten. Wir kommen uns vor, wie auf einem kleinen Eisbrecher, sind aber ganz froh, dass die Schollen noch keine geschlossene Eisdecke bilden. Es gibt lustige klirrende Geräusche.
Zurück im Hafen wird mittlerweile schon gekonnt 😉 eingeparkt. Wir laden aus, verabschieden uns von den Jungs von der Marina und treten glücklich die Heimreise an!
Berlin, du hast dich von deiner schönsten Seite gezeigt und wir durften dabei sein – vielen Dank!

Rotkäppchen-Story

Rotkäppchen-Story

Wenn man die neue Pirate 1200 G mit ihrem roten Dach so sieht, denkt man spontan an Rotkäppchen. Doch eigentlich stand bei der Entwicklung unseres flippigen Gruppentransporters ein anderes Märchen Pate …

„Nein, das mit Rotkäppchen stimmt nicht“, lacht Herbert Pöggel, „fehlt ja schon mal der Wolf.“ Der Neubauchef der Kuhnle Werft sinniert ein Weilchen, wie es so Mecklenburger Art ist, bevor man etwas sagt: „Wenn ich daran denke, wie wir angefangen haben, ist das eher die Geschichte vom hässlichen Entlein.“

Vor 25 Jahren, 1993, als der Wassertourismus im Mecklenburg (und – seien wir ehrlich – auch im Rest der Republik) noch in den Kinderschuhen steckte, wollte alle Welt auf der Müritz Boot fahren. Die Mauer war gerade erst gefallen, Hotels und Restaurants gab es noch nicht viele und wenn dann mit eher rustikalem Charme. Zwar hatte Kuhnle-Tours schon im April 1991 eine Basis in Waren aufgemacht, aber es gab zu wenig Boote. Daher gab Harald Kuhnle, neben der eigenen Kormoran-Baureihe, bei der holländischen Werft vetus eine ganze Reihe GFK-Binnenboote in Auftrag. Daraufhin prägten auch die weißen Boote mit den markanten türkisgrünen Streifen und den grünen Fenstern das Bild, das man sich vom Hausbootfahren machte.
1993 kam auch die „Bachforelle“ aus Holland in Waren an. Eine vetus 1200 K 3, das heißt zusätzlich zu den beiden Achterkabinen gab es noch eine kleine Kabine mit Stockbetten mittschiffs. Da man sich schon sehr anstrengen muss, um ein Boot aus Glasfaserverstärktem Kunststoff kaputt zu kriegen, ist der Rumpf auch nach 25 Jahren noch bestens in Ordnung. Aber am Rest des Bootes hatte der Zahn der Zeit genagt.
Im Winter 2017/18 überlegte Harald Kuhnle zusammen mit Neubauchef Herbert Pöggel und Charterchef Daniel Wahl, was man mit dem Hobel anstellen sollte. Verkaufen und nie wieder sehen? Vorher ein bisschen aufhübschen? „Wenn wir da erst mal bei gehen, kann man es auch gleich ordentlich machen“, sagt Pöggel. Was er damit meinte? „Zurückversetzen in den Rohbauzustand und alles neu!“Umbau der Pirate 1200 G - Renovierung des Bootes
Die olle vetus kam in die Halle und die Werft fing erst mal mit roher Gewalt an: Alles kam raus. Seitenwände, Zwischenwände, Boden, Leitungen für Gas, Wasser, Abwasser, Strom, Regenwasser, Kühlwasser. Türen, Kojen, Küche, Kühlschrank, Toiletten, Schränke, Bänke, Tische, Polster, Gardinen, Heizung, Motor, Pumpen, Lampen, Batterien – um das Boot herum sammelte sich ein Wall von Schrott, aufgequollenen Spanplatten und noch teilweise brauchbaren Teilen an. Gleichwohl dachte Pöggel dran, von vielen Möbeln die Maße zu nehmen, damit man sie leicht nachbauen konnte. Diesmal aus den wasserfesten Schichtstoffplatten, die die Werft für den Innenausbau nimmt.


Gleichzeitig dachte das Marketing gemeinsam mit dem Chef über ein neues Bootskonzept nach. Es gibt eine gewisse Nachfrage nach großen Booten für Gruppen. Allerdings kann sich kaum eine Schulklasse oder ein Sportverein eine Kormoran 1500 für eine Woche leisten. In der Budget-Linie fehlte ein geräumiger Gruppentransporter für kleines Geld, die zwei vorhandenen vetus 1500 reichen da kaum aus.
Gemeinsam mit Tischler-Guru Roland Mielke (der sich in der Kuhnle Werft um die ganz fiegelienschen Sachen kümmert) stand die Führungsetage in der leeren Plastikschüssel. Die Zwischenwand achtern verschieben? Ganz weglassen? Eine Nasszelle einsparen? Den Salon verkleinern? Mielke (oder war es jemand anders?) hatte schließlich die Idee: Wir lassen die Kabinen wie sie sind, aber über das Doppelbett in der Backbordkabine passt noch eine Querkoje. Vier Mann in einer Bude? „Auf russischen Großseglern teilen sich 12 Mann eine Kabine die nicht viel größer ist“, berichtete die Markting-Kollegin. „Schon klar, aber sind die alle freiwillig an Bord? Bootfahren soll ja auch Spaß machen“, warf der Chef ein.
Dann setzte das große Wünsch-Dir-was ein. Jedes Gewerk (und jeder, der mal in der leeren Plastikschüssel vorbeischaute) schlug das vor, was er schon lange mal in ein Boot einbauen wollte.
„Indirekte LED-Beleuchtung, energiesparend und schick!“
„Zwei Querstrahlruder, eins vorn und eins achtern!“
„Komplett neue Fenster! Gleich fertig mit passenden Moskitonetzen für die Bullaugen!“
„Steckdosen mit USB-Buchsen um Handys einfach laden zu können! Überall im Boot!“
„Elektrische Toiletten!“
„Und überall Belüftungen! Nach draußen!“ (Wer denkt, das Belüftungen immer nach draußen führen müssen, hat noch nie ein holländisches Schiff auseinandergebaut …)
„Sitzbänke mit Schubladen!“
„Stauraum hinter den Rückenlehnen, wie auf einer Segelyacht!“
„Zwei Kühlschränke!“
„Solarpaneele.“
„Außendusche!“
„Nur noch gute Schichtstoffplatten, kein Flachpress mehr!“
„Keine Küchenschränke mit Türen, nur noch Auszüge!“
„Und Außen machen wir das olle Grünzeug ab.“
„Auja schick! Lieber dunkelblaue Streifen!“
„Nee, ganz weiß!“
„Und das Dach kommt erdbeer-rot! Und innen die Zierleisten in bunt!“
„Was für eine blöde Idee! Wer hat das gesagt?“
„Chef!“
„Au weia!“

Wochenlang stand die künftige Pirate 1200 G in der Halle auf einem Neubauplatz. 2064 Arbeitsstunden verbrachten die unterschiedlichsten Spezialisten auf dem Boot. Irgendwann war der Fußboden drin, die Kabinenwände wieder gestellt, jetzt war der Salon dran. Die große Frage: Wie schaffe ich Schlafplatz für drei Mann UND eine Sitzgruppe, an der 12 Menschen sitzen können. 12! Jeder braucht sechzig Zentimeter Platz. Macht 7,20 laufende Meter Tischkante. Oder zwei Mal 3,60 Meter. Und dann müssen ja noch 2 Kühlschränke, Backofen, Spüle, Geschirrschrank untergebracht werden. „Soll da denn auch noch ein Fahrstand rein?“, fragte mit Unschuldsmine Tischler Mielke.
Doch wie sprach einst Hölderlin? „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ So war es dann Roland Mielke, der die Lösung fand: „Wir lassen das Sofa weg und bauen hier rechts die Küchenzeile und den Fahrstand ein. Dann haben wir die ganze andere Seite für eine lange Sitzbank um die Ecke frei.“
„Gut“, sprach der Chef und verschwand. An einer genialen Idee gibt es nichts zu diskutieren.


Weihnachten kam und ging, in der Pressemitteilung für die boot in Düsseldorf wurde die 1200 G schon mal vorgestellt und – obwohl noch niemand exakt sagen konnte, wann sie wirklich fertig sein würde – wurde das Boot natürlich schon ins Buchungssystem eingespielt. Die erste nicht-upgradefähige Buchung hatte die Reservierung für den 27. April angenommen. An diesem Tag würde keine Kormoran 1500 frei sein, auf die man die Crew notfalls upgraden könnte. Deadline!
Selbstverständlich gab es noch einen Haufen Probleme. Sitzpolster kann man eigentlich erst zuschneiden, wenn man weiß, welche Maße sie haben sollen, also wenn die passende Bank dafür gebaut ist. Und hat einer dran gedacht, auch neue Gardinen zu bestellen? Wieso ist das Charterlager gerade jetzt ohne Reservedecken und Kissen? Zwischendurch sortierten die Lager-Azubis den Abraumwall neben dem Boot durch, räumten noch für andere Boote geeignete Ersatzteile ins Lager (die süßen kleinen Lämpchen mit dem Anker auf dem Lampenschirm!), schafften die mürben Spanplatten in den Holzabfall, wuschen Gardinen und Polsterbezüge (man weiß ja nie), hoben auf, was noch irgendwie zu gebrauchen war (und sei es zu Ausbildungszwecken für die Mechatroniker) und entsorgten den Rest.
Zwischendurch kamen die schönen neuen Alufenster und das Bedauern, dass man die vordere Schiebetür nicht doch mitbestellt hatte. Die leuchtete noch im alten vetus-türkis und sollte eigentlich einen witzigen Farbeffekt darstellen. Der stellte sich jedoch nicht ein, denn die vetus-typischen aufgeklebten grünen Streifen hatte Monika Großmann mit Fön und Spachtel Fitzel für Fitzel von der Bordwand gekratzt. Fensterrahmen in Türkis gab es auch nicht mehr. Aber dafür natürlich silberne Farbe, die man auf grünes Metall auftragen kann – mehr oder weniger dauerhaft. Also die Schiebetür steht schon für den nächsten Werftaufenthalt auf der Liste.

Am 27. April um kurz vor elf („Macht hin, die Chartergäste sind schon auf der Autobahn“) setzte der Travellift das neue Boot ins Wasser. Kaum dass die Kranlaschings locker saßen sprang auch schon Herbert Pöggel an Bord, verschwand im Inneren und tauchte kurze Zeit später mit den erlösenden Worten wieder auf:
„Na dicht isse schon mal.“

 

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Kinder-Tipp

Kinder-Tipp

Baden und Planschen
Die meisten Kinder lieben das Wasser und verlassen es nicht freiwillig bevor die Lippen blau und die Finger schrumpelig sind. Aber: Schwimmanfänger trauen sich manchmal nicht direkt vom Boot zu baden. Der große See ist eben doch ganz anders als das Freischwimmerbecken zu Hause. Wer nicht warten will, bis Fräulein Wasserscheu es von alleine zu warm an Deck findet und auch keine Lust hat, Herrn Ich-trau-michnicht mit dem Beiboot an den nächsten Strand zu rudern, für den gibt es folgende Tipps:

  • die Feststoff-Rettungsweste gibt Sicherheit, auch wenn man eigentlich schon das Seepferdchen hat
  • mit Taucherflossen schwimmt man schneller als Mama und Papa ohne, außerdem schützen geschlossene Flossen vor gefürchteten Igittigitt-Berührungen mit Wasserpflanzen
  •  mit Taucherbrille und Schnorchel können sich Kinder über das, was unter Wasser los ist, informieren und so eventuelle Ängste, eigentlich ja nur Ungewissheit, abbauen
  •  die Leine des Rettungsrings gut an Bord festmachen und  die Kinder mit dem Rettungsring baden lassen oder an der Leine des Rings entlang schwimmen lassen (Beckenrandeffekt)
  •  und vor allem: Selber mit reinspringen, tauchen, lachen Spaß haben, wer will da schon alleine an Deck bleiben?

Wenn gar nichts hilft: Planschbecken aufs Achterdeck oder Beiboot an Deck(!) stellen und fluten.

Hilfe! Papa allein an Bord!

Hilfe! Papa allein an Bord!

Na, wir wollen mal nicht übertreiben. Wenn eine Familie ein gutes Team ist (oder werden will) müssen nicht unbedingt Mama und Papa gleichzeitig an Bord sein. Ein Bootstörn macht Kindern auch Spaß wenn sie nur mit einem Elternteil (oder Großelternteil) unterwegs sind. Insbesondere größere Kinder übernehmen gerne auch echte Verantwortung an Bord und können beim Festmachen genauso gut wie ein Erwachsener einen Knoten machen. Gerade für eine Mama oder einen Papa, der oder die sonst nicht viel Zeit mit ihren Kindern verbringen kann, sind Bootsferien perfekt:

Kleine Matrosen sind willkommen

Kleine Matrosen sind willkommen

Ob mit der Großfamilie oder nur mit Mama und Papa, Hausbooturlaub ist für den Nachwuchs etwas ganz Besonderes. Der Aufenthalt auf und am Wasser regt die Fantasie ebenso an, wie er für den Umgang mit dem nassen Element sensibilisiert. Auch die Natur im Wasser und am Ufer wird aus der Nähe für Kinder während einer Hausbootreise begreifbar.