Einmal Elbe und zurück

Einmal Elbe und zurück

Augen auf bei der Berufswahl: Wenn man in einer Firma die Texterin ist und im Verdacht steht, ein Smartphone benutzen zu können, bekommt man für den Urlaub schnell mal aufgedrückt, die firmeneigenen Kanäle mit Storys zu versorgen. Da Instagram-Storys immer nach 24 Stunden im digitalen Nirwana landen, haben wir die Posts hier noch mal zusammengefasst und etwas ergänzt.

Von Dagmar Rockel-Kuhnle

Prolog

„Tschechien? Ernsthaft?“

„Klar, wir haben da jetzt schon die zweite Saison ein Boot und gefahren bin ich da noch nie!“

„Ja, wo denn auch!“

„Moldau und vor allem Elbe.“

„Hat die Wasser? Jetzt im August?“

„Werde ich dann ja sehen!“

Zugegeben, aus der Skepsis meiner mecklenburgischen Nachbarin sprach nicht allein das Trauma der nicht existierenden Reisefreiheit ihrer ostdeutschen Kindheit (die DDR-Bürger konnten üblicherweise nur die Grenzen zu Ostblock-Staaten passieren). Womit verbinden Boomer oder Gen-Z-Leute heute Tschechien? Die ersten Assoziationen sind abgerockte Kurorte, grölende Party-Touristen in Prag und knatternde Skodas in „3 Haselnüsse für Aschenbrödel.“

Als Wessi hatte ich den real existierenden Sozialismus höchstens mal in seiner Light-Version im damaligen Yugoslawien oder als Tagestourist in Ost-Berlin erlebt. So hatte ich unbeschwert nach der Wiedervereinigung zuerst die mecklenburgischen und märkischen Gewässer und später auch Masuren entdeckt – wunderschöne Reviere zum Boot fahren und Urlaub machen!

Jetzt ging es mir weniger um Tschechien. Mehr um die Elbe. Meinen Fluss. Ich bin in Hamburg an der Elbe aufgewachsen. Nur dass die Elbe in unserem Leben damals kaum vorkam. Sie war ein mit giftigen Chemikalien verseuchter Abfluss, in den wir auf Schulausflügen allerhöchstens mal unsere Füße eintauchen durften. Zum Segeln gab es die Alster, zum Baden fuhr man ins Hallenbad oder an die Ostsee. Ich bin fast 60 Jahre alt und noch nie in der Elbe geschwommen.

Das Boot, eine Kormoran 1140 mit zwei Kabinen, war frei, also ein paar Sachen gepackt und mit dem Auto waren wir nach fünfeinhalb Stunden Fahrt von der Müritz an der Moldau, in dem Dörfchen Nelahozeves. An Bord war es mollig warm wie in einer Sauna, wir verteilten den Inhalt des Kofferraums auf beide Schlafkabinen, Salon und Küche, dann ließen wir uns von Google die Supermärkte in der Nähe anzeigen. „Tesco in 3,5 Kilometer, den nehmen wir“, entschied ich gegen deutsche Discounter und Geschäfte mit zuvielen tschechischen Umlauten.

Bootskiste, Grill, für jeden eine Klamottentasche, Wein, Sportzeug und allerhand anderer Kruscht: So sieht eine Kofferraumladung Urlaubsgepäck auch bei uns aus.

Zwei Stunden später schaffen wir unsere Einkäufe an Bord: Wasser, Bier und Wein für zehn Tage, Kaffee, Milch, Käse, was zum Grillen, fürs Frühstück, Kuchensnacks und Erdnüsse für den Apero an Bord. Lange hatten wir vor dem Regal mit den Obstbränden gestanden und uns schließlich mit Hilfe des Internets für einen Sliwowitz aus dem Hause Jelinek entschieden. Eine gute Wahl, wenngleich es auch andere leckere Schnäpschen gibt, wie wir rausfinden sollten.

Bier: Wer hat’s erfunden?

Nachdem die Einkäufe einigermaßen an Bord verstaut und die Betten vorbereitet waren wollten auch unsere Mägen gefüllt werden. Glücklicherweise gibt es in der Marina Vltava (Vltava= tschechisch für Moldau) ein Restaurant mit luftigem Biergarten mit Blick über Moldau und Wälder auf der anderen Uferseite. Das Auto fuhr der Ehemann noch schnell von der Kaimauer (wir hatten zum Ausladen direkt neben der Salontür geparkt) auf den Parkplatz der Marina.

„Hmm, das Bier ist lecker!“ Ich stelle den Krug Úněticeeine lokale Brauerei bei Prag – ab.

„Kein Wunder, die Tschechen haben das Bier erfunden!“

„Ich dachte das waren die alten Ägypter?“

„Na, zumindest haben sie es perfektioniert.“

Im Sommer ist so ein Bier ja zügig verdunstet, so suchen wir uns für den Hauptgang einen Wein aus. Auch hier gibt es Regionales. Die Adelsfamilie Lubkowicz, der das geräumige Schloss im Dorf (und noch ein paar andere) gehört, baut auch Wein an. Leckeren Wein. Schnell haben wir uns aus der Speisekarte und den zahlreichen Infobroschüren an Bord zusammengereimt, dass wir in Melnik am Weingut der Familie vorbeikommen.

Als die Rechnung kommt, bin ich angenehm überrascht: Umgerechnet 35 Euro kostet unser Abendessen mit Bier, Wein und einem Nachtisch.

„Wenn das Essengehen hier weiterhin so günstig ist, müssen wir gar nicht mal so viel an Bord kochen!“ verkünde ich erfreut. Dann verdrücken wir uns an Bord, um auf dem Achterdeck unseren Slivovice zu verkosten.

  1. Tag: Frühstück auf dem Achterdeck

Es ist Mittag, als wir am nächsten Tag endlich auslaufen. Weit wollen wir nicht, die Moldau zu Tal bis Melnik, dem Ort wo die Moldau offiziell in die Elbe fließt. Eigentlich ist es umgekehrt, denn die Moldau führt mehr Wasser als die Elbe, also fließt die Elbe eigentlich in die Moldau, aber irgendein oller Mönch hat das bei seinen Aufzeichnungen mal so hingeschrieben und dann ist es dabei geblieben.

Schnell erreichen wir die erste Schleuse (Miřejovice). Ein seltsam hoher Steg mit Leitern dran kommt in Sicht. „Was ist das für ein komisches Gebilde?“ Zum näheren Untersuchen ist keine Zeit, denn die Schleuse zeigt grün, wir fahren in die für mecklenburgische Verhältnisse riesige Kammer ein. Die Moldau ist für Frachtschiffe ausgebaut und das zeigt sich auch an den Schleusen. Die an der Moldau lassen sich sogar noch erweitern, um besonders lange Schiffe aufnehmen zu können.

„Du nimmst den Poller, ich die Leiter“, sagt der Ehemann. Die Poller sind weit auseinander, so dass wir nicht gleichzeitig zwei erreichen können. Diese Schleusentechnik werden wir vorerst beibehalten. Beim Ausfahren ist an Backbord noch ein weiterer seltsam hoher Steg zu sehen, da klickt es bei uns: „Das ist eine Sportbootwartestelle!“

An Hopfenfeldern und Anglern vorbei tuckern wir zu Tal. Doll ist die Strömung nicht, das hatte ich schon heute morgen beim Schwimmen gemerkt. Es gab schon Strömung, aber solange ich gegenan schwimmen kann, hat unsere Kormoran damit auch kein Problem. Kurz bevor es in den Moldau-Seitenkanal geht, schiebt der Fluss mit vielleicht einem halben Kilometer pro Stunde.

Neun Kilometer weiter schicken uns die Verkehrszeichen ganz links ans Ufer. Rechts versperrt ein Wehr ohne Schleuse den Weg, die Schifffahrt wird über den Moldaukanal geführt. Nach ein paar hundert Metern halten wir vor einer Brücke mit einer roten Ampel. Die Brücke scheint passierbar, aber als Deutsche haben wir Respekt vor roten Ampeln. Wir warten. Irgendjemand wird uns schon per Videoüberwachung sehen und auf grün schalten, denken wir. Fünf Minuten später denken wir das immer noch. Auch nach 10 Minuten und einem kleinen Mittagssnack denken wir immer noch, dass bestimmt bald grün wird. Nach 15 Minuten kommen uns erste Zweifel. Wir versuchen Tomasz zu erreichen, der für Kuhnle-Tours die Übergaben macht und sich perfekt an den Wasserstraßen auskennt. Mailbox. Wir blättern in dem Stapel Infomaterial: Keine näheren Anweisungen. Hmmm.

Rote Lichter überfahren? Darf man das?

Irgendwann nehmen wir allen Mut und kriminelle Energie zusammen und fahren einfach los. Auch die nächste Brücke zeigt ein rotes Licht. Jetzt kommt es schon nicht mehr drauf an, denken wir uns und tuckern vorsichtig weiter. Später lernen wir, dass diese Ampelregelung verhindern soll, dass sich im engen Kanal zwei dicke Pötte begegnen. Für unser kleines Sportboot gelten sie nicht.

Nach acht Kilometern erreichen wir die historische Schleuse von Hořín. Sie ist mit dem Kanal Anfang der 20. Jahrhunderts gebaut worden und die älteste Zweikammerschleuse Tschechiens. Vom Oberwasser sieht sie durchaus nicht besonders spektakulär aus. Nur etwas irritiert sind wir, dass wir das untere Tor beim Einfahren nicht genau sehen. Während wir abwärtsschleusen dämmert mir langsam warum nicht: Die Schleuse hat mehr als 8 Meter Hub. Nach und nach wird vor uns an der Stirnseite der Kammer eine Öffnung sichtbar, durch die wir schließlich herausfahren. Vom unteren Vorhaufen erstreckt sich die Schönheit der aus Steinblöcken gebauten Doppelschleusenportals mit über die ganze Kanalbreite. Wow! Zu K-und-K-Zeiten hat man nicht nur zweckmäßig, sondern auch stilvoll gebaut. Dass 2019 die Durchfahrtshöhe auf 7 Meter angepasst werden musste stört die schöne Jugendstil-Fassade nicht: Man hat einfach einen Teil des Oberbaus auf hydraulische Stempel gesetzt, die für höhere Schiffe hochgefahren werden.

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In Melnik wünschen wir uns einen der schönen Stadtanleger, die wir später noch kennen- und schätzen lernen. Es gibt dort aktuell (Sommer 2026) einen Liegeplatz für ein Fahrgastschiff direkt vor dem Weingut auf der Stadtseite. Außerdem einen Liegeplatz mit Landzugang unterhalb der großen Brücke und einen Paddelsteg kurz vor der Einfahrt in einen Altarm oberhalb der großen Brücke.

Der Liegeplatz mit Landzugang ist besetzt, wir könnten zwar vor oder hinter dem anderen Boot anlegen, dann würden wir aber nicht an Land kommen. Und Melnik wollen wir uns natürlich angucken, vor allem das Weingut derer von Lobkowitz. Wir machen einen Bogen und fahren von unten kommend den Paddelsteg an. Einschlechtes Gewissen haben wir nicht, weil gleich unterhalb der Brücke ein kleiner Strand ist, von dem man aus wunderbar und ohne Treppenstufen Paddelboote ins Wasser setzen kann. Maschine aus und ordentlich anziehen für den Landgang.

Erster Törntag: von Nelahozeves nach Melnik, zwei Schleusen, 21 Kilometer gefahren.

Unser Ziel ist das Weingut am anderen Flussufer. Unser Plan: Ordentlich Weine probieren, das eine oder andere Fläschchen für unterwegs mitnehmen und auf dem Rückweg mit dem Auto noch mal ranfahren und ein paar Kartons einladen. Natürlich nur, wenn der Wein lecker ist.

Leider ist in Tschechien die Idee der kostenlosen Probierschlückchen unbekannt. Man kauft also ein kleines oder großes Glas, setzt sich damit in der Garten am Labeufer oder schlendert weinschlürfend umher, bis das Glas alle ist, dann holt man sich das nächste. Wir schaffen es sechs Weine und einen Traubenbrand zu probieren, machen uns Notizen, was wir am nächsten Tag kaufen wollen und fragen nach einem Restaurant-Tipps für das Abendessen.

Der Weg zu Fuß hinauf in die Altstadt von Melnik ist steil, aber glücklicherweise geht es durch einen schattigen Wald und in regelmäßigen Abständen sind Bänke zum Verschnaufen aufgestellt. Auch das empfohlene Restaurant finden wir ohne Problem und lassen uns das Essen schmecken.

Am nächsten Morgen bin ich früh auf, denn heute kann ich etwas tun, das mir in meiner Kindheit versagt war: Ich werde in der Elbe baden. In meinem Fluss! Noch vor dem Frühstück ziehe ich den Badeanzug an, bereite Duschgel und Handtuch auf der Badeplattform vor und klappe die Badeleiter aus. ,Erst mal die Strömung auschecken‘, denke ich ,das ist hier schließlich die Elbe!‘ und mache mich Richtung Bug auf den Weg. Und kratze mir die Knie auf. Gleich neben unserer Kormoran ist das Wasser vielleicht noch fünfzig Zentimeter tief. Zum Schwimmen langt es nicht. Der Grund ist steinig, so dass es auch nicht wirklich schön ist, mit den Füßen zu loten. Tatsächlich haben wir wohl bei der Ansteuerung gestern Nachmittag die einzige Rinne getroffen, die genug Wasser für unsere 75 Zentimeter tief gehende Kormoran hatte. Uupsi.

Zu flach zum Schwimmen, aber fürs Boot reichts

Also schwimme ich mit der Strömung unter der Brücke durch in Richtung deutsche Grenze. Vorsichtshalber drehe ich aber immer wieder gegen den Strom, um nicht weggetrieben zu werden. Auch meine Schwimmboje habe ich mir umgebunden, sicher ist sicher.

Boots-Führer: Mensch und als Download

Beim Frühstück kommt Tomasz Kolarik vorbei. Er betreut unsere Boote in Tschechien, macht die Übergaben und arbeitet an der Entwicklung der Wasserstraßen für Touristen mit. Jetzt können wir das Briefing nachholen, dass er uns aus Zeitgründen gestern nicht geben konnte. Wie funktioniert Strom und Wasser an den Anlegestellen, was ist wo im Revier und viele weitere Infos bekommen wir. Außerdem ist das Boot voll mit Prospekten, Flyern und Broschüren, zum größten Teil auf Deutsch, der Revierführer ist auf tschechisch an Bord, aber wir hatten bereits in Deutschland die englische Version heruntergeladen und ausgedruckt.

https://www.sccr.cz/wp-content/uploads/2024/02/Cruising-Guide-2024.pdf

Beim Frühstück kommt Tomasz zu Besuch. Unser Mann hier vor Ort. Er versorgt uns noch mit weiteren Tipps, die er unseren Bootscrews eigentlich bei der Übergabe mitgibt, da er aber gestern keine Zeit hatte, sind wir schon mal losgefahren und er holt das Briefing heute nach.

Törnplanung: An Bord sind reichlich Unterlagen über das Revier und lohnende Landgänge, auch für Radfahrer und Wanderer sind eigene Führer an Bord.

Tomasz erklärt uns, dass wir bitte, bevor wir wieder Richtung Nelahozeves fahren, zur Tankstelle in Roudnice fahren sollen um Diesel zu bunkern, das sei die einzige Tankstelle.

Derart frisch und kompetent gebrieft, machen wir uns auf den Weg, die Elbe hinauf. Naja, noch nicht ganz. Wir müssen noch ein paar Flaschen von dem Wein besorgen, den wir gestern ausgesucht hatten. Das Weingut hat einen Anleger für Fahrgastschiffe. Wir riskieren es dort anzulegen um uns die Schlepperei der Flaschen zu ersparen.

Der Ehemann schärft mir ein, auf dem Achterdeck sitzen zu bleiben und Ausschau nach dem Fahrgastschiff zu halten. Wenn es sich nähert, soll ich ihn schnell herbeitelefonieren. „Alles klar“, sage ich, nehme mir mein Buch und mache es mir auf zwei Stühlen gemütlich. Es ist aber auch herrlich, hier auf der Elbe in der Sonne zu hocken, zu lesen, mit Siegfried Lenz auf einem Feuerschiff auf der Ostsee von Gangstern überrascht zu werden, ab und zu tutet das Nebelhorn. Nebelhorn? Hat da eben auch hier was getutet? Oh Schreck, das Fahrgastschiff kommt! Jetzt hat es schon wieder einen langen Ton gegeben. Hektisch mache ich mich auf die Suche nach meinem Telefon und starte nebenbei den Motor. Da kommt der Gatte auch schon mit Weintüten beladen angerannt. „Der hat doch schon mehrfach getutet! Wieso hast Du nicht angerufen?“ Er springt an Bord, wir werfen schnell los, um dem Fahrgastschiff Platz zu machen. Ich verbeuge mich um Verzeihung bittend beim Ablegen vor dem Kapitän, er winkt lachend ab, nicht so schlimm. Uff!
 

Grüne Ufer: Zeitraffer-Video von der Elbe.

Strömung? Ach was!

Jetzt wird es also ernst. Wir fahren die Elbe zu Berg. Als wir das das letzte Mal versucht haben, kurz vor Magdeburg, habe ich mir noch eine Viertelstunde lang den gleichen Busch am Ufer angeguckt. Eine Kormoran fährt zehn Stundenkilometer, wenn einem der Fluss mit fünf km/h entgegenkommt, liegt man theoretisch immer noch fünf km/h vorne. Aber praktisch gibt es eben auch Brücken oder Engstellen, an denen so ein Fluss schneller fließt. Die gute Nachricht: Nicht hier an der tschechischen Elbe. Denn hier hat man in den 50er Jahren Schleusen und Wehre gebaut, die den Fluss stauen, abbremsen und die umliegende Landschaft und Landwirtschaft mit Wasser versorgt. (Wenn ein Flussabschnitt gestaut ist, steigt in dessen Umgebung auch der Grundwasserspiegel.)

Wir fahren mit satten 10,4 Stundenkilometern die Elbe zu Berg, die Strömung kann hier nicht mal ein Kilometer pro Stunde betragen. Irgendwann sind die Schleusen zu und es ist weit und breit kein Hafen in Sicht. Schließlich entdecken wir eine wacklige mehr ehemalige Befestigung mit ziemlich fragilen Klampen dran. Nun ja, nicht gerade ein Ort, den man Kunden empfehlen könnte, aber wir sind abenteuerlustig: Es sieht weder nach Wind noch nach schlechtem Wetter aus, wir legen an, binden uns irgendwie fest und heizen den Bootsgrill an.

Zweiter Törntag: von Melnik bis kurz vor Lysa, fünf Schleusen, 48 Kilometer gefahren.

Schleusentechnik

Das Schleusen hier ist unproblematisch. Die Schleusen geräumig zu nennen ist bei einer Kammergröße von 85 mal 12 Metern eine glatte Untertreibung. Gleichwohl gibt es hier an der Elbe, anders als an der Moldau, keine Sportbootwartestellen. Wir behelfen uns damit, dass wir am äußeren Ende des trichterförmigen Leitwerks festmachen um zu warten bis wir einfahren dürfen. Das Leitwerk ist so breit, dass locker noch ein Frachter an uns vorbei passt.

In der Kammer machen wir vorne an der Leiter und hinten an einem Poller fest. Diese Technik behalten wir bis Hradištko bei. Hier weist und der Schleusenwärter an, dass wir das bitte sein lassen sollen.

Die tschechischen Sportboote schleusen alle mit Mittelklampe und einem Poller. Aber die sind auch kleiner und leichter als wir. Auch eine Kormoran 1140, die ja die zweitkleinste Kormoran ist, wiegt noch fröhliche 19 Tonnen. Nun denn, seit Hradištko schleusen wir auch mit der Mittelklampe. Für mich hat das den Vorteil, dass ich gemütlich auf dem Achterdeck mit meinem Buch bleiben kann, während der Ehemann die Leine führt und den Motor abstellt. Das wäre schon mal gelungen. Natürlich übernehme ich auch immer mal das Steuer, vor allem um die Mittagszeit, wenn mein Mann unter Deck verschwindet um uns einen Snack zu machen. Work-Life-Balance kann ich! (Bevor jetzt die Männergruppen zur Rettung angeritten kommen: Der Gemahl wäscht nur äußerst selten ab, deckt keinen Tisch und das Aufräumen hat er auch nicht erfunden.)

Kolin – Stolpersteine

In Kolin sind wir mit Schwägerin und Schwager verabredet. Die beiden sind mit dem Wohnmobil unterwegs und haben schon eine Bar für einen Apero mit Flussblick in der Nähe des Anlegers ausgemacht. Wir machen das Boot fest, stecken den Strom ein und lassen uns mit Bier und Aperol Spritz in die Liegestühle fallen.

Später fahren wir mit dem Wohmobil rüber in die Stadt zu einem Restaurant, dass wir uns über Google gesucht haben. Die Stadt ist nicht weit, aber mein Schwager ist nicht gut zu Fuß, so können wir heute Abend auch ein bisschen faul sein. Es gibt Rippchen in derartiger Menge, dass wir die Teller nicht leer essen können und zurück an Bord erst mal ein Schnäpschen brauchen. So muss das im Urlaub!

Dritter Törntag: von kurz vor Lysa bis Kolin, sieben Schleusen, 43 Kilometer gefahren.

Portal des jüdischen Friedhofs in Kolin. Mitte des 19. Jahrhunderts war fast ein Viertel der Koliner Bevölkerung jüdischen Glaubens.

Am nächsten Morgen müssen wir ein paar Vorräte ergänzen und spazieren über Flussbrücke und Bahnbrücke in die Stadt. Da wir als erstes auf den alten jüdischen Friedhof treffen, ist es auch ein kleiner Stadtrundgang den wir machen. Später besuchen wir die Synagoge, die in einem Hinterhof untergebracht ist und einen Nebenraum für Ausstellungen hat, in dem in diesem Sommer die Geschichte von einer Gruppe jüdischer Mädchen in der Nazizeit erzählt wird. Kolin war eine der größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Böhmen, entsprechend wird die Geschichte gewürdigt. Praktischerweise ist im Vorderhaus die Touristinfo untergebracht, in der wir noch einen Schwung Infomaterial bekommen. Schon gestern waren uns an mehreren Stellen Stolpersteine aufgefallen.

Ein Biomarkt und ein Supermarkt versorgen uns mit allem, was uns noch fehlen könnte. Dann geht es wieder rauf auf den Fluss, der hier wirklich kein Strom mehr ist. Unser erstes Ziel ist der Campingplatz von Tynec, wo wir Schwägerin und Schwager an Bord nehmen wollen.

Chvaletice: Elbes Ende

Zwei Schleusen sind zu passieren dann sind es vom Steg in Tynec noch sechs Kilometer bis Chvaletice. Hier gibt es eine Werft, in der die Fahrgastschiffe und andere repariert werden können. Weiter als bis hierhin muss niemand fahren. Der Fluss ist hier breit genug, dass auch große Schiffe wenden können. Tomasz hatte uns davor gewarnt weiter zu fahren, die tschechische Wasserstraßenverwaltung pflege die Elbe oberhalb nicht, eine Tiefe von einem Meter sei nicht garantiert. Wir versuchen es natürlich trotzdem. Ziemlich schnell beginnt es modrig zu müffeln, ein Blick ins Kielwasser zeigt, dass der Propeller eine Spur aufgewirbeltem Schlick zieht. Das Echolot zeigt minus 30 Zentimeter. Nix wie weg hier.

Wir legen an der sehr ruhigen Werft an und machen eine kleine Mittagspause, ich drehe eine kleine Schwimmrunde. Noch drei weiteres Schleusen gibt es hier, doch schon die erste, Přelouč, ist dauerhaft gesperrt. Für Boote, die um die Schleuse herum getragen werden können, geht es noch 30 Kilometer weiter elbaufwärts bis nach Pardubice. Wir machen uns auf den Rückweg zum Campingplatz nach Tynec, der auch eine Marina haben soll. Die Marina Tynec kann man nicht für Chartercrews empfehlen. Es gibt keine ausgewiesenen Plätze für Gäste und die Spundwand am Ufer und ihre Ausleger sind eher für nette kleine leichte Sporrtboote dimensioniert. Bei näherem Anfahren sind auch die paar Meter freie Spundwand wenig verlockend: Unmittelbar davor liegen ein paar ziemlich große Steine im Wasser. Schade eigentlich, denn der Campingplatz ist sehr gastfreundlich, gut ausgestattet und schön gelegen.

Vierter Törntag: von Kolin nach Chvaletice, drei Schleusen, 18 Kilometer gefahren …

… und zurück bis nach Tynec, eine Schleuse und sechs Kilometer.

Nymburk und Poděbrady: Alte und neue Steine

Ab jetzt geht es die Elbe bergab: Unser Ziel für heute ist die Stadt Nymbork, die uns auf dem Hinweg schon mit ihren hübschen alten Brücken aufgefallen war. Außerdem soll es dort eine Eismanufaktur geben. Achja, und eine lange zusammenhängende Stadtmauer.

Was wir dabei verpassen ist Poděbrady. Der Kurort hat eine berühmte Mineralquelle und ein Steine-Museum, das „Museum of Bricks“ in dem es über 1000 Lego-Modelle zu bestaunen gibt. Und eine Bauecke, die ausdrücklich für alle Altersgruppen gedacht ist. Sei’s drum, man kann ja noch mal herkommen.

Nach sechs Schleusen bei wärmsten Sommerwetter und fast 37 Kilometern Fahrt, gibt es abends eine Schwimmrunde in dem geräumigen Hafenbecken an einem schönen Park und zum Essen ausnahmsweise mal wieder den Bordgrill.

Fünfter Törntag: von Tynec nach Nymburk, sechs Schleusen, 36,5 Kilometer gefahren …

Auch Nymburk lohnt den Landgang. Es sind nur ein paar Schritte von dem Stadtanleger durch ein kleines Tor in der Stadtmauer. Schnell haben wir auch bei der Kirche die Eismanufaktur gefunden und gönnen uns jeder drei Kugeln, die wir im Schatten auf einer Bank vor der Kirche genießen. „Und?“ fragt der Gatte, „wie ist das Eis?“ Da ich zu Hause unser Speiseeis selbst mache (wir wohnen zu weit weg von der nächsten Eismanufaktur), gelte ich eismäßig als Fachfrau. „Joar“, antworte ich. „Hätten büschen großzügiger mit der Vanille und der Nusspaste sein können. Und mein Schokoeis ist schokoladiger.“ Trotzdem: Das Eis ist ordentlich und frisch. Aber ich beziehe Kakao und Kuvertüre für mein Schokoeis aus Saverne und meine Vanille habe ich aus Mauritius mitgebracht. Das ist dann schon ein bisschen leckerer.

Dafür finden wir ein paar Meter weiter eine Fleischerei und decken uns dort mit frischem Geflügel, Aufschnitt und leckeren Würstchen zum Snacken ein.

Blaue Jungs im Aluboot

In der Nähe von Brandys soll es einen Wasser-Freizeitpark in einem mit der Elbe verbundenen Baggersee geben. Den wollen wir uns genau ansehen. Nur ist es leider mal wieder Mittag, bis wir loskommen. Naja, dafür haben wir Eis gegessen und gute Wurst gebunkert.

„Ach guck, die Wasserschutz ist unterwegs“, sagt mein Mann – harmlos und gesetzestreu wie er nun mal ist –  als wir an deren Bootsgarage vorbei fahren. Ein Tor steht offen, also werden die wohl auf Patrouille sein. Wir machen uns keine weiteren Gedanken und tuckern unseres Weges. Von Schleuse zu Schleuse. In Hradištko müssen wir – anders als sonst – eine ganze Weile warten. Wie gehabt am äußersten Ende des breiten Leitwerks. Als sich die Tore endlich öffnen, kommt ein süßes kleines Aluboot herausgefahren. Es hält direkt auf uns zu, beim zweiten Blick erkennen wir, dass es allerhand Technik auf dem Dach hat. Die Wasserschutz! Sie kommen bei uns längsseits.

Die beiden Beamten sind überaus freundlich, einer spricht sehr gut Englisch. Sie kontrollieren unsere Bootspapiere und erklären uns, dass wir nicht am Leitwerk festmachen dürfen. Sie haben Verständnis für unsere Erklärung, dass es eben leider keine Wartestelle für Sportboote gibt und die Wartestelle der Berufsschiffe für uns einfach ungeeignet ist. Mit höflichem Bedauern erklären sie uns, dass sie uns kostenpflichtig ermahnen müssen, damit wir keine weiteren Gesetze brechen. Wir müssen bitte 100 tschechische Kronen Strafe zahlen. Das sind umgerechnet etwa vier Euro inklusive einer ordentlichen Quittung, die wir unaufgefordert bekommen. Kaffee und Kekse (war gerade ohnehin fertig) lehnen sie ab. Aber ein Bild darf ich von ihnen machen.

Wasserschutzpolizei auf der Elbe: Festmachen am Leitwerk ist nicht.

Mal ein paar Bemerkungen zu den Stadtanlegern. Sie sind sich alle ähnlich und ich muss sagen: Wenn man einen Standard für Stadtanleger festlegen wollte, wie die gebaut sein sollten – so wie die Tschechen das machen, ist es das absolute Optimum: Edelstahl, Fangnetze, Stromsäulen, rutschfeste Holzbeplankung und Wasserzapfstellen, alles einheitlich mit der Karte an Bord zu bedienen. Supersolide verarbeitet, perfekt geschweißt oder geschraubt, ordentlich beschildert. Die Poller solide und überreichlich vorhanden. Die Seitenstege sind leicht geneigt, so dass sie der Strömung nicht zuviel Widerstand entgegenbringen. Und dabei für 48 Stunden kostenlos. In Deutschland und Frankreich ist man schon froh, wenn irgendwo ein Ring einbetoniert ist, oder der Steg so gebaut ist, dass man irgendwo eine Leine anbinden kann. Von Pollern aus Edelstahl brauch man hier gar nicht anfangen.

Einziger Verbesserungsvorschlag wäre, sie künftig auch für größere Boote auszulegen. Eine Kormoran 1280 würde wohl noch passen, aber eine 15er wäre schon zu schwer und zu lang für die Seitenstege. Und eine Badeleiter wäre nett, aber offiziell ist an den Anlegestellen das Baden verboten und man will wohl die örtliche Jugend nicht anlocken, in dem man eine Badeleiter installiert. Mehr dazu im Video.

Sechster Törntag: von Nymburk nach Brandys nad Labem, fünf Schleusen, 31 Kilometer gefahren

Fischtreppe mit Spaßfaktor

Zum Abendessen machen wir uns auf den Weg zu einem von Google empfohlenen Restaurant, dem „Brandejská Hospoda“. Spezialität: Rindfleisch vom Holzkohlegrill und Bier einer örtlichen Brauerei. Es sind nur kurz über 500 Meter zu laufen, trotzdem brauchen wir ein Weilchen: Der Weg führt über einen Wehrarm, in dem eine Wildwasser-Kanustrecke eingebaut ist. Kanuten und sogar SUP-Paddler stürzen sich in die wilden Wellen. Da müssen wir erst mal ein Weilchen zugucken.

„Das ist mal neu Fischtreppe mit Spaßfaktor“, bemerkt der Gatte trocken. Ich denke an die Fischaufstiegsanlage an der Schleuse Steinhavel: In Serpentinen aus Granit und Kiesbett wird dort das Wasser auf einem Meter Breite so abgebremst, dass Fische den Höhenunterschied überwinden können. Ob diese Strecke hier für einen Fisch zu Berg zu schaffen ist? Ich denke eigentlich schon, denn Tschechien ist seit 2004 in der EU und muss sicher beim Bau derartiger Dinge die auf die gleichen Umweltregeln achten wie alle anderen auch.

An Elbe und Moldau finden wir noch weitere dieser Wildwasser-Bypässe. Wäre so etwas bei uns möglich? Ich hab da so meine Zweifel.

Das Steak in Brandys ist amtlich.

Am nächsten Morgen fülle ich unseren Wassertank auf. Der Schlauch im Boot hat eine spezielle Kupplung, die perfekt an die Zapfstelle am Steg passt. Karte ranhalten und in 50-Liter-Schritten die Füllmenge wählen.

Wasserspielplatz für groß und klein

Kurz darauf steht dann die Besichtigung der Wakeboard-Seilbahn-Wasser-Spiel-Strand-Camping-Landschaft ein Stück elbabwärts an. Anlegen ist auch für größere Boote möglich.

Der Wake Port bietet wirklich alles, was man sich am Wasser wünschen würde (naja, außer Tauchen). Es gibt schwimmende Ferienwohnungen, SUPs, eine schwimmende Sauna, einen Wasserspiel-Hüpf-Kletterpark, Co-Working-Spaces, man kann e-Foils ausleihen, Wasserski oder Wakeboarden an mehreren Seilbahnen fahren, Strand, Sanitärbereiche und Gastro gibt es natürlich auch. Und der Parkplatz sieht auch sehr danach aus, dass da auch keiner mit Zelt oder Wohnmobil weggeschickt wird. Wenn ich noch mal Teenies zu betreuen hätte: Hierher kommen, Liegestuhl aufs Achterdeck stellen und den ganzen Tag lesen, während die Kids unterwegs sind.

Nachdem wir alles angeguckt haben, hat uns der Fluss wieder. Kurz vor Melnik passieren wir ein großes Containerterminal. Und waren ja immer mal Berufsschiffe begegnet, die Container oder Schüttgut geladen hatten, aber wenn man sich die Wasserstandsmeldungen auf der deutschen Elbe so anguckt, fragt man sich doch, wo diese ganzen Container herkommen und vor allem wer die hier abholen soll? Wenn man sich die bunten Wände der genormten Transportkisten anguckt, kommt einem der Gedanke, was auf der Elbe an Frachtschifffahrt möglich wäre, wenn es denn zwischen Tschechien und wenigstens Magdeburg Schleusen gäbe und damit einen regulierten Wasserstand, einen erhöhten Grundwasserspiegel, Wasserkraftwerke und vielleicht sogar Kanurennstrecken gäbe. Ein durchschnittliches Binnenschiff kann soviel Waren transportieren wie 150 LKW.

Ich teile diese Gedanken auf unserer Facebookseite und es entwickelt sich ziemlich schnell eine rege Diskussion dazu, die auch für mich überraschende Aspekte zu tage bringt. Wer Lust hat, das mal anzugucken: https://www.facebook.com/share/r/1EwFGY5rvA/

Siebter Törntag: von Brandys nad Labem nach Steti, vier Schleusen, 44 Kilometer gefahren

Štětí – Anleger zwischen Lidl und Beachbar

In Štětí legen wir an einem schönen Park an. Gleich um die Ecke gibt es einen Lidl und ein paar Meter am Ufer entlang soll es eine Art Beachbar geben, die legendär gemütlich ist. Also nichts wie hin. Der Laden ist gepackt voll, es gibt Livemusik, alle sind bester Laune, das macht uns schon mal Hoffnung. Wir quetschen uns an einen Biergartentisch. Essen und Bier gibt es per Selbstbedienung, die Schlange ist lang, die Karte eher übersichtlich. Möglicherweise haben wir einen schlechten Tag erwischt, nach einem zähen Stück Fleisch mit Salat aus dem großen Eimer vom Gastro-Großmarkt trinken wir das zweite Bier und ein Schnäpschen zum Trost lieber bei uns an Bord. Immerhin hatten wir einen schönen Spaziergang am Ufer.

Bunkern leicht gemacht

Heute steht der Tankstopp in Roudnice an. Der Gatte hatte in den letzten Tagen mit wachsender Unruhe die Nadel des Füllstandsanzeigers beobachtet. Sie hat die Mittelmarkierung erst kürzlich verlassen, aber so ganz traut er dem Instrument nicht. Wenn mitten auf einem Fluss mit Strömung (möge sie auch gering sein) der Motor ausgeht, haben wir ein Problem, das schlimmer ist, als wenn uns Schnaps und Schokolade ausgehen. Als der solide Betonsteg der Tankstelle in Sicht kommt, dreht der Ehemann erleichtert auf und legt gegen den Strom an.

Das Tanken selbst ist unkompliziert, dank der an Bord liegenden Bezahlkarte und einer Anleitung die uns mit dem ansonsten auf tschechisch kommunizierenden Tankautomaten vertraut macht. Am Ende war unsere Tanknadel in Ordnung, etwas mehr als 300 Liter passen rein, bei den aktuellen Dieselpreisen sind wir jetzt deutlich wertvoller geworden.
 

Hier unten ist die Elbe noch schöner als oben. Wir fahren zwischen Bergen hindurch, die mal mit Wein und mal mit Wald bewachsen sind. Es sieht eigentlich genauso aus wie an der Mosel oder an der Saar. Hier und da eine kleine Ortschaft und ein Bähnle, dass am Ufer entlangfährt. Modeleisenbahnlandschaft in Tschechien. Schaut Euch die Videos an.

Tiefste Stelle – umdrehen

Und dann ist auch schon die letzte Schleuse erreicht. Im Ortsteil Strekov von Usti nad Labem können wir Schleuse, Kraftwerk und Wehr nur von oben angucken. Noch gut 20 Kilometer sind es unterhalb der Schleuse bis aus der Labe die Elbe wird, aber da das Wasser von hier bis zur Doppelschleuse Geesthacht einfach so wegfließt ist schon seit Juli nicht mehr genug Wasser in der Elbe. Vielleicht würde es für unsere flach gehende Kormoran noch reichen, da es aber zu flach für die Peilschiffe ist, ist es mehr als unsicher, ob man der Betonnung trauen kann. Ich würde zu gerne die Strecke bis nach Magdeburg einmal selbst mit dem Boot fahren, dann würde mir nur noch Dömitz-Hamburg fehlen und ich hätte meinen Fluss einmal komplett im Kielwasser. Nunja, irgendwann muss die Klaipeda ja mal zurück an die Müritz.

Achter Törntag: von Steti nach Usti nad Labem und wieder zu Berg bis Brná, vier Schleusen, 69 Kilometer gefahren, das Tracking ist hier ungenau, war auch ein langer Fahrtag.

Wir drehen um und fahren wieder zu Berg bis zum Stadtsteg von Brná, wo es einen Wohnmobilstellplatz mit Kinderpool und einen Barcontainer mit selbstgemachtem Eis gibt. Das Wasser ist hier endlich wieder etwas einladender, so bekomme ich nach dem langen heißen Fahrtag eine ausgiebige Schwimmrunde. 

Weinprobe mit dem Boot

Am nächsten Tag wollen wir uns die Weinorte einmal genauer ansehen. Auf dem Rückweg an die Müritz mit dem Auto können wir dann ja immer noch anhalten und einkaufen. Unser erster Halt gilt Žernoseky. Die Steganlage des Segelclubs erscheint uns nicht so richtig geeignet. Doch ein Stück weiter gibt es eine Art Fähranlger, nur eine Fähre können wir nirgends sehen. Also machen wir hier fest und wandern in den Ort. Gleich hinter der ersten Brücke steht ein Wegweiser zu (höchstwahrscheinlich, ist er auf tschechisch) fünf Weinbauern. Frohen Mutes machen wir uns auf den Weg. Auch hier machen wir wieder die Erfahrung, dass das Thema Probierschlückchen in einem Land mit 0,0 Promille nicht mehrheitsfähig ist und kaufen ein paar Flaschen auf Verdacht.

Ein anderer Winzer zieht ziemlich geschlossen aus, hat aber einen gemütlichen Garten. Den merken wir uns für den Rückweg vor. Dann beeilen wir uns wieder an Bord zu kommen, bevor es Ärger gibt.

Zu Žernoseky gehört ein ehemaliger Baggersee, der von der Elbe aus erreichbar ist und einen Yachthafen hat. Wir drehen eine Runde auf dem von Weinbergen umgebenen See, verzichten jedoch auf die nähere Erkundung, weil wir uns noch Litomerice ansehen wollen, merken uns den See aber als Ankerplatz.

Litomerice – Geschichte und Technik

In Litomerice haben wir weniger Zeit als wir uns gewünscht hätten. Die Stadt ist hübsch, der Anleger nah. Wir bewundern die ausgeklügelte Hochwasser-Hebetechnik des Anlegers. Dass die Elbe staureguliert ist, heißt ja nicht, dass es hier niemals Hochwasser geben kann.

Hochwasser-Hebemechanismus: Bis zu vier Meter Wasserstandsschwankung können die kostenlosen Anlegestellen abpuffern.

Von der kostenlosen 48-Stunden-Liegestelle legt mehrmals am Tag ein kleines Ausflugsboot ab. Es fährt über die Elbe in den Fluss Eger bis zur tschechischen Stadt Terezin, die in der NS-Zeit Theresienstadt hieß. Über 141.000 Menschen waren hier interniert, eine Gedenkstätte und ein Museum erinnern an ihr Leid.

Neunter Törntag: von Brná bis Žernoseky, keine Schleusen, 12 Kilometer gefahren

Neunter Törntag: von Žernoseky bis Litomerice, eine Schleuse, 10 Kilometer gefahren

Neunter Törntag: von Litomerice bis Roudnice, zwei Schleusen, 19 Kilometer gefahren

In Roudnice ist der Anleger ein bisschen weiter weg vom Stadtzentrum. Erst geht es eine Treppe hoch, um die Stromlieferung zu aktivieren, dann nach anderthalb Kilometer Fußmarsch wäre das die Stadt überragende Schloss erreicht. Wäre, weil wir glücklicherweise nicht zu Fuß gehen müssen, sondern von Tomasz mit dem Auto abgeholt werden. Er hat schon einen Tisch in einer kleinen Gartenwirtschaft reserviert, immerhin können wir von Außen einen Blick auf der Schloss werfen und die historischen Türme der Stadt sehen. Die schöne Stahl-Fachwerkbrücke von 1910 ist von Gerüsten verhüllt und wegen Bauarbeiten gesperrt. Sie ersetzte eine Steinbogenbrücke, die im 14. Jahrhundert die erste Brücke war, die die böhmische Elbe überspannte.

Am nächsten Morgen füllen wir den Diesel noch einmal bis zum Anschlag auf und tuckern weiter zu Berg.
 

Unser letzter Halt auf der Elbe gilt dem kleinen Stadtsteg von Libechov, wo es ein schönes Schloss gibt. Ich überlasse dem Gatten die schweißtreibende Wanderung und drehe lieber eine Schwimmrunde in der Elbe. Leider befinden wir uns sehr knapp unterhalb der Schleusen von Dolni Berkovice. Die Haltung zwischen hier und Steti ist mehr als zehn Kilometer lang, entsprechend stark ist die Strömung dicht am Wehr.

Dann ist es nur noch ein kleines Stück bis Melnik, wir biegen wieder in den Moldaukanal ein, fahren in die schöne alte Schleuse von Hořín. Aus der größeren Kammer kommt uns tatsächlich ein Flusskreuzfahrtschiff entgegen. Es ist die „Elbe Princess“, eines der wenigen Kabinenschiffe, die mit der geringen Wassertiefe klarkommen, weil sie mit Schaufelrädern statt Propellern ausgestattet sind.

Um 17 Uhr sind wir wieder in Nelahozeves fest. Es ist noch Zeit für eine Schwimmrunde in der Moldau und einen gemütlichen Plausch mit der Hafenchefin, die selbst einen kurzen Törn elbabwärts mit ihrem Boot gemacht hat.

Zum Abendessen haben wir einen Tisch in dem etwas schickerem Restaurant unterhalb des Schlosses von Nelahozeves reserviert. Wir werden nicht enttäuscht, genießen mehrere Gänge, schönen Wein und die schattige Sommerterrasse. Tschechien haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes schmecken lassen.

Zehnter Törntag: von Roudnice nach Libechow, eine Schleusen, 19 Kilometer gefahren

Zehnter Törntag: von Libechow nach Nelahozeves, zwei Schleusen, 24 Kilometer gefahren

Text und Fotos: Dagmar Rockel-Kuhnle

Vielen Dank an Leoni Köpp, die das Instagram-Archiv des Törns zu Fluvius rüberkopiert hat!

Müritz – Elde – Rheinsberger Gewässer

Müritz – Elde – Rheinsberger Gewässer

Verfasser und Autor des Berichtes: Klaus Wiswe

Die drei Wochen im Juli auf Brandenburger Gewässer rund um Berlin sind uns nicht genug. Es sollen
bei hoffentlich schönem Herbstwetter nun noch zwei Wochen auf Müritz und Elde sein. Geplant ist ein
Törn von Rechlin/Müritz über die großen Seen bis zur Elde, vielleicht Eldena oder sogar Dömitz. Ab
Neustadt-Glewe wäre das für uns gänzlich Neuland, die übrige Strecke zumindest von der Jahreszeit
her etwas Unbekanntes

Samstag 1.10. Claassee Hafendorf Rechlin/Müritz

Wir – Birgit, Klaus und Schafpudelhündin Trudi – treffen um 14.45 Uhr ein. Der Techniker erfährt, dass wir Führerscheine haben und schon mehrfach mit einer Aquino unterwegs waren. Mit „na, dann kann ich es ja kurz machen“ weist er uns auf einige Besonderheiten der Aquino „Waren(Müritz)“ hin, die nun für zwei Wochen unser Domizil sein wird. Wir erfahren, dass diese Aquino einen stärkeren Motor hat. Auch ist die Raumaufteilung etwas günstiger, vor allem im Sanitärbereich. Wir sind gleich von „unserer“ Waren(Müritz) sehr angetan. Nach einem Einkauf bei Edeka in Mirow räumen wir ein, machen es uns dann auf Deck bei angenehmen 19 Grad bequem. Viel „Hafenkino“ wird uns nicht geboten. Es ist Nachsaison, die vermieteten Boote werden ohne große Hektik bezogen. Eine Reihe von Booten ist offensichtlich bereits im Wintermodus. Es gibt einige Einweiserfahrten zu beobachten, manche Crews starten ihren Törn. Wir wollen erst morgen loslegen. Um 17.30 Uhr haben wir einen Tisch im „Captain’s Inn“, Rumpsteak und Tagliatelle, beides ist sehr gut. Leider wird es im Oktober deutlich früher dunkel und so machen wir es uns im Salon gemütlich. Dank Wlan-Router und iPad können wir das spannende Spiel Bayern München gegen RB Leipzig sehen, dass gerecht unentschieden endet.

Sonntag 2.10. Waren/Müritz Stadthafen, 20 km

7.30 Uhr Aufstehen. Bei 12 Grad Außentemperatur (und wohl auch innen) ist es Zeit, die Heizung auszuprobieren. Das Duschen ist tatsächlich auf dieser Aquino noch bequemer. Dank der großen Tanks habe ich keine Angst, zu viel Wasser zu verbrauchen. Gassigehen mit Trudi, ausgiebiges Frühstück im inzwischen wohlig warmen Boot.

Die Fahrt über die Müritz steht unter dem Vorbehalt günstiger Winde. Zwar dürften wir dank Bootsführerschein auch bei Windstärken bis 6 Bft die Müritz befahren, aber das ist uns zu wackelig, vor allem bei Seitenwind. Mehr als 4 Bft sollten es nicht sein. (Siehe zu den Windstärken https://skipper.adac.de/windstaerke-in-beaufort/ ) Die App „Windfinder“ sagt 3 – 4 Bft voraus.

So legen wir bei bester Stimmung, Sonnenschein und klarer Sicht um 9.30 Uhr ab. Ich merke sofort, dass wir mit einem ungewohnt etwas stärkeren Motor fahren. Das ist bei normaler Fahrt eher ein Vorteil, nur beim Langsamfahren muss ich öfter in den Leerlauf schalten, weil mir das Boot schon bei der geringstmöglichen Geschwindigkeit manchmal zu schnell ist. Ich gewöhne ich mich schnell daran.

Nach problemloser, wunderbarer Fahrt über den größten deutschen Binnensee erreichen wir kurz vor 12 Uhr den Stadthafen Waren. Anders als in der Hochsaison begrüßt uns kein Hafenmeister in seinem kleinen Boot. Wir orientieren uns selbst, steuern auf die lange Kaimauer für Gästelieger zu, an der nur zwei einsame Boote rückwärts liegen. Platz wäre wohl für 10 – 15 Boote. „Legt direkt daneben an“ ruft uns nun ein Hafenmeister vom Land aus zu. Die Kaimauer ist etwas hoch, aber mit Fendern rückwärts zur Mauer geschützt und vorne an zwei Dalben festgemacht sollte uns auch ein etwaiger Windstoß nicht groß stören. Mit Hilfe eines Stuhls überwinden wir auch den Höhenunterschied zur Kaimauer.

Ich melde uns im Hafenbüro, muss für die Tagesliegekarte mit Strom 41€ berappen (von denen ich aber bei Abfahrt einige Euro zurückerstattet bekomme). Der inmitten der Stadt liegende Hafen ist von sonntäglichen Spaziergängern bevölkert, einige Jugendliche nutzen die bootsfreien Bereiche, um ihre Angeln auszuwerfen.

Wir spazieren mit Trudi die Kaimauer entlang, vorbei am Anlegesteg für die auch heute gut besetzten Ausflugsboote. Hinter den folgenden Parkanlagen biegen wir bei noch sonnigem Wetter in die sehenswerte Altstadt ein und finden in der Brauereigaststätte einen schönen Platz im Außenbereich. Ein Hund, paar Tische weiter kann sich ob Trudis Anblick kaum beruhigen. Trudi stört das nicht, sie liegt gelassen unter dem Tisch, während wir meckl.- vorpommerschen Nackenbraten und Spaghetti genießen. Zurück am Hafen sind noch weitere Boote eingetroffen – allesamt Charterboote der verschiedenen Anbieter. Eignerboote sind um diese Jahreszeit wohl bereits im Winterlager. Der Skipper neben uns hat sein Boot ohne Fenderschutz direkt an der Kaimauer angelegt. Na ja, es soll ja eher windstill bleiben. Gegen 16 Uhr setzt Regen ein. Biminigeschützt können wir es aber gut auf Deck aushalten.

Abends bestellen wir online beim Chinesen auf der anderen Straßenseite zwei Entengerichte. Abholen klappt perfekt und die Enten schmecken gut. Allerdings wäre schon ein Gericht für uns beide mehr als genug gewesen. So freut sich unsere Hündin am nächsten Tag über eine Abwechslung auf ihrem Speiseplan.

Montag 3.10. Wasserwanderrastplatz Malchow 19 km
Aufstehen, Heizung einschalten, duschen, mit Trudi Gassigehen, Kaffeekochen (mal Birgit, mal ich), Frühstück werden zum allmorgendlichen Ritual. Die nächsten Grünanlagen sind hier allerdings etwas entfernt, deshalb dauert das Gassigehen entlang der noch menschenleeren Hafenanlagen – immer mit Kotbeutel – heute etwas länger.

Bei sonnigem Wetter geht es durch Kölpinsee und Fleesensee zur Drehbrücke in Malchow. Leider etwas zu spät – es ist 12.10 Uhr, die Brücke geschlossen. So wenden wir und steuern steuerbord (von der Brücke aus gesehen) um die Kurve zum Wasserwanderrastplatz Malchow. Der Anleger ist uns von anderen Skippern wärmstens empfohlen worden („Viel besser als der Stadthafen“). Auch uns gefällt der im Grünen aber trotzdem stadtnah gelegene noch ziemlich neue Anleger. Am Steg hilft Hafenmeister Jürgen Lilienthal beim Anlegen und achtet darauf, dass auch Kurzanlieger einen kleinen Obolus entrichten. Strom ist am Steg und wir beschließen, über Nacht zu bleiben. Dazu müssen wir uns in der Gaststätte „Klosterklause“ auf der anderen Straßenseite anmelden. Das erledige ich, reserviere nach Blick auf die Speisekarte gleich einen Tisch für das Abendessen.

Hafenmeister Jürgen berichtet, dass – entgegen noch vieler Hinweise auf Karten oder Bootsführern – die Brücke neuerdings immer 10 Minuten vor der vollen Stunde öffnet. Aktuell erste Öffnung um 8.50 Uhr, letzte um 16.50 Uhr. Er weiß nicht, warum die Öffnungszeiten geändert worden sind, hat da nur einige wenig schmeichelhafte Vermutungen.

Wir „chillen“, sehen mit Bewunderung, wie aus einem anderen Boot im kühlem See gebadet wird. Im Garten der voll besetzten „Klosterklause“ – gut, dass wir reserviert haben – bestellen wir Zanderfilet und Kalbsleber, beides sehr gut.

Zurück an Bord legt ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern in einem Motorboot an. Nach Essen in der „Klosterklause“ starten sie bei völliger Dunkelheit die Heimreise. Kurze Zeit später sind sie vernünftiger Weise wieder zurück („Ist zu dunkel“), vertäuen und sichern sorgfältig ihr kleines Boot und fahren mit Taxi heimwärts.

Dienstag 3.10. Bermuda Dreieck (Rastplatz Kuppentin), Drehbrücke Malchow, Schleusen Plau und
Barkow, 36 km

Ohne Frühstück starten wir um 8.40 Uhr und passieren die Drehbrücke Malchow gleich um 8.50 Uhr. Es ist momentan nur ein laues Lüftchen, aber für später und dem Plauer See sind 3 Bft mit Böen bis 6 Bft angesagt. Vorbei am auch zu dieser Zeit gut gefüllten Lenzer Hafen geht es in den tatsächlich etwas unruhigen Plauer See. Unsere Hündin verkrümelt sich in das Bootsinnere. Ab Seemitte kreuze ich leicht, um die Schaukelei durch den Wellengang abzumildern. In Plau ist es wieder ruhig, wir wollen hinter der Hubbrücke zum Frühstücken anlegen, melden das dem Brücken- und Schleusenwärter von der Wartestelle aus. Die Hubbrücke passieren wir, begleitet von einer Reihe Zuschauer und deren Fotoapparaten, und legen steuerbord an der langen Kaimauer an. Schon um 10.56 Uhr geht es dann weiter, der Schleusenwärter weist uns noch auf die geänderten Schleusenzeiten hin. „Und wenn ihr nach Dömitz wollt: Ab Neustadt sind die Schleusen wegen der immer noch fehlenden Kameras nicht im SB-Betrieb. Ihr müsst Euch anmelden und warten, bis jemand zum Bedienen kommt“ gibt er uns mit auf dem Weg. Damit haben wir bei unserer Zeitplanung nicht gerechnet, mal sehen.

Es hatte öfter geregnet. So sind wir in froher Erwartung, in den Wäldern am Bermuda Dreieck viele Pilze, vor allem Steinpilze zu finden.

Vor der Schleuse Barkow haben Kanuten angelegt, die – als sie uns in der Ferne herankommen sehen – für uns die Schleuse aktivieren und den grünen Hebel ziehen. So ist die Schleuse bei unserer Ankunft schon für uns geöffnet. „Jeden Tag eine gute Tat“ ruft ein Kanute, als ich mich herzlich bedanke. So erreichen wir bereits gegen 13.30 Uhr den Rastplatz Kuppentin, genannt Bermuda Dreieck. Nur ein Boot am Steg, ansonsten alles leer, auch keine Wohnmobile, Zelte oder Campingwagen. Ein merkwürdiges Bild, wenn man das sonst so quirlige Leben auf dem Platz und am Steg kennt. Das andere Boot legt ab, wir sind ganz für uns, sehen auch lange Zeit kein Boot vorbeifahren. Aber auch die Pilze glänzen durch Abwesenheit, zumindest die uns bekannten Sorten. Wir finden lediglich eine „Krause Glucke“, die als Vorspeise auf den Teller kommt. Ein großes Schild fordert auf, auch jetzt eine Liegegebühr zu entrichten und per Briefumschlag in einen gesicherten Briefkasten zu werfen. 15€ für Null-Service, ob das Viele machen? Wir tun es. Um 16.45 Uhr kommt ein Boot mit einem großen Rottweiler an Bord vorbei. Wo die wohl hinwollen, die Schleusen sind nur bis 17.30 Uhr in Betrieb. Dank WLan-Router können wir Fußball sehen – Kopenhagen gegen Bayern München (1:2). In der Einsamkeit dieses Anlegers schließen wir das erste Mal über Nacht das Boot ab.

Mittwoch 4.10. Stadthafen Fischerdamm Parchim, Schleusen Bobzin, Lübz und Neuburg, 36 km
Auch ein längerer Spaziergang über die Brücke in die Wälder auf die andere Seite der Elde ändert nichts an der Pilzarmut. So starten wir gegen 12 Uhr, kommen bald durch den Fahrenhorster Wald in die imposante Schleuse Bobzin. Am Ufer der Waldstrecke sehen wir – immerhin 3-4 m über den Wasserspiegel – im einsamen Wald eine große Motoryacht vor sich hin rosten. Wie die wohl dahin gekommen ist…

Die SB-Schleuse Bobzin ist mit einem Hub von 6,80 m die größte weit und breit. Sie hat nur Wände mit Stangen, also keine Spundwände, in denen sich auch mal ein Fender verfangen kann.

Die Schleuse Lübz erreichen wir zur Mittagszeit, warten 5 gelassen das Ende der Mittagspause des Personals ab. Schon bald kommt eine gut gelaunte Schleusenwärterin, die sich nach unseren Zielen und Plänen erkundigt.

Nach Lübz wird die Elde schmal, bei Bootsbegegnungen (zu dieser Jahreszeit selten) ist besondere Sorgfalt erforderlich. Kurz vor der SB-Schleuse Neuburg legen wir im freien Gelände backbord an. Keine Verbotsschilder, aber Poller für unsere Leinen an einer Kaimauer. Wir machen Pause und vertilgen die Reste des gestrigen Abendessens. Weiter durch Schleuse und Wälder kommt uns ein Motorboot mit einer Männergruppe entgegen. Der Skipper ruft mir zu, dass ich zu schnell fahre. Ich überprüfe das mit einer App – unser Boot hat, wie üblich, keine Geschwindigkeitsanzeige – und muss dem Skipper recht geben. 6 km/h sind erlaubt, wir fahren 8 km/h und ich drossle unser Tempo. Ja, der stärkere Motor…!

Um 16.50 treffen wir im Hafen Parchim ein und sehen sogar mehrere Boote am Steg. Aber es ist noch reichlich Platz, wir legen weiter vorn an. Essen im „La Casetta“, nicht ganz so gut, wie wir es in Erinnerung haben. Für 20.30 Uhr ist die Hafenmeisterin angekündigt, Wir sind pünktlich an Bord, wollen uns für morgen mit ihr zum Abpumpen verabreden. Die Hafenmeisterin Carola Gruidl entpuppt sich als hundeverliebte, bestens aufgelegte Baden-Württembergerin, die es der Liebe wegen nach Parchim verschlagen hat. Nachdem sie in unserer Hündin mit viel zu vielen Leckerli eine begeisterte Anhängerin gefunden hat, können wir uns nach etwas Klönschnack für morgen um 9 Uhr zum Abpumpen verabreden. Es regnet jetzt teilweise in Strömen und der Wind hat zugelegt – was auf Elde und Kanal nicht wirklich stört. Wir machen es uns im Salon gemütlich.

Donnerstag 5.10. Stadthafen Lübz, Schleuse Neuburg, 22 km

Die Informationen des Schleusenwärters zu den zeitaufwändigen Schleusen entlang der Elde ab Neustadt/Glewe haben uns nachdenklich gemacht, es sind immerhin acht Schleusen. Es dürfte knapp werden mit der rechtzeitigen Rückkehr. Hinzu kommt, dass laut Windfinder-App in der nächsten Woche mit stärkeren Winden gerechnet werden muss. So entscheiden wir uns, die Tour Richtung Dömitz abzubrechen, die windärmeren Tage für die Querung der großen Seen zu nutzen und lieber paar gemütliche Tage auf den kleinen Seen und den Rheinsberger Gewässern zu verbringen. Heute soll es dann bis Lübz gehen. Aber zuerst legen wir das Boot zum verabredeten Abpumpen um und werden dort von der schon zu dieser frühen Stunde bestens gelaunten Hafenmeisterin begrüßt. Nachdem Trudi wieder zu viele Leckerli bekommen hat, übernimmt Carola souverän das Abpumpen, bietet perfekten Service bei günstigem Preis.

Hafenmeisterin Carola Gruidl

Schnell sind wir wieder unterwegs, erreichen gegen 11.50 mit 6 km/h (!) die SB-Schleuse Neuburg. Das Abwarten einer Gegenschleusung können wir für einen Spaziergang nutzen. Bereits um 15.40 Uhr steuern wir in Lübz kurz vor der Schleuse steuerbord durch eine enge Einfahrt in den Stadthafen. Dort liegen viele Charterboote von „Nicols“ in den Boxen, wir dürfen gleich am Hafenbeginn längs anlegen.

Perfekt! Einen so schönen Liegeplatz hatten wir lange nicht. Strom – und Wasseranschluss in der Nähe, wobei der Hafenmeister den etwas hakeligen Wasseranschluss gleich repariert. Freilaufen der Hunde ist nicht erlaubt, aber weit und breit ist nach Feierabend der Hafentechniker niemand zu sehen. Nur wenige Boote scheinen „bewohnt“ zu sein. So nimmt Birgit Trudi die Leine ab und lässt sie frei laufen. Sie bleibt sowieso immer in unserer Nähe. Abends geht es in das nahe Burgrestaurant, sehr zu empfehlen..

Freitag 6.10. Wasserwanderrastplatz Plau am See, Schleusen Lübz, Bobzin, Barkow , Schleuse und
Brücke Plau, 22 km

9.20 Uhr Aufstehen, bei leichtem Regen per Fahrrad in der nahen Innenstadt Brötchen geholt, Frühstück, Hafenschlüssel abgeben. An der Schleuse Lübz müssen wir kurz warten, bis der junge Hafenmeister uns grünes Licht gibt und wir einfahren können. Dieses Mal sind wir nicht allein, ein kleines Motorboot (Aufschrift „Röbel-Boot.de“) mit einem Mann als Besatzung ist vor uns in der Schleuse.

Vor der großen Schleuse Bobzin sehen wir das Boot wieder. Die Schleuse zeigt grün, der Skipper fährt ein. Wir freuen uns, können wir doch gleich folgen und ohne Wartezeit schleusen. Aber dann – so etwas kennen wir bisher nur aus anderen Törnberichten – zieht der Mann die grüne Stange und die Schleuse schließt sich vor uns. Verärgert legen wir an, ich gehe zur Schleuse und stelle den Skipper zur Rede. „Ich habe Euch nicht gesehen“, ist seine mehr als dürftige Erklärung.

Nach über 30 Minuten Wartezeit ohne Gegenschleusung – die Schleuse Bobzin ist groß – können wir dann einfahren. Nächste Schleuse Barkow ist schnell überwunden, gegen 16 Uhr erreichen wir die Schleuse Plau, wo uns der schon vertraute freundliche Schleusenwärter erwartet. Vor der folgenden Hubbrücke legen wir unser Bimini – vor allem Birgit misstraut den Höhenangaben. Steuerbord geht es gleich in den gut ausgestatten großen Wasserwanderrastplatz Plau am See. Für Gastlieger gibt es steuerbord Boxen, aufgeteilt nach der Bootslänge. Mit sechs Booten unterschiedlicher Größe ist jetzt nur ein Drittel der Gastliegeplätze belegt. In der Saison sichert frühes Erscheinen oder anmelden (?) den Liegeplatz.

Der Hafen ist großzügig etwas im Grünen und doch noch stadtnah angelegt. Über Treppen erreicht man die große Brücke über die Elde und ist dann gleich bei den Fischrestaurants und der Altstadt.

Zum 7 Einkaufen radle ich zu REWE und bin über Ausstattung und Auswahl enttäuscht. Lidl auf der anderen Straßenseite wäre vielleicht besser gewesen.

„Hafenkino“ gibt es nur wenig, allerdings fast auf unsere Kosten. Ein forsch startendes Nachbarboot rammt uns um ein Haar. Es regnet.

Samstag 7.10. Maribell Jabel 24 km

8 Uhr Aufstehen, Regen. Die Windfinder App prognostiziert 4 Bft für den Plauer See. Heute sind nach Hundespaziergang frische Brötchen angesagt. Die Radtour zum Bäcker in der Altstadt nutze ich für einen Abstecher zum Leuchtturm an der Mündung der Elde in den Plauer See. Der Hafen dort ist fast völlig mit Charterbooten belegt, viele angrenzende Lokale sind in Winterpause. Aber der Fischverkauf ist geöffnet. So gibt es frisch geräucherten Fisch zu den knusprigen Brötchen.

Der Regen lässt nach. Wir starten um 10.30 Uhr, sind nach einer leicht schaukeligen Überfahrt um 11.40 Uhr in Malchow, können pünktlich um 11.50 Uhr die Drehbrücke passieren. Unser Ziel ist der Jabelsche See, dort der Maribell Yachthafen. Das ist nicht ohne Risiko, denn die kurze, aber enge Zufahrt zum See hat nur eine geringe Wassertiefe. Schon Sportboote mit 1 m Tiefgang kommen meist nicht durch und manche Vercharterer empfehlen, den Jabelschen See zu meiden. Aber es hat geregnet, wir haben einen Tiefgang von nur 0,75 m und den See von einem früheren Aufenthalt bei den Fischern in Damerow in bester Erinnerung.

Bei der Durchfahrt zeigt unser Tiefenmesser plötzlich 0 an. Nun werde ich doch etwas nervös, aber jetzt stoppen, gar wenden, geht nicht mehr, also durch. Es geht alles gut, auch eine weitere Flachzone mitten auf dem See überwinden wir. Im Hafen Maribell dirigiert uns die Hafenmeisterin bei einsetzendem Regen rückwärts in eine ziemlich enge Box, die aber einen leichten Zugang für uns (und die Räder) zum Steg ermöglicht.

Die Hafenanlage ist groß geschnitten, es liegen an mehreren Stegen Charter – und Bungalowboote. Zum Areal gehören ein weitläufiger Campingplatz mit Badestelle und zwei (!) Restaurants, die beide auch jetzt noch geöffnet haben. Aber ohne Reservierung ist im Restaurant „Korfu“ heute leider kein Tisch mehr frei, erfahren wir bei Ankunft um 17.20 Uhr. So wechseln wir in das wenige Meter entfernte deutsche SB-Restaurant. Wir sind die einzigen Gäste, werden von einem Kinderlied beschallt, was in einer Endlosschleife wohl die beiden kleinen Kinder der Chefin bei Laune halten soll. Aber das regional geprägte Essen ist gut und nach einiger Zeit wird auch das Kinderlied abgestellt.

Nach einem längeren Spaziergang in angrenzende (leider weitgehend pilzlose) Wälder sehen wir uns zwei Folgen von „Berlin Babylon“ an und verschwinden in die Kojen.

Sonntag 8.10. Sietow/Müritz Marina Höcker 24 km
7.40 Aufstehen. Bei frischen 13 Grad nahezu wolkenloser Himmel und Windstille. Die Hafenmeisterin sagt, dass Boote bis 0,80 m Tiefgang bei dem aktuellen Niedrigwasser keine Probleme mit der flachen Zufahrt haben sollten. Trotzdem sind wir froh, als wir – der Tiefenmesser zeigte erneut 0 m an – die enge Zufahrt überwunden und im Kölpinsee wieder viel Wasser unter uns haben. Das gute Wetter hält an.

Schon um 12.30 erreichen wir Sietow, können sogar innen längs in genau der richtigen Steghöhe anlegen, „Ist ein Privatliegeplatz, aber das Boot ist schon im Winterlager“ verrät uns der freundliche Hafenmeister Uwe Westphal, der die langen Stege mit seinem Roller abfährt.

Radtour mit Trudi durch Wald und Wiesen Richtung Klink. Kaum Verkehr auf dem gut ausgebauten Fahrradweg, unsere Hündin darf auch mal frei laufen. In der „Fischerhütte“ ist für heute Grillabend angesagt. Wir haben reserviert, sind aber die einzigen Gäste. Daniela Palzer und Mandy Paul können sich ausschließlich um uns kümmern, haben auch Zeit für ein Schwätzchen. Es ist der letzte Grillabend der Saison, Glück gehabt. Gegrillter Saibling und gegrilltes Schweinesteak mit Kartoffelsalat plus Weißwein und Absacker sind köstlich.

Montag 9.10. Mirow Bootsservice Rick an der Schloßinsel, Schleuse Mirow, 24 km
8.10 Uhr Aufstehen 9 Grad. Fast ganz allein im Hafen lasse ich unsere Hündin frei laufen. Vor der Gaststätte treffe ich die freundliche Bedienung von gestern. Bei bestem Wetter queren wir die Müritz und legen um 11.50 Uhr im Hafendorf Müritz in Rechlin an. Viel Platz ist für „unsere“ Aquino nicht, alles voll mit Bungalowbooten, „Kormoranen“ und anderen Charterbooten, zumeist im Wintermodus. Die Techniker füllen Wasser auf, leeren den Fäkalientank. Birgit macht einen Hundespaziergang. Ich fahre mit Auto zu Edeka nach Mirow, wir ergänzen unsere Vorräte. Um 12.55 Uhr geht es weiter nach Mirow, wo wir um 14.40 Uhr auf eine grün geschaltete Schleuse treffen und hinter zwei anderen Sportbooten sofort einfahren können. Bei Ricks an der Schloßinsel weist uns der Hafenmeister einen etwas ungünstigen Liegeplatz zu. Der Steg ist fast einen Meter höher als unser Achterdeck, aber für Uwe Westphal 9 eine Nacht wird es schon gehen,sagt Birgit. Anmelden und Brötchen bestellen, wir kennen den Anleger. Der Hafen füllt sich, ist schnell eng belegt mit anreisenden Charterbooten.

„Das ist auch in der Nachsaison so. Wir haben eine gute Lage und versuchen, einen guten Service zu bieten“ erklärt mir Hafenmeister Ole auf Nachfrage. Wir gehen ohne Trudi – Hunde sind im Innenbereich nicht erlaubt – zur Brauereigaststätte, entscheiden uns erneut für regionale Spezialitäten (Ente und Wildbraten). Noch etwas chillen auf Deck, bisschen Hafenkino, nach TV ab in die Kojen.

Hafenmeister Ole

Dienstag 10.10. Kleinzerlang Marina Boot Und Mehr, Schleusen
Diemitz und Canow, 17 km

7.30 Uhr Aufstehen 12 Grad. Bei der morgendlichen „Trudi-Runde“ muss ich vor dem Hafenmeisterkiosk einer freundlichen Frühstücksrunde die Rasse Schafpudel etwas näher erläutern. („Hat nichts mit einem Pudel zu tun“). Frühstück mit den bestellten Brötchen, um 9.45 Uhr legen wir ab, können bei klarem Wetter nach kurzer Wartezeit die Schleuse Diemitz und die geöffnete Schleuse Canow ohne Wartezeit passieren.

Um 11.40 Uhr erreichen wir Boot&Mehr in Kleinzerlang. Juniorchef Raymond Gautzsch ist vor Ort, gibt uns aber keinen Liegeplatz vor. So nutzen wir den noch freien etwas längeren Steg zum Längsanlegen, haben noch genug Platz, um die Räder auf den Steg und an Land zu bekommen. Achtern nutzen wir zum Befestigen die Dalbe..

Im Hafen ist es ruhig, nur in einem Bungalowboot einige Liegeplätze weiter werkeln gleich mehrere Männer an der Eingangstür. „Der Schlüssel ist im Schloss abgebrochen“ erfahren wir.

Die Preise für das Anlegen haben etwas angezogen, neuerdings müssen auch Wohnmobilisten etwas für eine Übernachtung auf dem höher gelegen Parkplatz des Restaurants bezahlen.

Uns treibt der Gedanke an Pilze in die nahen Wälder. Obwohl wir ein ganzes Stück radeln, ist die Ausbeute mager, reicht nur für eine kleine Zwischenmahlzeit. So nutzen wir das ab 16 Uhr geöffnete Anlegerrestaurant und lassen uns von Raymond Currywurst und Schweinesteak mit Pommes servieren. Er bietet – wohl wegen eines Oktoberfestes – Starnberger Lagerbier vom Fass an. Das Angebot nehmen wir gern an. Am Nebentisch unterhalten sich der zwischenzeitlich eingetroffene Hafenmeister Andreas und Nachbarn aus Kleinzerlang über Boote, Preise und sonst was. Wir lauschen etwas, machen es uns dann auf unserem Bootsdeck bequem. Später noch etwas TV.

Mittwoch 11.10. Rheinsberg, Yachthafen Halbeck, Schleuse Wolfsbruch, 12 km

8.10. Uhr 15 Grad, Birgit ist auch schon auf, Trudi war etwas unruhig. Wir können aber keinen Grund dafür erkennen. Nach dem Frühstück starten wir, kommen ohne Verzögerung durch die in der Saison für lange Wartezeiten bekannte SB-Schleuse Wolfsbruch. Das Bimini ist unten, auf der Strecke sind einige – zumindest eine – Brücken, die unser Bimini nicht „überlebte“.

Um 11 Uhr sind wir bereits im Yachthafen der Reederei Halbeck in Rheinsberg. Eigentlich wäre auch das Hafendorf Rheinsberg eine gute Alternative, aber die zentrale Lage von Halbecks Reederei überzeugt uns immer wieder. Außerdem sind wir für abends mit guten Freunden zum Essen verabredet.

Der Hafenmeister weist uns einen Liegeplatz ziemlich weit außen zu. Wir sind nur mit den Achterleinen am Steg fest, einen längs liegenden Schwimmsteg sollen wir nicht nutzen, weil er das Gewicht unserer Aquino nicht aushält. Dalben gibt es nicht. Das gefällt mir nicht. Es soll warm, aber auch windig werden, bis zu 7 Bft.. Ich überzeuge den Hafenmeister, dass wir ganz vorn längs an der Abpumpstation anlegen dürfen. „Ihr müsst dann aber morgen vor 10 Uhr den Platz für Boote zum Abpumpen räumen!“

Nach einer Einkaufstour gehen wir durch Rheinsberg. Birgit überlegt mit ihren Freundinnen vom Inner Wheel Club eine Kurzreise nach Rheinsberg und informiert sich im Tourismusbüro über Möglichkeiten einer solchen Reise. Noch etwas Hafenkino, dann treffen unsere Freunde ein, mit denen wir im hervorragenden Restaurant Seehof einen vergnüglichen Abend haben.

Donnerstag 12.10. Mirow Bootsservice Rick an der Schloßinsel
Es ist deutlich frischer, nur noch 12 Grad. Um 9.30 Uhr legen wir ab, passieren um 11 Uhr die Schleuse Wolfsbruch, um 11.40 die Schleuse Canow und um 12.20 Uhr die Schleuse Diemitz. In Mirow steuern wir zum Granzower Möschen. Bei jeder telefonischen Anfrage – auch in der Nebensaison – wurde uns gesagt, dass alle Liegeplätze belegt seien. Wir wollen uns jetzt mal davon überzeugen, dass dies auch stimmt. Und: Ja, es stimmt, eine ganze Reihe Holzbungalowboote lässt für andere Boote fast keinen Platz mehr. Und diesen Rest belegen zwei Sportboote. Also wenden und wieder zu Ricks an der Schlossinsel. Wir sind früh dran und so lege ich am Bootshaus an. Dort ist der Steg niedriger und für uns sehr gut geeignet. Die Hafenmeisterin bittet uns, etwas vorzurücken, 11 damit auch hinter uns noch ein Boot anlegen kann. Das machen wir natürlich gern. Neben uns liegt ein Sportboot mit einer Crew aus Leipzig – Ehepaar mit fast erwachsenem Sohn. Wir haben uns schon mehrfach getroffen, in den Schleusen und auch im Yachthafen Rheinsberg. Vater und Sohn sind begeisterte Schwimmer und das, wie wir mit großer Hochachtung feststellen, auch bei diesen Wassertemperaturen. Ich schätze maximal 15 Grad!

Um 17.40 Uhr geht es in die Brauereigaststätte – Mecklenburger Braten und Rouladen, beides zu empfehlen! Der Kellner kann sich noch gut an unseren vorherigen Besuch erinnern. Zurück an Bord genießen wir noch etwas den Sonnenuntergang. Es ist trocken, aber frisch!

Freitag 13.10. Rechlin Claassee Hafendorf Müritz

Bei 14 Grad sind die weiteren Wetteraussichten eher mäßig, wenn nicht sogar schlecht. Ab 12 Uhr soll es regnen und der Wind zulegen, bis auf 4 – 8 Bft. Und ein Teil der heutigen – letzten – Strecke geht über die Müritz. Viel Wind wollen wir da lieber nicht. Wir starten so bereits gegen 9.30 Uhr und laufen nach schneller Schleusung in Mirow bei noch nur leichtem Wind gegen 11.40 Uhr im Claassee, Hafendorf Müritz ein. Der Wind wird stärker und es wird in den Wetternachrichten eindringlich vor Windböen gewarnt. Wir sind froh, im Hafen zu sein, packen unsere Sachen zusammen und laden das Meiste bereits heute in das Auto. Gegen 13 Uhr hört zumindest der Regen etwas auf und wir können unter dem Bimini das auch in der Nebensaison geschäftige Treiben im Hafen beobachten. Besonders sehenswert ist das Slippen größerer Boote mit dem Kran der Werft. Wetterbedingt fährt heute fast keines der neu bezogenen Boote aus den Hafen. Allerdings soll es morgen auch nicht viel besser werden.

Abends geht es in das Captain‘s Inn, wo die nette Restaurantchefin uns wieder erkennt und sich trotz vieler Gäste Zeit für einen kleinen Plausch nimmt.

Samstag 14.10. Heimreise

Samstag 14.10. Heimreise 7.30 Uhr Aufstehen, letzte Sachen in das Auto bringen. Übergabe des Bootes, Abrechnung, Heimreise.

Fazit: Die Tour war wettermäßig etwas regnerischer und – teilweise – windiger als unsere Herbsttour im letzten Jahr. Aber auch dieses Mal hatten wir eine entspannte Zeit, sonnige Stunden, haben viele nette Bootsleute, freundliche Hafenmeister und Schleusenwärter kennengelernt. Alle hatten auch mal Zeit für einen Klönschnack. Die Natur ist wunderschön. Das Boot war super. Wir kommen wieder!