Erstens kommt es anders…

Erstens kommt es anders…

Mit dem SEETEUFEL die schnelle Langsamkeit erleben

Peer Schmidt-Walther

Die Sonne hat Brandenburg in eine Gluthölle verwandelt. Die passt zum SEETEUFEL, der noch still an der Leine auf dem Zeuthener See südlich von Berlin liegt. Doch schon bald fängt sein englisches 62-PS-Herz kräftig an zu schlagen. Power brauchen Boot und Crew auch für die rund 230 Kilometer lange Strecke bis zur Müritz, Deutschlands größtem See in Mecklenburg-Vorpommern.

„Na, Männer, alles klar?“, empfängt der Skipper, Ex-Kapitänleutnant, seine dreiköpfige Besatzung – in Anlehnung an die denkwürdig-knappe Kommandanten-Rede im Film „Das Boot“. Dann heißt es Verpflegung verstauen  und Kojen bauen. Eine Einweisung durch den Basisleiter ist nicht notwendig, denn die drei sind erfahrene Überführer. Der Skipper hat die Strecke in reinen 32 Fahrtstunden sogar schon Einhand bewältigt. Alles in allem also reichlich Know-how.

Zwischen Unter- und Oberhavel

Das fast Zwölf-Meter-Boot schlängelt sich aus dem sonntäglich noch stillen See über die Dahme und fädelt sich in den Teltowkanal ein, passiert die südlichen Randgebiete Berlins und in Kleinmachnow die erste große Schleuse. Alles klappt reibungslos. An der Fahrgastbrücke in Kohlhasenbrück darf mit Genehmigung der Stern- und Kreisschiffahrt über Nacht angelegt werden. Feierabend bei Spaghetti und kühlem Bier.

Schon um sechs Uhr dreißig reißt uns der Handy-Wecker aus süßen Träumen. „Wir sind hier nicht auf Urlaub“, erinnert  Dirk spaßig an unseren Überführungs-Auftrag mit Zeitlimit, „sondern im Dienst“. Eine Tasse Tee muss reichen. Erst mal an Schloss Babelsberg vorbei über den Potsdamer Tiefen See zu Aldi mit eigener Anlegestelle, die sogar im Törnplaner ausgewiesen ist. Ideal zum Einkaufen!

Frohen Mutes tuckern wir über die Unterhavel und genießen das Grünpanorama des Grunewalds. Bis wir vor die Schleuse Spandau kommen. Ein berüchtigtes Nadelöhr auf dem Weg zur Oberhavel. Die Ampel leuchtet natürlich rot. Leidvolle Erfahrungen sagen mir: Das kann dauern … Gerade als wir an der Sportwartestelle festmachen wollen, biegt ein Boot um die Ecke mit dem Kürzel WSV – Wasserstraßen- und Schifffahrts-Verwaltung – am Steven. Die Hände zum Trichter geformt, ruft uns der Mann vom Ruder aus zu: „Da könnt ihr nicht mehr durch! Bis Freitag wegen Bauarbeiten gesperrt! Ihr müsst über die Schleusen Charlottenburg und Plötzensee fahren!“ Das würde etwa drei Stunden kosten: ein herber Tiefschlag gegen unseren Zeitplan. Doch wir haben Glück und kommen gut durch auf Spree und Hohenzollernkanal. Dass in Spandau nicht Bauarbeiten der Grund sind, sondern Personalprobleme, erfahren wir vom Kapitän des Passagierschiffes LIBERTÉ, dem wir begegnen.

Rote Lampen glühen

Bei Hennigsdorf erreichen wir die Havel-Oder-Wasserstraße. Das zweite kritische Nadelöhr, die Schleuse Lehnitz bei Oranienburg, ist uns gnädig gestimmt, nachdem ein polnischer Schubverband die große Kammer verlassen hat. Gemeinsam mit einem Segler dürfen wir einlaufen, um sechs Meter angehoben zu werden. Fast stimmt unser Plan wieder.

Im Kanal sind wir allein, haben freie Fahrt und freuen uns auf unser Tagesetappen-Ziel Liebenwalde am Voss-Kanal. Sönke rechnet schon mal durch, wie weit wir am nächsten Tag kommen könnten. Das nennt man Optimismus.

Plötzlich ein Schrei von Ari, unserem weiblichen Crew-Mitglied, aus dem Salon: „Die Lampen leuchten rot!! Da kommt Dampf raus! Was soll ich machen?“ Ich reiße den Maschinentelegrafen sofort auf Stopp, renne vom oberen Steuerstand, wo es leider keine Kontrolllämpchen gibt,  sofort nach unten, sehe und rieche die Bescherung: das Kühlwasser kocht bei 110 Grad und dampft durchs Boot. Auch mit dem Ölstand stimmt was nicht. Erneuter Startversuch: keine Reaktion. Hoffentlich fängt nichts an zu brennen! Der Feuerlöscher ist griffbereit. Wir treiben und können von Glück sagen, dass weit und breit kein Schiff zu sehen ist. „Wenn jetzt ein Frachter gekommen wäre, hätte der uns plattgemacht“, gebe ich zu bedenken, „denn bremsen kann der nicht!“ Ein schwacher Wind pustet den gewichtigen 17-Tonner vom Typ KORMORAN 1140 an die Steinpackung der Kanalböschung, die hier schilffrei ist. Dirk schnappt sich eine Leine und springt ins Wasser, balanciert an Land und schlingt das Tau um eine märkische Kiefer, dann achtern das Gleiche noch mal. Wir sind jetzt sicher und keine Gefahr mehr. Laut Vorschrift müsste ich jetzt eine rot-weiße Signalflagge aufhängen, finde aber nur eine rote. Dann eben die!

WSP mal anders

Einige Boote passieren und den Minen der Insassen kann man entnehmen, dass sie sich allesamt wundern, auch dass wir bei Kilometer 34 kurz hinter dem Schild „Ankern verboten!“ liegen. Ein Schlepper der Magdeburger WSV, auf dem seitlich SCHIFFFAHRTSPOLIZEI steht,  dampft ohne Halt vorbei. Keine Reaktion von drüben, nur verwunderte Blicke. Seltsam!

Inzwischen habe ich schon die Notfallnummer (0171) 333 555 8 der Firma Kuhnle-Tours gewählt und den Fall geschildert. Der Mechaniker hört zu und fragt nach. Wir öffnen den Maschinenraum unter dem Salon. Dampf schlägt uns entgegen, in der Bilge steht öliges Wasser. Der Mechaniker bittet um Fotos per WhatsApp, Dirk schraubt den Kühlwasserdeckel ab und checkt per Löffel den Stand: nichts drin. Das sehe böse aus, meint der Experte in Rechlin. Gegenfrage: „Was können wir tun?“ Erst mal nichts, nur abwarten. „Wir überlegen uns was“, heißt es schließlich vom anderen Ende. Plötzlich Motorengeräusch. Ein Boot nähert sich: WASSERSCHUTZPOLIZEI. Dachte ich mir’s doch. Die WSV-Männer haben die Kameraden in Oranienburg informiert und wir berichten nun von unserem Total-Blackout-Pech. Dann das Übliche: Kontrolle der Papiere und Befragung. Wir haben nichts verkehrt gemacht. Das ist schon mal beruhigend. Die „Blauen“ verabschieden sich und versprechen wiederzukommen. Sie halten Wort. Mit dabei der Revierleiter mit vier Streifen auf den Schulterstücken. Ein Mann der Tat: „Wir nehmen euch auf Seite und schleppen euch nach Malz in die Werft. Hier könnt und dürft ihr nicht bleiben. Wenn ein Frachter kommt, wirft euch seine Welle auf die Steine, beschädigt den Rumpf und reißt die Leinen ab. Das wird dann erst richtig schlimm!“

Gekonnt dreht der ehemalige Binnenschiffer im Kanal. In der Schiffswerft Malz wird schließlich am Eisbrecher EISFUCHS festgemacht. Zwei Polizisten treideln danach den lahmen SEETEUFEL an zwei Leinen um die Ecke des Kais an seinen Reparatur-Liegeplatz. Ich notiere im Logbuch: Ende der Reise und setze ein Fragezeichen dahinter. So schnell geben wir nicht auf!

Die Crew des WSP-Bootes wird mit Lob und Anerkennung bedacht für ihre freundliche Hilfsbereitschaft. „Polizei, dein Freund und Helfer!“ meint der Bootsführer nur bescheiden, das sei Gratis-Service. Wir freuen uns, dass Steuern hier sinnvoll eingesetzt worden sind! Drei Bier „zum Vernichten“ – Beamte sind ja unbestechlich! – nehmen sie nicht an. Sönke entdeckt einen Wasseranschluss, Dirk eine Landstrom-Steckdose. Der Tank wird bis zur Halskrause mit kühlem Nass aufgefüllt, und der Inhalt des Kühlschranks ist gerettet. Bei 33 Grad im Schatten zieht es die Crew ins Wasser. Bald planschen wir fröhlich im Werfthafen am Heck des Eisbrechers.

OP am „offenen Herzen“

Anruf aus Rechlin: „Morgen früh kommen wir mit einer Austauschmaschine“, lautet die freudige Botschaft zum Tagesende. Alle Spekulationen sind schlagartig beendet. Das wird bei scharfem handgemachten Chilli con Carne aus Dirks Kombüse und Rotwein zünftig an Oberdeck gefeiert. Auch wenn der skeptische Werftchef meint, dass man für den Motorenwechsel mindestens drei Tage brauche. Dirk sieht seinen Konzerttermin schon dahinschwinden. „Zur Not lauf ick dahin“, meint er und bleibt dennoch optimistisch. Als uns bei Sonnenuntergang Mücken und Bremsen überfallen, untermalt von Nachtigall- und Teichfrosch-Stimmen, verkriechen wir uns in den schützenden Salon, den wir am nächsten Morgen ausräumen für die „Herz“-Transplantation. Wir baden und frühstücken in aller Seelenruhe erfrischt im Schatten eines Wracks.

Dann sind sie da, die Notfall-Jungs aus Rechlin. Die fackeln nicht lange, lösen alle Verbindungen und organisieren einen Gabelstapler. Bald hängt der kaputte blaue Motor an zwei Hebezeug-Ketten in der Luft. Im Transporter liegt der neue bereit. Dann das Gleiche umgekehrt. Den drei Männern läuft der Schweiß in Bächen herunter, doch sie schrauben und schrauben und prüfen, bis das frische Herz nach zweieinhalb Stunden fröhlich anspringt und zufrieden vor sich hin rasselt. Fertig! Das war Rekord! Dank den Operateuren!

Geisterschleusung für Geisterschiff

Doch meine Crew ist unterwegs im Havel-Wald auf Vogelstimmen-Pirsch. Ich erreiche sie tatsächlich per Mobiltelefon. Auf meine Frage: „Wo seid ihr?“ lässt mich die kleinlaute Antwort erschrecken: „Eineinhalb Stunden weg von der Werft. Aber wir haben einen Pirol gehört und einen Schwarzspecht gesehen“, bilanziert Dirk ungerührt. Dann aber dalli, wir müssen los!

Zur Besänftigung des Skippers bringen sie aus dem Dorfladen noch ein paar Büchsen Bier mit.

Im Vosskanal eine erneute Alarmmeldung: das Kühlwasser! O Gott, nein, nicht schon wieder!!

Runter mit der Fahrt! „Gut so!“, sagt der Mechaniker, „checkt mal die Umdrehungen!“ Ari meldet aus dem Salon, dass die Lampe bei 1700 Umdrehungen pro Minute erlischt und die Temperatur unter 90 Grad sinkt. „Da ist wohl noch Luft in der Leitung“, mutmaßt der Mann in Rechlin, „vielleicht auch die Rohrleitungen oder der Filter dicht“. Also Schleichfahrt. Wir winken die Mitschleuser hinter uns vorbei. Die sind sichtlich froh, schneller voranzukommen zur nächsten Schleuse Zehdenick. Dort gilt es zwei Hindernisse im Selbstbedienungsmodus zu bedienen: eine Fußgänger-Zugbrücke und die Schleuse. Beide Ampeln zeigen grün, also los! Plötzlich springt die Schleusenlampe auf rot und digital ist auf dem Anzeiger zu lesen: „Gegenschleusung abwarten!“ Etwa ein Geisterschiff, dass auf der anderen Seite geschleust werden will? Das Tor schließt sich, wir müssen einen engen Drehkreis fahren und wieder festmachen. Aha, es gibt am Dalben eine Gegensprechanlage. Nach einem waghalsigen Klettermanöver übers Vorschiff und gefährlich spitze Zaunpfähle erreicht man sie. „Hier ist das Sportboot SEETEUFEL zu Berg vor Schleuse Zehdenick!“, melde ich mich korrekt. Eine WSV-Mitarbeiterin klärt auf: „Der vordere Hebel in der Schleuse klemmt. Könnten Sie den beim Einfahren bitte mal hin und her bewegen?“ Das Tor öffnet sich wieder wie von Geisterhand. Sönke rüttelt am Hebel. Nichts rührt sich. Wir machen fest. Dann eine Lautsprecher-Stimme aus dem Off: „Versuchen Sie´s bitte noch mal!“ Okay, losmache, zurücksetzen, rütteln. Nichts!

„Na, dann schleuse ich mal mit der Hand“, hören wir und werden endlich angehoben. Warum nicht gleich so?!

In ruhiger Fahrt geht es bald durch die würzig duftende Schorfheide. Um 21 Uhr können wir als einziges Boot – quasi in Pool-Position – vor der Schleuse festmachen. Gegenüber töten Angler die Stille mit ihren hochtourig kreischenden Grasschneidern für ein Plätzchen am zugewucherten Ufer. „Heute reicht’s!“, seufzt Dirk nach so vielen Aufregungen und zischt erst mal ein kühles Feierabend-Bier zum Abspannen.

Tauschhandel im Stau

Die einsame, ruhige Morgen-Fahrt durch viele Havel-Mäander mit Urwaldkulisse – „könnte auf einem Amazonas-Arm sein“ – träumt Dirk beim Anblick des grünen Dickichts, in dem zahllose Vogelstimmen um die Wette trällern, entschädigt für den vergangenen Stress. Schleuse Regow wird problemlos passiert. Doch dann kommt Zaaren in Sicht. Rings um die Schleuse eine Riesenbaustelle. LKW rollen mit Beton über eine Brücke. Die macht das Schleusen unmöglich. Das Display sagt uns: Gesperrt bis 16 Uhr. Die nächste Zwangspause. Aber auch die hat ihre positiven Seiten, die da heißen: baden, schlafen, lesen, kochen. Zur Tomatensuppe fehlen uns allerdings Nudeln. Die wirft uns der hilfsbereite Hintermann herüber. „Habt ihr noch Kartoffeln übrig?“, möchte er den Tauschhandel vollenden, doch wir müssen verneinen. Dank der Kommunikation von Boot zu Boot erfährt man, woher, wohin des Wegs, Bootsdetails, Tipps und Persönliches. Unser Nachbar ist Architekt und Musiker, womit er gleich bei Musiker-Kollege Dirk punkten kann.

Im Laufe des Tages bildet sich hinter uns ein Stau von 17 Booten. Alle Crews fügen sich in ihr Schicksal. Manche verschwinden im Wald und kommen mit Blaubeeren zurück. Frische Vitamine zur Nahrungsergänzung.

Um 15 Uhr heißt es tatsächlich weiterfahren. Der Tag wird lang, denn wir müssen Zeit schinden, damit das Boot noch termingerecht in Rechlin einlaufen kann.

Diesmal wird es 22 Uhr, als wir kurz vor dem Anpfiff zum WM-Spiel Deutschland-Ecuador vor der Schleuse Strasen festmachen. Und das alles nach schier endloser  kühlwasserschonender Schleichfahrt! Es wird eine lange Fußball-Nacht im Salon.

Ein Anruf beim Schleusenwärter beschert uns am nächsten Morgen kurz nach sieben Uhr freie Fahrt in die Schleuse. Dafür bekommt der freundliche junge Mann auch eine Flasche Bier. Der freut sich und meint: „Was glaubt ihr, was wir uns hier manchmal anhören müssen!“ Man kann sich das lebhaft vorstellen …

Fusion konfus

Auf dem Großen Pälitzsee fallen die Zahlen des Echolots ins Bodenlose: über 25 Meter zeigt es an. Wir fahren durch eine von eiszeitlichen Gletschern ausgeschürfte Rinne bis vor die Schleuse Canow. Da gibt’s auch wieder ein Bier für kundenfreundliche Bedienung. „Ist ja noch nicht viel los hier“, meint der Wärter noch, „aber nächste Woche fangen die Sommerferien an“.

Und schon kommt hinter der betonnten Ausfahrt von Backbord ein lahmes Floß angefahren und will dem SEETEUFEL den Kurs abschneiden. Unser Typhon quäkt los, aber der Hobby-Kapitän stoppt, statt Gas zu geben, direkt vor unserem Steven. Ich kann nur noch den Telegrafen zurückreißen und fürchterlich losbrüllen. Stress pur! Ein paar Meter mehr und es hätte geknallt.

Das gleiche Spiel kurz vor der letzten Schleuse Mirow. Gerade bin ich auf der Toilette, als mein Ruder-Ablöser Sönke losschreit: „Komm rauf, komm rauf!“ Die Hose halb hoch, hechte ich nach oben. Direkt voraus ein unbemanntes Floß in der Fahrrinne. Und das unter einer Brücke in der Kurve! Ich kann gerade noch stoppen und um das treibende Häuschen herumfahren. Das Boot auf der Gegenstrecke hat es bemerkt und wartet schon. Ich versuche die Wasserschutzpolizei anzurufen und habe fünf verschiedene Dienststellen durchprobiert. Niemand erreichbar! Bis ich den Kanal voll habe und 110 wähle. Die Dame ist so erstaunt, dass sie ins Stottern kommt. Ich bitte sie um Amtshilfe für ihre nicht anwesenden Kollegen von der wasserblauen Zunft. Eine Stunde später ein Rückruf mit der Meldung: „Das Floß ist nicht mehr da!“ Und nun?  Kilometer 21 der Müritz-Havel-Wasserstraße (MHW) wird uns auch in Erinnerung bleiben – mit Sicherheit!

Das letzte Nadelöhr, das für lange Wartezeiten berühmt ist, heißt Schleuse Mirow. Doch, man staune, auch hier klappt es nach dem zweiten Anlauf. Von oben aus ihrem Turm warnt die Schleusenwärterin vor Schwimmern im Kanal wegen des alljährlich bei Lärz, einem ehemaligen Flugplatz, stattfindenden Fusion-Musikfestivals. Mehrere Kilometer weiter – ein Schild weist auf das Schwimmverbot hin – tummeln sie sich strampelnd und winkend im Wasser. Am Ufer eine Wand aus überwiegend nackten Leibern. Ich gebe Dauerwarnton mit dem Typhon, auch fünf mal kurz als Notsignal, doch sie winken nur fröhlich und schwimmen direkt vor den Steven in der Hoffnung, dass ich „bremse“. Diese Wassershow fotografiere ich natürlich nur zur Dokumentation, aber vom Ufer wird mir vielfach der Stinkefinger entgegen gereckt. Ich fahre so langsam, dass das Boot kaum noch aufs Ruder reagiert. Unser Kormoran-Vordermann MÜRITZ SAIL, des Steuerns nicht mächtig,  eiert so sehr hin und her, dass ich rückwärts geben muss, um ihm nicht ins Heck zu fahren.

Unter der nächsten Brücke lauert im Schatten ein WSP-Boot. Die Uniformierte brüllt herüber: „Runter mit der Fahrt, nur neun Kilometer sind erlaubt!“ Laut GPS fahren wir die, allein schon wegen der defekten Maschine. Die anscheinend bekifften Fusion-Planscher sind ihnen anscheinend egal.

Endlich öffnet sich vor uns das weite Blau der Müritz!  Geschafft! Sogar pünktlich.

Eine dreiviertel Stunde später parken wir rückwärts ein am Steg 1 des Hafendorfs Müritz, wo wir schon von ein paar Mitarbeitern erwartet werden. Inzwischen haben sich unsere Reiseerlebnisse wohl herumgesprochen. Das SEETEUFEL-Überführungs-Abenteuer ist zu Ende. Auf der Straße kommt uns das Tempo „viel zu rasant“ vor nach tagelanger „Höchstfahrt“ mit nur fünf See(n)meilen. Einhelliges Fazit unserer schnellen Langsamkeit: Idylle kennt keine Zeit!

Infos: www.kuhnle-tours.de

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