Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Schleusen, Pokern, Würfelspiele – mit reichlich Lust auf Abenteuer und einer professionellen Glücksspiel-Ausrüstung düst Familie Groh in die Herbstferien nach Frankreich.

Eine Familienfeier führt uns aus dem Norden in die Alpen. Der Samstag steht ganz im Zeichen des Wiedertreffens der Cousins, Cousinen, Tanten, Onkels … Nach einem schönen Fest und einem stärkenden Frühstück packen wir unsere Sachen und fahren in die Herbstferien! Wir fahren mit einem Kuhnle-Hausboot, einer Kormoran 1280. Dieses Mal probieren wir ein neues Revier aus: Frankreich! Wir sind gespannt und freuen uns.

Sonntag

Mit fünf Stunden Verspätung erreichen wir um 23 Uhr den kleinen charmanten Hafen in Niderviller. An den Tischen sitzt eine Gruppe von jungen Männern, die gerade ihren Betriebsausflug ausklingen lässt: Mit vier Kormoranen hatten sie ein Teambuildingwochenende mit 20 Leuten. Wir bekommen gleich die wichtigsten Insidertipps und ein Willkommens-Bier.

Montag

Der nächste Tag begrüßt uns freundlich, die Sonne scheint, die Kinder schlafen bis 9 Uhr.

Charlotte (12):

Nach einer langen Nacht wachte ich auf. Unter meiner weichen Bettdecke war es warm. Ich schnappte mir mein Buch und las, bis alle wach waren. 

Der Blick aus dem Fenster war fantastisch! Der kleine Hafen mit dem Häuschen sah schön aus. Keine Welle war auf dem Wasser. Die Enten quakten, die Sonne lachte.

Als erstes musste eingekauft werden.

Der Hausboot Hafen Niderviller
Die Kuhnle-Tours Basis in Niderviller am Rhein-Marne-Kanal.

Und als der Einkauf im Boot verstaut war, gab es ein typisch französisches Frühstück mit Croissants und Baguette. Schon nach dem Frühstück wollten wir nicht mehr weg. Es war einfach zu gemütlich.

Aber als wir uns aufrafften, lohnte es sich!

 

Den Sportbootführerschein beim Hafenteam zum Kopieren bereithalten und ab geht’s zu „Cora“, dem französischen Supermarkt, nur 4 km entfernt. Mit viel zu vielen französischen Leckereien kehren wir glücklich zurück.

Was kommt alles mit aufs Hausboot
Unsere Beute von Cora, dem Supermarkt in Sarrebourg.

Wir frühstücken mit Croissants, Kaffee, Baguette und – weil es so lecker ist – auch mit Oliven, frischer Petersilie und zur Feier des Tages sogar mit einem Crémant d’Alsace – einem französischem Sekt. Parallel studieren wir den Törnplaner und beschließen, in Richtung Saverne zu starten. Hier erwarten und Tunnel und das Schiffshebewerk.

Es ist 13 Uhr – los geht’s. Gleich die erste Brücke ist schmal und stimmt uns auf die weitere Fahrt ein:

Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal
Passen wir da durch? Mit dem Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal.

Wir fahren nicht wie in Mecklenburg über große Seen, sondern genießen eine abwechslungsreiche Kanalfahrt, mit vielen Reihern, stehend am Ufer, und Fahrradfahrern und Profiradlern, die auf den sehr guten Radwegen parallel zum Kanal an uns vorbei düsen.

Wir freuen uns auf die zwei angekündigten Tunnels, denn, wer ist schon mal mit einem Boot durch einen Tunnel gefahren? Das ist schon fast so abstrus wie mit dem Schiff durch die Wüste. (Erlebt bei einer Reise in den Sinai vor gefühlt 100 Jahren!)

Und da ist der erste: knapp 500 Meter lang.

ab in den ersten Tunnel auf dem Rhein-Marne-Kanal
Schiffstunnel: Wasser und Boot verschwinden einfach in einem Berg.

Wir schalten den Scheinwerfer ein und fahren ganz langsam in die dunkle Röhre, die Kinder sind vorne rechts und links positioniert, der Mann hinten und ich versuche vom Steuerstand aus mein Bestes. Man sieht am Ende des Tunnels das Licht, das ist gut, und im Tunnel gibt es ausreichend weitere Beleuchtung.

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Trotzdem – es ist schmal und ungewohnt. Aber ohne Probleme passieren wir die 500 Meter und freuen uns wieder auf das Tageslicht.

Tunnelausfahrt. Rechts im Bild sind die Gleise der früheren Treidel-Lok zu sehen. Die zog die Schiffe ohne eigenen Antrieb durch den Tunnel, weil dieser für die Treidelpferde zu schmal war.

Abenteuer pur. Alle sind fröhlich und schon kündigt sich der zweite Tunnel mit über 2000 Metern Länge an. Auch dieser ist schnurgerade, so dass wir das Ende gut sehen können. Die Kinder rufen: „links etwas eng“, oder: „rechts wird es knapp“ und so schleichen wir uns gut geleitet durch den Tunnel. Es ist einfach eine tolle Erfahrung mit einem Boot durch einen Berg zu fahren! Im Nachhinein muss ich aber gestehen, ich fahre lieber über kleine Seen im Sonnenlicht. Übrigens: Gegenverkehr ist ausgeschlossen, eine Ampel regelt das Geschehen.

Nach den Tunneln sind alle sehr beeindruckt und wir genießen nun die warmen Sonnenstrahlen: Anfang Oktober und 23 Grad.

Und schon wartet das nächste Highlight: ein Schiffshebewerk. Wir sind oben und sehen das Tal vor uns in der „Tiefe“, das bedeutet es geht hinunter! Wir fahren ganz langsam in eine Art Wasserbecken – den Vorhafen – hinein und genießen von hier eine fantastische Aussicht.

Vor uns öffnet sich nun ein Tor, ein Boot kommt heraus. Jetzt sind wir dran: Langsam fahren wir in den Trog (es tropft erfrischend viel Wasser auf uns herunter), wie in eine größere Badewanne; ein zweites Boot folgt uns, viel mehr Platz ist nicht. Die Tore schließen. Wir stehen quer zum Berg in der „Badewanne“ und nun geht es mit samt der Wanne auf einer schiefen Ebene nach unten – die Kinder jubeln, wir sind beeindruckt.

45 Höhenmeter sind so in kürzester Zeit überwunden! Was das bedeutet im Vergleich zu vielen kleinen Schleusen, die hier vorher den die Schiffe den Berg herunter (oder heraus) brachten, verstehen wir einen Tag später noch viel besser (darüber berichten wir dann an späterer Stelle).

Unten angekommen halten wir gleich rechter Hand an und genehmigen uns erst einmal eine Pause von den vielen Eindrücken. Die Kinder spielen auf der angrenzenden Wiese und beobachten bei den Wehren und Mini-Seen die Vogelwelt: Fischreiher, Schwäne, … Die Bäume beginnen, sich bunt zu verfärben.

Wir beschließen, zu bleiben und den schönen Herbsttag hier unten ausklingen zu lassen. Es wird gekocht, gepokert und gewürfelt bis uns allen zeitig am Abend die Augen zu fallen.

 

Dienstag

Ein herrlicher Morgen. Das Wasser dampft.

Heute wollen wir bis nach Saverne fahren, das bedeutet, wir schleusen 13 Mal. Unsere vor der roten Ampel wartenden Mitschleuser erklären uns, dass alle Schleusen (wegen des schmalen Kanals) in eine Richtung frei geschaltet werden, so dass man wie mit einer grünen Welle alle 13 Schleusen nacheinander passieren kann, theoretisch ohne Gegenverkehr. Das bedeutet noch etwas warten … Irgendwann schaltet die Schleuse auf grün und tatsächlich haben wir bis Saverne freie Bahn. Das Wetter ist perfekt, die Sonne scheint, es ist warm (22 Grad) und wir schleusen uns voran durch die schönen Täler.

An jeder Schleuse wartet ein anderes verwunschenes Schleusenwärterhäuschen, die meisten sehen eher verlassen aus, denn die Schleusen funktionieren automatisch ohne Schleusenwärter. Schade eigentlich, es hätte sicher viel Spaß gemacht, die Franzosen kennen zu lernen.

Wir starten bei Schleuse Nummer 18 und landen in Saverne bei Nummer 30. Die „Mit-uns-Schleuser“ sind Franzosen, eine Familie mit zwei Jungs. Wir verstehen kein Wort und sie auch nicht, trotzdem sprechen wir bei jedem Schleusengang miteinander und freuen uns auf das Wiedersehen.

Charlotte:

Das mit den Mitschleusern war lustig:

Ich und Constantin standen vorne, wenn wir in die Schleusenkammer reinfuhren. Vor uns waren die anderen. Weil uns die Jungs die ganze Zeit angeglotzt hatten, haben wir das irgendwann auch gemacht und gemerkt, dass sie nicht nur Brüder, sondern Zwillinge waren. Sie redeten französisch, wodurch ich nur ab und zu ,,Oui, maman!“ oder: ,,NON!“ verstand.

Später zeigten sie, dass wir überholen könnten, weil sie Mittag aßen. Eigentlich schon ein bisschen schade, weil wir uns auch ohne Worte gut verstanden. „Mit ihnen zu reden, bringt eh nichts, weil wir sie sowieso nie wieder sehen“, dachte ich. Aber Abends, als wir in Saverne in der Nähe eines Hafens angelegt hatten, fuhren sie doch aber tatsächlich nochmal an uns vorbei und wir winkten ihnen freundlich.

Anscheinend hatten sie in der Nähe angehalten, da sie am Weg auf der anderen Seite des Bootes nochmal an uns vorbeiliefen.

Aber die Krönung war dann schließlich, als wir uns mitten in Saverne in einem mini-kleinen Supermarkt nochmal begegneten.

 

Saverne ist eine hübsche Kleinstadt.

Ecluse 30 – die Stadtschleuse in Saverne.

Gleich nach der Schleuse kommt rechter Hand das Schloss aus rotem Sandstein. Aber der Hafenmeister gegenüber sieht uns und weist uns den Weg zu einem Seitenkanal. Wir wenden und machen zwischen zwei großen Känen fest.

 

Der Landgang ist kurz, aber sehr schön! Wir kochen zusammen, sitzen an Deck, spielen Würfel und erzählen uns vom Tag: Der großen Burg, die wir vom Boot gesehen haben und den vielen Schleusen. Dazu gibt es Wein, Baguette und Käse.

 

 

 

Mittwoch

Der Tag beginnt mit frischen Croissants vom Bäcker und Kaffee und Tee. Wir spielen den ganzen Vormittag zusammen und starten erst gegen 13 Uhr:

13 Schleusen bergauf stehen auf dem Programm, wir wollen wieder zurück bis zum Schiffshebewerk und dort an der Halbinsel anlegen, Fußball spielen und grillen.

Das Schleusen zu Berg ist etwas anstrengender als bergab, denn das einströmende Wasser fließt schnell und wirbelt mächtig. Die Crew ist konzentriert und so gelingen uns die Manöver immer besser. Die Pausen zwischen den Schleusen sind kurz, so dass nicht viel Zeit zum Spielen bleibt. Wir sitzen an Deck, sonnen uns, genießen die fantastische Fahrt durch die Täler, mitten durch die hübschen Dörfer. Um 17.30 Uhr sind wir dann zurück.

Der Grill wird angeworfen und wir sitzen dann bei Steak und Wasser und Wein an Deck. Unsere allabendliche Würfelrunde beendet den Abend und um 22 Uhr liegen alle angenehm kaputt in den Kojen.

Donnerstag

Der Morgen ist mild. Wir beginnen den Tag mit Kaffee und warmen Croissants, diesmal aus dem Bordbackofen, im Angesicht der „Schiffshebebadewanne“. Um 10 Uhr starten wir in den Tag und „schleusen“ als erste an diesem Tag mit der Kormoran wieder die über 40 Meter nach oben – noch immer ein kleines Wunder.

Danach tunneln wir wieder.

Video Tunnelfahrt

Dieses Mal deutlich sicherer und entspannter, die vielen kleinen Schleusen waren eine gute Übung! Wir kehren im Hafen in Niderviller zum Mittag ein und wollen noch mal zu „Cora“, das eine oder andere ist dann doch alle geworden.

Mittagessen im Heimathafen.

Wir starten um 16 Uhr die Weiterfahrt ganz entspannt in die andere Richtung. Ab hier fährt nur noch Johannes 😊

Johannes, der Papa (55):

Ich habe bisher keinen Bootsführerschein, fahre aber gern und viel lieber auf den langen, geraden Kanälen von Niderviller Richtung Saarland. Da kann ich gut auf den „Mittelpunkt am Ende des Kanals“ zielen und bekomme auch bei voller Fahrt mit kleinen Bewegungen des Heckruders ein gutes Gefühl, wie sich so ein Boot von 12,80 Meter im Wasser steuern lässt. Auch die absichtlich verengten Einfahrten unter Brücken oder vor Ortschaften sind bald kein Problem mehr für mich. Herausfordernd ist immer Gegenverkehr, aber alle sind rücksichtsvoll und entspannt. Am schönsten ist das „Flow-Gefühl“, wenn bei voller Fahrt im Gegenwind mir die Schatten der Äste auf dem Kormoran-Dach suggerieren, das Boot würde gar nicht fahren. Es ist wie Fliegen!

Wir legen nach zwei Stunden an einer hübschen Stelle am Kanal an, die Kinder steigen aus, spielen Ball und erkunden das Ufer. Die Sonne verwöhnt uns und so gehen wir erst mit der Dunkelheit hinein.

 

 

Ein sagenhafter Sternenhimmel leuchtet durch die Kojenfenster! Wir lesen noch ein bisschen und schlummern dann schnell ein.

Freitag und Samstag

Der Morgen beginnt immer mit einer warmen Dusche und duftendem Kaffee.

Herbstferien mit Morgendusche auf der Badeplattform!

Unsere Fahrt führt uns die beiden Tage mit nur einer Schleusen (Ecluse 1) durch zahlreiche hübsche Kanäle. Dabei fahren wir sogar über eine Straße hinweg und schauen auf die Autos unter uns.

Kanalbrücke über eine Landstraße

Irgendwie witzig ist zudem die Fahrt durch einige große Seen, Etangs genannt, wobei man immer im Kanal bleibt, also eine Kanalfahrt durch einen See! Ankern auf dem See geht deshalb nicht. Die Seen sind an der höchsten Stelle des Rhein-Marne-Kanals und versorgen den Kanal mit Wasser.

Die Sonne scheint, es ist sehr schön warm, zeitweise spannen wir sogar den Sonnenschirm auf.

Die letzte Nacht verbringen wir an einer großen Wiese, wo noch einmal kräftig Ball gespielt wird. Leider kullert dieser ins Wasser, so dass einer von uns nun doch noch Baden gehen muss. Johannes opfert sich und rettet den Ball. Abbaden!

Abbaden! Mehr oder weniger freiwillg …

Abends wird noch mal ausgiebig gewürfelt und Karten gespielt,

bis wir dieses Mal kurz nach der Dunkelheit schon schlafen gehen.

Samstag

Mittags um 13.30 Uhr erreichen wir unseren Heimathafen. Wir hatten auf der Rückfahrt schon alles zusammen gepackt, so dass wir schon um 14 Uhr die Schlüssel abgeben und die Heimreise nach Mecklenburg antreten können.

Es war mal wieder ein cooler Kuhnle-Urlaub!

 

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