Auf der Aquino steppt der Bär

Auf der Aquino steppt der Bär

Die Musik genießen, sich das Essen schmecken lassen und mit Freunden in den Sonnenuntergang fahren. All das und vieles mehr lässt sich mit der Aquino erleben.

Auch unsere Azubis konnten mal wieder einen schönen Nachmittag auf einem unserer Boote erleben. Um 17 Uhr, nach der Arbeit, traf sich eine kleine Gruppe Azubis am Steg für eine Bootsfahr mit der Göteborg. Einige von ihnen hatten Essen vorbeireitet andere haben sich um die Musik und ein Beiboot gekümmert. Kurz, nachdem alle eingetroffen waren, ging es auch schon los. Jeder suchte sich einen Platz und als dann alle Leinen los waren, begann die bunte Fahrt. Mit Musik und munterem Erzählen fuhr die Gruppe auf die Müritz, um die Zeit und vor allem den bevorstehenden Sonnenuntergang zu genießen. 

Allerdings gab es für unsere Azubis auch eine Aufgabe. Die schöne Atmosphäre einzufangen, mithilfe von Fotos und Videos, welche für unser Social Media bei Facebook und Instagram genutzt werden sollen. Und natürlich kommt erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Also wurden zu aller erst die Foto-, und Videoaufträge, wie ein Sprung ins Wasser oder die berührende Titanicszene in der Jack seine Arme um Rose schlingt, aufgenommen. Auch von außen wurden Bilder gemacht, da unseren Azubis genau für diese Fotos ein Beiboot zur Verfügung gestellt wurde. 

Nachdem alle Aufträge erledigt wurden, kam es dann zum gemütlichen Teil. Alle unterhielten sich fleißig, es wurde gegessen, Nudelsalat und Brötchen mit Aufstrich, und auch einfach das Zusammensein machte allen ersichtlich Spaß. Auch andere junge Mitarbeiter schlossen sich uns nach einiger Zeit an und es entstand eine bunte Runde. Und dann war es Zeit für den Sonnenuntergang. Um ca. 19.25 Uhr ging die Sonne endlich unter. Die Müritz wirkte wie ein riesiges blaues Fenster, in welchem sich die untergehende, feuerrote Sonne spiegelte und alles mit einem gelbgoldenen Schimmer überzog.  Eine Zeit lang war es dann ganz ruhig und alle beobachteten, wie die Sonne im Wald untertauchte. Als die Sonne fast weg war,  machte sich die Gruppe wieder auf den Heimweg aber es war keines Falls eine gedrückte Atmosphäre. Es wurde gelacht, gesungen und sogar der Macarena wurde an Bord der Aquino perfekt abgeliefert. Ins Hafendorf fuhren sie dann mit guter Laune und Helene Fischer im Ohr zurück.

Erstmal wieder angelegt ging es dann weiter in die Beachbar, welche genau am Hafen zu finden ist und einen perfekten Blick auf die anliegenden Boote bietet. Auch in der Strandbar ließ die Stimmung nicht nach und auch das Gequassel untereinander nicht. Nachdem alle eine Kleinigkeit getrunken hatten, ging es dann aber nach Hause, da die meisten am nächsten Tag wieder arbeiten mussten. Jeder verabschiedete sich, einige gingen zusammen zum Auto und andere fuhren mit dem Rad. Und so ging ein schöner Abend zuende mit der Vorfreude auf weitere solcher Ausflüge.  

Auf-Kanaltour in Frankreich

Auf-Kanaltour in Frankreich

Der Rhein-Marne-Kanal ist ein wunderbar entspannter Wasserwanderweg durch die abwechslungsreiche Landschaft Elsass-Lothringens. An den zahlreichen Schleusen kann man aber seine kleinen Abenteuer erleben.                Von Stephan-Thomas Klose

Es ist Mittwoch, 12. August, 17.55 Uhr: In fünf Minuten werden die 15 automatischen Schleusen zwischen Lagarde und Nancy abgeschaltet. Dann heißt es: Nachtruhe auf dem Rhein-Marne-Kanal. Alle Augen der Hausbootbesatzung richten sich beschwörend auf die unscheinbare Radarsäule für Schleuse Nr. 17 bei Bauzemont. Sie ist die letzte vor Einville-au-Jard, unserem geplanten Liegeplatz für diese Nacht. Nur diese Schleuse trennt uns noch von Wasser, Landstrom, Dusche, Lebensmitteln und vor allem: Getränken! Nur diese Schleuse noch, dann sind wir in der kleinen Ortschaft im östlichen Lothringen (der heutigen Region „Grand Est“), für die unser Törnatlas „Fluviacarte“ all jene Herrlichkeiten verspricht. Wir brauchen dringend Nachschub: Durch die heißen, hochsommerlichen Temperaturen von 34 °C und mehr sind unsere Getränkebestände völlig erschöpft.

„Sie blinkt!“ ruft unser Steuermann. „Geschafft!“ Tatsächlich: Die Radarsäule hat das Signal unserer Fernbedienung aufgenommen. Der Jubel der Hausbootbesatzung kennt keine Grenzen. Doch zu früh gefreut: Schleuse Nr. 17 gibt noch ein aufwärtsschleusendes Hausboot frei. Dann schließen sich direkt vor uns die Eisentore. Die Signallampen erlöschen. Es ist genau 18 Uhr. Die französische Wasserstraßenverwaltung VNF macht keine Ausnahmen. Feierabend. Wir sind gefangen im Nirgendwo zwischen Kanalkilometer 195 und 198. Wir werden die Nacht an einer kleinen Anlegestelle in völliger Stille und Abgeschiedenheit verbringen; ohne Getränke und ohne Verpflegung. Jetzt ist uns klar, warum so viele andere Hausboote Fahrräder an Bord haben.

Wunderbarer Wasserwanderweg

Genau diese Stille und Abgeschiedenheit sind es aber auch, die den Rhein-Marne-Kanal – die Franzosen nennen ihn selbstverständlich den Marne-Rhein-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) – zu einem wunderbar entspannten Wasserwanderweg für die Sportschifffahrt machen – gerade auch in Corona-Zeiten. Einige Skipper sprechen despektierlich von der „Sauerkrauttour“. Tatsächlich aber ist der Kanal ein französisches Bauwerk, das Mitte des 19. Jahrhunderts von 1839 bis 1853 errichtet wurde, um eine Ost-West-Verbindung vom Pariser Becken zum Rhein herzustellen.

Die ursprünglich 313 Kilometer lange Wasserstraße von Vitry-le-François – ab hier zählt auch die Kilometrierung – bis Straßburg gehört zu den längsten Kanälen Frankreichs. Die bergige Topografie mit Höhenunterschieden bis zu 281 Metern hatte die Konstrukteure vor große Herausforderungen gestellt. Nach dem damaligen Stand des Wasserbaus waren Hubhöhen über 2,5 Meter technisch noch nicht möglich. Die Folge sind 154 Schleusen und fast neun Kilometer Tunnelstrecken. Ursprünglich waren die Schleusenkammern mit 35 Metern Länge auf das Maß der hölzernen motorlosen Frachtkähne jener Zeit zugeschnitten. Ab der Jahrhundertwende, als die Motorschifffahrt aufkam, wurden die Schleusen auf 38,5 Meter, das so genannte Freycinet-Maß, verlängert. Und noch in den 1960er-Jahren, als die Tage der gewerblichen Binnenschifffahrt in Frankreich längst gezählt waren, modernisierten die Franzosen den Kanal unverdrossen weiter – mit gewaltigen Wasserbauwerken wie dem Schiffshebewerk bei Arzviller oder der Schachtschleuse von Réchicourt, die mit ihren 16 Hub-Metern die höchste Schleuse Frankreichs ist.

Schleusen-Trauma-Therapie

Die große Schachtschleuse von Réchicourt war es auch, die uns an jenem Mittwoch zwei Stunden kostete, sodass wir unser Tagesziel nicht mehr erreichten. Ein Flusskreuzfahrer hatte Vorfahrt. Réchicourt machte den Anfang der Schleusenstrecke, denn ich hatte mich bei der Planung des diesjährigen einwöchigen Hausboot-Törns für den Kanalabschnitt von der Charterbasis in Niderviller Richtung Westen nach Nancy entschieden – eine einfache Fahrtstrecke von 81,6 Kilometern Länge mit 21 Schleusen. Der Törnatlas veranschlagt dafür 15,5 Stunden Fahrtzeit – in einer Woche hin und zurück mit unserem Kuhnle-Klassiker „Kormoran 1140“ (62 PS, Höchstgeschwindigkeit 12 km/h) also gut zu bewältigen.

Eine abwechslungsreiche Landschaft säumt den Kanal mit schattigen, dicht bewaldeten Ufern, dann wieder scheinbar endlosen Feldern und Wiesen und dazwischen kleinen altmodischen Ortschaften oder Gehöften. Bei Dombasle-sur-Meurthe geht die Fahrt sogar mitten durch die gewaltigen Produktionsanlagen eines Solvay-Chemiewerkes. Hier stehen die größten Kalkbrennöfen der Welt.

Aber es waren weniger die landschaftlichen Aspekte, die für die Wahl der Route den Ausschlag gegeben hatten, als vielmehr die Absicht, hier ein altes Trauma endlich dauerhaft zu überwinden. Bei unserem ersten Kuhnle-Hausboot-Törn im April 2011 auf der Müritz-Elde-Wasserstraße über die Mecklenburgische Seenplatte hatten wir ein Fiasko in der Plauer Eldeschleuse erlebt. Eine unsachgemäß geführte Leine hatte sich beim Abwärtsschleusen an der Bootsklampe festgezogen. Obwohl der Hub nur 1,33 Meter beträgt, war das Boot in bedenkliche Schräglage geraten. Diesen Schleusen-Schreck hatte die Familien-Crew nie überwunden. Bis jetzt.

Eindrucksvolles Nancy

Als wir am Donnerstag um 15.30 Uhr im großzügig bemessenen Freizeithafen Saint-Georges unseres Reiseziels Nancy festmachen, haben wir 21 Abwärtsschleusungen erfolgreich bewältigt. Ab Réchicourt hatten wir die Schleusen mit der Fernbedienung gesteuert, die uns der VNF-Schleusenwärter in die Hand gedrückt hatte. Anfunken, Warten, Einfahren, Festmachen, Schleusen, Loswerfen und Ausfahren können wir jetzt aus dem effeff. Unser Trauma ist überwunden.

Das wird auf dem großartigen Stanislaus-Platz von Nancy gefeiert. Dieses städtebauliche Gesamtkunstwerk aus neoklassizistischen Palästen, Brunnen, Triumphbogen und einheitlich vergoldeten schmiedeeisernen Portalen, Lampen und Balkonen gehört zum Weltkulturerbe. Die Hausbootbesatzung ist beeindruckt.

Am nächsten Morgen treten wir die Rückfahrt an. Sie hält am Folgetag noch eine Überraschung für uns bereit: Die Schleuse Nr. 19 bei Maixe ist außer Betrieb. Und das ausgerechnet an einem Samstagmorgen. Wie soll es jetzt weitergehen? Doch nur fünf Minuten später kommt ein VNF-Fahrzeug angebraust. Die öffentlich-rechtliche französische Wasserstraßenverwaltung hat tatsächlich eine Wochenendbereitschaft! Kurze Zeit später öffnen sich die Tore; wir können die Fahrt fortsetzen. Dieser prompte Service versöhnt uns mit dem superpünktlichen Dienstschluss am Mittwoch in der Einöde vor Schleuse Nr. 17. Besagter Abend fand übrigens doch noch ein gutes Ende: Mit einem in holprigem Französisch herbeigerufenen „Henrion“-Taxi aus Lunéville gelang es uns, einen Supermarkt zu erreichen; zum Getränke-Großeinkauf. Wir waren gerettet.

Ein Barsch im Haifischbecken

Wenigstens die Frauen schauen skeptisch. Dass ihre Männer mit dem Auto quasi groß geworden sind, wissen Beide. Aber was da im Wasser liegt, erscheint ihnen doch ein wenig zu groß. Dabei ist es nur ein „Barsch“. Aber was für einer?  Knapp 15 Meter lang, fast viereinhalb Meter breit – der Barsch aus der Kormoran-Primus-Reihe hat es in sich.