Im Winter durch Berlin

Im Winter durch Berlin

O5. Februar 2OI8 (Tag1)

I2:45 Uhr Wir verlassen die Mecklenburgische Seenplatte und freuen uns auf BERLIN. Das Wetter wird traumhaft: Sonne, Sonne, Sonne und schön knacke kalt.

Die Kinder freuen sich riesig und haben alles eingepackt: vom Kuscheltier bis zum Schachbrett.

Berlin, Rummelsburg, Citymarina, gleich neben der Hafenküche Berlin:

I5 Uhr Wir sind an Bord unseres Lieblingsschiffes, einer KORMORAN , diesmal eine 1150 (das heißt, dass das Boot 11,50 m lang ist und damit wunderbar groß, damit alle Platz haben.)
Die Jungs von der Marina sind total unkompliziert, berlinerisch freundlich und wir haben Spaß an Bord zu gehen.
Neben dem Charterboot – alles voll mit Hausbooten, auf denen es sich einige Berliner gemütlich gemacht haben und hier auch den Winter verbringen.

Wir packen aus und ein und genießen das maritime Ambiente. Nun erst mal einen Bordschluck: leckerer Sekt und das Gute: die Eiswürfel finden sich auf Deck: Außentemperatur minus 2 Grad.

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Wir sind schon viel mit der Kormoran auf den Mecklenburger Seen unterwegs gewesen, Berlin ist neu für uns. Und wir haben etwas Respekt: vor der Schifffahrt, den Schubverbänden, den nicht bekannten Wasserstraßen. Deshalb soll die Probefahrt im Winter sein, wenn nicht so viel los ist.

Sonnenuntergang ist um 16.30 Uhr. Wir beschließen deshalb die erste Nacht im Hafen zu verbringen. Ein schöner Sonnenuntergang verspricht gutes Wetter für morgen. Die warmen Sachen liegen parat, Mütze, Schal, Handschuhe, da kann es morgen gerne kalt werden.

Die Vorräte sind ausreichend, so dass wir beim nahe gelegenen Supermarkt morgen mit dem Schiff nicht anhalten brauchen. Es ist erst mal alles dabei.

Die Tochter malt

der Sohn hat es sich in der Kinderkoje mit seinen Kuscheltieren gemütlich gemacht.


Wir quackeln und freuen uns auf die gemeinsamen Winterferien!
Die Heizung läuft lautlos, es ist gemütlich warm, wir haben extra Zudecken, so dass niemand frieren kann. Die Kinder schlafen gemeinsam und wir trinken noch ein Glas Rotwein, zusammen mit einem Schulfreund, der zufällig nebenan im Kletterpark unterwegs war. Es gesellt sich noch ein weiterer Schulkamerad dazu, der schon immer mal auf so ein Boot wollte. Wir berichten von vergangenen Schiffstouren und genießen das gemütliche Beisammensein…

O6. Februar 2OI8 (Tag 2) 

Die Sonne scheint und es geht los. Ganz langsam! 10 m nach vorne, leicht nach rechts, das Schiff steuert sich einwandfrei, ganz ruhig passieren wir die Berliner Hausbootbesitzer, grüßen heftig und schon sind wir raus aus dem Hafen und fahren auf der Treptower Spree.
Wir haben uns abends entschieden über den Teltowkanal bis nach Potsdam zu fahren und dann über den Wannsee zurück durch Berlin nach Rummelsburg, wir haben ca. 4-5 Tage Zeit…
Der Teltowkanal überrascht uns positiv, er ist breit, kaum Verkehr, Sohnemann ist mit an Deck

und gemütlich eingepackt schippern wir die malende Tochter und den schachspiel-aufbauenden Vater

in Richtung Potsdam vorbei an den „Weinbergen von Berlin“,

durch alte Brücken bis zur Schleuse Keinmachnow – cooles Teil.

Gegen 17 Uhr sind wir am Griebnitzsee

– traumhafte Villen reihen sich hier aneinander und wir beschließen hier Anker zu werfen und diesen Anblick zu genießen. Es ist extrem ruhig!

Auf dem gesamten Teltowkanal kam uns nicht ein Boot entgegen, ausser 2 Schubverbänden. Ein dunkelblauer Himmel, malerischer Sonnenuntergang,

der Mond leuchtet hell – ein Traum! Und wir schauen (zum ersten Mal an Bord, obwohl wir schon seit ca. 5 Jahren Bootsurlaub machen) „Traumschiff“. Der Fernseher machts möglich! Sonst sind wir auch ohne gut ausgekommen. Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Königsberger Klopse: auf dem Boot gibt es das, was es sonst zu Hause nicht gibt: angerührten Kartoffelbrei, Königsberger Klopse aus der Büchse, Flammkuchen aus dem Kühlregal… Man kann natürlich auch richtig kochen, die Küche lässt an nichts zu wünschen übrig, aber wir haben ja Urlaub! Wir spielen „Name, Stadt, Land“, Schach, ein bisschen wird auch geübt: die unregelmäßigen Verben, sowohl in Deutsch für den Drittklässler, als auch in Englisch mit Mausi aus der 6. Klasse.

7. Februar 2018

10 Uhr krabbeln wir an Deck: die kalte Luft, der Duft des Kaffees, mehr geht nicht.

Nachts waren es minus sieben Grad, das Eis gefriert schon am Ufer, aber durch die Strömung, ist es gut befahrbar. Vor dem Kaffee geht es für meinen Mann in das kalte Nass.

Frühstück:

Ab in die warmen Klamotten und in Zeitlupentempo passieren wir die Villen.

Natürlich könnten wir auch von unten steuern, aber die klare kalte Luft ist zu verführerisch. Alles liegt ganz ruhig vor uns. Töchterchen malt wieder.

Die Männer spielen Schach.

Wir sind in Potsdam! Babelsberg begrüßt uns mit seinem schönen Park, dem Schloss. Da die Bäume keine Blätter tragen, sieht man sehr gut die baulichen Anlagen!
Zuerst fahren wir weiter in Richtung Schwielowsee, aber irgendwie ist es hier nicht so spektakulär und außerdem kommen gen Süden Wolken auf, so dass wir hinter der Fährstelle wenden und Kurs nehmen in Richtung Glienicker Brücke – für uns Ossis immer noch ein Thema und ein besonderer Ort.

Direkt unter der Brücke halten wir an und nehmen noch den älteren Sohn mit Frau und Enkelkind (ein Jahr) an Bord.

Wir begegnen langen Schubverbänden.

Weiter geht’s gen Norden in den Krampnitzsee. Wir passieren die alten Wach- und Grenzposten, Erinnerungen …. Es gibt Kaffee und Stracciatella-Kuchen. Graureiher, Kormorane, … Wir genießen die Vogelwelt!

Es ist 16 Uhr, die Dämmerung lässt nicht lange auf sich warten.

Wir bringen die kleine Familie zurück zur Glienicker Brücke und fahren in der wunderschönen Abendsonne weiter zur Pfaueninsel.

16.45 Uhr ist die Sonne weg, wir ankern. Die Kinder lieben das Ankern: wie tief ist es: am westlichen Ufer 15 m, 16 m , es wird immer tiefer, obwohl das Ufer näher kommt. Und ach ja in der Karte steht es auch, Achtung „Kante“, also erst extrem tief und dann extrem flach. Wir verlassen die Wasserstraße in Richtung Pfaueninsel. Hier wird es langsam flacher: 5, 4, 3 m. Manchmal geht es ganz schnell, aber wir fahren ja langsam. Bei 3 m wird der Anker runter gelassen, das Boot dreht sich in den leicht wehenden Wind. Wir stehen neben der Wasserstraße und es wird langsam richtig kalt draußen. Ab und an schaukelt das Boot ganz leicht, denn ein Schubverband kommt vorbei. Heute Nacht soll es minus 13 Grad werden! Mal sehen, ob es warm bleibt. Wie immer spielen wir abends zusammen, lesen uns Geschichten vor und gegen 20 Uhr liegen alle gemütlich in der Falle, heute sicherheitshalber unter 2 Decken.


8. Februar 2018 (Tag 3)

Alle haben gut geschlafen, draußen ist der See leicht gefroren, aber die Eisdecke beginnt sich langsam zu schließen. Nächste Nacht werden wir auf jeden Fall wieder in der Stadt verbringen: Da ist es deutlich wärmer. Wir wollen starten, aber die gesamte Bordenergie ist in diesem Moment weg. Da haben wir wohl zu lange die Batterien verbraucht. Aber egal, es gibt ja immer einen Notknopf. Nach rechts drehen wie beim Starten nur viel weiter rum. Damit springt der Motor verlässlich an. Er blubbert ganz zufrieden. Wir kochen Kaffee und Kakao für die Kinder. Wir trinken den Kaffee mit Mütze an Deck, die Kinder den Kakao gemütlich im Bett. Diese Morgenstunden sind einfach immer unvergesslich schön! Heute kühlt sich niemand im Wasser ab. Wir kuscheln dann noch in den Kojen zusammen: Familienkuscheln! Und nach warmen Brötchen mit Honig geht’s los – ab in die Hauptstadt.

Mitten durch Berlin! Im Radio läuft (nicht ganz leise) coole Musik. Wir nähern uns der Urbanität.
Wir fahren über den Wannsee!
Dann kommt eine Schleuse. Wir werden freundlich empfangen! Das Schleusen geht einfach, und noch einfacher jetzt, wenn keine anderen Boote mitschleusen. Die Kinder helfen stolz und routiniert. Schon geht’s weiter.

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Berlin von der Wasserseite aus kennenlernen – eine völlig neue, begeisternde Perspektive. Man sieht moderne Bauten, kleine Häfen, dann wieder Industrielandschaften, Kräne, riesige Baustellen, wohin man schaut.

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Dann wieder die Rückseite von Kaffees mit ihren Terrassen direkt am Wasser (zur Zeit natürlich nicht besetzt, weil – WINTER, aber man kann sich vorstellen, was hier im Sommer los ist.) Ganz anders als in Mecklenburg, wo die Natur einmalig besticht, sind es die Bauten hier. Das Wetter ist traumhaft, die Sonne scheint, viele Menschen sind an den Ufern unterwegs. Alle winken, grüßen, wollen mit aufsteigen. Wir genießen die Musik, das urbane Umfeld und die Möglichkeit fast lautlos ganz langsam durch die durchaus niedrigen Brücken zu gleiten.

Die Kinder sind auch begeistert. Sie holen sich die Decken raus, legen sich auf das Deck und wollen nichts verpassen.

Wir sind wohl die Einzigen – außer ein bisschen Berufsschifffahrt – kaum zu glauben! Dann kommt der spannendste Teil: das Kanzleramt! Ganz langsam gleiten wir an der „Machtzentrale“ vorbei.

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Die Architektur ist beeindruckend! Der Reichstag!

Und dann die Museumsinsel: das Bode-Museum direkt vor uns,

das Pergamonmuseum rechts neben uns,

der Berliner Dom, mächtig gewaltig und wir genau daneben.

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Linkerhand sieht man den Fernsehturm,

dann eine knappe Stunde später die Oberbaumbrücke direkt vor uns.

16.50 wir sind wieder in unserem Hafen Citymarina in Rummelsburg. Wieder bei traumhaftem Sonnenuntergang!

Wir haben ein bisschen Angst vor dem „Einparken“, aber dank Bugstrahlruder gelingt es uns ganz langsam rückwärts einzuparken. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich, obwohl wir uns doch eigentlich nicht kennen. Aber auf und am Wasser sind alle eine große Familie.

9.Februar 2018 (Tag 4)

Der zweite große Bruder kommt an Bord und so starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück gemeinsam in Richtung Müggelsee.

Die Nacht war wieder sehr kalt, die Eisdecke beginnt zuzufrieren. Wie ein hauchdünnes Glas.

 

Vorbei am Köpenicker Schloss fahren wir bis zur Regattastrecke,

 

dort wird das Eis dicker und wir beschließen ganz langsam die Heimreise anzutreten. Wir kommen uns vor, wie auf einem kleinen Eisbrecher, sind aber ganz froh, dass die Schollen noch keine geschlossene Eisdecke bilden. Es gibt lustige klirrende Geräusche.
Zurück im Hafen wird mittlerweile schon gekonnt 😉 eingeparkt. Wir laden aus, verabschieden uns von den Jungs von der Marina und treten glücklich die Heimreise an!
Berlin, du hast dich von deiner schönsten Seite gezeigt und wir durften dabei sein – vielen Dank!

Rotkäppchen-Story

Rotkäppchen-Story

Wenn man die neue Pirate 1200 G mit ihrem roten Dach so sieht, denkt man spontan an Rotkäppchen. Doch eigentlich stand bei der Entwicklung unseres flippigen Gruppentransporters ein anderes Märchen Pate …

„Nein, das mit Rotkäppchen stimmt nicht“, lacht Herbert Pöggel, „fehlt ja schon mal der Wolf.“ Der Neubauchef der Kuhnle Werft sinniert ein Weilchen, wie es so Mecklenburger Art ist, bevor man etwas sagt: „Wenn ich daran denke, wie wir angefangen haben, ist das eher die Geschichte vom hässlichen Entlein.“

Vor 25 Jahren, 1993, als der Wassertourismus im Mecklenburg (und – seien wir ehrlich – auch im Rest der Republik) noch in den Kinderschuhen steckte, wollte alle Welt auf der Müritz Boot fahren. Die Mauer war gerade erst gefallen, Hotels und Restaurants gab es noch nicht viele und wenn dann mit eher rustikalem Charme. Zwar hatte Kuhnle-Tours schon im April 1991 eine Basis in Waren aufgemacht, aber es gab zu wenig Boote. Daher gab Harald Kuhnle, neben der eigenen Kormoran-Baureihe, bei der holländischen Werft vetus eine ganze Reihe GFK-Binnenboote in Auftrag. Daraufhin prägten auch die weißen Boote mit den markanten türkisgrünen Streifen und den grünen Fenstern das Bild, das man sich vom Hausbootfahren machte.
1993 kam auch die „Bachforelle“ aus Holland in Waren an. Eine vetus 1200 K 3, das heißt zusätzlich zu den beiden Achterkabinen gab es noch eine kleine Kabine mit Stockbetten mittschiffs. Da man sich schon sehr anstrengen muss, um ein Boot aus Glasfaserverstärktem Kunststoff kaputt zu kriegen, ist der Rumpf auch nach 25 Jahren noch bestens in Ordnung. Aber am Rest des Bootes hatte der Zahn der Zeit genagt.
Im Winter 2017/18 überlegte Harald Kuhnle zusammen mit Neubauchef Herbert Pöggel und Charterchef Daniel Wahl, was man mit dem Hobel anstellen sollte. Verkaufen und nie wieder sehen? Vorher ein bisschen aufhübschen? „Wenn wir da erst mal bei gehen, kann man es auch gleich ordentlich machen“, sagt Pöggel. Was er damit meinte? „Zurückversetzen in den Rohbauzustand und alles neu!“Umbau der Pirate 1200 G - Renovierung des Bootes
Die olle vetus kam in die Halle und die Werft fing erst mal mit roher Gewalt an: Alles kam raus. Seitenwände, Zwischenwände, Boden, Leitungen für Gas, Wasser, Abwasser, Strom, Regenwasser, Kühlwasser. Türen, Kojen, Küche, Kühlschrank, Toiletten, Schränke, Bänke, Tische, Polster, Gardinen, Heizung, Motor, Pumpen, Lampen, Batterien – um das Boot herum sammelte sich ein Wall von Schrott, aufgequollenen Spanplatten und noch teilweise brauchbaren Teilen an. Gleichwohl dachte Pöggel dran, von vielen Möbeln die Maße zu nehmen, damit man sie leicht nachbauen konnte. Diesmal aus den wasserfesten Schichtstoffplatten, die die Werft für den Innenausbau nimmt.


Gleichzeitig dachte das Marketing gemeinsam mit dem Chef über ein neues Bootskonzept nach. Es gibt eine gewisse Nachfrage nach großen Booten für Gruppen. Allerdings kann sich kaum eine Schulklasse oder ein Sportverein eine Kormoran 1500 für eine Woche leisten. In der Budget-Linie fehlte ein geräumiger Gruppentransporter für kleines Geld, die zwei vorhandenen vetus 1500 reichen da kaum aus.
Gemeinsam mit Tischler-Guru Roland Mielke (der sich in der Kuhnle Werft um die ganz fiegelienschen Sachen kümmert) stand die Führungsetage in der leeren Plastikschüssel. Die Zwischenwand achtern verschieben? Ganz weglassen? Eine Nasszelle einsparen? Den Salon verkleinern? Mielke (oder war es jemand anders?) hatte schließlich die Idee: Wir lassen die Kabinen wie sie sind, aber über das Doppelbett in der Backbordkabine passt noch eine Querkoje. Vier Mann in einer Bude? „Auf russischen Großseglern teilen sich 12 Mann eine Kabine die nicht viel größer ist“, berichtete die Markting-Kollegin. „Schon klar, aber sind die alle freiwillig an Bord? Bootfahren soll ja auch Spaß machen“, warf der Chef ein.
Dann setzte das große Wünsch-Dir-was ein. Jedes Gewerk (und jeder, der mal in der leeren Plastikschüssel vorbeischaute) schlug das vor, was er schon lange mal in ein Boot einbauen wollte.
„Indirekte LED-Beleuchtung, energiesparend und schick!“
„Zwei Querstrahlruder, eins vorn und eins achtern!“
„Komplett neue Fenster! Gleich fertig mit passenden Moskitonetzen für die Bullaugen!“
„Steckdosen mit USB-Buchsen um Handys einfach laden zu können! Überall im Boot!“
„Elektrische Toiletten!“
„Und überall Belüftungen! Nach draußen!“ (Wer denkt, das Belüftungen immer nach draußen führen müssen, hat noch nie ein holländisches Schiff auseinandergebaut …)
„Sitzbänke mit Schubladen!“
„Stauraum hinter den Rückenlehnen, wie auf einer Segelyacht!“
„Zwei Kühlschränke!“
„Solarpaneele.“
„Außendusche!“
„Nur noch gute Schichtstoffplatten, kein Flachpress mehr!“
„Keine Küchenschränke mit Türen, nur noch Auszüge!“
„Und Außen machen wir das olle Grünzeug ab.“
„Auja schick! Lieber dunkelblaue Streifen!“
„Nee, ganz weiß!“
„Und das Dach kommt erdbeer-rot! Und innen die Zierleisten in bunt!“
„Was für eine blöde Idee! Wer hat das gesagt?“
„Chef!“
„Au weia!“

Wochenlang stand die künftige Pirate 1200 G in der Halle auf einem Neubauplatz. 2064 Arbeitsstunden verbrachten die unterschiedlichsten Spezialisten auf dem Boot. Irgendwann war der Fußboden drin, die Kabinenwände wieder gestellt, jetzt war der Salon dran. Die große Frage: Wie schaffe ich Schlafplatz für drei Mann UND eine Sitzgruppe, an der 12 Menschen sitzen können. 12! Jeder braucht sechzig Zentimeter Platz. Macht 7,20 laufende Meter Tischkante. Oder zwei Mal 3,60 Meter. Und dann müssen ja noch 2 Kühlschränke, Backofen, Spüle, Geschirrschrank untergebracht werden. „Soll da denn auch noch ein Fahrstand rein?“, fragte mit Unschuldsmine Tischler Mielke.
Doch wie sprach einst Hölderlin? „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ So war es dann Roland Mielke, der die Lösung fand: „Wir lassen das Sofa weg und bauen hier rechts die Küchenzeile und den Fahrstand ein. Dann haben wir die ganze andere Seite für eine lange Sitzbank um die Ecke frei.“
„Gut“, sprach der Chef und verschwand. An einer genialen Idee gibt es nichts zu diskutieren.


Weihnachten kam und ging, in der Pressemitteilung für die boot in Düsseldorf wurde die 1200 G schon mal vorgestellt und – obwohl noch niemand exakt sagen konnte, wann sie wirklich fertig sein würde – wurde das Boot natürlich schon ins Buchungssystem eingespielt. Die erste nicht-upgradefähige Buchung hatte die Reservierung für den 27. April angenommen. An diesem Tag würde keine Kormoran 1500 frei sein, auf die man die Crew notfalls upgraden könnte. Deadline!
Selbstverständlich gab es noch einen Haufen Probleme. Sitzpolster kann man eigentlich erst zuschneiden, wenn man weiß, welche Maße sie haben sollen, also wenn die passende Bank dafür gebaut ist. Und hat einer dran gedacht, auch neue Gardinen zu bestellen? Wieso ist das Charterlager gerade jetzt ohne Reservedecken und Kissen? Zwischendurch sortierten die Lager-Azubis den Abraumwall neben dem Boot durch, räumten noch für andere Boote geeignete Ersatzteile ins Lager (die süßen kleinen Lämpchen mit dem Anker auf dem Lampenschirm!), schafften die mürben Spanplatten in den Holzabfall, wuschen Gardinen und Polsterbezüge (man weiß ja nie), hoben auf, was noch irgendwie zu gebrauchen war (und sei es zu Ausbildungszwecken für die Mechatroniker) und entsorgten den Rest.
Zwischendurch kamen die schönen neuen Alufenster und das Bedauern, dass man die vordere Schiebetür nicht doch mitbestellt hatte. Die leuchtete noch im alten vetus-türkis und sollte eigentlich einen witzigen Farbeffekt darstellen. Der stellte sich jedoch nicht ein, denn die vetus-typischen aufgeklebten grünen Streifen hatte Monika Großmann mit Fön und Spachtel Fitzel für Fitzel von der Bordwand gekratzt. Fensterrahmen in Türkis gab es auch nicht mehr. Aber dafür natürlich silberne Farbe, die man auf grünes Metall auftragen kann – mehr oder weniger dauerhaft. Also die Schiebetür steht schon für den nächsten Werftaufenthalt auf der Liste.

Am 27. April um kurz vor elf („Macht hin, die Chartergäste sind schon auf der Autobahn“) setzte der Travellift das neue Boot ins Wasser. Kaum dass die Kranlaschings locker saßen sprang auch schon Herbert Pöggel an Bord, verschwand im Inneren und tauchte kurze Zeit später mit den erlösenden Worten wieder auf:
„Na dicht isse schon mal.“

 

Hier gehts zum Hausboot: Pirate 1200 GHausboot für 12 Personen, Bootsferien, Hausbooturlaub

Kinder-Tipp

Kinder-Tipp

Baden und Planschen
Die meisten Kinder lieben das Wasser und verlassen es nicht freiwillig bevor die Lippen blau und die Finger schrumpelig sind. Aber: Schwimmanfänger trauen sich manchmal nicht direkt vom Boot zu baden. Der große See ist eben doch ganz anders als das Freischwimmerbecken zu Hause. Wer nicht warten will, bis Fräulein Wasserscheu es von alleine zu warm an Deck findet und auch keine Lust hat, Herrn Ich-trau-michnicht mit dem Beiboot an den nächsten Strand zu rudern, für den gibt es folgende Tipps:

  • die Feststoff-Rettungsweste gibt Sicherheit, auch wenn man eigentlich schon das Seepferdchen hat
  • mit Taucherflossen schwimmt man schneller als Mama und Papa ohne, außerdem schützen geschlossene Flossen vor gefürchteten Igittigitt-Berührungen mit Wasserpflanzen
  •  mit Taucherbrille und Schnorchel können sich Kinder über das, was unter Wasser los ist, informieren und so eventuelle Ängste, eigentlich ja nur Ungewissheit, abbauen
  •  die Leine des Rettungsrings gut an Bord festmachen und  die Kinder mit dem Rettungsring baden lassen oder an der Leine des Rings entlang schwimmen lassen (Beckenrandeffekt)
  •  und vor allem: Selber mit reinspringen, tauchen, lachen Spaß haben, wer will da schon alleine an Deck bleiben?

Wenn gar nichts hilft: Planschbecken aufs Achterdeck oder Beiboot an Deck(!) stellen und fluten.

Hilfe! Papa allein an Bord!

Hilfe! Papa allein an Bord!

Na, wir wollen mal nicht übertreiben. Wenn eine Familie ein gutes Team ist (oder werden will) müssen nicht unbedingt Mama und Papa gleichzeitig an Bord sein. Ein Bootstörn macht Kindern auch Spaß wenn sie nur mit einem Elternteil (oder Großelternteil) unterwegs sind. Insbesondere größere Kinder übernehmen gerne auch echte Verantwortung an Bord und können beim Festmachen genauso gut wie ein Erwachsener einen Knoten machen. Gerade für eine Mama oder einen Papa, der oder die sonst nicht viel Zeit mit ihren Kindern verbringen kann, sind Bootsferien perfekt:

Kleine Matrosen sind willkommen

Kleine Matrosen sind willkommen

Ob mit der Großfamilie oder nur mit Mama und Papa, Hausbooturlaub ist für den Nachwuchs etwas ganz Besonderes. Der Aufenthalt auf und am Wasser regt die Fantasie ebenso an, wie er für den Umgang mit dem nassen Element sensibilisiert. Auch die Natur im Wasser und am Ufer wird aus der Nähe für Kinder während einer Hausbootreise begreifbar.