Vier Schweizer Seebären  unterwegs auf der Dahme

Vier Schweizer Seebären unterwegs auf der Dahme

Koni: Aspirant, Deckhand, Kü-Chef, F&B, Anker
Peter: Deckhand, Kü-Chef, Kassier Wasser, Bootsschlüssel
Walti: Skipper, Navigation, Manöver, Deckhand, Meteo, Sani, Motor
Thomas: Deckhand, Meteo, Kü-Chef, F&B, Sehenswürdigkeiten/Reiseführer, Foto + Fahrten-Bericht

Samstag, 15. Juli 2017 Oberwil – Basel – Berlin – Zeuthen – Krüpelsee
Koni und Peter sind schon am 14. Juli mit dem Auto nach Berlin gefahren und haben da an der Orianjenburgerstrasse übernachtet. Walti haben Patrizia und ich um 06:15 Uhr abgeholt und Patrizia hat uns an den Flughafen gefahren. Sicherheitscheck, Pass, Kaffee, einchecken und pünktlicher Abflug um 08:15 Uhr. Kurz vor 09:30 Uhr landen wir sicher in Berlin und fahren mit dem Taxi nach Zeuthen. Der Taxifahrer sagt uns noch, dass es seine erste Fahrt nach Zeuthen ist, aber ich glaube, das war überhaupt eine seiner ersten Fahrten. Gas geben, bremsen, rechte Spur, nachlinks ausscheren, rechte Spur, für fast jede Kurve drei oder viel Mal ansetzen… das beginnt ja gut ;-). Geplant ist eine zwei bis drei stündige Einführung mit anschliessender Bootsübernahme ab 15:00 Uhr. Wir haben Glück. Das Boot ist schon bereit. Walti und ich können übernehmen und schon kurz nach 11:00 Uhr ist dies geschehen. Wir gehen zum Griechen um die Ecke und bestellen uns ein Bier. Kaum ist dieses da, stossen auch schon Koni und Peter zu uns. Wir laden das Gepäck aufs Boot und richten uns ein. Koni und Peter besorgen Proviant und um ca. 14:00 Uhr schippern wir los. Nach der ersten Schleuse (Mann, ist das Ding schmal und eng…) und den ersten 10 km ankern wir auf dem Krüpelsee und genehmigen uns einen Ankertrunk. Menü Nachtessen: Gebratene Milken mit Steinpilzen, Tagliatelle und Salat. Dazu einen feinen Rotwein und zum Abschluss einen Whiskey. Ich bin sehr müde und gehe kurz nach 21:00 Uhr in die Koje.

Sonntag, 16. Juli 2017 Krüpelsee – Teupitzersee
Kurz nach 06:00 Uhr rumort es, Koni hantiert in der Küche, Walti und ich erwachen und meinen, es sei schon Zeit für Frühstück. Wir sehen eine wunderbare Morgenstimmung, gehen wieder in die Koje und schlafen noch einmal. Kurz vor 09:00 Uhr gehen wir dann aber doch auf, machen einen Morgenschwumm und geniessen das von Koni und Peter vorbereitete Frühstück. Gegen 10:00 Uhr lichten wir den Anker und fahren los. Vom Krüppelsee via Bindow, Dolgensee, Dahme und Prieros in die Teupitzer Gewässer. Wir sehen viele Schiffe, die meisten ankern oder sind vertäut, nicht all zu viele auf den Gewässern. Bei manchen Brücken müssen wir die Köpfe einziehen, das Verdeck ist schon lange unten. An auffallend vielen Stellen hat es abgesperrte Bereiche wo ausgelegte Reusen markiert sind. Da wird es oft sehr eng. Zwischen dem grossen Moddersee und dem Schulzensee gibt es eine Zugbrücke welche nur zur vollen Stunde geöffnet ist. Für uns um 15:00 Uhr. Nach weiteren engeren Passagen gehen wir in Teupitz an Land und genehmigen uns im Tuptzer Biergarten ein Bier. Retour an Bord führt uns Walti gekonnt aus dem Hafen. Kleine Bemerkung am Rande: aus unerklärlichen Gründen blieb Koni an Land, dadurch mussten wir das sauber ausgeführte Ablegemaböver abbrechen und anschliessend improvisieren. Nach kurzer Suche fanden wir im Teupitzersee einen wunderbaren Liegeplatz. Einen Schwumm, einen Ankertrunk und ab hinter den Kochherd. Menü heute Abend: Kalbsbäggli mit Rotweinsauce, Bramatapolenta und Broccoli. Vermischtes: Walti berichtet von seinen Aussichtens aufs auslaufende Segelboot. …und wo ist die Ankerlaterne – Koni?


Montag, 17. Juli 2017 Teupitzer See – Grosser Storkower See (Bad Saarow… war geplant)
Unser Hahn irrt sich in der Uhrzeit und weckt uns schon um 08:00 Uhr. Also stehen wir auf und schwimmen fast eine halbe Stunde lang um unser Boot. Es tut gut so am Morgen, wir sind wach und haben Hunger. Koni zaubert ein tolles Zmorge, wir genießen es. Als wir um 09:30 Uhr den Tag planen, bemerken wir, dass wir ein bisschen zu spät oder zu früh sind. Die Ziehbrücke ganz in unserer Nähe, und auf direktem Weg, öffnet ja nur zur vollen Stunde. Also sind wir um 11:00 Uhr da. Klappt wunderbar. Danach einen ersten Apero und gemütliches dahin schippernd… via Moddersee und Köriser See fahren wir an Prieros vorbei und verlassen die Teuplitzer Gewässer Richtung Bad Saarow. Langer See (so lang ist der gar nicht), Wolziger See und da fahren wir den Hafen an, in der Gemeinde Blossin, aber den Fischerhafen. Da gibt es weder Wasser noch Abfallentsorgung noch Landstrom, aber ein feines Fischbrötchen und Matjes mit Salzkartoffeln. Anschliessend fahren wir durch den Storkower Kanal in einer knappen Stunde in den Grossen Storkower See ein. Dabei passieren wir zwei Schleusen, eine Klappbrücke und Philadelphia. Dann wollen wir beim Storkower Ruderverein anlegen um unsere Vorräte an Frischwaren aufzufüllen. Anlegen ist schwierig, weil entweder die Liegeplätze belegt sind oder es zu wenig Tiefe hat. An einem alten Steg können wir für einen Moment festmachen. So können Peter und Koni im Dorf die Einkäufe machen. Walti und ich bewachen das Boot und unterhalten uns mit einem einheimischen Jungen in einem Rollstuhl. Nur wenig entfernt finden wir einen wunderbaren Liegeplatz wo wir ruhig und gediegen liegen. Menü Nachtessen: Rindbrustkern mit Gemüse, Zwiebeln und Brotwürfeli, Petersilienkartoffeln. Damit die alten Geschichten nicht verloren gehen, sprechen wir darüber. Von der Indonesischen Reistafel und dem Schifffahrtsmuseum in Sneek zu den Billardspielen und den ganzen Seezungen in Enkhäusern über die Froutje von Stavoren zu den Dolmen und dem sagenhaften Buttermarket in Irland frischen wir all die Stories auf.

Dienstag, 18. Juli 2017 Grosser Storkower See – Bad Saarow – Scharmützelsee
Heute dürfen wir etwas länger schlafen und der Hahn kräht erst kurz vor 08:30 Uhr. Auf und ab ins Wasser. Nach einem Erfrischungsschwumm gibt es wieder ein wunderbares Frühstück. Kurz vor 10:00 Uhr lichten wir den Anker und fahren los. Endlich finde ich den Putzkessel und kann das Boot ein wenig reinigen. Trotz Kontrolle ob alle Luken dicht sind, rinnt bei der Bugkabine Wasser durchs Oberlicht. Es regnet Peter direkt auf den Kopf. Den Grossen Storkower See fahren wir hinauf bis zur Schleuse Wendisch Rietz. Da hätten wir fast einen Eintrag ins Logbuch machen müssen. Zuerst tuschieren wir mit dem rechten Heck leicht die Zufahrt zur Schleuse und anschliessend bemerken wir, dass der Anker gesetzt ist… Wir retten uns souverän und schleusen mit einem gekonnten Manöver von Koni. Wir durchfahren den Scharmützelsee welcher immerhin fast 10 km lang ist, entsprechend lange dauert auch die Fahrt. Dann müssen wir unbedingt Wasser bunkern. Das tun wir in einem Hafen in Bad Saarow. Wir werden von einer deutschen Frau (bekommt von uns den wenig vorteilhaften Übernamen «Dobermann») äusserst resolut darauf hingewiesen, dass wir dann gefälligst den Hafenmeister zu benachrichtigen hätten… machen wir auch. Er ist äusserst freundlich und verhilft uns sogar zu einem Liegeplatz in Bad Saarow. Da besuchen wir den Biergarten und suchen eine Einkaufsmöglichkeit und eine Möglichkeit unsere Abfälle zu entsorgen. Finden wir beides nicht. Retour aufs Schiff und wieder den Scharmützelsee durchqueren. Kurz vor 17:00 Uhr ankern wir ca. 3 km von Wendisch Rietz entfernt. Ein lauschiges Plätzchen fast im Schilf. Viele Wasser- und andere Vögel bevölkern das Ufer. Menü: Chickencurry mit Basmatireis und Dal. Hervorragend gekocht von Peter. Den feinen Salat dazu hat Koni gemacht.
Mittwoch, 19. Juli 2017 Scharmützelsee – Wolziger See
Wieder kurz nach 08:00 Uhr ruft der Hahn, aufstehen, dann ins frische Wasser vom Scharmützelsee, feines ausgiebiges Frühstück und dann Anker lichten. Wir fahren nun den See hinab und schauen in Wendisch Rietz nach einer Möglichkeit Einkäufe zu tätigen und Abfall los zu werden. Beides passt und ist erledigt. Wir passieren die Schleuse und durchqueren den Grossen StorkowerSee mit dessen Anhängsel. Die Einfahrt in den Storkower Kanal gestaltet sich schwierig. Zuerst müssen wir bei der Zugbrücke ganz kurzfristig stoppen und können nicht durchfahren. Bei diesem Manöver verlieren wir Peter – Mann über Bord (leider fotografisch nicht festgehalten) und tuschieren die Kanalwand. Beim Anlegen vor der Ziehbrücke konnte Peter das Tau nicht richtig fest machen, dabei glitt er aus und turnte eine einfachere Übung am Doppelbalken. Glücklicherweise und mit viel antizipieren trug er eine Badehose, denn sein Abgang vom Reck landete im hüfthohen Wasser. Erstaunlicherweise wurde sein Badeschlappen vor ihm an Bord geholt. Kleine Malheurs welche uns nicht weiter behindern, nach der Zugbrücke folgt gleich eine Schleuse. Wir sehen, dass wir sicher nicht bei der ersten Schleusung durchkommen, also warten. Eigentlich wollten wir ja zum Mittagessen in der Fischräucherung einkehren, aber dafür wird es nun wahrscheinlich zu spät werden, es ist doch schon fast 15:00 Uhr. Wir genießen mal einen Fruchtteller und schauen dem Schauspiel zu. Schauspiel? Da geht gar nichts, nach mehr als einer Stunde sind wir noch kein Boot weiter gekommen. Die Schleuse ist defekt. Ziemlich genau zwei Stunden nachdem wir ankamen, können wir schleusen. Dank Konis rasanter Fahrt mit Vollgas durch den Fluss, sind wir rechtzeitig bei der Schleuse Kummersdorf und können da noch vor Betriebsschluss um 18:00 Uhr schleusen. Wir ankern gleich eingangs des Wolziger Sees. Da es schon recht spät ist, ein kurzes Bad, Ankertrunk und ab an den Kochherd. Das Menü: Schweinskotelett mit Peperonata, Steinpilzrisotto und einen feinen Koni-Salat. Peter und Koni übernehmen den Abwasch, Walti das Natel und ich schwimme nochmals eine Runde im See. Danach gibt es einen Schlummertrunk und einen Schlaftee auf dem Schiffsdeck, vielleicht auch noch ein gebranntes Wässerchen dazu…

Donnerstag, 20 Juli 2017 Wolziger See – Seddin See
The same procedere as every day, krähender Hahn, Schwumm im frischen See, ausgiebiges Frühstück (heute mit Spiegelei und Schinken) und dann Anker lichten. Die Wetterprognosen sind für den Nachmittag nicht all zu gut (Gewitter, Regen) so versuchen wir heute ein bisschen früher vor Anker zu liegen. Ziel: unbekannt. Wir schippern wunderbar via Blossin und Langer See retour in die Dahme. Bei km 0/25 biegen wir nach rechts ab Richtung Dolgenbrodt / Dolgensee. Nachdem wir Bindow passiert haben, durchqueren wir den Krüpelsee und biegen bei Meiersdorfer Werder rechts ab Richtung Ziegenhals. Da gehen wir vor Anker, genehmigen uns ein wunderbares Plättli mit Rauchlachs, Salsiz, Siedfleisch und Käse. Feines Dinkelbrot, Jughurt-Kräutersauce und Meerrettich vervollständigen mit dem italienischen Chardonnay das Zvieri. Danach Geschirr waschen, einen Schwumm und Anker lichten. Wir durchqueren den Ziegenhals und den Krossinsee, nach dem Alten Wernsdorfer See biegen wir links (gäll Walti) in den Oder-Spree-Kanal ein. Nach dem Kanal zieht es unseren Skipper ganz stark nach einem Bier… so landen wir im Kaffeekahn / Strandlust und genehmigen uns ein Berliner Bürgerbräu. Nun kommt auch der angekündigte Regen, wir suchen einen Liegeplatz und finden diesen im Seddinsee. Heute beobachten wir auffallend viele Ruderer in allen Größen von Booten. Damit wir uns wieder langsam an den Lärmpegel von zu Hause gewöhnen, befinden wir uns in der Anflugschneise zum Flughafen Schönefeld. Pegelstand bei den Getränken: Spirituosen gehen zur Neige, das passt. Rotwein noch zwei Flaschen für heute Abend, Weisswein, wollten wir für morgen sparen musste aber schon dran glauben, Bier, noch vier Stück…
Abend Menü: Älpler Maccronen mit Früchtekompott und Konis Salat. Nach einem Schlummertrunk und intensiven, tiefgründigen Gesprächen gehen wir in die Koje.
Freitag, 21. Juli 2017 Seddin See – Köpenick – Zeuthen
Nach dem Weckruf durch den Gockel, dem obligaten Schwumm und dem feudalen Frühstück fahren wir um 09:45 Uhr los. Koni hat noch eine Schlaufe Richtung Berliner Aussenbezirke und retour nach Zeuthen gefunden. Diese wollen wir heute fahren. Die Route führt uns via Goser Kanal in den Dämeritz See, anschließend durch den Grossen Müggelsee durch die Müggelspree nach Köpenick und danach durch die Spree-Oder-Wasserstraße und den Langer See an der Grossen Krampe vorbei in den Zeuthener See. Am Ufer des Langer Sees sehen wir ein Westernrestaurant mit einem Gastanlieger, da halten wir uns genehmigen uns ein oder zwei Bier und einen Burger. Gute Stimmung, netter Kellner, Burger und Bier sind in Ordnung. Gegen 14:30 Uhr legen wir wieder ab und machen uns auf Richtung Zeuthen und der Kuhnle Marina. So um 16:00 Uhr werfen wir ein letztes Mal den Anker und baden im Wasser des Zeuthener Sees. Herrlich frisch und erfrischend. Einen Kaffee gibt es noch und dann endgültig Richtung Marina. Interessanterweise fährt Koni langsam wie nie, wir denken, dass er die schöne Fahrt noch möglichst lange hinauszögern will. An der Marina angekommen vereinbaren wir den Abgabetermin auf morgen 08:30 Uhr. Wir beginnen mit ausräumen und entsorgen von Abfällen. Im Olympia essen wir eine kleine Vorspeise und dann einen Scampispiess mit Gemüse und grünem Salat. Ein bisschen Wein und ein paar Uzos gibt es dazu. Zurück an Bord eine Runde Wasser ohne Kohlensäure und einen Alpenkräutertee.
Samstag, 22. Juli 2017, Zeuthen – Berlin – Basel – Oberwil
Früh ist es auf dem Schiff schon unruhig, alle wollen wohl nach Hause. Es gibt noch einmal ein kleines Zmorge, vorher gehe ich aber nochmals für einen kurzen Schwumm ins Wasser. Kurz vor 08:00 Uhr fahren Koni und Peter los. Wir geben um 08:30 Uhr das Schiff ab und warten anschließend auf unser Taxi welches uns um 09:30 Uhr an den Flughafen Schönefeld bringen wird. Nach Wartezeit fliegt unser Flugzeug pünktlich weg und mit etwas Verspätung landen wir gegen 16:00 Uhr in Basel. Patrizia und Othmar holen uns ab. Schon bald melden sich auch Koni und Peter, auch sie sind gut unterwegs und schon bald wieder zu Hause.
Eine wunderbare Reise geht zu Ende.
An Bord haben wir herrliche Tage erlebt. Als Crew haben wir sehr gut harmoniert, jeder hat seinen Teil zur guten Stimmung beigetragen. Was mir im Vorfeld nicht bewusst war, wir haben die Fahrt mit Unterhaltung gebucht, Spruch an Spruch… Peter…  Die Landschaften sind abwechslungsreich und wunderschön. Herrliche Sonnenuntergänge, wunderbare Ankerplätze, die viele Möglichkeiten haben uns begeistert.
Teilweise sind die Wasserwege und Schleusen sehr eng, die Brücken nicht sehr hoch, ist unser Boot fast zu groß für diese Gewässer? Die Möglichkeiten bei einem Restaurant anzulegen und etwas zu konsumieren sind eher selten. Ein «Herzlich willkommen» Schild verheißt noch lange nicht, dass dem so ist. Meist ist daneben gleich die Telefonnummer des Hafenmeisters notiert, was heißen soll – zuerst diesen anrufen. Mehrmals wurden wir in eher schroffem Ton abgewiesen.
Unerledigte Manöverübungen: Heckanker setzen, Kontrolle der verschiedenen Lampen (Positions-, Ankerlampen etc.)
Vor 08:00 und nach 22:00 Uhr wird nicht berichtet.