Hausbootcharter in Corona-Zeiten

So könnte es funktionieren

Auslandsreisen sind dank Corona in weite Ferne gerückt. Das gilt auch für Nachbarländer als Ziel. Da besinnt man sich in freiwilliger oder fremdbestimmter Quarantäne auf das Naheliegende. Der Außenminister sieht Reisen ins Ausland weltweit zumindest für das Jahr 2020 in weite Ferne gerückt. Die Einreisebestimmungen der jeweiligen Zielländer selbst unterstreichen dieses. Vorerst bleibt nur der Urlaub in der Heimat. Manche besinnen sich auf ihr Balkonien. Andere suchen Zuflucht dort wo sie sich in Sicherheit wähnen.

Die Reise zur Charterbasis

In normalen Zeiten wie bisher hat sich kaum jemand Gedanken gemacht. Vor Reisebeginn wird das Auto gewaschen und getankt. Während der Reise steuerte man auf einen Kaffee oder zum Toilettenbesuch die nächste Raststätte an. Bei einer Pandemie ist die Gefahr sich zu infizieren gerade an diesen Orten groß. Wo sich unbekannte Menschen in großer Zahl flüchtig begegnen können, umso mehr. Reisende sollten in Corona-Zeiten solche Orte auf dem Weg zum Ziel tunlichst meiden. Reicht ein voller Tank nicht bis zum Zielort, tut es vielleicht ein Reservekanister.  

Urlaub als angenehme Quarantäne

Weit weniger bedrohlich dürfte es in einem ländlichen Ferienhaus zugehen. Kleine Pensionen und Landhotels mit Service auf dem Zimmer fallen auch darunter. Jugendherbergen mit Speisesaal und Buffet schneiden im Vergleich weniger gut ab. Hoffentlich werden die Reise- und Aufenthaltsverbote bald wieder aufgehoben oder zumindest gelockert. Dann dürfte der Charterbootsurlaub die angenehmste vorstellbare Quarantäne sein. Die gelbe Quarantäneflagge erübrigt sich.   

Nachfrage stimulieren

Derzeit sind die Charterfirmen durch die Behörden gezwungen, ihre Boote am Steg zu lassen. Dennoch sollten Liebhaber dieser Urlaubsform ihr Interesse durch zahlreiche Anfragen bekunden. Sie sollten die Anbieter auch nach deren Corona-Sicherheitskonzept befragen. Seriöse Anbieter dürften solche Konzepte längst parat haben. Eine starke Nachfrage macht Druck. Die Charterfirmen könnten den Landesregierungen und Behörden Zugeständnisse abringen. Der Druck steigt umso mehr, wenn schlüssige Sicherheitskonzepte vorliegen.

Sicher buchen

Während des Shutdowns können auch Hausbootferien nur telefonisch, postalisch, online oder direkt vor Ort gebucht werden. Eine versehentliche Tröpfcheninfektion in Reisebüros und auf Messen ist ausgeschlossen. Im Marinabüro dürften in Pandemiezeiten Mundschutz, Trennscheiben und Desinfektionsmittel vorausgesetzt werden.

Sicheres Boot

Unter häuslichen Gemeinschaften sind insbesondere Familien und Wohngemeinschaften zu verstehen. Unter virologischen Gesichtspunkten kommt für dieses Gruppe eigentlich jedes Charterboot infrage. Für Gruppen (Freunde, Kollegen, entfernte Verwandte) bieten sich Charterboote der 15-Meter-Klasse an. Diese verfügen i.d.R. über vier Doppelkabinen (teilweise mit klappbarer Zusatzkoje) mit jeweils separatem Bad/WC. Der Salon verfügt häufig über mehr als nur einen Esstisch. So können häusliche Gemeinschaften als Teil der Gruppe jeweils an einem Tisch Platz nehmen. Diese Belegung unter Corona-Bedingungen setzt eine gewisse Disziplin voraus. Mindestabstand und Maskenpflicht würden hier zur Geltung kommen. Dennoch bieten Boote dieser Größe genug Platz an und unter Deck. Man kann sich verteilen und die gebotene Distanz einhalten. Die Beteiligten sollten wissen, dass die Gruppendisziplin ein bis zwei Wochen durchzuhalten ist.

Sicher einchecken

In der Charterbasis steuert eine Crew auch in Corona-Zeiten zuerst das Marinabüro an. Das Einchecken und Erledigen der Formalitäten geht schnell und berührungslos. Je ein Mitarbeiter und Crewmitglied reichen. Bezahlen an einer Supermarktkasse oder Einkaufen auf einem Wochenmarkt wäre bedenklicher.  

Sicher Sicherheit lernen

Danach steht (nur bei Fahrten ohne Sportbootführerschein) die dreistündige Unterweisung an. Die erforderliche Distanz ließe sich problemlos einhalten. An Bord hat der Einweiser seinen Job schnell erledigt. 

Nach der Anreise zur Charterbasis will die Crew genauso sicher aufs Boot kommen. Die Mitarbeiter kennen die betrieblichen Besonderheiten und zeigen den sichersten Weg dorthin. 

Sicher über den Steg zum Boot

Eine Charterbasis liegt üblicherweise am Wasser. Je nach Uferbeschaffenheit des Gewässers gibt es befestigte Kaimauern oder einen bzw. mehrere Stege und nicht selten auch beides zusammen. Mal befindet sich das Marinabüro an Land, mal auf dem Steg oder auf einem am Steg festgemachten Boot. Häufig ist der Steg großzügig breit, ein anderes mal eher schmal. Der Weg vom Parkplatz zum Boot über den Steg ist häufig etwas länger. In anderen Häfen kann man das Auto kurzzeitig direkt am Boot parken.   

In größeren Charterhäfen liegen die Boote meistens in Reih und Glied. Sie werden durch Fender und manchmal auch durch schmale Fingerstege auf Abstand gehalten. Bei Rückgabe wählt der Skipper einen freien Platz, der ein sicheres Einfahren in die Box verspricht. Oder jemand vom Stegpersonal weist einen Platz zu. Dann wird erstmal in Ruhe alles Gepäck von Bord genommen und zum Auto gebracht. Erst zum Schluss erfolgt die Übergabe. Hierbei sind nur noch der Skipper und ein Marina-Mitarbeiter anwesend. Es werden Schäden, die Vollständigkeit des Inventars und die Betriebsstunden protokolliert. Und es werden ein paar Unterschriften geleistet. Dabei wird ein Corona-Mindestabstand locker eingehalten.

Corona-Sicherheit für Gäste UND Mitarbeiter

Sobald der letzte Chartergast das Boot verlassen hat, legt die Service-Mitarbeiter los. Sie leeren Fäkalientanks, füllen Frischwasser- und Kraftstoff auf. Und sie ersetzen leere Gasflaschen und defekte Fender. Zum Schluss nimmt sich das Reinigungspersonal die Innenräume vor. Bei diesen Tätigkeiten sind sich die Mitarbeiter auch vor Corona selten näher als 1,50 Meter gekommen. Meistens werden diese Arbeiten allein durchgeführt. Der Einsatz einer Gesichtsmaske ist eher eine vertrauensbildende Maßnahme unter Kollegen. 

Wenige Stunden später kommt die nächste Chartercrew an Bord. Diese wird in die Technik und Handhabung des Bootes eingewiesen. Es wird die Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit des Inventars festgestellt und protokolliert. Für die ungewohnten Dinge an Bord interessieren sich meistens mehrere. Der Marina-Mitarbeiter hat nicht nur mit dem Skipper zu tun. Auch der Smutje und andere Interessierte wollen dabei sein. Mit Schutzmaske und Distanz zum Personal ist auch das kein Thema.

Sicher versorgt

In welchen Situationen sonst könnte eine Hausbootcrew anderen Menschen allzu nah kommen? 

Proviantkauf: Üblicherweise bringen Chartercrews den Vorrat für den Törn von zu Hause mit. Unterwegs werden nach Bedarf vor allem frische Lebensmitteln nachgekauft. Einige in der Region vertretene Supermarktketten (z.B. REWE und Netto) liefern auch an. Bestellung und Bezahlung erfolgen online. Der Bote liefert zum Wunschtermin an den genannten Ort. Der Lieferort könnte die Charterbasis sein. Idealerweise sogar das zu beliefernde Boot oder ein beliebiger Anlegesteg unterwegs. Viele Supermärkte liegen in unmittelbarer Nähe von Anlegestellen. Hier wie üblich eingekauft werden könnte.   

Sicher unterwegs

In Schleusen kommen sich Menschen an Bord kaum in die Quere. Es sind eher die Boote. Aber so ist das in Schleusen. Die Distanz zu anderen Fahrzeugen auch in Pandemie freien Zeiten nie ein Problem. Normalerweise liegen die Boote mit einem Meter Mindestabstand auf Distanz. Dabei steht kaum jemand vom einen Boot auf der äußersten Bugspitze. Und auf dem anderen Boot davor auch nicht ganz hinten auf der Badeplattform. Der Corona-Mindestabstand bleibt gewahrt. Ein Crewmitglied klettert gelegentlich zum Leinenlegen an Land. Dabei besteht stets ausreichend Abstand zu anderen Crewmitgliedern und zum Schleusenpersonal. Vor dem Einlaufen in eine Schleuse sollten alle an Bord sich die Schutzmaske aufsetzen. Sie sollte bis zum Verlassen der Schleuse anbleiben.

Probleme mit dem Corona-Mindestabstand haben allenfalls Kanus und andere Kleinboote. Üblicherweise liegen diese in stark frequentierten Schleusen im Päckchen. Charterboote betrifft dieses Thema jedoch nicht.

Charterfirmen betreiben Marinas teilweise an unterschiedlichen Standorten.  Andere Bootshäfen sind in privater oder kommunaler Hand. Im ersten Fall kann die Charterfirma den Corona-Konformen Betriebsablauf nach einheitlichen Regeln gestalten. Chartergäste finden in diesen Häfen gleiche oder ähnliche Abläufe vor wie in der Basis, wo das Boot übernommen wurde. Über dies können sich die Anbieter untereinander auf einheitliche Hygienestandards verständigen. Ansonsten können Marina-Betreiber Coron-Konforme Hygienestandards nach den Gegebenheiten ihres Hafens festlegen. Oder sie können diesen vorübergehend stilllegen.  

Sicher in anderen Häfen

Im Hafen sollte grundsätzlich Maskenpflicht herrschen, auch wenn die Sicherheit angezweifelt wird. Es geht vielmehr darum, anderen ein gutes Gefühl von Achtsamkeit zu zeigen. Dasselbe sollte unbedingt auch für den Mindestabstand untereinander gelten. Wo immer möglich, dürfen die 1,50 Meter auch gern überschritten werden. Grundregel: wer sich bereits auf dem Steg befindet, hat „Vorfahrt“. Die Box sollte man sich in diesem Vergleich als Hofeinfahrt vorstellen. Ist die „Straße“ frei, darf man vom Boot auf den Steg.

Sicher bunkern

Seltener wird ein Hafen zum Tanken/Bunkern von Kraftstoff und/oder Trinkwasser angesteuert. Man steuert dazu einen gekennzeichneten Servicesteg abseits der regulären Liegeplätze an. Bei Charterbooten ist Nachtanken eher selten nötig. Besonders die Dickschiffe mit Dieselmotoren verfügen über ausreichend große Tanks. Diese sind bei Übernahme vollgetankt (Tankuhr bei Übernahme kontrollieren und ggf. nachfragen). Beim Hausbootfahren unter “Quarantänebedingungen” leert sich eher der Frischwassertank. Analog dazu bietet sich das Leeren des Fäkalientanks an. Letzteren abzupumpen übernimmt i.d.R. das Servicepersonal. Frischwasser mit dem Schlauch auf dem Steg nachzufüllen sollte auch für Laien kein Problem sein.

Die Katamaranboote mit Benzin-Außenborder verfügen bauartbedingt über kleinere Kraftstofftanks. Hier könnte je nach Fahrweise ein Tankstellenbesuch häufiger fällig sein. In der Hauptsaison bieten Tankstellen am Wasser beide Kraftstoffarten an. In der Nebensaison könnte es an Benzin mangeln. Dann steuert man die nächste Straßentankstelle an. Es sollte mindestens ein ausreichend großer Kanister (20 Liter) an Bord sein. Gut wäre auch eine Klappkarre mit Befestigungsgurten an Bord. Oder die Marina stellt leihweise einen Handwagen zur Verfügung. In serviceorientierten Marinas erledigt das ein netter Mitarbeiter. Freundliches Nachfragen ist dabei hilfreich. Corona-Regeln sind auch hier problemlos einzuhalten.

Sicher schlafen auf dem Boot

Für die Nacht empfehle ich Sportbootwartestellen vor Schleusen, Brücken und Hebewerken. Neuere Bauwerke gestatten häufig keinen Landgang. Wartestellen mit begehbarer Uferzone bieten genug Platz für hygienekonformen Abstand. Allerdings sollte das Päckchenliegen möglichst vermieden werden. Auf jeden Fall zwecks gegenseitiger Besuche. Beim Festmachen am anderen Boot ist Mundschutz zu tragen. Beim unvermeidbaren Landgang sollten Päckchenlieger nach Absprache das andere Boot vorn überqueren.  

Ideal im Sinne von selbstgewählter Quarantäne und zum Schlafen unterwegs ist das Ankern. Das Päckchenliegen in Buchten fördert üblicherweise gruppendynamische Prozesse. Deshalb ist es in Corona-Zeiten ausnahmsweise zu unterlassen. Hundert Meter Abstand zum nächsten ankernden Boot scheint mir großzügig bemessen. Da wird es in Ankerbuchten selten eng. Für mich ist eine Ankerbucht nicht nur der sicherste, sondern auch der schönste Ort für einen Bootsurlaub. Tiefenentspannt schwimmen, angeln, kochen, lesen, die Natur beobachten und schlafen – kein Problem.  

Mindestabstände sind keine Ca-Abstände

Viele finden die Distanz- und Hygieneregeln unsinnig. Dennoch ist es im Zweifelsfall ratsam die Forderungen zumindest gefühlt zu übertreffen. Mindestabstände rundet man großzügig auf. Der Grund: Viele Zeitgenossen tun sich schwer, Abstandsangaben mit Komma realistisch einzuschätzen. Da schrumpfen 1,50 Meter Mindestabstand in der Praxis gern mal auf 1,25 Meter oder weniger.

Auch Schutzmasken werden häufig lax getragen. Sie werden als Fremdkörper empfunden, abgenommen und dann nicht wieder aufgesetzt. Damen befürchten wohl, dass der aufgetragene Lippenstift nicht zu sehen ist. Bei Herren könnte die glatte Rasur nicht zur Geltung kommen. Im Falle des Skippers mag der verdeckte Kapitänsbart das Problem sein. Eitelkeiten wie diese darf man bei einem Bootstörn gern ablegen, nicht aber die Maske. Andere sehen das als Nachlässigkeit. Damit liefert man nur jenen Argumente, die den Shutdown gern noch länger haben möchten.

Chartergäste vertrauen am Rückgabeort auf eine genauso routinierte Abfertigung wie beim Reisebeginn. Die Schutzmaske ist vom Einlaufen bis zum Verlassen der Basis anzulegen. Man sollte das nicht als lästige Pflicht, sondern angenehme Bringschuld betrachten. Ansonsten sollten die Regeln wie zu Beginn der Reise gelten.  

Sicher wieder nach Hause

Letzteres empfiehlt sich auch für die Heimreise. Tanken Sie nur wenn nötig und nicht kleckerweise, sondern einmal randvoll. Meiden Sie Toiletten auf Rastplätzen. Suchen Sie ruhigere Orte abseits der Autobahn.

Bleibt zu hoffen, dass diese Tipps bei Bootsurlaubern wie auch bei Behörden und Bootsverleihern Gehör finden. Letztere haben ihre Hausaufgaben in Sachen Corona offensichtlich erledigt. Genaueres ist in einem anderen Fluvius-Beitrag zu diesem Thema nachzulesen. Somit dürfte Bootsurlaub auch unter Pandemie-Bedingungen möglich sein. Auslandsreisen dürften nach derzeitigem Stand in diesem Jahr nicht drin sein. Deshalb könnte es in Deutschland zur Urlaubszeit eng werden. Dem kann mit politischer Weitsicht schon jetzt entgegengewirkt werden. Familien mit Kindern im Kita- und Schulalter hätten ihren Urlaub vor den Sommerferien längst hinter sich. Dann hätten die Verbote und Einschränkungen sogar etwas Gutes. Vorausschauende Planung nennt man das.

(C) 2020 by Klaus Neumann