Es fliegt gleich alles in die Luft… – Törnbericht Berlin

Es fliegt gleich alles in die Luft… – Törnbericht Berlin

Ursprünglich war die diesjährige Hausbootfreizeit, die der Ev. Kirchenbezirk Öhringen jährlich seit 14 Jahren anbietet, im „Wasserreich Havel-Oder“ nördlich Berlins geplant. Ein Bombenfund bei Oranienburg machte das Befahren dieses Revieres allerdings unmöglich, weil bis auf weiteres die wichtigste Ost-West Verbindung, die Havel-Oder Wasserstraße, gesperrt bleibt. Kurzfristig suchte das Skipperteam ein Ersatzrevier und entschied sich nach Absprache mit „Kuhnle Tours“ für die Basis Zeuthen in Berlin und für die Dahme Wasserstraße sowie die Müggelspree südöstlich von Berlin.

Vollgetankt mit Wasser und Sprit ging es mit zwei Kormoran 1280 Booten zunächst Dahme abwärts bis nach Königs-Wusterhausen. Aus Süddeutschland kommend, mussten wir erst noch Proviant und Getränke bunkern. Neben der Wassertankstelle bei km 8,5 liegt in 250 m Ufernähe ein Lebensmittel und Getränkemarkt. Nachdem die Lebensmittel verstaut waren ging es weiter Richtung „Neue Schleuse“. Unter freundlicher Unterstützung des Schleusenwärters passierten wir diese und folgten dem Krimnick- und Krüppelsee, weiter über die Dahme in den Dolgensee.

Kaum wieder richtig unterwegs, hatten wir das erste Mal (seit 14 Jahren) mit unserem ersten Boot eine Routinekontrolle der Wasserschutzpolizei. Die freundlichen Beamten arbeiteten ihr ganzes Programm ab – zum Glück war alles an Bord in Ordnung, die Papiere in Ordnung und der Promilletester zeigte sowohl bei der Schiffsführerin und dem Rudergänger 0,0 Promille an. Dass beim Eintrag im Führerschein „Beim Führen des Bootes ist eine Sehhilfe zu tragen“ auch ein Sicherungsgummi  vorgeschrieben ist, hätte uns allerdings beinahe 55 Euro gekostet. Zum Glück hatte unsere Kapitänin noch eine Zweitbrille dabei, sodass die Gesetzeshüter zu Wasser vom fälligen Bußgeld absahen.

Unser erster Tag ging dann mit einem wunderschönen Sonnenuntergang am Ende des Dolgensees beim Gasthof „Kuddele“ zu Ende. Dort genossen wir einen ersten Umtrunk und nächtigten am hauseigenen Anleger.

Die weitere Route über Langer See, Wolziger See, dem Storkower Kanal bis zum Anleger Storkow war sehr abwechslungsreich. In Storkow ging die Mannschaft von Bord und genehmigte sich einen Eisbecher. Über den Storkower See ging es am späten Nachmittag noch in den Scharmützelsee, wo wir ein nettes Uferplätzchen für unseren Tanz in den ersten Mai fanden. Nach einer heißen Dusche machte ein Crewmitglied den ersten Badeversuch. Bei 13 Grad allerdings kein großes Vergnügen. Kurze Zeit später wurde Ewald noch der Held des Tages. Er ging nochmals in die kalten Fluten, nachdem eine Böe unsere Drohne in Ufernähe abstürzen ließ. Er fand sie sehr schnell – und das noch größere Glück: Sie funktionierte noch!

Nach einer sangesreichen Nacht in den ersten Mai folgten wir am 1. Mai dem Scharmützelsee bis an die Nordspitze und legten in Bad Saarow-Mitte an.

Eine Kurzvisite in den Kurort und ein kleiner Imbiss – gegen 16 Uhr ging es dieselbe Strecke zurück. Im Langer See machten wir noch einen Abstecher nach Süden. Unser nächstes Ziel: Der Teupitzer See.

Allerdings hatten wir dann Pech an der Zugbrücke im großen Moddersee. Durch die unterschiedlichen Angaben in Törnatlas und der Uferbeschilderung irritiert, verpassten wir die letzte Öffnung um wenige Minuten. Aber man ist ja mobil und flexibel. Im kleinen Köriser See fanden wir ein nettes Uferplätzchen und verbrachten dort eine kühle Mainacht.

Zum Glück hatten wir eine gut funktionierende Heizung auf unseren Kuhnle Booten und genug heißes Duschwasser.

Am vierten Törntag schipperten wir die gesamte Strecke zurück und entledigten uns den Inhalt unseres Grauwassertankes in der Basis Zeuthen. Das freundliche Kuhnle Personal ermöglichte uns nach kurzem Service die Weiterfahrt Richtung Müggelspree.

Über Grosser Zug, Krossin- und Seddinsee landeten wir in Erkner am Dämeritzsee. Der ortsnahe Anleger ermöglichte der Crew ein Kinobesuch. Am nächsten Vormittag musste endlich mal ein Einkaufsbummel sein, bevor es über Flakensee, Werlsee in den Peetzsee ging. Nach einer Kaffeepause lichteten wir unsere Anker und befuhren den Rückweg über die idyllische Müggelspree, den kleinen und großen Müggelsee bis zum Wassersportzentrum in Friedrichshagen. Der Landgang am Sonntag war einem Gottesdienstbesuch in Friedrichshagen und der Altstadt von Köpenick gewidmet. Der empfohlene Müggelturm (mit sehr gutem Rundblick) wurde allerdings nicht mehr erreicht, sodass es am späten Nachmittag wieder „Leinen los“ hieß, um die letzte Etappe zur Basis nach Zeuthen anzugehen.

Unsere 14- köpfige Bootsbesatzung genoss die abwechslungsreiche Landschaft mit über 10 Seen und Kanälen. Die ersten Tage waren von Sonne und blauem Himmel geprägt, während in der zweiten Hälfte des Törns im Norden der Müggelspree die Temperaturen deutlich nach unten gingen. Dennoch waren alle Mitreisenden guter Stimmung, das Essen an Bord war wie immer ausgezeichnet und es regnete nur wenige Stunden. Unsere kleinen Maibäumchen an Bord der beiden Boote begleiteten die Besatzung zur Freude mancher Menschen am Ufer. In sieben Tagen hatten wir mehr als 200 km und acht Schleusen bewältigt, schon auf der Heimreise nach Hohenlohe sinnierte man darüber, in welcher Himmelsrichtung das Ziel im nächsten Jahr liegen könnte – man darf gespannt sein. Aber nach jetzigem Stand, werden es wieder die bewährten Boote von „Kuhnle“ sein – da weiß man, was man hat!

Verfasser:

Hans-Peter Hilligardt