Besichtigung der Funtasy World in Wittenberge

Besichtigung der Funtasy World in Wittenberge

Unser Future Projekt beinhaltet neue aufregende Attraktionen für das Hafendorf Müritz. Beispielsweise ist eine Kletterhalle, Escape Rooms und Lasertag in Planung. Wir möchten besonders unseren jüngeren Besuchern Aktion im Urlaub bieten.

Der Eingang zum Adventure Park

Um einen besseren Einblick zu erhalten, durften wir die Funtasy World, eine Freizeitarena in Wittenberge besuchen. Diese wurde im Dezember 2020 neu eröffnet und bietet 8 Attraktionen auf 4.300 m².

Angekommen, erhielten wir eine persönliche Führung der Geschäftsleitung durch die komplette Anlage. Zu Beginn wurden uns verschiedene Kletterwände mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden präsentiert. Das Augenmerk wurde auf das Sicherungssystem gelegt. Es ist möglich, ohne weitere Hilfsperson, die einen Sichern muss, zu klettern. Weiter ging es mit der Lasertag-Arena, die eine der Hauptattraktionen des Indoor-Parks ist. Der größte Bereich war die Jumping Area und der Adventure Park, mit verschiedenen Arten von Trampolinen und ein Labyrinth mit über 60 verschiedenen Attraktionen auf 4 Ebenen verteilt. Zum Schluss wurden uns die verschiedenen Party Räume gezeigt, die in verschiedene Themen eingeteilt wurden.

Natürlich durften wir die einzelnen Attraktionen selbst ausprobieren und testen. Wir bekamen unsere eigenen rutschfesten Funtasy-World Socken und konnten loslegen. Einmal wieder Kind sein! Es ging durch das große Labyrinth, wo man auf verschiedenen Ebenen klettern, springen oder sich hochziehen musste. Am Ende kam man oben an und es konnte gerutscht werden. Auch die Trampoline wurden ausprobiert. Einige von uns konnten ihre Saltos am Airbag vorzeigen, andere fanden Gefallen an den interaktiven Trampolinen. Eine weitere Attraktion, die nicht fehlen durfte, waren die Kletterwände mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Wir wurden alle gesichert und erhielten eine Sicherheitseinweisung. Dann ging es los mit dem klettern. Oben angekommen konnte man sich einfach fallen lassen, denn das Sicherheitssystem bremste den Fall ab. Das Highlight war eine Lasertag-Session, wo wir alle gegeneinander spielten. 15 Minuten Adrenalin pur. In der Game-Halle musste man schnell sein oder sich einfach gut verstecken können.

Wer erreicht mehr Punkte?

Dieser Besuch in der Funtasy-World war sehr aufschlussreich und einige Eindrücke können nun auch in die Planung unseres Indoor-Parks mit einfließen.

Zwischen Herbst und Hauptstadt – Berliner Flussfahrt mit Seenswürdigkeiten

Zwischen Herbst und Hauptstadt – Berliner Flussfahrt mit Seenswürdigkeiten

Die KUHNLE-TOURS Grafikdesignerin Heike Meyer ist mit ihrer Familie unterwegs gewesen. Papa Jörg Meyer hat das Bordbuch geführt. Hier ist sein Bericht.

Zugegeben – wir waren vor zehn Jahren schon mal da. Aber daran kann sich unser Sohn nicht mehr erinnern. Und da demnächst eine Klassenfahrt nach Berlin ansteht und Berlin immer eine Reise wert ist (und erst recht auf dem Wasser), dachten wir, kann es nichts schaden, ihn schon einmal etwas Berliner Luft schnuppern zu lassen … Also kurzentschlossen vom 30. Oktober bis 5. November eine Kormoran 1140 gechartert, Zugtickets gekauft und Taschen gepackt.

Am Samstag ging’s um 6 Uhr in Böblingen los: mit der S-Bahn nach Stuttgart, dann nonstop mit dem ICE nach Berlin und mit der Berliner S-Bahn ans Ziel. Von der Haltestation in Zeuthen sind es nur ein paar hundert Meter zur Kuhnle-Marina – auch mit Gepäck kein Problem zu Fuß.

Das Bild zeigt einen Steg an dem viele ähnlich aussehende Hausboote der Baureihe Kormoran liegen. Darüber weht an einem Mast die blaube Kuhnle-Tours-Flagge.
Basis Zeuthen: Die paar Meter von der S-Bahn-Station sind auch mit Gepäck zu schaffen.

Um 13.30 Uhr stehen wir erwartungsvoll vor dem Büro, eine nette Mitarbeiterin bringt uns zu „unserem“ Boot und hält die Einweisung so kurz, wie wir sie brauchen. Denn wir wollen noch los! Also flugs zum nahen REWE-Supermarkt, mit dem Nötigen für ein paar Tage eingedeckt (Kerzen nicht vergessen für die Stimmung!) und aufs Hausboot gebracht. Stauen ist kein Problem – auf einer Kormoran gibt es jede Menge Platz.

Zu Sehen ist die modern gestaltete Zeuthener Filiane des Rewe-Marktes.
Beste Versorgung vor Ort: Rewe-Markt in Zeuthen

Ende Oktober wird es schon recht früh dämmerig; also Hausboot aus der Box zirkeln, Gashebel auf den Tisch und ab geht’s. Mit satten acht Stundenkilometern – Hektik kommt da keine auf! Die lassen wir lieber auf dem Steg zurück … Einen Schlenker durch eine betörend schöne Seenlandschaft noch und schon haben wir über den Großen Zug kurz vor Sonnenuntergang unser erstes Etappenziel erreicht: den Krossinsee (mal mit K und mal mit C geschrieben). Dort lassen wir in einer stillen Schilfbucht den Anker ins Wasser rauschen. Still? Nun ja, während Heike Spaghetti mit Tomatensoße kocht, beobachtet der Sohn eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen einem Grau- und einem Silberreiher, die erst mit einsetzender Dunkelheit ihr Ende findet.

Zu sehen sind zwei Schwäne auf einer weiten Wasserfläche im Abendlicht.
Natur außenbords.

Dies ist der einzige Moment, an dem wir bedauern, dass wir nicht mehr Sommer haben – wie unbeschreiblich schön wäre ein Abend auf dem Achterdeck bei einem Glas Rotwein! Aber es ist definitiv zu kalt. Und so machen wir es uns im schön beheizten Salon gemütlich. Dank Spannungswandler ist übrigens auch das Aufladen unserer Smartphones gesichert.

Zu sehen ist ein Smartphone, dass über einen Spannungswandler in die 12-Volt-Steckdose beim Fahrstand aufgeladeb wird.
Handyladen kein Problem, entweder gleich mit 12-Volt-Stecker oder über den Spannungswandler an Bord.

Halloween am Charlottenburger Ufer

Nach einem schönen Frühstück heißt es „Anker auf!“ Wir tuckern bei traumhaftem Wetter – blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperatur – gleich hinter Schmöckwitz auf die Spree-Oder-Wasserstraße. Erste Begegnung mit der Berufsschifffahrt (in Gestalt eines Schubverbands) auf dem, je näher man sich kommt, umso schmaler scheinenden Kanal. Puh, geschafft!

Schon bald wird der Kanal wieder zu einer buchten- und inselreichen Seenkette (die Dahme durchfließt hier den Seddinsee und den Langen See). Natur pur – es ist kaum vorstellbar, dass wir nicht einmal 30 Kilometer vom Brandenburger Tor entfernt sind! Und dann kommt Köpenick in Sicht. Aber wir verschieben den Hauptmann auf später und lassen Köpenick rechts liegen.

Zu sehen ist ein Binnenfrachtschiff in Fahrt im Hintergrund die Oberbaumbrücke mit den charakteristischen Türmchen und einer gelben U-Bahn.
“Die Wasserstraße ist für alle da!” – “Aber der ist viiieeel stärker als wir!” – “Dann weichen wir eben aus!”

Jetzt wird es doch allmählich städtischer: mittlerweile bewegen wir uns auf der Spree am Rummelsburger See vorbei. Dort und auch an der Insel der Jugend besorgt uns der schwimmende Schrott – hoffentlich sind diese halb versunkenen Untersätze („Boote“ kann man das kaum nennen) wenigstens fest vertäut!

Zu sehen sind eine Anzahl alter und sehr alter Boote, ein Boot liegt halb gesunden und von einer Ölsperre umgeben etwas abseits.
Schwimmender Schiffsfriedhof nahe der Insel der Jugend.

Bald tauchen wir mit unserem Hausboot in Bilder ein, die jeder aus dem Fernsehen kennt: Wir passieren an der Nahtstelle von West- und Ostberlin den dreifachen Molecule Man und steuern die Oberbaumbrücke – eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt – an. Heike ist von dem Motiv mit dem Funkturm im Hintergrund so begeistert, dass wir ein Stück an der Einfahrt in den Landwehrkanal vorbeifahren müssen. Und so kommt es zu einem kleinen Malheur: Weil wir jetzt von der falschen Seite auf die Oberschleuse zufahren, sehen wir das erste rote Halte-Signal für die Sportschifffahrt nicht und wollen gerade an dem Poller für die Berufsschifffahrt festmachen, als uns ein netter Schleusenwärter zur „richtigen“ Wartestelle winkt („Eijentlich müsste ick jetzt 35 Euro kassieren ….“)


Zu sehen ist der Landwehrkanal vom Wasser aus mit einer Rundbogenbrücke unter der sich ein Geschwader Schwäne versammelt hat.
Landwehrkanal: Wer ist hier die Attraktion?
Zu sehen ist eine Bootscrew, am Fahrstand eines Hausbootes, die sich unter einer niedrigen Brücke duckt.
Achtung Kopf einziehen! Die Brücke der Landwehrkanals sind schön. Aber berüchtigt niedrig. Für eine Kormoran reicht es gut.

Letzter Tag im Landwehrkanal, um ohne vorherige Anmeldung durchzukommen. An diesem sonnigen und warmen Halloween-Sonntag ist halb Berlin auf den Beinen und flaniert oder chillt am Ufer und auf den Brücken des Landwehrkanals. Nicht immer ist nur Tabak zu riechen und wir staunen und werden bestaunt. Es ist nicht ganz sicher, wer hier die Attraktion ist … Doch wir müssen höllisch aufpassen und rechtzeitig den Kopf einziehen – die meisten Brücken sind so niedrig, dass zwischen Kajütaufbau und Eisenkonstruktion kaum noch Platz bleibt. Es dämmert schon, als wir die Unterschleuse erreichen. Hier machen wir alles richtig und finden bald – wieder auf der Spree – am Charlottenburger Ufer gegenüber dem Österreichpark ein schönes Plätzchen zum Anlegen. Klar, dass es zum Halloween-Abendessen eine Kürbissuppe gibt und danach noch einen kurzen nächtlichen Spaziergang zum Charlottenburger Schloss …

Zu sehen ist ein Hausboot im fast ganz verschwunden Tageslicht, es liegt an einer Spundwand am mit herbstlichen Blättern bedecktem Ufer, im Hintergrund sieht man die Lichter einer Brücke und der Stadt Berlin.
Mit dem Boot zum Schloss: Anleger Charlottenburger Ufer.

Mitten ins Herz von Berlin

Der nächste Morgen schaut leider etwas trüb aus der Wäsche – aber schließlich ist ja auch schon 1. November. Wir fahren über die Spree, passieren Siemensstadt und Schloss Bellevue (allerdings eingerüstet) und fahren dann direkt am Kanzleramt vorbei. Die meisten Büros sind unbesetzt, in einem vespert ein Mann gerade sein Pausenbrot. Sooo nahe kommt man dem Regierungssitz nur selten! Dann kommt der Reichstag. Schade, wir können außer etlichen Journalisten keine bekannten Politikergesichter am Ufer entdecken. Es ist noch Vormittag – trotzdem machen wir schon fest: am Schiffbauerdamm. Heute wollen wir unserem Jungen mal die Highlights von Berlin zeigen. Jetzt tauchen auch die ersten Sightseeing-Schiffe auf. Die Rundfahrten starten in der Nachsaison scheinbar erst nach 11 Uhr. Da haben wir Glück gehabt – an den Brücken kann es aufregend eng werden, wenn man so einem Pott in die Quere kommt. Übrigens, wir hatten uns schlau gemacht: Man darf ab dem 1. November auch nach 10.30 Uhr ohne Funkzeugnis im Herz von Berlin unterwegs sein.

Zu sehen ist eine Hauswand mit Fenstern, durch das Fenster sind Kabael und technische Gerätschaften zu sehen.
Wird hier Politik gemacht? Oder blos Fernsehen?
Zu sehen ist das Achterdeck eines Hausbootes mit Fahrstand Vater und Sohn am Stuern, im Hintergrund Regierungsgebäude.
Berlin, Regierungsviertel: Die beiden Brücken, die die Regierungsbeäude verbinden heißen inoffziell “höhere und niedrigere Beamtenlaufbahn”
Zu sehen ist der Blick vom Schiffsbug auf Wasser im Hintergrund ist der Bahnhof Friedrichstraße zu sehen. Alles zur blauen Stunde, also mit Abendstimmung.
Anleger Schiffbauer Damm mit dem Bahnhof Friedrichstraße im Hintergrund.

Heute also zu Fuß Strecke machen: vorbei am Anhalter Bahnhof über den Bebelplatz (besser bekannt als Opernplatz) mit Humboldt Universität, St. Hedwig, Staatsoper und Alter Wache zum Dom und von dort über die Museumsinsel (montags leider alles geschlossen) zum Humboldt Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss. Mittlerweile hat es leicht zu nieseln begonnen – darum dachten wir, das sei die beste Gelegenheit, ohne lange anzustehen auf den Fernsehturm am Alex zu kommen. Denkste! Nach über einer Stunde sind wir durchgefroren, nass und schlecht gelaunt und immer noch nicht am Eingang. Ohne online-Ticket keine Chance!

Also zurück aufs Boot, das immer noch einsam am Schiffbauerdamm liegt. Badesachen eingepackt und zum Schwimmbad Mitte – einer sehr puristischen Badeanstalt aus den 30er Jahren. Nach der letzten Bahn festgestellt, dass keiner Lust aufs Kochen hat und auf dem Rückweg zum Boot eher zufällig im “Friedel Richter” einem Geheimtipp-Restaurant mit ganz exquisiter Küche gelandet. Damit war der Tag dann endgültig gerettet.


Hausboot in Vorbeifahrt an der modernen Fassade des Humboldt-Forums.
Humboldt-Forum im wiederaufgebauten Schloss.

Kleiner Schalter – große Wirkung

Am Dienstag, dem 2. November, hat sich das Wetter wieder gefangen und um 9 Uhr stehen wir vorm Zimt & Zucker Kaffeehaus, um den 3G-Regeln gemäß an einem Frühstückstisch platziert zu werden. Pappvoll und kaffeewach legen wir ab und beschauen uns bald darauf vom Wasser aus Museumsinsel, Dom und Berliner Schloss (von hinten erkennt man: Alles nur Fassade!).

Zu sehen ist ein reich gedeckter Frühstückstisch in einem Café.
Frühstück an Land

Aber dann – Katastrophe! Das Wasser läuft in den Waschbecken nicht ab! Sollten wir drei denn den Abwassertank binnen dreier Tage zu Überlaufen gebracht haben? Ab zur nächstbesten Absauganlage. Das wäre die Citymarina Rummelsburg. Aber, oje!, ein Anruf bringt Ernüchterung: in der Citymarina wird weiter modernisiert, die Absauganlage ist vorübergehend außer Betrieb! Nächste Möglichkeit ist das Wassersportzentrum Berlin. Hinter Köpenick – so weit raus wollten wir heute eigentlich noch nicht, aber hilft nichts. „Und – hat sich was getan?“ – „Nee, immer noch unverändert!“ Also auf nach Osten!

Zu sehen ist ein Hausboot beim Schleusenvorgang, auf dem Vordeck steht der jugendliche Sohn der eine Festmacherleine um einen Poller führt.
Mühlendammschleuse in Berlin-Mitte

Wir dampfen Fullspeed durch die Mühlendammschleuse, an der East Side Gallery, dem Treptower Park (mit dem riesigen sowjetischen Ehrenmal) und an der Insel der Jugend vorbei, machen nur kurz Einkaufsstopp beim Bootsanleger Netto/REWE in Niederschöneweide und sind bald darauf in Köpenick. Dort biegen wir nach links Richtung Großem Müggelsee ab. Ziel ist der Steg F („Eff wie Fäkalienabsauganlage …“) des Wassersportzentrums. Und dann? Kaum haben wir den Rüssel in die Öffnung gesteckt, saugt er nur noch Luft – jetzt ist guter Rat teuer! Oder? Oder einfach nur ein Anruf im Marinabüro? Gesagt – getan: Heike spricht mit Brian und nach ein paar gezielten Fragen ahnt der Techniker die Ursache. Ganz einfach: Unser Sohn hatte am Abend zuvor nur einen entscheidenden Sicherungsschalter zu viel umgelegt – den von der Abwasserpumpe! Klick – und schon verschwindet das Wasser aus den Waschbecken!

Zu sehen ist ein Supermarktparkplatz zwischen zwei Einkaufsmärkten. Im Hintergrund ist das Deckshaus einer im Wasser liegenden Kormoran zu sehen.
Boat-In-Discounter: Nettomarkt und Getränkemarkt in Niederschöneweide.
Zu sehen ist der Hafen der Citymarina Berlin Rummelsburg, im Hintergrund teilweise moderne Gebäude, teilweise alte Industriearchitektur mit Backsteingebäuden.
Citymarina Berlin-Rummelsburg
Zu sehen ist ein Wegweiser der mit drei Tafeln den Weg nach Köpenick, Neukölln/Potsdamm und Berlin-Mitte/Kreuzberg zeigt. In Hintergrund ein Ufergarten mit Grill und Sitzecke.
Was ist wo am Wasser? Wegweiser für Bootfahrer in Köpenick.

Wir machen am Kopfsteg C fest und uns auf einen längeren Spaziergang. Zuerst nach Friedrichshagen, wo die Spree aus dem Müggelsee fließt und dann über den Spreetunnel hinweg (bei seiner Einweihung 1927 eine kleine Sensation) und auf der Köpenicker Seite durch schönen Wald in die Köpenicker Altstadt. Im Bezirksamt (dem ehemaligen Rathaus) gibt es eine Ausstellung über den „Hauptmann von Köpenick“ Friedrich Wilhelm Voigt. Das Schloss hat schon zu – darum gehen wir zurück und essen im Ratskeller ein deftiges Abendessen, bei dem unser Sohn seine erste Berliner Weiße in Rot trinkt. Und dann, weil er sie so lecker findet, gleich noch eine … Zum Hausboot zurück fahren wir aber mit der Tram.

Zu sehen ist der liebevoll gestaltete Eingang zum historischen Spreetunnel.
Eingang zum Spreetunnel.

Die Keimzelle Berlins

Der 3. November ist ein Tag, der trüb startet, aber dann doch ganz heiter wird. Wir tuckern auf dem betonnten Fahrwasser über den Müggelsee, an Neu Venedig vorbei, durch den Dämeritzsee und den Flakensee zur Woltersdorfer Schleuse. Hier sind wir verblüfft vom kristallklaren Wasser, das seinen Ursprung wahrscheinlich im Kalkstein hat, schließlich beginnt hinter der Schleuse auch der Kalksee, der Heike sogar noch zu einem (zugegebenermaßen sehr kurzen) Badestopp verleitet. Wir kommen schließlich ins Strausberger Mühlenfließ und legen an einem brandneuen Wasserwanderrastplatz (für acht Boote mit bis zu 13 m Länge, 4,50 m Breite und 1 m Tiefgang) an.

Unser Etappenziel ist erreicht – denn der Eingang zum Museumspark Rüdersdorf ist gleich um die Ecke (und geöffnet!). Faszinierend: Hier im Rüdersdorfer Kalksteinbruch wurden die Kalksteine abgebaut, aus denen viele bedeutende Bauwerke in Berlin und Umgebung errichtet sind, zum Beispiel das Brandenburger Tor, das Olympiastadion und das Schloss Sanssouci!

Anleger am Museumspark
Man sieht alte Maschinenteile aus Stahl, im Hintergrund eine großes Tagebauloch.
Aussicht auf die Kalkabbaugrube
Man sieht große alte Industriegebäude mit hohen Schornsteinen und anderen Aufbauen aus Backstein. Sie gehören zum Museumspark Rüdersdorf.
Frühere Gebäude der Baustoffverabeitung im Museumspark Rüdersdorf.

Rückfahrt nach Zeuthen

Der Regen hat uns am Donnerstag endgültig eingeholt – da fällt das Ende unseres herbstlichen Hausboot-Törns nicht so schwer. Wir freuen uns über den Innensteuerstand und machen uns auf den Weg zurück. Zwei Stunden später sind wir wieder in Zeuthen.

Vorteile einer Fahrt im Spätherbst:

  • Keine Wartezeiten an den Schleusen
  • Jede Menge freie Liegeplätze
  • Freundliche Berliner*innen (ja: *, Berlin ist ziemlich kreuz und queer …)
  • Sonne – ohne Sonnenbrand
Man sieht einen Steg an dem viele ähnlich aussehende Hausboote der Kormoran-Baureihe festgemacht sind.
Zurück am Steg in Zeuthen.
Die Müritz – eine Badewanne?

Die Müritz – eine Badewanne?

Törnbericht von Familie Ihlenfeld-Tews, die im Juli 2021 mit einer Haines 1070 zwischen der Müritz, Rheinsberg und Neustrelitz unterwegs war.

Wir sind die ganzen letzten Jahre mit einer Ausnahme immer nur im Frühjahr oder im Herbst mit Hausbooten unterwegs gewesen. Das war immer ideal, um die Zinsen, die unser Investment bei KUHNLE-TOURS bringt, „abzufahren.“ Nun ist ja eines der Werbeargumente von KUHNLE-TOURS „Die Müritz ist im Sommer im Grunde eine einzige Badewanne“ – aber rechtfertigt das wirklich die hohen Charterpreise in der Hauptsaison? Das wollen wir in diesem Jahr herausfinden.

Bade-Feeling in Rheinsberg

Zunächst kommt kein Bade-Feeling auf, denn so richtig gutes Sommerwetter ist erst ein paar Tage nach dem Start im Hafendorf Müritz. Gerade als uns Freunde, die in der Nähe mit dem Wohnmobil Urlaub machen, spontan an Bord in Rheinsberg besuchen. Jetzt sind wir vier Erwachsene und vier Kinder zwischen 13 und 18 Jahren Jahren auf der Haines. Wir fahren mit dem Besuch zusammen auf die wind-abgewandte Seite der Insel im Rheinsberger See und springen ins kühle Nass. Es stellt sich heraus, dass sich mittlerweile alle Kinder Köpper oder auch Arschbomben sogar vom Dach des Hausbootes aus trauen. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Sie werden so schnell groß …

Arschbombem-Alarm! Vom Salondach aus spritzt es am höchsten!

Nachdem die „Arschbombe des Jahres“ sogar mit einer Unterwasser Action-Kamera dokumentiert ist und unsere erfrischten Körper von der schönen warmen Außendusche auf der Badeplattform des Hausbootes gereinigt wurden, geht es wieder weiter. Nach der Runde um die Kleinseenplatte (Mirow – Neustrelitz – Wesenberg – Rheinsberg) wollen wir für die letzten beiden Tage wieder rauf auf die Große Müritz. Wir übernachten auf dem Weg dahin spontan bei Boot & Mehr am Kleinen Pälitzsee, wo es uns nicht nur wegen der guten Stimmung, den leckeren Getränken und dem frisch renovierten Sanitär-Bereich sehr gut gefällt.

Bild, das die Steganlage von Boot & Mehr am Kleinen Pälitzsee zeigt, ein roter Flachbau mit blumengeschmücktem Biergarten davor.
Leckere Cocktails am Kleinen Pälitzsee.

Bei zu viel Wind und zu hohen Wellen fährt man nicht mehr über die Müritz, das ist uns klar. Der freundliche Hafenmeister von Sietow wackelt etwas bedenklich mit seinem Kopf, als er von unseren Plänen hört. Die gutmütigen und größeren Hausboote machen aber eine Menge mit, das hatten wir schon auf der Hinfahrt gemerkt (in unserem Fall mit einer Haines 1070). Dann darf allerdings auch nichts mehr auf dem Tisch stehen und die Sitzbank am oberen Fahrstand ist besser angebunden.

Unsere Haines im Sietower Hafen.

LOWLIGHTS                                                       

  • Stromsäulen, die 50 Cent-Stücke benötigen (Inklusiv-Modelle sind einfacher, fairer und besser)
  • Mit größeren Hausbooten in den Wasserwanderer-Rastplatz nach Wesenberg hinein fahren (auf einem See ankern oder zur Not nachts vor oder nach einer Schleuse an der Sportbootwartestelle liegen bleiben, wäre vermutlich besser gewesen)
  • Kinder, die nur ungern mit spülen und abtrocknen helfen

HIGHLIGHTS

  • Neustrelitz (immer eine Reise wert, nicht nur wegen freundlicher Hafenmeister, guten Duschen, günstiger Inklusiv-Preise und einer interessanten Innenstadt)
  • Fischbrötchen an der Uferpromenade in Rheinsberg
  • Cocktails bei „Boot & Mehr“ am Kleinen Pälitzsee trinken
  • Die Flexibilität und die Freundlichkeit vom gesamten Captain’s Inn Team
  • Beiboot mit Außenborder für große und kleine Kinder

FAZIT

Ja richtig, die Müritz ist eine Badewanne. Wir haben auch bei kühlerem Wetter immer wieder im Wasser schwimmende Menschen gesehen. Wir selber haben leider wetterbedingt doch nur einen richtigen Badetag im ganzen Urlaub geschafft, finden das aber nicht so schlimm.

Kinder werden groß und möchten irgendwann nicht mehr mit ihren Eltern Urlaub machen. Das ist uns bewusst. Eine Erfahrung aus dem Tierreich konnten wir vorher schon bestätigen: „Nachwuchs mit Futter anlocken“. In unserem Fall hat das in diesem Jahr nicht nur mit Fischbrötchen sondern insbesondere auch mit einem Beiboot mit Außenborder funktioniert. Schleusen und Anlegen wird etwas komplizierter, unser Nachwuchs hatte damit jedoch eine Menge Spaß und deutet an, auch in Zukunft möglicherweise wieder mitfahren zu wollen.

Ideal für Teenies: Beiboot-Ausflug
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

Heute: Wir bauen einen Reisemobil-Stellplatz! Und wenn wir schon mal dabei sind … Aber lesen Sie lieber die ganze Geschichte.

Steine haben reichlich im Weg gelegen in den fast 24 Jahren, die vergangenen sind seit ein junger Hausboot-Typ aus dem Westen das Gelände des ehemaligen VEB Schiffswerft Rechlin ersteigert hat. Von den 1100 Mitarbeitern, die zu DDR-Zeiten in Rechlin Behördenboote und Rettungsboote gebaut hatten war damals, im Herbst 1997, nur noch einer – Günther Lindstaedt – vor Ort, um dem neuen Hausherren seine Liegenschaft zu zeigen. Die anderen 1099 waren im Zuge der fehlgeschlagenen Privatisierung des VEBs dem Arbeitsamt zugeführt worden, aber das ist eine andere Geschichte.

Arbeitsfahrzeuge aller Art sind ständige Gäste im Hafendorf Müritz.

Was es damals zwischen Müritz und Claassee gab war folgendes: Betonhallen, die schon bessere Zeiten gesehen hatten, Bürogebäude mit Sprelacart- (in Westdeutschland: Resopal-) Chic aus den 70ern, eine (!) sanierte Toilette mit elegantem Fußboden sowie ein Atombunker. Viele der langjährigen Stammkunden erinnern sich sicher noch an die Industriebrache, über die sie stapften, als es endlich mit dem Straßenbau und der Erschließung losging. Über eine schlammige Baustelle mussten sie von ihren geparten Autos zum Steg und wunderten sich vielleicht insgeheim, dass es einen Menschen gab, der fest an eine große Zukunft dieses Lost-Places an der Müritz glaubte. Harald Kuhnle, der Hausboot-Typ aus Stuttgart, hatte im Frühjahr 1991 in Waren die erste Hausbootbasis in den neuen Bundesländern eröffnet. Er dachte groß. Zu groß für die Warener Stadtvertretung, die den Kopf schüttelte, als er anbot, sich entweder des Stadthafens oder des alten Sägewerks anzunehmen um dort eine Marina aufzubauen und an Land Platz für Boote, Werkstätten und Wohnungen zu schaffen. „Wir wollten nicht, dass einer so groß wird“, steckte uns später mal ein Insider nach dem dritten Rum, „war ein Fehler damals.“ Harald Kuhnle sah sich nach einem alternativen Standort um und fand ihn am Südufer der Müritz: das Geländes des ehemals volkseigenen Betriebs Schiffswerft Rechlin.

Als 2003 der „Turm“ abgerissen wurde – ein prägnantes Beton-Monster mit Flak-Plattform auf dem Dach – schrieben wir in die Pressemitteilung: „Plattmachen ist in Ordnung, wenn man was neues aufbaut.“ Inzwischen steht dort übrigens ein schönes Apartmentgebäude. Weitere Hallen wurden abgetragen, Ferienhäuser errichtet. Überzählige Betonteile nutzen wir, um hinter den Werfthallen ebene Flächen für das Boots-Freilager zu schaffen. Was dafür nicht eben genug war, kam auf einen großen Haufen.

Was man alles so findet, wenn man eine Fläche bebaubar macht … Hier ist ein winzig kleiner Teil der Steine, die wir so im Laufe der letzten 24 Jahre aus dem Weg geräumt haben.

Der Haufen wurde immer größer. Beim Ausgraben eines Fundamentes stieg plötzlich der Baggerfahrer kreidebleich aus seinem Cockpit. Er hatte unter einem Fundament eine Fliegerbombe gefunden und glücklicherweise nicht ausgelöst. Nach der Kampfmittelsondierung und Entsorgung der Fundbombe ging es dann weiter. Einige Hallen durften stehen bleiben, wurden außen ertüchtigt und/oder verschönert und innen entkernt, damit man vernünftig Boote drin aufbewahren konnte. Der Abraum kam wieder auf den großen Haufen.

Schon seit 2006 war in der Planung des Hafendorf Müritz ein Wohnmobil-Stellplatz vorgesehen. Doch immer waren andere Investitionen wichtiger: Der Travellift, der Bau der Niederlassung in Frankreich, die neuen Marina-Müritz-Apartments, die Pirates Bar, der Anbau vor dem Captains Inn – die Liste ist endlos. Allein, es ist in der in diesem Jahr 40jährigen Firmengeschichte tatsächlich noch nicht passiert, dass jemand nach mehr Arbeit verlangt hätte. Auch der Chef nicht, der sich für künftige Projekte gerne mal Hotels auf anderen Kontinenten ansieht und Craft-Biere verkostet.

2020 – im Corona-Jahr – war der öffentliche Parkplatz vor dem Werftgebäude in einer App aufgetaucht, die kostenlose Reisemobil-Stellplätze ohne Service (aber auch ohne Gefahr verjagt zu werden) auflistet. Jeden Abend gingen wir also nach Feierabend an gemütlich entspannenden Campern zu unseren Autos. Kurz überlegten wir, auf die Schnelle einen Pop-Up-Stellplatz zu errichten. Wir hatten die Sanitärcontainer aus einem aufgegebenen Standort noch herumstehen, könnten die für den Stellplatz gedachte Ecke einmal überplanieren, Container anschließen und Einen zum Kassieren hinstellen, das sollte doch gehen?

„Nix da, wenn, dann gleich richtig, aber erst nächstes Jahr! Und einen Mitarbeiter zum Kassieren haben wir schon gar nicht übrig!“, lautete die Order de Mufti. So machten wir uns an die Planung: Ein hübsches kleines Sanitärgebäude mit fünf kompletten Duschbädern, eines davon für Rollstuhlfahrer zugänglich, außen mit Abwaschbecken, 47 unterschiedlich große Stellplätze für den ausgebauten Kastenwagen bis zum Dickschiff mit LKW-Zulassung, jeder mit Stromanschluss und Platz für Grill und Liegestuhl. Und natürlich eine Station zum Ablassen von Grauwasser, Bunkern von Frischwasser und Entsorgung von Chemie-WCs.

Fünf Duschbäder, davon eins barrierefrei (der Türdurchgang ist eigentlich breiter als auf dem Grundriss) und je zwei Becken fürs Pipimachen im Sitzen und im Stehen.
So sieht das Häuschen später von außen aus. Licht bekommen die von außen zugänglichen Zimmer von oben und durch Fenster in den Türen.
Stand 9. April 2021: Rohbau und Dachauflagen sind fertig.

Bei einer sonntäglichen Winterwanderung im Schnee besprachen wir mit anderen kompetenten Spaziergängern (in Person von Hafenmeister Maik Marlow und seiner Frau Anke), ob wir einen Wall oder Bäume zur Einfriedung des Geländes nehmen sollten und ob man vorsorglich noch eine Ladestation für Elektrowohnmobile installieren sollte (erstmal nicht, aber schon mal Kabel legen). Und wenn wir sowieso schon dabei sind, können wir ja noch zusätzliche Stellplätze für Kunden anlegen, oder? Die olle Sandfläche und die Wiese vor und neben dem Captains Inn war in der letzten Saison eher ein Parkchaos als ein Parkplatz. Warum muss ein Auto eine Woche mit Blick aufs Wasser herumstehen, während sein Besitzer mit dem Hausboot unterwegs ist?

Was haben wir nicht alles an Rohren ausgegraben! Bei manchen wusste keiner mehr, wofür die mal gut gewesen sind. Ein Telefonkabel von der Deutschen Bundespost war auch dabei.
Weiß wo was lang geht: Günther Lindstaedt in seiner aktiven Zeit in der Kuhnle-Werft

Dann rückten die Bauarbeiter an. Erstmal unsere Eigenen. Zunächst wurden alte Schächte „zurückgebaut“ (ausgebuddelt und auf den großen Haufen), außerdem bauten die Werftkollegen alte Fernwärmerohre aus, räumten tote Wasserleitungen weg, trennten Stahlrohre mit dem Gasbrenner. „Keiner wusste, welcher Schacht noch für irgendwas gut war“, berichtet das Bau-Team. Rat wusste wieder mal Günther Lindstaedt (der eingangs erwähnte Mitarbeiter 1100, der das Gelände wie seine Latzhosentasche kennt). Er kam gerne aus dem Ruhestand vorbei und sagte, welches Rohr wohin führt. Dann konnten neue Rohrbettungen gebaggert und Leitungen verlegt werden: Für Abwasser, Frischwasser, Regenwasser und allerhand Kabelage: 400 Meter Glasfaserkabel, 700 Meter CAT-7-Leitung und wohl einen ganzen Kilometer Stromkabel versenkte die Kuhnle-Werft im Boden. Es wäre natürlich nett gewesen, jeden Stellplatz einzeln mit einem Wasseranschluss zu versehen, leider erschwert die neue Trinkwasserverordnung solche dezentralen Anlagen, so wird es dann Wasser und Abwasser an einem etwas seitlich liegenden Ver- und Entsorgungsplatz geben. 

Kilometerweise Kabel verlegt: Glasfaser, Strom, Datenleitungen: Die meisten Kabel sind schon verlegt und die Gräben wieder zugeschüttet.

Nun musste das ganze Gelände noch aufgefüllt und leidlich eben gemacht werden. Dafür Boden anfahren lassen, kommt bei einer Firma mit schwäbischen Wurzeln natürlich nicht in Frage. Wozu hatten wir schließlich die letzten Jahre Beton gesammelt! So kam der große Haufen nach und nach in einen Schredder, wo er zu kleinen Steinchen gemahlen und zum Auffüllen von Schächten und Gelände genutzt wurde.

Haralds Hügel? Kuhnles Kuppe? So sieht ein weitere kleiner Teil der Steine aus, die wir aus dem Weg geräumt, dann geschreddert und dann verbaut haben.

Jetzt kurz nach Ostern ist der Platz soweit gediehen, dass wir im Mai die ersten Wohnmobile begrüßen können. Vorausgesetzt, dass uns allen dann unsere Reisefreiheit zurückgegeben ist. Dann wird die ganze digitale Landschaft des Platzes samt drei W-Lan-Verteilern schon fertig sein. Die Idee ist, dass man den Platz vorab im Internet bucht, die Schranke an der Einfahrt das Autokennzeichen lesen und man mit Codes die Türen öffnen kann.

Wir freuen uns auf die Landyachten und ihre Crews!

Der Stellplatz bekommt natürlich auch eine eigene Internetseite für Anmeldung und Information: www.reisemobil-marinas.de

Platz für ausgebaute Mini-Vans und Asphalt-Dickschiffe: Die 47 Stellplätze sind unterschiedlich groß, deshalb Augen auf bei der digitalen Platzreservierung.
Der neue Reisemobilstellplatz liegt zwischen der Zufahrtsstraße zum Hafendorf Müritz und einer Parkhalle (im Sommer für Autos im Winter für Boote). Die Zufahrt ist direkt an der Straße „Am Hafendorf“, so kann unnötiger Verkehr im Hafendorf vermieden werden. Zum Strand an der Müritz, zum Captains Inn und zur Pirates Bar am Ufer des Claassees sind es nur ein paar Schritte.
Von Bayern an die Müritz – unsere erste Studentin im dualen Studium an der IU-Internationalen Hochschule und bei KUHNLE-TOURS

Von Bayern an die Müritz – unsere erste Studentin im dualen Studium an der IU-Internationalen Hochschule und bei KUHNLE-TOURS

„In Bayern gibt es nur Wellness oder Wandern“, sagt Anna-Lena Röckl. Die 21jährige hatte aber während Ihrer Ausbildung in einem Marina-Hotel auf Island Hafenluft geschnuppert. „Diese besondere Atmosphäre, glitzerndes Wasser, Schiffe, Masten, Boote – das war das wo ich hin wollte.“

Anna-Lena Röckl – mit bayerisch rollendem „R“ – ist unsere neueste Kollegin. Sie studiert Tourismusmanagement im dualen Studiengang der IU-Internationalen Hochschule, mit der KUHNLE-TOURS seit diesem Semester zusammenarbeitet. Als ihr die Studienberaterin der Hochschule KUHNLE-TOURS und Mecklenburg für die praktische Hälfte des Studiums empfahl, war sie gleich begeistert. In die weite Welt wollte sie ohnehin und wenn die ganz große weite Welt gerade wegen Corona geschlossen hat, ist Mecklenburg-Vorpommern von Bayern weit genug weg. Ihre Familie unterstützte sie bei allen Reiseplänen, „insgeheim sind meine Eltern vielleicht auch ein bisschen froh, dass ich in Deutschland bleibe“, sagt sie mit einem kleinen spitzbübischen Lächeln. „Und ich wollte halt Boote in der Nähe haben. Wellnesshotels sind nichts für mich, das war mir einfach zu steif.“ Obwohl: Das Sauna-Hausboot würde Anna-Lena schon gefallen. Aber erst mal steht neben Studium und Praxis im Hafen der Bootsführerschein auf ihrer To-Learn-Liste. Und natürlich der Umzug in die eigene Wohnung, denn die ersten Wochen verbringt Anna-Lena in einer KUHNLE-TOURS-Ferienwohnung, damit sie Zeit hat, sich zurecht zu finden und in Ruhe umzusehen.

Keine Angst vor dem Leben in einem eher übersichtlichen Ort? „I wo, in meinem Heimatdorf Großarmschlag waren wir auch nicht mehr Einwohner, hier gibt es sogar zwei Supermärkte im Ort, bei uns gabs keinen.“ 

Das duale Tourismusmanagement-Studium sieht vor, dass der oder die Studierende eine Woche im Betrieb praktisch lernt – und auch je nach Ausbildungsfortschritt anpackt – und die andere Woche studiert. Anna-Lena hat sich bei der Wahl des Schulstandorts für den „Virtuellen Campus“ entschieden. Den gab es an ihrer Hochschule schon vor Corona. „So kann ich es mir hier an der Müritz gemütlich machen, den Vorlesungen am Rechner folgen und in Ruhe meine Aufgaben erledigen.“ Auch der Austausch mit den Kommilitonen und Dozenten erfolgt über die elektronischen Kommunikationskanäle.

“Ich mag die Hafenatmosphäre” – Die große weite Welt fängt für Anna-Lena Röckl erst mal in Mecklenburg an.

Als bodenständiger Mensch gefällt Anna-Lena Röckl an ihrem Arbeitsort an der Müritz, dass hier viel zusammenkommt: „Einerseits das Urlaubsflair mit Wasser, Booten und hoffentlich bald auch Gästen, andererseits die Geschäftigkeit der Werft. Da werden große Schiffe in die Hallen gefahren, geschweißt, gebaut und 50 Meter weiter liegt man im Liegestuhl im Sand der Pirates Bar. Was für Gegensätze!“

Mehr Infos zur Hochschule gibt es hier: https://www.iu.de

Hier ist Anna-Lenas Studiengang: https://www.iu.de/bachelor/tourismusmanagement/

Mehr Infos zum Studium und zur Ausbildung bei KUHNLE-TOURS gibt es hier: https://www.kuhnle.jobs/ausweiterbildung/duales-studium/

Törnbericht – Kleine und große Seen im September

Törnbericht – Kleine und große Seen im September

Kormoran 1280 auf dem Ellbogensee

Crew: Sechs Freunde (4x Bodensee/ 1x Hannover/ 1x München), zwei Frauen, vier Männer

Boot: Kormoran 1280: „Steinbutt“

05.09.2020 Samstag – ANKUNFT

Anreisetag. Wir haben den ganzen Proviant für eine Woche schon vorab unter der Crew verteilt. So kommen wir in zwei Autos vollgepackt bis unters Dach einmal von Friedrichshafen mit Zwischenstopp in Hannover und einmal direkt in Priepert an der Mecklenburgischen Seenplatte an. Das sechste Crewmitglied muss noch vom Bahnhof in Fürstenberg abgeholt werden.

Nach kurzer Einweisung und dem Beladen des Bootes sind wir um 18 Uhr klar zum Ablegen. Wir möchten bereits am ersten Tag ankern. Also fahren wir drei km in den Ellenbogensee und finden dort eine super Ankerstelle. Beim einsetzenden Regenschauer merken wir sehr schnell, dass an der Dachreling auf der Backbordseite eine undichte Stelle ist. Mit dem freundlichen Servicetechniker vereinbaren wir noch am selben Abend einen Termin in Priepert für den nächsten Tag. Liegt sowieso auf unserer geplanten Route.

Blick auf den Ellbogensee

06.09.2020 Sonntag – Bis zur Schleuse Canow

Nach ausgiebigem Frühstück in unserer ruhigen Ankerbucht geht es zurück nach Priepert zum vereinbarten Reparaturtermin. Dort wird die gesamte Reling fachmännisch mit „Panzertape“ für unseren Törn dicht gemacht. Wasser in der Kabine sollte nun nicht mehr unser Problem sein.

Jetzt kann es weitergehen: Fahrt weiter zur Schleuse Strasen, dort zwei Stunden warten. Auf Grund der Coronakrise ist auch im September noch viel Betrieb mit Hausbooten auf den Seen und wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf die Wartezeiten an den Schleusen.

Weiterfahrt durch den Kleinen Pälitzsee zur Schleuse Canow (6,5 km), dort auch wieder warten. Schleuse macht um 17.45 Uhr zu, wir schaffen es gerade nicht mehr. Wir sind das erste Boot in der Schlange. Hinter uns zwei Party-Flöße, mit denen das Warten schnell vergeht. Fahrtstrecke: 12,5 km.

Wir entscheiden uns, dort zu bleiben. Die Schleusenwartezeiten werden zu einem festen Bestandteil unserer Planung werden und mit entsprechenden Imbissen versüßt (auch zum Neid anderer Bootsfahrer). Zum Abendessen gibt es selbstgemachte Burger.

An diesem Abend stellen wir leider fest, dass wir ein technisches Problem mit der Batterieladung haben. Nur mit Ladung über Landstrom hält die Batterie genügend Spannung für einen Tag Törn bereit. Die Lichtmaschine kann dies leider während der Fahrt nicht mehr leisten. (Das abschließende Bild ergibt sich leider erst gegen Ende, so dass wir während unseres Trips immer wieder mit komplettem Stromausfall zu tun haben, wenn wir ankern).

07.09.2020 Montag – Hafendorf Müritz

Als erstes Boot im Schleusenrang fahren wir pünktlich um 09 Uhr in die Schleuse ein. Danach gleich weiter zur Schleuse Diemitz (3 km). Nachdem auch diese geschafft ist, ist auch der Rest der Crew wach und wir haben uns unser Frühstück verdient. Wir ankern im Zotzensee und nehmen ein erfrischendes Bad im See. Eine Schleuse wollen wir heute noch schaffen, also geht’s weiter Richtung Schleuse Mirow. Die zwei Stunden Wartezeit dort eignen sich sehr gut für ein ausgiebiges Mittagessen auf unserem Sonnendeck. Nach einer abwechslungsreichen Fahrt erreichen wir gegen 18 Uhr das Hafendorf Müritz bei stürmisch werdender See. Das Boot kommt sofort an den Landstrom. Wir mieten uns eine 6er Fahrradrikscha und fahren nach Rechlin zum Einkaufen – eine Mordsgaudi.

08.09.2020 Dienstag – Waren/ Müritz

Nach gemütlichem Frühstück wird das Boot an den gegenüberliegenden Steg gelegt, um dort den Schmutzwassertank zu entleeren und Frischwasser zu tanken. Bei sehr windigem Wetter machen wir das Sonnendeck wind- und wetterfest (Bimini einklappen, Stühle und Tisch sichern) und steuern vom inneren Steuerstand über die Müritz bis nach Waren. Das Anlegen im sehr vollen Jachthafen der Stadt erweist sich bei starkem Wind als sehr anspruchsvoll. Nachdem wir eine Box erreicht haben, werden wir vom freundlichen Hafenmeister gebeten, eine neue Box direkt an der Kaimauer anzusteuern, da wir eines der längsten Boote im Hafen haben. Auch dies gelingt gut unter den Augen der Passanten und wir bekommen einen der besten Plätze direkt an der Promenade (#Hafenkino). Der Kollege im Hafenmeisterbüro ist leider etwas grummelig und behandelt uns etwas „von oben herab“. Aber davon lassen wir uns die Laune nicht verderben.

Wir brechen zu einem Stadtrundgang durchs schöne Waren auf mit Besteigung des Kirchturms von „St. Marien“. Zurück an Bord gönnen wir uns erstmal ein Radler auf dem Sonnendeck bei untergehender Sonne (#Yachtlife). In der Küche machen wir uns eine super leckere Pizza.

09.09.2020 Mittwoch – Zotzensee

Nun geht es wieder zurück Richtung Priepert. Zunächst müssen wir wieder bei starkem Wind aber sehr gutem Wetter die Müritz überqueren. Es geht weiter direkt über die Müritz-Havel-Wasserstraße und durch die Schleuse Mirow. Nach der Schleuse biegen wir nach links ab und machen am Schloss Mirow direkt an der Gastliegestelle des Hotels fest. Kleiner Rundgang über die hübsch gemachte Insel folgt. Im Zotzensee beenden wir unseren heutigen Törntag vor Anker.

10.09.2020 Donnerstag – Canower See

Auf dem Rückweg wollen wir die verbleibende Zeit für einen Abstecher nach Süden bis nach Rheinsberg nutzen. Nach der Schleuse Canow müssen wir durch die Schleuse Wolfsbruch. Die macht offiziell 17.45 Uhr zu. Wir stehen schon in der Schlange, wollen aber nicht vor der Schleuse übernachten. Daher entscheiden wir uns, umzudrehen und ein Stück zurück in den Canower See zu fahren, um dort zu ankern. Später stellen wir fest, dass dies eine Selbstbedienungsschleuse ist und auch nach 17.45 Uhr noch betriebsbereit gewesen wäre. Stattdessen haben wir einen tollen Abend mit Sonnenuntergang und Grillen an Deck.

Perfekter Sonnenuntergang zum gemütlichen Grillen auf dem Deck

11.09.2020 Freitag – Rheinsberg / Ellenbogensee

Durch die Schleuse Wolfsbruch geht es weiter über kleinere malerische Seen, wie den Schlabornsee und den Rheinsberger See bis vors Schloss Rheinsberg. Dort ankern wir und frühstücken. Wir legen anschließend im kleinen Bootshafen am Schloss an und besichtigen zu Fuß das Schloss samt umfangreichem Gelände. Wir müssen schon zeitig ablegen, da wir es noch durch zwei Schleusen bis nach Priepert schaffen müssen. Wir ankern wieder im Ellenbogensee.

12.09.2020 Samstag – Priepert / Bootsrückgabe

Frühes Frühstück und kurze Fahrt nach Priepert zur pünktlichen Bootsrückgabe. So ist leider unser Bootsurlaub schon vorbei. Wir haben eine super tolle Zeit auf dem Boot gehabt und viel gesehen. Die Seenlandschaft ist sehr abwechslungsreich und für einen Bootsurlaub ideal. Wir kommen gerne mal wieder. Das Boot hat uns auch sehr gefallen. Gut ausgestattet, viel Platz, gut zu manövrieren, so muss ein Hausboot sein. (Einziger Wermutstropfen war leider die Elektrik, wie oben beschrieben.)

Heiko, Sebastian, Karel, Kathrin, Anita und Constantin
September 2020

KUHNLE-TOURS TIPP: Warum die Batterie schwächeln kann und was zu tun ist?

Die Bordspannung beträgt 12 Volt. Die Mehrzahl unserer Yachten und Hausboote sind mit Landstromanschluss ausgestattet. Das bedeutet, bei angelegtem Landstrom werden die Bordbatterien automatisch aufgeladen und die Steckdosen verfügen über 230 Volt. Somit können Elektrogeräte aller Art uneingeschränkt betrieben werden. Darüber hinaus haben die meisten unserer Boote 230 Volt Steckdosen für Leistungen bis zu 50 Watt an Bord. Diese eignen sich beispielsweise für Rasierapparate oder zum Handyaufladen und können auch ohne Landanschluss jederzeit genutzt werden. Einige Boote sind zusätzlich zum Landanschluss mit 230-Volt-Inverter ausgestattet, so dass Sie auch andere Geräte ohne Landanschluss zumindest für einen gewissen Zeitraum nutzen können (bis 2000 Watt). Damit das Bordnetz ausreichend geladen ist, empfehlen wir täglich zwischen drei und fünf Stunden zu fahren. Umso mehr Strom während des Ankerns genutzt wird, umso schneller ist natürlich die Batterie runter. Es kann natürlich auch mal sein, dass die Batterie ausgetauscht werden muss oder eine Lichtmaschine schwächelt. Das fällt bei dem Übergabe-Check oft nicht auf oder tritt ohne Vorwarnung auf. Dann am besten den Notdienst-Techniker anrufen.

Die Bier-Ingenieure

Die Bier-Ingenieure

Jedes Unternehmen braucht eine leistungsstarke IT-Abteilung. Auch die Unternehmen der Kuhnle-Group sind ohne Netzwerk, Computer und Software aufgeschmissen. Seit über 20 Jahren kümmern sich die Geisler-Brüder Dag und Björn bei uns ums Digitale. Doch ihren bisher größten Erfolg feierten die beiden am letzten Wochenende auf einem ganz anderen Gebiet …

Dag und Björn sind nämlich zusammen mit Tom Seeger und Clemens Eichler Herz und Hirn von Koerschbrew, einer Hobbybrauerei, die in einer Leichtbauhalle im Süden von Stuttgart untergebracht ist. Diese Halle ist ein Männerparadies: Es gibt jede Menge Kühlschränke, Meter um Meter Regale, in denen man alles Zeug aufbewahren kann, das man Zuhause bei der Ehefrau nicht anschleppen darf, außerdem eine Küche mit Industriespülmaschinen, einen großen Grill und draußen in Mutters Kräutergarten eine gemauertes Backhäusle. Die Halle ist groß genug, dass man auch mal an einem alten Mercedes-Cabriolet oder an einem Porsche 914 schrauben kann und hat schon diverse fröhliche Feste beherbergt.

In dieser Halle saßen die vier eines Tages und lasen die Ausschreibung der 4. Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer (es gibt Meisterschaften, von denen Frauen nur selten erfahren, dass es sie gibt …). Die Aufgabe war nicht ohne: Ein Irish Red Ale sei zu brauen, obergärig, in leuchtend roter Farbe, mit trockenem Röstaroma, zurückhaltend bitter und „hoher Drinkability“ (was auch immer das heißen mag). Außerdem gab es einen Kreativ-Wettbewerb, bei dem das Publikum abstimmt. Hier war alles erlaubt: „Ob Biere klassischen Stils, Kräuterbiere nach historischem Vorbild oder allerhand Abgefahrenes“ hieß es in der Ausschreibung.

„Kräuterbiere … hmmm“, sagte Björn und stand auf. „Lasst uns mal einen Blick in Monis Garten werden.“ Da stand allerhand herum. Lavendel? „Riecht gut aber man schmeckts nicht“ – Rosmarin? – „Irgendwie nicht abgefahren genug.“ – „Was isch des hier? Davon hats schon mal reichlich“, Clemens wies auf einen hohen Busch mit leichten Blättern. Er pflückte ein Blatt, schnupperte und probierte. „Estragon! Perfekt, das Bier zum Steak!“

Über den eigentlichen Wettbewerbsbeitrag, das Irish Red Ale, machte sich Björn dann in einer stürmischen Nacht Gedanken, während er einem Batzen Software-Updates beim Hochladen zusah. Und entwickelte eine Rezeptur, die flugs ausprobiert wurde. „Lecker“, war die einhellige Meinung der Braugenossen. Der Koerschbrew-Trupp braute die für den Wettbewerb einzureichenden 3,5 Liter und machte sich auf den Weg nach Stralsund. Mit im Gepäck: artgerechte Mund-Nasen-Masken, die Toms Tochter Julia für alle im Bierdesign genäht hatte.

Die Bier-Ingenieure von links nach rechts: Harald Kuhnle, Dag Geisler, Tom Seeger, Björn Geisler und Clemens Eichler

An der Strecke gabelten sie an der Müritz noch schnell Harald Kuhnle auf, der sich zwar nicht aufs Bier brauen versteht (das Hobby-Brau-Set, Weihnachtsgeschenk der Kinder, steht immer noch im Flur herum), aber über ein seit Studententagen sorgsam gepflegten großen Erfahrungsschatz im Biertrinken verfügt. Sozusagen als moralische Unterstützung. Außerdem kennt er die besten Kneipen in Stralsund.

Der Rest ist schnell erzählt, denn der Wettbewerb fand mit coronabedingt kleinem Publikum statt. Die Jury aus sieben Biersommeliers hatte über rund 130 Biere zum Hauptwettbewerb zu entscheiden. Zum Schutz der sieben Jurymitglieder mussten die Flaschen einen Monat zuvor anonymisiert eingereicht werden, so dass angemessen Zeit zum Verkosten war. Die Biere wurden gruppenweise im K-O-Verfahren verkostet, bis am Ende nur noch eine Spitzengruppe übrig war. Mit dabei: Koerschbrew!

Die Entscheidung war denkbar knapp: Vier von drei Jurymitgliedern gaben dem Ale von Martin Tietz aus München den ersten Platz, drei waren für Koerschbrew! So konnten sich Dag, Björn, Tom und Clemens über den zweiten Platz freuen. Im Vorjahr waren sie noch knapp in der oberen Hälfte der Rangliste gelandet, insofern durchaus ein kometenhafter Aufstieg für die schwäbischen Bier-Ingenieure. Als Preis hab es einen formschönen Holzpokal, der im Inneren geheimnisvoll rumpelt (und deshalb zur Feststellung der Rumpelquelle demnächst in MRT oder Flughafenscanner geschoben werden muss) sowie ein 100-Liter-Fass, das aus einem ehemaligen Rumfass recycelt wurde. Schon am nächsten Morgen machte das Team Pläne, welche Art von Bier wohl am besten in einem Rumfass reifen würde.

2. Platz! Aber was ist in dem Pokal?

Wie das Estragon-Bier abgeschnitten hat, ist noch nicht komplett ausgezählt, aber das Bier bekam viele Abstimmungschips des Publikums und wurde sogar lobend bei der Siegerehrung erwähnt.

Publikumsverkostung: Das Estragon-Bier konnte hier punkten. Ergebnis steht noch aus.

Wir dürfen gespannt sein.

Übrigens auch in der Frage, wie es mit dem Bierbrauen weitergeht. Es gibt ja noch ein paar alte Hallen bei uns im Hafendorf Müritz. Über diese Hallen und deren Umgebung hat sich eine junge Architektin in letzter Zeit Gedanken gemacht. Denn das Captains Inn platzt inzwischen trotz Erweiterung aus allen Nähten. Auf der Zeichnung von Architektin Camila Ulloa Montenegro sind mittendrin zwischen Hotel, Bar und Sitzbereich sechs große Tanks und ein Braukessel eingezeichnet. Freuen wir uns alle zusammen auf unsere zukünftigen Projekte!

Achja, ein paar Tage vor der Brauereimeisterschaft wehrten Dag und Co noch einen üblen Hackerangriff auf unsere IT ab. Danke, Dag, dass du die Firma gerettet hast. Demnächst seid Ihr dann nicht mehr nur für das Wohlbefinden unseres Netzwerkes zuständig, sondern auch als Durstlöscher im Einsatz!

Björn und Dag Geisler mit dem Fass für den 2. Platz
Große Pläne, große Krise, großes Aufatmen

Große Pläne, große Krise, großes Aufatmen

Im Winter haben wir unsere strategische Partnerschaft mit Yachtcharter Römer bekannt gegeben. Alles kam anders. Manfred Römer hat jetzt etwas Zeit zum Nachdenken gefunden. Hier ist seine Zwischenbilanz. 

Liebe Bootsfreunde,

zurück zu den Wurzeln und mehr genießen, das war mein Ziel, der Hektik entfliehen, mehr Zeit haben, mehr Lebensqualität erfahren, vieles wieder mit mehr Liebe zum Detail machen. Dabei war mir der Spaß nicht abhanden gekommen, aber die Freude, ihn weiterzugeben. Genau das wollte ich mit fast 70 Jahren ändern. Deshalb stand mein Entschluss fest, gemeinsam mit Harald Kuhnle diese Kooperation einzugehen. Ich wollte meine Ideen, gebündelt mit der Erfahrung von Harald Kuhnle und seinem Team optimieren, einen Mehrwert für den Kunden erreichen. Mich persönlich dabei aber auch zurück nehmen. 

Gemeinsam haben wir dann den Plan in die Tat umgesetzt, mit viel Mühe und Geduld entwickelten wir eine Strategie, machten Pläne –  doch dann kam Corona in unser aller Leben und nichts war mehr wie es war. Wir alle waren geschockt, die Welt stand Kopf! Wie soll es weiter gehen? Jetzt war guter Rat teuer, keiner hatte Erfahrung mit Pandemieplänen, Seuchenschutz, Kurzarbeit.

Aus vielen Jahren Erfahrung mit dem Spaßfaktor Bootsurlaub wurden plötzlich Sorgen um die Zukunft. Neue Strategien mussten her. Dabei stand alles im Fokus was uns bisher wichtig war, die Firmen, die Mitarbeiter unsere Kunden und vieles mehr. Die Firmen hatten wir im Griff, die kannten wir und wussten wo wir stehen.

Die Mitarbeiter haben souverän mitgezogen. Die Kunden wurden informiert oder informierten sich bei uns. Sie hatten Angst um ihre Anzahlungen, es brach langsam Hektik aus. Mit viel Geduld, dem Fleiß der Mitarbeiter, aber auch der Geduld einiger Kunden haben wir es dann geschafft, das Schiff Kuhnle Tours / Yachtcharter Römer in ruhigere See zubekommen.

Nach den ersten Lockerungen der Pandemie, dem Drang der Menschen nach Freiraum, Gesundheit, Ruhe und Natur genießen, waren wir sofort zur Stelle. Die fast 40-jährige Erfahrung des Kapitäns, das gute Personal und viele treue Kunden haben dazu beigetragen, dass der Kuhnle-Dampfer sofort wieder Fahrt aufgenommen hat, der Kurs stimmt, die Mannschaft ist vollzählig und bereit, die Kunden können kommen.

Auch wenn keine(r) der fleißigen Mitarbeiter(innen) in den letzten Tagen ans komplett überlastete Telefon ging – die Leitungen glühten förmlich – auf E-Mail nicht mehr sofort antworten konnten, so haben doch alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Reservierungszentrale bis ans Limit versucht, allen Fragen und Sorgen der Gäste gerecht zu werden. Dem gebührt ein großes Dankeschön!

Bei den säuerlichen Gästen kann ich nur um Verständnis bitten. „Wir schaffen das“ – auch wenn ich diesen berühmten Satz unserer Kanzlerin noch im Ohr habe, kann ich sagen, ja die schaffen auch die jetzt noch anfallende Arbeit gemeinsam mit den Kunden und zukünftigen Gästen zu bewältigen. 

Jetzt trete ich ein Schritt zurück und Danke dem Kapitän Harald Kuhnle und seinem Team, meinem Team, den ungenannten Geistern die diese besondere Urlaubsform – Urlaub auf dem Boot – immer wieder ermöglichen. Und vor allem unseren vielen Gästen. Den treuen, den geduldigen, den verständnisvollen, den begeisterten und denen, die es noch werden möchten. 

Willkommen an Bord, volle Kraft voraus.

Ihr Manfred Römer

PS Ich gehe jetzt erst mal Boot fahren.

Klamotten für auf dem Boot? Kaufen wir in Bayern!

Klamotten für auf dem Boot? Kaufen wir in Bayern!

Jeder, der schon mal eine Outdoorjacke gekauft hat, kennt das Problem: Woher weiß ich, was gut ist? Woher weiß ich, was robust ist, woher weiß ich, welche Kleidung ihr Geld wert ist? Wenn man ein ganzes Charterteam ausstatten muss, wird eine Fehlentscheidung richtig teuer. Deshalb haben wir das mal endgültig für Sie geklärt.

Kauft man Berufskleidung ist eine Sache immer sicher: Das Gemecker, der Kollegen, die sie anziehen.

Zitate aus 39 Jahren Firmengeschichte:

„Komm mir nicht wieder mit som gelben Hemd an, ich bin doch kein Rapsfliegensammler.“

„Feines Jäckchen, gibt es das auch für Erwachsene?“ (Der Kollege meint: in Größe 62.)

„Unter dem Plastehemd kannste dich selber totschwitzen, das würd nicht mal ne Öllache aus der Bilge aufnehmen.“

„Tut mir leid, dass das Polo jetzt hellblau ist, aber 60 Grad hätte es aushalten müssen.“

„Tut mir leid, dass das Polo jetzt grün ist, aber …“

„Tut mir leid, dass das Polo jetzt rosa getupft ist, aber mit Bremsenreiniger kriegt man sonst ja auch alles sauber.“

Zu klein zu groß, zu warm zu kalt, zu luftig zu schwitzig, farbecht oder nicht, waschbar, bügelleicht oder knitterig – wir haben einiges durch mit unseren Crew-Klamotten. Bis wir bei einem angenehmen Abend während der Düsseldorfer Messe mit einem Herrn aus Bayern zusammensaßen, der vorgab, etwas von Segelkleidung zu verstehen. Ein Bayer! Ha! War uns doch egal, dass er erzählte, welche Segelweltmeister und Proficrews er schon eingekleidet hatte. Charteralltag ist die Maximalbelastung, das wussten wir bestimmt. Ein Poloshirt, das nach einer Stunde im Getriebewechsel heißen Motorraum eines Hausbootes nicht komplett durchweicht auf der Haut klebt? Eine Fleecejacke, die nicht nach der ersten Wäsche von Wollmäusen erobert wird? Eine Regenjacke, die im Sommergewitter keine Dampfkabine wird? Ein Hemd, das nach der Wäsche nur kurz angeguckt werden muss, um wieder glatt zu sein für den nächsten Messetag? Man kann in drei Wochen über den Atlantik segeln, aber einen ganzen Sommer an der Müritz bei jedem Wetter arbeiten?

Robert Stark, so hieß der Bayer, lächelte und sprach: „I pack Euch haltamoal a was zsammen, schauts halt, obs passt.“

Das nächste, was der überaus gelassene und von der Qualität seiner Produkte durchaus überzeugte Robert Stark von dem bayerischen Segelausstatter Marinepool von der Müritz dann hörte, waren keine Begeisterungsrufe, sondern eine Bestellung. 100 hiervon, 100 davon, 50 davon, 50 davon – bitte alles mit Logo beflocken, besticken oder bedrucken. Macht nichts wenn’s schnell geht. In Mecklenburg machen wir keine großen Worte, wenn so weit alles klar ist.

Was wir hier gerne tragen:

Das Marinepool-Polo: Aus so einem speziellen Funktionsstoff: Man schwitzt nicht im Sommer, es ist dunkelblau und kleidet damit auch runde Bäuche und breite Hüften und die Damenversionen sind auch obenrum geräumig. Bei 40 Grad gewaschen und glatt aufgehängt ist es wieder klar zum Anziehen ohne nach dem Bügeleisen zu rufen.

Das bügelfreie Marinepool-Polo: Vorgeführt von Daniel Wahl, dem Teamleiter Charter.

Das Marinepool-Fleece: Eine Jacke für alle Lebenslagen. Kann einen Regenschauer ab und ist der Stoff ist so dicht, dass kein Wind durchpfeift. Dazu mit einem Stehkragen, damit es nicht in Dekolletee zieht oder das Brusttoupet Zug bekommt. Zwei kuschelige Außentaschen mit Reißverschluss, damit einem beim Hantieren an Bord nicht unbeabsichtigt das Handy baden geht. Notfalls passt auch ein Taschenbuch für die Pause rein. Wenn es mal wirklich kalt ist, zieht man die Fleecejacke einfach unter die Regenjacke an dann friert nix mehr. Außerdem ist die Fleecejacke extrem schwer entflammbar (für Sie ausprobiert!).

Die Marinepool-Regenjacke: Wie die beiden vorgenannten Kleidungsstücke im elegantem Dunkelblau mit Mesh-Innenfutter und Ausrollkapuze im Kragen. Die Jacke ist nicht dick, aber atmungsaktiv. (Wenn es kalt wird, zieht man halt die Fleesejack drunter.) Die Ärmelbündchen kann man mit Klettverschlüssen so verengen, dass kein Wasser den Ellbogen hoch läuft, wenn man mal über Kopf eine neue Positionslampe anbringen muss, die Kapuze hat ebenfalls Verstellmöglichkeiten, so dass man auch fest eingepackt immer noch Schiffsbug und Fahrwasser sehen kann.

Für alle Wetter: Harald Kuhnle ist ein Fan der leichten Regenjacke, die ihn auf viele Reisen begleitet.

Unsere Marinepool-Messehemden: Es war schon eine kleine Revolution, dass wir nach über 30 Jahren boot Düsseldorf im dunklen Anzug beziehungsweise Kostüm, vor zwei Jahren erstmals nur im Hemd aufgekreuzt sind. Wer mag, kann gerne noch einen Blaser und Krawatte dazu anziehen, aber auch Kombinationen mit geringeltem Unterziehshirt, Poloshirt, Hemd als Jacke, Hemd plus Jeans und Bootsschuhe sind inzwischen erlaubt. Möglich wurde das durch einen etwa einen Kubikmeter großen Karton voller Hemden, tailliert für Damen, gerade geschnitten für Herren, der pünktlich am Freitag vor Messebeginn in Düsseldorf ankam. Jeder suchte sich raus, was wohl passt, dann begann das lustige Tauschen am Früstückstisch. Aber bei einer Sache waren sich gleich alle einig: Tragen tun die sich gut, und es hat sich in zwei Jahren noch nicht ein Knopf verabschiedet oder eine Naht geschwächelt. Das ist Qualität, genau wie der Rest der Crew-Kleidung von Marinepool.

Das Messeteam 2019 auf der boot in Düsseldorf mit den hellblauen Hemden und Blusen.

Inzwischen haben wir für den privaten Gebrauch eine ansehnliche Anzahl von Roll-Segeltuchtaschen, Rücksäcken, Sportbüdeln, Neoprentaschen für Tablets, weiterer Jacken aus Fleece, Softshell oder Wolle, kurze Hosen, Schirmmützen und was nicht sonst noch alles gekauft. Sogar einen Weinflaschenkühler von Marinepool gibt es in Kuhnle-Bootskiste. Leider kaufen wir jetzt nicht mehr soviel bei Robert Stark und Marinepool ein. Die Sachen gehen halt nicht kaputt!

Fazit: Wenn Sie auf der Suche nach Klamotten für an Bord sind: Hier geht es zum Online-Shop von Marinepool. https://www.marinepool.de/

Hausbootcharter in Corona-Zeiten

So könnte es funktionieren

Eine Hausboottour bei Corona-Zeiten

Auslandsreisen sind dank Corona in weite Ferne gerückt. Das gilt auch für Nachbarländer als Ziel. Da besinnt man sich in freiwilliger oder fremdbestimmter Quarantäne auf das Naheliegende. Der Außenminister sieht Reisen ins Ausland weltweit zumindest für das Jahr 2020 in weite Ferne gerückt. Die Einreisebestimmungen der jeweiligen Zielländer selbst unterstreichen dieses. Vorerst bleibt nur der Urlaub in der Heimat. Manche besinnen sich auf ihr Balkonien. Andere suchen Zuflucht dort wo sie sich in Sicherheit wähnen.

Die Reise zur Charterbasis

In normalen Zeiten wie bisher hat sich kaum jemand Gedanken gemacht. Vor Reisebeginn wird das Auto gewaschen und getankt. Während der Reise steuerte man auf einen Kaffee oder zum Toilettenbesuch die nächste Raststätte an. Bei einer Pandemie ist die Gefahr sich zu infizieren gerade an diesen Orten groß. Wo sich unbekannte Menschen in großer Zahl flüchtig begegnen können, umso mehr. Reisende sollten in Corona-Zeiten solche Orte auf dem Weg zum Ziel tunlichst meiden. Reicht ein voller Tank nicht bis zum Zielort, tut es vielleicht ein Reservekanister.  

Urlaub als angenehme Quarantäne

Weit weniger bedrohlich dürfte es in einem ländlichen Ferienhaus zugehen. Kleine Pensionen und Landhotels mit Service auf dem Zimmer fallen auch darunter. Jugendherbergen mit Speisesaal und Buffet schneiden im Vergleich weniger gut ab. Hoffentlich werden die Reise- und Aufenthaltsverbote bald wieder aufgehoben oder zumindest gelockert. Dann dürfte der Charterbootsurlaub die angenehmste vorstellbare Quarantäne sein. Die gelbe Quarantäneflagge erübrigt sich.   

Nachfrage stimulieren

Derzeit sind die Charterfirmen durch die Behörden gezwungen, ihre Boote am Steg zu lassen. Dennoch sollten Liebhaber dieser Urlaubsform ihr Interesse durch zahlreiche Anfragen bekunden. Sie sollten die Anbieter auch nach deren Corona-Sicherheitskonzept befragen. Seriöse Anbieter dürften solche Konzepte längst parat haben. Eine starke Nachfrage macht Druck. Die Charterfirmen könnten den Landesregierungen und Behörden Zugeständnisse abringen. Der Druck steigt umso mehr, wenn schlüssige Sicherheitskonzepte vorliegen.

Sicher buchen

Während des Shutdowns können auch Hausbootferien nur telefonisch, postalisch, online oder direkt vor Ort gebucht werden. Eine versehentliche Tröpfcheninfektion in Reisebüros und auf Messen ist ausgeschlossen. Im Marinabüro dürften in Pandemiezeiten Mundschutz, Trennscheiben und Desinfektionsmittel vorausgesetzt werden.

Sicheres Boot

Unter häuslichen Gemeinschaften sind insbesondere Familien und Wohngemeinschaften zu verstehen. Unter virologischen Gesichtspunkten kommt für dieses Gruppe eigentlich jedes Charterboot infrage. Für Gruppen (Freunde, Kollegen, entfernte Verwandte) bieten sich Charterboote der 15-Meter-Klasse an. Diese verfügen i.d.R. über vier Doppelkabinen (teilweise mit klappbarer Zusatzkoje) mit jeweils separatem Bad/WC. Der Salon verfügt häufig über mehr als nur einen Esstisch. So können häusliche Gemeinschaften als Teil der Gruppe jeweils an einem Tisch Platz nehmen. Diese Belegung unter Corona-Bedingungen setzt eine gewisse Disziplin voraus. Mindestabstand und Maskenpflicht würden hier zur Geltung kommen. Dennoch bieten Boote dieser Größe genug Platz an und unter Deck. Man kann sich verteilen und die gebotene Distanz einhalten. Die Beteiligten sollten wissen, dass die Gruppendisziplin ein bis zwei Wochen durchzuhalten ist.

Sicher einchecken

In der Charterbasis steuert eine Crew auch in Corona-Zeiten zuerst das Marinabüro an. Das Einchecken und Erledigen der Formalitäten geht schnell und berührungslos. Je ein Mitarbeiter und Crewmitglied reichen. Bezahlen an einer Supermarktkasse oder Einkaufen auf einem Wochenmarkt wäre bedenklicher.  

Sicher Sicherheit lernen

Danach steht (nur bei Fahrten ohne Sportbootführerschein) die dreistündige Unterweisung an. Die erforderliche Distanz ließe sich problemlos einhalten. An Bord hat der Einweiser seinen Job schnell erledigt. 

Nach der Anreise zur Charterbasis will die Crew genauso sicher aufs Boot kommen. Die Mitarbeiter kennen die betrieblichen Besonderheiten und zeigen den sichersten Weg dorthin. 

Sicher über den Steg zum Boot

Eine Charterbasis liegt üblicherweise am Wasser. Je nach Uferbeschaffenheit des Gewässers gibt es befestigte Kaimauern oder einen bzw. mehrere Stege und nicht selten auch beides zusammen. Mal befindet sich das Marinabüro an Land, mal auf dem Steg oder auf einem am Steg festgemachten Boot. Häufig ist der Steg großzügig breit, ein anderes mal eher schmal. Der Weg vom Parkplatz zum Boot über den Steg ist häufig etwas länger. In anderen Häfen kann man das Auto kurzzeitig direkt am Boot parken.   

In größeren Charterhäfen liegen die Boote meistens in Reih und Glied. Sie werden durch Fender und manchmal auch durch schmale Fingerstege auf Abstand gehalten. Bei Rückgabe wählt der Skipper einen freien Platz, der ein sicheres Einfahren in die Box verspricht. Oder jemand vom Stegpersonal weist einen Platz zu. Dann wird erstmal in Ruhe alles Gepäck von Bord genommen und zum Auto gebracht. Erst zum Schluss erfolgt die Übergabe. Hierbei sind nur noch der Skipper und ein Marina-Mitarbeiter anwesend. Es werden Schäden, die Vollständigkeit des Inventars und die Betriebsstunden protokolliert. Und es werden ein paar Unterschriften geleistet. Dabei wird ein Corona-Mindestabstand locker eingehalten.

Corona-Sicherheit für Gäste UND Mitarbeiter

Sobald der letzte Chartergast das Boot verlassen hat, legt die Service-Mitarbeiter los. Sie leeren Fäkalientanks, füllen Frischwasser- und Kraftstoff auf. Und sie ersetzen leere Gasflaschen und defekte Fender. Zum Schluss nimmt sich das Reinigungspersonal die Innenräume vor. Bei diesen Tätigkeiten sind sich die Mitarbeiter auch vor Corona selten näher als 1,50 Meter gekommen. Meistens werden diese Arbeiten allein durchgeführt. Der Einsatz einer Gesichtsmaske ist eher eine vertrauensbildende Maßnahme unter Kollegen. 

Wenige Stunden später kommt die nächste Chartercrew an Bord. Diese wird in die Technik und Handhabung des Bootes eingewiesen. Es wird die Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit des Inventars festgestellt und protokolliert. Für die ungewohnten Dinge an Bord interessieren sich meistens mehrere. Der Marina-Mitarbeiter hat nicht nur mit dem Skipper zu tun. Auch der Smutje und andere Interessierte wollen dabei sein. Mit Schutzmaske und Distanz zum Personal ist auch das kein Thema.

Sicher versorgt

In welchen Situationen sonst könnte eine Hausbootcrew anderen Menschen allzu nah kommen? 

Proviantkauf: Üblicherweise bringen Chartercrews den Vorrat für den Törn von zu Hause mit. Unterwegs werden nach Bedarf vor allem frische Lebensmitteln nachgekauft. Einige in der Region vertretene Supermarktketten (z.B. REWE und Netto) liefern auch an. Bestellung und Bezahlung erfolgen online. Der Bote liefert zum Wunschtermin an den genannten Ort. Der Lieferort könnte die Charterbasis sein. Idealerweise sogar das zu beliefernde Boot oder ein beliebiger Anlegesteg unterwegs. Viele Supermärkte liegen in unmittelbarer Nähe von Anlegestellen. Hier könnte wie üblich eingekauft werden .   

Sicher unterwegs

In Schleusen kommen sich Menschen an Bord kaum in die Quere. Es sind eher die Boote. Aber so ist das in Schleusen. Die Distanz zu anderen Fahrzeugen auch in Pandemie freien Zeiten nie ein Problem. Normalerweise liegen die Boote mit einem Meter Mindestabstand auf Distanz. Dabei steht kaum jemand bei dem einen Boot auf der äußersten Bugspitze. Und auf dem anderen Boot davor, auch nicht ganz hinten auf der Badeplattform. Der Corona-Mindestabstand bleibt gewahrt. Ein Crewmitglied klettert gelegentlich zum Leinenlegen an Land. Dabei besteht stets ausreichend Abstand zu anderen Crewmitgliedern und zum Schleusenpersonal. Vor dem Einlaufen in eine Schleuse sollten alle an Bord sich die Schutzmaske aufsetzen. Sie sollte bis zum Verlassen der Schleuse anbleiben.

Probleme mit dem Corona-Mindestabstand haben allenfalls Kanus und andere Kleinboote. Üblicherweise liegen diese in stark frequentierten Schleusen im Päckchen. Charterboote betrifft dieses Thema jedoch nicht.

Charterfirmen betreiben Marinas teilweise an unterschiedlichen Standorten.  Andere Bootshäfen sind in privater oder kommunaler Hand. Im ersten Fall kann die Charterfirma den Corona-Konformen Betriebsablauf nach einheitlichen Regeln gestalten. Chartergäste finden in diesen Häfen gleiche oder ähnliche Abläufe vor wie in der Basis, wo das Boot übernommen wurde. Über dies können sich die Anbieter untereinander auf einheitliche Hygienestandards verständigen. Ansonsten können Marina-Betreiber Coron-Konforme Hygienestandards nach den Gegebenheiten ihres Hafens festlegen. Oder sie können diesen vorübergehend stilllegen.  

Sicher in anderen Häfen

Im Hafen sollte grundsätzlich Maskenpflicht herrschen, auch wenn die Sicherheit angezweifelt wird. Es geht vielmehr darum, anderen ein gutes Gefühl von Achtsamkeit zu zeigen. Dasselbe sollte unbedingt auch für den Mindestabstand untereinander gelten. Wo immer möglich, dürfen die 1,50 Meter auch gern überschritten werden. Grundregel: wer sich bereits auf dem Steg befindet, hat „Vorfahrt“. Die Box sollte man sich in diesem Vergleich als Hofeinfahrt vorstellen. Ist die „Straße“ frei, darf man vom Boot auf den Steg.

Sicher bunkern

Seltener wird ein Hafen zum Tanken/Bunkern von Kraftstoff und/oder Trinkwasser angesteuert. Man steuert dazu einen gekennzeichneten Servicesteg abseits der regulären Liegeplätze an. Bei Charterbooten ist Nachtanken eher selten nötig. Besonders die Dickschiffe mit Dieselmotoren verfügen über ausreichend große Tanks. Diese sind bei Übernahme vollgetankt (Tankuhr bei Übernahme kontrollieren und ggf. nachfragen). Beim Hausbootfahren unter “Quarantänebedingungen” leert sich eher der Frischwassertank. Analog dazu bietet sich das Leeren des Fäkalientanks an. Letzteren abzupumpen übernimmt i.d.R. das Servicepersonal. Frischwasser mit dem Schlauch auf dem Steg nachzufüllen sollte auch für Laien kein Problem sein.

Die Katamaranboote mit Benzin-Außenborder verfügen bauartbedingt über kleinere Kraftstofftanks. Hier könnte je nach Fahrweise ein Tankstellenbesuch häufiger fällig sein. In der Hauptsaison bieten Tankstellen am Wasser beide Kraftstoffarten an. In der Nebensaison könnte es an Benzin mangeln. Dann steuert man die nächste Straßentankstelle an. Es sollte mindestens ein ausreichend großer Kanister (20 Liter) an Bord sein. Gut wäre auch eine Klappkarre mit Befestigungsgurten an Bord. Oder die Marina stellt leihweise einen Handwagen zur Verfügung. In serviceorientierten Marinas erledigt das ein netter Mitarbeiter. Freundliches Nachfragen ist dabei hilfreich. Corona-Regeln sind auch hier problemlos einzuhalten.

Sicher schlafen auf dem Boot

Für die Nacht empfehle ich Sportbootwartestellen vor Schleusen, Brücken und Hebewerken. Neuere Bauwerke gestatten häufig keinen Landgang. Wartestellen mit begehbarer Uferzone bieten genug Platz für hygienekonformen Abstand. Allerdings sollte das Päckchenliegen möglichst vermieden werden. Auf jeden Fall zwecks gegenseitiger Besuche. Beim Festmachen am anderen Boot ist Mundschutz zu tragen. Beim unvermeidbaren Landgang sollten Päckchenlieger nach Absprache das andere Boot vorn überqueren.  

Ideal im Sinne von selbstgewählter Quarantäne und zum Schlafen unterwegs ist das Ankern. Das Päckchenliegen in Buchten fördert üblicherweise gruppendynamische Prozesse. Deshalb ist es in Corona-Zeiten ausnahmsweise zu unterlassen. Hundert Meter Abstand zum nächsten ankernden Boot scheint mir großzügig bemessen. Da wird es in Ankerbuchten selten eng. Für mich ist eine Ankerbucht nicht nur der sicherste, sondern auch der schönste Ort für einen Bootsurlaub. Tiefenentspannt schwimmen, angeln, kochen, lesen, die Natur beobachten und schlafen – kein Problem.  

Mindestabstände sind keine Ca-Abstände

Viele finden die Distanz- und Hygieneregeln unsinnig. Dennoch ist es im Zweifelsfall ratsam die Forderungen zumindest gefühlt zu übertreffen. Mindestabstände rundet man großzügig auf. Der Grund: Viele Zeitgenossen tun sich schwer, Abstandsangaben mit Komma realistisch einzuschätzen. Da schrumpfen 1,50 Meter Mindestabstand in der Praxis gern mal auf 1,25 Meter oder weniger.

Auch Schutzmasken werden häufig lax getragen. Sie werden als Fremdkörper empfunden, abgenommen und dann nicht wieder aufgesetzt. Damen befürchten wohl, dass der aufgetragene Lippenstift nicht zu sehen ist. Bei Herren könnte die glatte Rasur nicht zur Geltung kommen. Im Falle des Skippers mag der verdeckte Kapitänsbart das Problem sein. Eitelkeiten wie diese darf man bei einem Bootstörn gern ablegen, nicht aber die Maske. Andere sehen das als Nachlässigkeit. Damit liefert man nur jenen Argumente, die den Shutdown gern noch länger haben möchten.

Chartergäste vertrauen am Rückgabeort auf eine genauso routinierte Abfertigung wie beim Reisebeginn. Die Schutzmaske ist vom Einlaufen bis zum Verlassen der Basis anzulegen. Man sollte das nicht als lästige Pflicht, sondern angenehme Bringschuld betrachten. Ansonsten sollten die Regeln wie zu Beginn der Reise gelten.  

Sicher wieder nach Hause

Letzteres empfiehlt sich auch für die Heimreise. Tanken Sie nur wenn nötig und nicht kleckerweise, sondern einmal randvoll. Meiden Sie Toiletten auf Rastplätzen. Suchen Sie ruhigere Orte abseits der Autobahn.

Bleibt zu hoffen, dass diese Tipps bei Bootsurlaubern wie auch bei Behörden und Bootsverleihern Gehör finden. Letztere haben ihre Hausaufgaben in Sachen Corona offensichtlich erledigt. Genaueres ist in einem anderen Fluvius-Beitrag zu diesem Thema nachzulesen. Somit dürfte Bootsurlaub auch unter Pandemie-Bedingungen möglich sein. Auslandsreisen dürften nach derzeitigem Stand in diesem Jahr nicht drin sein. Deshalb könnte es in Deutschland zur Urlaubszeit eng werden. Dem kann mit politischer Weitsicht schon jetzt entgegengewirkt werden. Familien mit Kindern im Kita- und Schulalter hätten ihren Urlaub vor den Sommerferien längst hinter sich. Dann hätten die Verbote und Einschränkungen sogar etwas Gutes. Vorausschauende Planung nennt man das.

(C) 2020 by Klaus Neumann