Auf-Kanaltour in Frankreich

Auf-Kanaltour in Frankreich

Der Rhein-Marne-Kanal ist ein wunderbar entspannter Wasserwanderweg durch die abwechslungsreiche Landschaft Elsass-Lothringens. An den zahlreichen Schleusen kann man aber seine kleinen Abenteuer erleben.                Von Stephan-Thomas Klose

Es ist Mittwoch, 12. August, 17.55 Uhr: In fünf Minuten werden die 15 automatischen Schleusen zwischen Lagarde und Nancy abgeschaltet. Dann heißt es: Nachtruhe auf dem Rhein-Marne-Kanal. Alle Augen der Hausbootbesatzung richten sich beschwörend auf die unscheinbare Radarsäule für Schleuse Nr. 17 bei Bauzemont. Sie ist die letzte vor Einville-au-Jard, unserem geplanten Liegeplatz für diese Nacht. Nur diese Schleuse trennt uns noch von Wasser, Landstrom, Dusche, Lebensmitteln und vor allem: Getränken! Nur diese Schleuse noch, dann sind wir in der kleinen Ortschaft im östlichen Lothringen (der heutigen Region „Grand Est“), für die unser Törnatlas „Fluviacarte“ all jene Herrlichkeiten verspricht. Wir brauchen dringend Nachschub: Durch die heißen, hochsommerlichen Temperaturen von 34 °C und mehr sind unsere Getränkebestände völlig erschöpft.

„Sie blinkt!“ ruft unser Steuermann. „Geschafft!“ Tatsächlich: Die Radarsäule hat das Signal unserer Fernbedienung aufgenommen. Der Jubel der Hausbootbesatzung kennt keine Grenzen. Doch zu früh gefreut: Schleuse Nr. 17 gibt noch ein aufwärtsschleusendes Hausboot frei. Dann schließen sich direkt vor uns die Eisentore. Die Signallampen erlöschen. Es ist genau 18 Uhr. Die französische Wasserstraßenverwaltung VNF macht keine Ausnahmen. Feierabend. Wir sind gefangen im Nirgendwo zwischen Kanalkilometer 195 und 198. Wir werden die Nacht an einer kleinen Anlegestelle in völliger Stille und Abgeschiedenheit verbringen; ohne Getränke und ohne Verpflegung. Jetzt ist uns klar, warum so viele andere Hausboote Fahrräder an Bord haben.

Wunderbarer Wasserwanderweg

Genau diese Stille und Abgeschiedenheit sind es aber auch, die den Rhein-Marne-Kanal – die Franzosen nennen ihn selbstverständlich den Marne-Rhein-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) – zu einem wunderbar entspannten Wasserwanderweg für die Sportschifffahrt machen – gerade auch in Corona-Zeiten. Einige Skipper sprechen despektierlich von der „Sauerkrauttour“. Tatsächlich aber ist der Kanal ein französisches Bauwerk, das Mitte des 19. Jahrhunderts von 1839 bis 1853 errichtet wurde, um eine Ost-West-Verbindung vom Pariser Becken zum Rhein herzustellen.

Die ursprünglich 313 Kilometer lange Wasserstraße von Vitry-le-François – ab hier zählt auch die Kilometrierung – bis Straßburg gehört zu den längsten Kanälen Frankreichs. Die bergige Topografie mit Höhenunterschieden bis zu 281 Metern hatte die Konstrukteure vor große Herausforderungen gestellt. Nach dem damaligen Stand des Wasserbaus waren Hubhöhen über 2,5 Meter technisch noch nicht möglich. Die Folge sind 154 Schleusen und fast neun Kilometer Tunnelstrecken. Ursprünglich waren die Schleusenkammern mit 35 Metern Länge auf das Maß der hölzernen motorlosen Frachtkähne jener Zeit zugeschnitten. Ab der Jahrhundertwende, als die Motorschifffahrt aufkam, wurden die Schleusen auf 38,5 Meter, das so genannte Freycinet-Maß, verlängert. Und noch in den 1960er-Jahren, als die Tage der gewerblichen Binnenschifffahrt in Frankreich längst gezählt waren, modernisierten die Franzosen den Kanal unverdrossen weiter – mit gewaltigen Wasserbauwerken wie dem Schiffshebewerk bei Arzviller oder der Schachtschleuse von Réchicourt, die mit ihren 16 Hub-Metern die höchste Schleuse Frankreichs ist.

Schleusen-Trauma-Therapie

Die große Schachtschleuse von Réchicourt war es auch, die uns an jenem Mittwoch zwei Stunden kostete, sodass wir unser Tagesziel nicht mehr erreichten. Ein Flusskreuzfahrer hatte Vorfahrt. Réchicourt machte den Anfang der Schleusenstrecke, denn ich hatte mich bei der Planung des diesjährigen einwöchigen Hausboot-Törns für den Kanalabschnitt von der Charterbasis in Niderviller Richtung Westen nach Nancy entschieden – eine einfache Fahrtstrecke von 81,6 Kilometern Länge mit 21 Schleusen. Der Törnatlas veranschlagt dafür 15,5 Stunden Fahrtzeit – in einer Woche hin und zurück mit unserem Kuhnle-Klassiker „Kormoran 1140“ (62 PS, Höchstgeschwindigkeit 12 km/h) also gut zu bewältigen.

Eine abwechslungsreiche Landschaft säumt den Kanal mit schattigen, dicht bewaldeten Ufern, dann wieder scheinbar endlosen Feldern und Wiesen und dazwischen kleinen altmodischen Ortschaften oder Gehöften. Bei Dombasle-sur-Meurthe geht die Fahrt sogar mitten durch die gewaltigen Produktionsanlagen eines Solvay-Chemiewerkes. Hier stehen die größten Kalkbrennöfen der Welt.

Aber es waren weniger die landschaftlichen Aspekte, die für die Wahl der Route den Ausschlag gegeben hatten, als vielmehr die Absicht, hier ein altes Trauma endlich dauerhaft zu überwinden. Bei unserem ersten Kuhnle-Hausboot-Törn im April 2011 auf der Müritz-Elde-Wasserstraße über die Mecklenburgische Seenplatte hatten wir ein Fiasko in der Plauer Eldeschleuse erlebt. Eine unsachgemäß geführte Leine hatte sich beim Abwärtsschleusen an der Bootsklampe festgezogen. Obwohl der Hub nur 1,33 Meter beträgt, war das Boot in bedenkliche Schräglage geraten. Diesen Schleusen-Schreck hatte die Familien-Crew nie überwunden. Bis jetzt.

Eindrucksvolles Nancy

Als wir am Donnerstag um 15.30 Uhr im großzügig bemessenen Freizeithafen Saint-Georges unseres Reiseziels Nancy festmachen, haben wir 21 Abwärtsschleusungen erfolgreich bewältigt. Ab Réchicourt hatten wir die Schleusen mit der Fernbedienung gesteuert, die uns der VNF-Schleusenwärter in die Hand gedrückt hatte. Anfunken, Warten, Einfahren, Festmachen, Schleusen, Loswerfen und Ausfahren können wir jetzt aus dem effeff. Unser Trauma ist überwunden.

Das wird auf dem großartigen Stanislaus-Platz von Nancy gefeiert. Dieses städtebauliche Gesamtkunstwerk aus neoklassizistischen Palästen, Brunnen, Triumphbogen und einheitlich vergoldeten schmiedeeisernen Portalen, Lampen und Balkonen gehört zum Weltkulturerbe. Die Hausbootbesatzung ist beeindruckt.

Am nächsten Morgen treten wir die Rückfahrt an. Sie hält am Folgetag noch eine Überraschung für uns bereit: Die Schleuse Nr. 19 bei Maixe ist außer Betrieb. Und das ausgerechnet an einem Samstagmorgen. Wie soll es jetzt weitergehen? Doch nur fünf Minuten später kommt ein VNF-Fahrzeug angebraust. Die öffentlich-rechtliche französische Wasserstraßenverwaltung hat tatsächlich eine Wochenendbereitschaft! Kurze Zeit später öffnen sich die Tore; wir können die Fahrt fortsetzen. Dieser prompte Service versöhnt uns mit dem superpünktlichen Dienstschluss am Mittwoch in der Einöde vor Schleuse Nr. 17. Besagter Abend fand übrigens doch noch ein gutes Ende: Mit einem in holprigem Französisch herbeigerufenen „Henrion“-Taxi aus Lunéville gelang es uns, einen Supermarkt zu erreichen; zum Getränke-Großeinkauf. Wir waren gerettet.

Hausboottour auf dem Rhine Marne Canal

Hausboottour auf dem Rhine Marne Canal

Pünktlich um 15 Uhr fahren wir auf den Parkplatz der Marina von Kuhnle Tours ins Niderviller.

Wir, das sind Gaby, Ralf, Sohn Jordan mit Freundin Nina.

Die Formalitäten erledigen wir sehr schnell und können dann unser Gepäck in die Kormoran 1140, Name Cezanne, laden.

Dann kommt die Einweisung. Alex erklärt uns den Steuerstand, den Herd, den Backofen, die Duschen, die Toiletten, den Landstromanschluss, Wassertank und die Heizung auf Deutsch.

Jetzt geht es auf Einweisungsfahrt, denn man benötigt keinen Bootsführerschein um in diesem Teil Frankreichs ein Boot zu fahren. Wir legen gemeinsam an- und ab, wenden das Hausboot und legen rückwärts neben den anderen Hausbooten an.

Da die Schleusen des Rhine Marne Kanals werktags um 19 Uhr schließen, richten wir uns im Hausboot ein und bleiben in dieser Nacht im Hafen von Niderviller.

Unsere geplante Route mit dem Hausboot.

Niderviller durch die zwei Tunnel von Arzviller und das Schiffshebewerk Arzviller nach Lutzelbourg. Weiter nach Saverne. Saverne zurück nach Niderviller. Niderviller nach Gondrexange. Weiter durch die große Schleuse Rechicourt nach Moussey. Von dort nach Houillon und zurück nach Niderviller.

Sonntag
Am nächsten Morgen heißt es „Leinen los“ und auf nach Lutzelbourg. Die erste Herausforderung für uns war der erste Tunnel von Arzviller. Länge knapp 500 Meter und nur in eine Richtung befahrbar.
Geschafft. Jetzt noch den zweiten Tunnel von Arzviller mit einer Länge von knapp 2500 Metern. Auch geschafft. 
Wieder ist Teamarbeit gefragt, denn rechts und links ist nur wenig Platz.
Vor dem Schiffshebewerk von Arzviller brauchen wir nicht zu warten und können zusammen mit einem Boot vor uns in das imposante Schiffshebewerk einfahren.

Hinter der Schleuse 21 können wir schon die Burgruine von Lutzelbourg erkennen.
Im dortigen Freizeithafen legen wir längsseits an.

Jordan und Nina nehmen die beiden Mountainbikes vom Hausboot und machen sich auf zur Burgruine.
Gaby und ich genießen die Sonne und nehmen zwischendurch zur Abkühlung eine Dusche, welche am Heck der Komoran angebracht ist.

Ein schöner, spannender und ereignisreicher erster Tag unseres Bootsurlaubes neigte sich bei einem gemeinsamen Essen an Deck dem Ende.

Montag Lutzelbourg nach Saverne

Kurz nach dem Ablegen fahren wir in die Schleuse 21, Lutzelbourg, ein. Die Schleusen haben keinen Schleusenwärter und Ihr müsst die Schleuse manuell betätigen. Einfach den blauen Hebel nach oben, fertig. Alles weitere geht automatisch.
Bis Saverne, knapp 10 km, durchfahren wir 10 Schleusen. Also nicht soviel Zeit zum entspannen.

Die letzte Schleuse (Ecluse 30-31) ist auch die Einfahrt in die Stadt Saverne. An der Schleuse stehen jede Menge Touristen und schauen den Booten in der Schleuse zu.

Gaby parkt unser Hausboot rückwärts und gekonnt im Hafen von Saverne ein. Wir haben einen tollen Blick auf das Schloss Rohan. Morgen ist der 14. Juli und Nationalfeiertag in Frankreich. Also heißt es für Jordan und mich, rauf auf die Fahrräder und noch fix im Supermarkt ein paar Getränke und Baguettes holen.

Bei leckerem französischem Weißwein und Eistee (für Jordan und Nina) bewundern wir das Feuerwerk, welches zum Anlass des Nationalfeiertages über dem Schloss Rohan zu sehen ist.

Morgen geht es für uns zurück nach Niderviller, aber nur zum Übernachten. Wir fahren dann in die andere Richtung.

Dienstag Saverne nach Niderviller
Unser heutiges Tagesziel ist die Marina von Kuhnle-Tours in Niderviller.

In Zahlen:
14 Schleusen
ein Schiffshebewerk
2 Tunnel
18 km Strecke

Vor dem Tunnel von Arzviller müssen wir noch etwas warten, bevor wir die Tunnel durchfahren können. Gaby steuert die Cezanne ruhig durch die engen Tunnel ohne anzuecken.

Das Übernachten in den Basen von Kuhnle Tours ist für Kuhnle Boote kostenlos. So auch in Niderviller.

Mittwoch
Da das Wetter heute, am 5. Tag unserer Hausboottour, sehr regnerisch ist, gehen wir den Tag ruhig an und fahren erst gegen 14 Uhr Richtung Nancy.

Nach knapp 3 Stunden Fahrzeit, endlich ohne Schleusen, haben wir uns für das Anlegen in freier Natur entschieden. Das ist in Frankreich am Rhine Marne Kanal überall möglich.

In Gondrexange am Anfang des Etang de Gondrexange haben wir angelegt. Dank der, in unserer Cezanne befindlichen, Erdnägel und einem Hammer reicht ein Betonpoller am Ufer für das festmachen aus.

Am Etang de Gondrexange befindet sich ein Campingplatz und Badeplatz. Dieser liegt nur wenige Gehminuten von unserm Liegeplatz entfernt und könnte, bei besserem Wetter, ein schönes Ziel sein. Im Etang darf man baden. Im Kanal nicht.

Ein weiterer Tag unseres Hausbooturlaubs geht zu Ende und wir besprechen bei Kerzenschein an Deck der Cezanne, wie es morgen weitergeht.

Donnerstag
Vielen Dank an den Bootführer, der uns durch seine Vollgasfahrt und den entstandenen Wellengang gegen 8 Uhr geweckt hat.

Nach dem Frühstück geht es trotz Nieselregen in Richtung Schleuse Rechicourt. Die größte Schleuse Frankreichs.

Endlich zeigt die Schleusenampel der Schleuse Rechicourt grün und wir können in diese beeindruckende Schleuse einfahren. Wir müssen bis fast an das Schleusentor fahren, da hinter uns noch zwei weitere Boote einfahren sollen.

In der Schleuse müssen alle Schwimmwesten tragen. Diese gehören natürlich zur Standardausstattung auf den Hausbooten von Kuhnle Tours.  Es geht abwärts. Mit einer rasenden Geschwindigkeit strömt das Wasser aus der Schleuse und es wird dunkler.

Der Poller am Heck senkt sich mit dem Schleusenwasser ab und am Bug gleitet das Seil an dem dortigen Poller abwärts. Das Schleusentor und der Schlagbaum öffnen sich und wir verlassen die Schleuse.

Wir fahren noch eine Weile in Richtung Nancy und passieren zwei kleine Schleusen an denen wir die Fernbedienung nutzen. Die Fernbedienung bekommt man vom Schleusenwärter in Rechicourt.

In der Nähe von Moussey legen wir an und machen eine ausgiebige Pause.  Gaby wendet das Hausboot und es geht zurück durch die Schleuse Rechicourt, in Richtung Houillon

Rückwärts parke ich unser Hausboot, mit Unterstützung der Crew, im Hafen von Houllion ein. Das wars für heute. Nach dem Essen sitzen wir noch lange zusammen und spielen Karten. Denn einen Fernseher an Bord sucht man vergebens und wird auch nicht vermisst.

Freitag
Heute ist der vorletzte Tag unserer Hausboottour, den es geht zurück nach Niderviller

Endlich wieder an Deck frühstücken, denn es regnet nicht.
Wir verlassen Houillon und den Canal de la Sarre.
In der Nähe von Niderviller legen wir an und genießen ein paar Stunden in freier Natur die tolle Landschaft.

Die letzten Kilometer bis Niderviller sind auch die letzten Kilometer auf unserem Hausboot. Morgen heißt es Abschied nehmen von der Cezanne.

Samstag und Abreisetag
Abgabe für das Hausboot ist um 8:30 Uhr. Wir haben aber die späte Abreise bis 11 Uhr dazugebucht. Auch die Endreinigung dazubuchen verringert den Stressfaktor bei der Abreise.
Gepäck ins Auto. Alex von Kuhnle Tours nimmt das Boot entgegen und kontrolliert, ob alles OK ist und nichts Wesentliches fehlt.

Fazit unseres Hausbooturlaubes in Frankreich
Mit so einer guten Einweisung, wie von Kuhnle Tours, lässt sich ein Hausboot (Boot) auch ohne Bootsführerschein sicher beherrschen.
Auf dem Hausboot gibt es genügend Platz und dass jede Kajüte ein eigenes Bad hat ist echt klasse.
Idealerweise hat man ein Hausboot mit 4 Personen im Griff, aber auch zu zweit ist die Fahrt auf den Kanälen in Frankreich zu schaffen.
Uns hat es sehr gut gefallen und wir werden auf jeden Fall nochmal einen Hausbooturlaub in Frankreich machen.

Einen ausführlichen Beitrag unseres Hausbooturlaubes findet Ihr auf unserem Kreuzfahrt blog unter www.kreuzfahrt4punkt0.de

Gaby, Nina, Jordan und Ralf

Dortmund 30.07.2020

Hausbootcharter in Corona-Zeiten

So könnte es funktionieren

Auslandsreisen sind dank Corona in weite Ferne gerückt. Das gilt auch für Nachbarländer als Ziel. Da besinnt man sich in freiwilliger oder fremdbestimmter Quarantäne auf das Naheliegende. Der Außenminister sieht Reisen ins Ausland weltweit zumindest für das Jahr 2020 in weite Ferne gerückt. Die Einreisebestimmungen der jeweiligen Zielländer selbst unterstreichen dieses. Vorerst bleibt nur der Urlaub in der Heimat. Manche besinnen sich auf ihr Balkonien. Andere suchen Zuflucht dort wo sie sich in Sicherheit wähnen.

Die Reise zur Charterbasis

In normalen Zeiten wie bisher hat sich kaum jemand Gedanken gemacht. Vor Reisebeginn wird das Auto gewaschen und getankt. Während der Reise steuerte man auf einen Kaffee oder zum Toilettenbesuch die nächste Raststätte an. Bei einer Pandemie ist die Gefahr sich zu infizieren gerade an diesen Orten groß. Wo sich unbekannte Menschen in großer Zahl flüchtig begegnen können, umso mehr. Reisende sollten in Corona-Zeiten solche Orte auf dem Weg zum Ziel tunlichst meiden. Reicht ein voller Tank nicht bis zum Zielort, tut es vielleicht ein Reservekanister.  

Urlaub als angenehme Quarantäne

Weit weniger bedrohlich dürfte es in einem ländlichen Ferienhaus zugehen. Kleine Pensionen und Landhotels mit Service auf dem Zimmer fallen auch darunter. Jugendherbergen mit Speisesaal und Buffet schneiden im Vergleich weniger gut ab. Hoffentlich werden die Reise- und Aufenthaltsverbote bald wieder aufgehoben oder zumindest gelockert. Dann dürfte der Charterbootsurlaub die angenehmste vorstellbare Quarantäne sein. Die gelbe Quarantäneflagge erübrigt sich.   

Nachfrage stimulieren

Derzeit sind die Charterfirmen durch die Behörden gezwungen, ihre Boote am Steg zu lassen. Dennoch sollten Liebhaber dieser Urlaubsform ihr Interesse durch zahlreiche Anfragen bekunden. Sie sollten die Anbieter auch nach deren Corona-Sicherheitskonzept befragen. Seriöse Anbieter dürften solche Konzepte längst parat haben. Eine starke Nachfrage macht Druck. Die Charterfirmen könnten den Landesregierungen und Behörden Zugeständnisse abringen. Der Druck steigt umso mehr, wenn schlüssige Sicherheitskonzepte vorliegen.

Sicher buchen

Während des Shutdowns können auch Hausbootferien nur telefonisch, postalisch, online oder direkt vor Ort gebucht werden. Eine versehentliche Tröpfcheninfektion in Reisebüros und auf Messen ist ausgeschlossen. Im Marinabüro dürften in Pandemiezeiten Mundschutz, Trennscheiben und Desinfektionsmittel vorausgesetzt werden.

Sicheres Boot

Unter häuslichen Gemeinschaften sind insbesondere Familien und Wohngemeinschaften zu verstehen. Unter virologischen Gesichtspunkten kommt für dieses Gruppe eigentlich jedes Charterboot infrage. Für Gruppen (Freunde, Kollegen, entfernte Verwandte) bieten sich Charterboote der 15-Meter-Klasse an. Diese verfügen i.d.R. über vier Doppelkabinen (teilweise mit klappbarer Zusatzkoje) mit jeweils separatem Bad/WC. Der Salon verfügt häufig über mehr als nur einen Esstisch. So können häusliche Gemeinschaften als Teil der Gruppe jeweils an einem Tisch Platz nehmen. Diese Belegung unter Corona-Bedingungen setzt eine gewisse Disziplin voraus. Mindestabstand und Maskenpflicht würden hier zur Geltung kommen. Dennoch bieten Boote dieser Größe genug Platz an und unter Deck. Man kann sich verteilen und die gebotene Distanz einhalten. Die Beteiligten sollten wissen, dass die Gruppendisziplin ein bis zwei Wochen durchzuhalten ist.

Sicher einchecken

In der Charterbasis steuert eine Crew auch in Corona-Zeiten zuerst das Marinabüro an. Das Einchecken und Erledigen der Formalitäten geht schnell und berührungslos. Je ein Mitarbeiter und Crewmitglied reichen. Bezahlen an einer Supermarktkasse oder Einkaufen auf einem Wochenmarkt wäre bedenklicher.  

Sicher Sicherheit lernen

Danach steht (nur bei Fahrten ohne Sportbootführerschein) die dreistündige Unterweisung an. Die erforderliche Distanz ließe sich problemlos einhalten. An Bord hat der Einweiser seinen Job schnell erledigt. 

Nach der Anreise zur Charterbasis will die Crew genauso sicher aufs Boot kommen. Die Mitarbeiter kennen die betrieblichen Besonderheiten und zeigen den sichersten Weg dorthin. 

Sicher über den Steg zum Boot

Eine Charterbasis liegt üblicherweise am Wasser. Je nach Uferbeschaffenheit des Gewässers gibt es befestigte Kaimauern oder einen bzw. mehrere Stege und nicht selten auch beides zusammen. Mal befindet sich das Marinabüro an Land, mal auf dem Steg oder auf einem am Steg festgemachten Boot. Häufig ist der Steg großzügig breit, ein anderes mal eher schmal. Der Weg vom Parkplatz zum Boot über den Steg ist häufig etwas länger. In anderen Häfen kann man das Auto kurzzeitig direkt am Boot parken.   

In größeren Charterhäfen liegen die Boote meistens in Reih und Glied. Sie werden durch Fender und manchmal auch durch schmale Fingerstege auf Abstand gehalten. Bei Rückgabe wählt der Skipper einen freien Platz, der ein sicheres Einfahren in die Box verspricht. Oder jemand vom Stegpersonal weist einen Platz zu. Dann wird erstmal in Ruhe alles Gepäck von Bord genommen und zum Auto gebracht. Erst zum Schluss erfolgt die Übergabe. Hierbei sind nur noch der Skipper und ein Marina-Mitarbeiter anwesend. Es werden Schäden, die Vollständigkeit des Inventars und die Betriebsstunden protokolliert. Und es werden ein paar Unterschriften geleistet. Dabei wird ein Corona-Mindestabstand locker eingehalten.

Corona-Sicherheit für Gäste UND Mitarbeiter

Sobald der letzte Chartergast das Boot verlassen hat, legt die Service-Mitarbeiter los. Sie leeren Fäkalientanks, füllen Frischwasser- und Kraftstoff auf. Und sie ersetzen leere Gasflaschen und defekte Fender. Zum Schluss nimmt sich das Reinigungspersonal die Innenräume vor. Bei diesen Tätigkeiten sind sich die Mitarbeiter auch vor Corona selten näher als 1,50 Meter gekommen. Meistens werden diese Arbeiten allein durchgeführt. Der Einsatz einer Gesichtsmaske ist eher eine vertrauensbildende Maßnahme unter Kollegen. 

Wenige Stunden später kommt die nächste Chartercrew an Bord. Diese wird in die Technik und Handhabung des Bootes eingewiesen. Es wird die Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit des Inventars festgestellt und protokolliert. Für die ungewohnten Dinge an Bord interessieren sich meistens mehrere. Der Marina-Mitarbeiter hat nicht nur mit dem Skipper zu tun. Auch der Smutje und andere Interessierte wollen dabei sein. Mit Schutzmaske und Distanz zum Personal ist auch das kein Thema.

Sicher versorgt

In welchen Situationen sonst könnte eine Hausbootcrew anderen Menschen allzu nah kommen? 

Proviantkauf: Üblicherweise bringen Chartercrews den Vorrat für den Törn von zu Hause mit. Unterwegs werden nach Bedarf vor allem frische Lebensmitteln nachgekauft. Einige in der Region vertretene Supermarktketten (z.B. REWE und Netto) liefern auch an. Bestellung und Bezahlung erfolgen online. Der Bote liefert zum Wunschtermin an den genannten Ort. Der Lieferort könnte die Charterbasis sein. Idealerweise sogar das zu beliefernde Boot oder ein beliebiger Anlegesteg unterwegs. Viele Supermärkte liegen in unmittelbarer Nähe von Anlegestellen. Hier könnte wie üblich eingekauft werden .   

Sicher unterwegs

In Schleusen kommen sich Menschen an Bord kaum in die Quere. Es sind eher die Boote. Aber so ist das in Schleusen. Die Distanz zu anderen Fahrzeugen auch in Pandemie freien Zeiten nie ein Problem. Normalerweise liegen die Boote mit einem Meter Mindestabstand auf Distanz. Dabei steht kaum jemand bei dem einen Boot auf der äußersten Bugspitze. Und auf dem anderen Boot davor, auch nicht ganz hinten auf der Badeplattform. Der Corona-Mindestabstand bleibt gewahrt. Ein Crewmitglied klettert gelegentlich zum Leinenlegen an Land. Dabei besteht stets ausreichend Abstand zu anderen Crewmitgliedern und zum Schleusenpersonal. Vor dem Einlaufen in eine Schleuse sollten alle an Bord sich die Schutzmaske aufsetzen. Sie sollte bis zum Verlassen der Schleuse anbleiben.

Probleme mit dem Corona-Mindestabstand haben allenfalls Kanus und andere Kleinboote. Üblicherweise liegen diese in stark frequentierten Schleusen im Päckchen. Charterboote betrifft dieses Thema jedoch nicht.

Charterfirmen betreiben Marinas teilweise an unterschiedlichen Standorten.  Andere Bootshäfen sind in privater oder kommunaler Hand. Im ersten Fall kann die Charterfirma den Corona-Konformen Betriebsablauf nach einheitlichen Regeln gestalten. Chartergäste finden in diesen Häfen gleiche oder ähnliche Abläufe vor wie in der Basis, wo das Boot übernommen wurde. Über dies können sich die Anbieter untereinander auf einheitliche Hygienestandards verständigen. Ansonsten können Marina-Betreiber Coron-Konforme Hygienestandards nach den Gegebenheiten ihres Hafens festlegen. Oder sie können diesen vorübergehend stilllegen.  

Sicher in anderen Häfen

Im Hafen sollte grundsätzlich Maskenpflicht herrschen, auch wenn die Sicherheit angezweifelt wird. Es geht vielmehr darum, anderen ein gutes Gefühl von Achtsamkeit zu zeigen. Dasselbe sollte unbedingt auch für den Mindestabstand untereinander gelten. Wo immer möglich, dürfen die 1,50 Meter auch gern überschritten werden. Grundregel: wer sich bereits auf dem Steg befindet, hat „Vorfahrt“. Die Box sollte man sich in diesem Vergleich als Hofeinfahrt vorstellen. Ist die „Straße“ frei, darf man vom Boot auf den Steg.

Sicher bunkern

Seltener wird ein Hafen zum Tanken/Bunkern von Kraftstoff und/oder Trinkwasser angesteuert. Man steuert dazu einen gekennzeichneten Servicesteg abseits der regulären Liegeplätze an. Bei Charterbooten ist Nachtanken eher selten nötig. Besonders die Dickschiffe mit Dieselmotoren verfügen über ausreichend große Tanks. Diese sind bei Übernahme vollgetankt (Tankuhr bei Übernahme kontrollieren und ggf. nachfragen). Beim Hausbootfahren unter “Quarantänebedingungen” leert sich eher der Frischwassertank. Analog dazu bietet sich das Leeren des Fäkalientanks an. Letzteren abzupumpen übernimmt i.d.R. das Servicepersonal. Frischwasser mit dem Schlauch auf dem Steg nachzufüllen sollte auch für Laien kein Problem sein.

Die Katamaranboote mit Benzin-Außenborder verfügen bauartbedingt über kleinere Kraftstofftanks. Hier könnte je nach Fahrweise ein Tankstellenbesuch häufiger fällig sein. In der Hauptsaison bieten Tankstellen am Wasser beide Kraftstoffarten an. In der Nebensaison könnte es an Benzin mangeln. Dann steuert man die nächste Straßentankstelle an. Es sollte mindestens ein ausreichend großer Kanister (20 Liter) an Bord sein. Gut wäre auch eine Klappkarre mit Befestigungsgurten an Bord. Oder die Marina stellt leihweise einen Handwagen zur Verfügung. In serviceorientierten Marinas erledigt das ein netter Mitarbeiter. Freundliches Nachfragen ist dabei hilfreich. Corona-Regeln sind auch hier problemlos einzuhalten.

Sicher schlafen auf dem Boot

Für die Nacht empfehle ich Sportbootwartestellen vor Schleusen, Brücken und Hebewerken. Neuere Bauwerke gestatten häufig keinen Landgang. Wartestellen mit begehbarer Uferzone bieten genug Platz für hygienekonformen Abstand. Allerdings sollte das Päckchenliegen möglichst vermieden werden. Auf jeden Fall zwecks gegenseitiger Besuche. Beim Festmachen am anderen Boot ist Mundschutz zu tragen. Beim unvermeidbaren Landgang sollten Päckchenlieger nach Absprache das andere Boot vorn überqueren.  

Ideal im Sinne von selbstgewählter Quarantäne und zum Schlafen unterwegs ist das Ankern. Das Päckchenliegen in Buchten fördert üblicherweise gruppendynamische Prozesse. Deshalb ist es in Corona-Zeiten ausnahmsweise zu unterlassen. Hundert Meter Abstand zum nächsten ankernden Boot scheint mir großzügig bemessen. Da wird es in Ankerbuchten selten eng. Für mich ist eine Ankerbucht nicht nur der sicherste, sondern auch der schönste Ort für einen Bootsurlaub. Tiefenentspannt schwimmen, angeln, kochen, lesen, die Natur beobachten und schlafen – kein Problem.  

Mindestabstände sind keine Ca-Abstände

Viele finden die Distanz- und Hygieneregeln unsinnig. Dennoch ist es im Zweifelsfall ratsam die Forderungen zumindest gefühlt zu übertreffen. Mindestabstände rundet man großzügig auf. Der Grund: Viele Zeitgenossen tun sich schwer, Abstandsangaben mit Komma realistisch einzuschätzen. Da schrumpfen 1,50 Meter Mindestabstand in der Praxis gern mal auf 1,25 Meter oder weniger.

Auch Schutzmasken werden häufig lax getragen. Sie werden als Fremdkörper empfunden, abgenommen und dann nicht wieder aufgesetzt. Damen befürchten wohl, dass der aufgetragene Lippenstift nicht zu sehen ist. Bei Herren könnte die glatte Rasur nicht zur Geltung kommen. Im Falle des Skippers mag der verdeckte Kapitänsbart das Problem sein. Eitelkeiten wie diese darf man bei einem Bootstörn gern ablegen, nicht aber die Maske. Andere sehen das als Nachlässigkeit. Damit liefert man nur jenen Argumente, die den Shutdown gern noch länger haben möchten.

Chartergäste vertrauen am Rückgabeort auf eine genauso routinierte Abfertigung wie beim Reisebeginn. Die Schutzmaske ist vom Einlaufen bis zum Verlassen der Basis anzulegen. Man sollte das nicht als lästige Pflicht, sondern angenehme Bringschuld betrachten. Ansonsten sollten die Regeln wie zu Beginn der Reise gelten.  

Sicher wieder nach Hause

Letzteres empfiehlt sich auch für die Heimreise. Tanken Sie nur wenn nötig und nicht kleckerweise, sondern einmal randvoll. Meiden Sie Toiletten auf Rastplätzen. Suchen Sie ruhigere Orte abseits der Autobahn.

Bleibt zu hoffen, dass diese Tipps bei Bootsurlaubern wie auch bei Behörden und Bootsverleihern Gehör finden. Letztere haben ihre Hausaufgaben in Sachen Corona offensichtlich erledigt. Genaueres ist in einem anderen Fluvius-Beitrag zu diesem Thema nachzulesen. Somit dürfte Bootsurlaub auch unter Pandemie-Bedingungen möglich sein. Auslandsreisen dürften nach derzeitigem Stand in diesem Jahr nicht drin sein. Deshalb könnte es in Deutschland zur Urlaubszeit eng werden. Dem kann mit politischer Weitsicht schon jetzt entgegengewirkt werden. Familien mit Kindern im Kita- und Schulalter hätten ihren Urlaub vor den Sommerferien längst hinter sich. Dann hätten die Verbote und Einschränkungen sogar etwas Gutes. Vorausschauende Planung nennt man das.

(C) 2020 by Klaus Neumann

10 gute Gründe für einen Urlaub auf dem Hausboot

10 gute Gründe für einen Urlaub auf dem Hausboot

Als Segler war ich schon immer gern auf dem Wasser und als ich dann meine erste Hausboottour machte war ich begeistert davon wie viel man in kurzer Zeit erleben kann.