Bootsurlaub auf Rädern

Bootsurlaub auf Rädern

von Adina und Timo Hermann

Deutlich später als geplant starten wir den Motor und fahren los. Das Verstauen unseres Gepäcks im Auto ist eigentlich Routine, dauert dieses Mal aber unerwartet lange. Denn jetzt kommen da noch die Küchenutensilien-Box sowie Taschen mit Arbeitshandschuhen, Fernglas, Anti-Mücken-Kerzen und sonstigen eher ungewöhnlichen Gegenständen hinzu. Von Berlin aus dauert die Autofahrt nach Zehdenick rund eine Stunde. Allerdings wollen wir zunächst einen Abstecher in den Ziegeleipark Mildenberg machen, den wir schon seit langem auf unserer Liste der interessanten Ausflugsziele haben.

 

Zwischenstopp im Ziegeleipark Mildenberg

Auf Rädern und Rollen in die Backsteinwelt

Der Ziegeleipark ist ein Industriedenkmal mit alten Ziegelei-Hütten, durch die ein interaktiver Rundgang führt, und einer Schmalspurbahn, mit der Besucher über das weitläufige alte Areal chauffiert werden. Auf dem Gelände stehen viele alte Gebäude, die es zu entdecken gilt. Wir beginnen unseren Rundgang und stellen erstaunt fest, dass selbst alte Industriedenkmäler durchaus rollstuhlgerecht gestaltet werden können: Über Spalten führen Rampen, die Wege sind verhältnismäßig eben, und die Breite reicht für die meisten Rollstühle auch locker aus. In den Film am Eingang schauen wir aus Zeitgründen nur fünf Minuten rein, wir haben insgesamt nur zwei Stunden Zeit und noch viel zu entdecken.

Wir marschieren vorbei an alten Maschinen und Förderbändern, haben den Geruch des Tons und der gigantischen Brennöfen noch in der Nase (was muss das für eine irrsinnige Hitze hier in den Räumen gewesen sein!) und lassen uns an den vielen Infosäulen von den ehemaligen Mitarbeitern die einzelnen Abschnitte der Ziegelproduktion erklären. Besonders beeindruckt uns hier, wie liebevoll die Produktion durch Licht- und Soundeffekte belebt wird – fast ist es, als wären wir selbst Arbeiter der Fabrik.

Anschließend geht es mit der Bahn „Thomas”, die laut unseres Führers heute wohl einen guten Tag hat (was nicht immer der Fall ist) über das Gelände. Mit Rampen kommen Rollstuhlfahrer auf den Wagen und können so bequem an der Rundfahrt teilnehmen. Während einer 45-minütigen Fahrt geht es hier in das größte europäische Tonstichgebiet, in dem vor allem während des Baubooms zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg massenhaft Ziegel für Berlin gebrannt wurden, begleitet von einem Museumsführer, der an sehenswerten Punkten anhält und mit launigen Erklärungen für Kurzweil sorgt.

Lorenbahnfahrt im Ziegeleipark Mildenberg: Kleiner Boxenstopp, bevor es richtig losgeht!

Nach der Rundfahrt basteln wir uns noch schnell zwei Mini-Ziegel als Andenken und begeben uns zurück zum Auto. Die Sonne lacht, und es verspricht ein warmes und spannendes Wochenende zu werden. Denn: um 15 Uhr werden wir in der Marina Zehdenick erwartet, um unser Hausboot für die kommenden sieben Tage in Empfang zu nehmen! Auf den ersten Blick scheint dieses Unterfangen bei der Planung ja beinahe banal: ein Hausboot, und das in einer Region, in der wir regelmäßig unterwegs sind. Bei der genaueren Törnplanung wurde es dann aber spannend: da waren doch einige Gebiete dabei, die wir tatsächlich noch nie besucht haben – schon gar nicht vom Wasser aus. So fahren wir voller Erwartungen nach Zehdenick.

Langsam wird mir aber doch etwas mulmig: Ich Süßwassermatrose soll mit einem knapp zwölf Meter langen Boot die Havel hochschippern? Als wir endlich ankommen und ich zum ersten Mal vor dem Boot stehe, ist mir nicht mehr mulmig. Ich mache mir fast in die Hose! Zwölf Meter sind groß. Verdammt groß. Und auch der alte Hafenmeister, der uns einweisen soll (ohne Bootsführerschein gibt es erst eine dreistündige Einweisung in das Leben auf Wasser, inklusive Regeln, Verkehrszeichen, Fahrphysik und dergleichen sowie eine praktische Fahrstunde) blickt skeptisch vom Boot auf mich und meine rollstuhlfahrende Gattin. Schließlich entlässt er uns aber doch in die Freiheit – wir schleppen unsere Tonnen an Gepäck an Bord, lösen die Leinen und fahren mit schlotternden Knien im Schleichtempo los. Das erste Tagesziel ist aus gutem Grund nicht weit – es geht schon wieder nach Mildenberg, gerade einmal fünf Kilometer die OHW (die Obere Havel-Wasserstraße) hinauf.

 

Tag 1 – Marina Zehdenick nach Mildenberg

Walzertanz im Hafenbecken und Crewverstärkung
Täuschend ruhig? Die Reise geht los und sie verspricht aufregend zu werden!

18:00 Uhr: Unser Abenteuer beginnt. Wir sind auf uns allein gestellt und lernen unser Hausboot „Phila”, ein rollstuhlgerechtes Febomobil 1180, allmählich kennen – die Fahreigenschaften sind für Autofahrer erst einmal gewöhnungsbedürftig, denn hier funktioniert alles viel langsamer und indirekter. Die Oberhavel schlängelt sich hier in angenehmer Breite Richtung Berlin, und dank des Niedrigwassers (rund 20 Zentimeter unter Normalpegel nach dem trockenen Sommer) fällt auch die Strömung, gegen die wir anfahren, eher gering aus. An wunderschönen Seerosenfeldern vorbei tuckern wir langsam in Schlangenlinien (so ein Boot ist unglaublich schnell übersteuert, solange der Skipper nicht seine hektischen Autofahrer-Manieren ablegt!) flussaufwärts.

19:30 Uhr Schließlich sichten wir die Hafeneinfahrt zum Neuen Hafen Mildenberg, den wir links liegen lassen, verringern unsere Fahrt und steuern gleich danach die Einfahrt zum Alten Hafen an. Auf der linken Seite haben wir schnell eine Box ausgemacht, in der wir rückwärts anlegen wollen, vergessen im selben Moment aber alles, was wir über Anlegemanöver gelernt haben. So folgt ein für die zahlreichen Zuschauer wohl amüsanter viertelstündiger Walzertanz im Hafenbecken, bis sich schließlich zwei andere Skipper unserer erbarmen und uns sicher in die Box manövrieren. Wie peinlich … Und gleich nach dem Anlegen werden wir uns des zweiten Anfängerfehlers bewusst, der uns hier unterlaufen ist: Die seitlichen Schwimmstege sind nicht nur viel zu schmal für Adinas Rollstuhl, sondern auch viel zu kurz. Sie reichen nicht annähernd an die Badeplattform heran, wo Adina hätte von Bord gehen können. Der Weg über das Heck scheidet aus, weil der Durchgang hinten für Rollstuhlfahrer zu eng ist – für Rollstuhlfahrer ist der vordere Ausgang gedacht, das lässt sich konstruktionsbedingt anders auch kaum lösen. Lektion 1, die wir an diesem Abend lernen: Nur vorwärts oder seitlich anlegen, und Lektion 2: Dringend noch einmal die Theorie über Anlegen büffeln … mit gesenktem Haupt und leicht angekratztem Ego marschiere ich zum Hafenbüro und melde uns an.

Platz haben wir genug, da muss auch Adina ran!

Schließlich richten wir uns in unserem komfortablen, neuen Zuhause für die kommenden sieben Tage gemütlich ein, beginnen zu kochen und freuen uns auf unsere Freunde aus Hamburg, die bereits auf dem Weg zu uns sind, um uns die kommenden beiden Tage zu begleiten. Erfreuliches Detail: Das Spülbecken ist unterfahrbar, und auch die Schubladen sind leichtgängig. Perfekt, Adina kann den Abwasch übernehmen! Pünktlich zum Essen treffen unsere Freunde auch ein und die Aufregung der vergangenen Stunden erscheint bei Pasta und Wein gleich in einem ganz anderen Licht. Es gibt viel zu erzählen, und so fallen wir schließlich erst spät in die Betten.

Betten gibt es übrigens insgesamt bis zu sieben auf unserem Hausboot: Das Febomobil 1180 verfügt hinten über ein Schlafzimmer mit Doppelbett, ein darüber gelegenes Einzel-Etagenbett und eine kleine Sanitärkabine mit Waschbecken, Duschwanne und Toilette. Dieser Bereich ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, für die gibt es vom Gang abgehend eine rollstuhlgerechte Schlafkabine mit Doppelbett und Schrank, daneben zwischen Schlafkabine und Salon/Küche ein größeres Badezimmer mit berollbarer Dusche (Achtung, die Therme an Bord hat keine Kapazitäten für endlose Duschorgien…), unterfahrbarem Waschbecken und Toilette mit Haltegriff. Zudem liefert Kuhnle-Tours neben einer klappbaren Rampe auch zwei Haltegriffe zur individuellen Anbringung mit, wenn das Boot von Rollstuhlfahrern gebucht wird. Das Sofa in der Lounge lässt sich ausklappen und zu einem Doppelbett umbauen. Die Küchenzeile ist neben einem dreiflammigen Gasherd mit Kühlschrank, Geschirr, allen wichtigen Kochutensilien und sogar Backofen ausgestattet – lediglich Verbrauchsmaterial, Gewürze und Co müssen Urlauber naturgemäß selbst mitbringen.

 

Tag 2 – Mildenberg nach Himmelpfort

Fernglas mitnehmen lohnt sich! Wir sichten einen Eisvogel!

9:00 Uhr Wir wollen nach einer kurzen, aber sehr angenehmen Nacht heute einigermaßen zeitnah ablegen, denn uns steht gleich am zweiten Tag die längste Etappe unserer Reise bevor. Mehr als 30 Kilometer sind es von Mildenberg bis in den Stolpsee, dabei dürfen wir auch gleich an vier Schleusen zeigen, was wir können (oder auch nicht). Zumindest können wir vier uns heute am Ruder abwechseln, was die Fahrt gleich viel entspannter macht, und wir trauen uns nach zwei Stunden auch, den Gashebel langsam Richtung volle Fahrt zu schieben, was uns auf immerhin 8 km/h beschleunigt. 15 PS sind bei führerscheinfreien Booten eben die Grenze, für die zulässigen 9 km/h auf den meisten Binnengewässern aber auch grundsätzlich ausreichend.

Zwischendurch sind dabei allerdings diverse Stopps zum Fotografieren fällig, denn die Natur hier ist unvergleichlich schön und unberührt: Wir fahren vorbei an unzähligen Graureihern, an einer Ziegenherde, die am Rande des Kanals zur Begrüßung blökt, und gleich zweimal haben wir das unglaublich seltene Glück, Eisvögel zu sehen! Diese wunderschönen kleinen blaugefiederten Kerlchen sind leider wahnsinnig schnell – zu schnell für all unsere Kameras. So bleibt lediglich ein Foto mit einem verschwommenen blau-metallic-farbenen Punkt in der Mitte, von dem wir allein wissen: Das war ein Eisvogel!

Die Navigation fällt währenddessen schwierig aus – Standortbestimmung via Google Maps scheitert regelmäßig daran, dass sämtliche Smartphones uns ein stumm-vorwurfsvolles “Kein Netz” anzeigen. Soviel also zum Netzausbau. Das entschleunigt wunderbar, ist aber nur so semi-optimal, wenn man zwischendurch Fotos oder Statusberichte posten möchte. Wir verlassen uns also auf Wasserkarten, Schilder und unser Gefühl.

Schließlich kommt nach einer Gabelung die erste Schleuse zum Vorschein, die Schleuse Schorfheide. Ein Blick durch das Fernglas (das zum unverzichtbaren Begleiter geworden ist!) zeigt: Grün! Die Schleuse ist offen, die Boote darin warten auf uns! So lässt es sich natürlich elegant direkt einfahren, ohne vorherige An- und Ablegemanöver. Im Schneckentempo schieben wir uns in die Schleuse, werfen die Leinen über die Poller und das Tor schließt sich hinter uns. Nach rund zehn Minuten befinden wir uns einen knappen Meter höher auf der Havel und laufen wieder aus. An den kommenden drei Schleusen haben wir nicht dasselbe Glück, hier ist jeweils Anlegen und Warten angesagt, und wir lernen schon jetzt, dass die Geschwindigkeit auf dem Wasser völlig anders ist, als man es als Autofahrer gewöhnt ist. Wir lernen langsam, unsere Ungeduld zu senken und die Vorzüge anzunehmen: Gemütlich dahintuckern, die Natur in aller Ruhe beobachten, und für egal welche Entscheidung ausreichend Zeit zu haben, selbst wenn uns ein dicker Pott entgegenkommt und wir gerade wieder einmal eher am linken Ufer entlang kriechen. Bis wir uns begegnen, haben längst alle ihre richtige Spur gefunden.

Inzwischen weitet sich die Havel zu einer breiten Mündung, und wir sind auf dem Stolpsee angekommen. Schön ist es hier! Wir halten uns rechts, weil wir am Stolpsee Bootshaus anlegen wollen, und bei Sicht rufe ich den Hafenmeister an, um sicherzugehen, dass er noch ein Plätzchen für uns frei hat.

 

17:00 Uhr Der Hafenmeister hat uns bereits durchs Fernglas erspäht. “Ihr seid det weiße große Ding da, oder? Dann gleich außen links festmachen, bloß nich rin!”, lautet seine Anweisung, der wir natürlich gern Folge leisten. Am Anleger wartet er bereits auf uns, begrüßt uns freundlich und macht uns fest. Er erklärt, dass er große Hausboote, Flöße, Caravan-Boote und dergleichen lieber gleich außen festmacht, weil der Abstand zwischen den Stegen eher klein ist und Anlegemanöver so schnell teuer werden können. Wir sind damit völlig zufrieden: Wir liegen seitwärts an einer Position, wo wir morgen locker wegkommen, der Schwimmsteg ist genau auf Höhe des Bootes, sodass Adina sogar ohne Rampe von Bord kommt. Das Sahnehäubchen: Der freie Ausblick auf den See ist fantastisch. Also alles super! Die Marina ist sauber und gepflegt, auch wenn es leider keine Sanitäreinrichtungen für Rollstuhlfahrer gibt. Egal, haben wir ja an Bord.

Weil die Mägen durchweg knurren, schlendern wir in das Örtchen Himmelpfort, wo sich neben einem alten Zisterzienserkloster auch ein Weihnachtspostamt befindet. Schließlich stehen wir an der Schleuse, die von Booten Richtung Lychen passiert werden muss, und ertappen uns dabei, dass wir uns plötzlich genauso über die Skipper darin lustig machen wir jene Zaungäste, die an unseren vergangenen Schleusen standen. Vielleicht also eine Art Ventil, um das eigene Unvermögen zu schmälern? Wer weiß. Der Hunger überwiegt der Schaulust, und wir lassen uns im nächstgelegenen Restaurant nieder, fallen über unser Essen her und marschieren anschließend satt und zufrieden zurück aufs Boot.

 

Tag 3 – Himmelpfort nach Fürstenberg/Havel

Verpflegung für Jedermann!

 

11:00 Uhr Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück, zu dem sich auch diverse Schwäne gesellen – wohl in der Hoffnung, etwas abzubekommen (was natürlich funktioniert hat – bemerkenswert ist allerdings die Dreistigkeit dieser Schwäne, die selbst beim Füttern noch den Futterspender zwischen den einzelnen Portionen anfauchen). Dann legen wir in aller Ruhe ab. Es ist ein wunderschöner sonniger, heißer Spätsommertag, und wir haben die zweitkürzeste Etappe des Törns vor uns: Nach Fürstenberg sind es gerade einmal fünf Kilometer über Stolpsee und Havel. Heute übernimmt Adina das Ruder, schließlich legen die Erbauer von der Kuhnle Werft Wert darauf, dass auch Rollstuhlfahrer das Boot problemlos steuern können. Und tatsächlich: Meine Gattin, die keinen Auto-Führerschein besitzt, kann dieses riesige Boot ohne Schwierigkeiten steuern, nur mit dem etwas groben Gashebel tut sie sich etwas schwer. Souverän steuert sie dann gleich mal über den weiten See und den Havelkanal bis in den Schwedtsee, wo wir uns steuerbord halten, anstatt direkt auf Fürstenberg zu zulaufen. Unsere Begleitcrew verlässt uns leider schon heute Abend, und wir wollen den vielleicht letzten warmen Sommertag des Jahres ausnutzen. Also steuern wir in den kleineren Zipfel des Schwedtsees. Hier am Nordost-Ufer des Sees liegt die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, die mahnend an die dunklen Kapitel deutscher Vergangenheit erinnert.

Am Rande des Sees finden wir schließlich ein ruhiges Plätzchen, stoppen auf, drehen den Bug in den Wind und lassen den Anker fallen. Noch schnell in die Badehose und die Badeleiter ausklappen, und zumindest die männlichen Crewmitglieder springen ins Wasser. Die Frauen plaudern gemütlich an Deck. Lange halten wir es im Wasser allerdings nicht aus, da es durch die nächtlichen Temperaturen bereits ordentlich abgekühlt ist, ich wärme mich auf dem Sonnendeck des Daches wieder auf.

Brücke in Fürstenberg: Das ersehnte Ziel ist in Sicht.

15:00 Uhr Nach ein paar Stunden Dümpeln brechen wir schließlich auf Richtung Hafen. Wir suchen uns am Stadtanleger Fürstenberg einen gemütlichen Liegeplatz, machen das Boot fest und wandern den kurzen Weg in die Stadt, um Fürstenberg anzusehen. In Fürstenberg gibt es nebeneinander gleich zwei Anleger, von denen allerdings beide einen kleinen Haken für Rollstuhlfahrer aufweisen: Der Yachtclub verfügt über ein Restaurant, ebenerdige Wege und rollstuhlgerechte Sanitäranlagen. Links davon, getrennt durch einen kleinen Fluss, die Iserdiek, liegt der Stadtanleger. Über die Iserdiek führt eine Brücke mit insgesamt jeweils fünf Stufen, ebenerdig sind die beiden Häfen trotz direkter Lage nebeneinander nur durch einen langen Feldweg zum Parkplatz des Yachtclubs verbunden. Wer nur im Hafen bleiben möchte, für den ist als Rollstuhlfahrer der Yachtclub die bessere Wahl, wer aber die Stadt anschauen möchte (wo es auch reichlich Restaurants gibt) und über Sanitäranlagen an Bord sowie eine mobile Rampe für die Stufe am Ende des Stegs verfügt, ist am Stadtanleger besser aufgehoben…

 

Wir lassen uns durch die Stufen der Brücke nicht aufhalten und gönnen uns schließlich ein Abschieds-Abendessen im Restaurant des Yachtclubs, um danach Abschied von unseren Freunden zu nehmen. Mit mulmigem Gefühl sitzen wir danach an Bord und sehen uns unsicher an: Zu zweit weiter? Die ganze Strecke, noch ganze sieben Schleusen? Wir trösteten uns mit Wein und einer guten Lektüre und halfen nebenbei einer ganz frischen Hausboot-Crew beim Anlegen. Das ist übrigens eine Selbstverständlichkeit im Wassersport, die uns tief beeindruckt hat: Jeder hilft dem anderen. Laufe ich in einen Hafen ein, steht meist ein Skipper auf und nimmt meine Leine entgegen, um mich festzumachen. Stehe ich an einer Schleuse und muss dort festmachen, genau dasselbe. Man ist freundlich und höflich, grüßt sich untereinander, tauscht sich aus und macht sich Mut, denn jeder kann auf dem Wasser irgendwann in Not geraten und dann dringend auf fremde Hilfe angewiesen sein. Eine Erfahrung, die uns nach wie vor prägt: Diese allgegenwärtige, selbstverständliche Hilfsbereitschaft war ganz anders als im Alltag – und das in Zeiten, in denen nicht selten Ellenbogen, Wut und Egoismus an der Tagesordnung sind.

 

Tag 4 – Fürstenberg nach Wolfsbruch

Schleusen zu zweit: Kein Erbarmen, anpacken ist angesagt!

 

8:30 Uhr Habe ich mich bei der Tourplanung übernommen? Wie komme ich durch die Schleuse, wenn Adina steuert – wer führt die Leine am Heck? Mit solchen und anderen Gedanken im Kopf löse ich die Achterleinen, starte den Motor und löse nacheinander auch die Leinen am Bug. Es wird ernst: Wir sind nur noch zu zweit, und haben heute über 20 Kilometer und weitere vier Schleusen vor uns. Nach kurzer Fahrt erreichen wir auch schon die Schleuse Fürstenberg: Rot! Und kein Anlegeplatz mehr frei. Ich stoppe auf und halte mich hinter einem weiteren Boot, das bereits vor dem Wartebereich kreuzt. Schließlich sind alle Boote, die gerade abwärts geschleust wurden, aus der Schleuse raus, das Zeichen springt auf grün, und es wird ernst. Langsam steuere ich mit zitternden Knien in die Schleusenkammer, komme nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an den richtigen Platz und werfe die Bugleine über den Poller. Die Crew eines nachfolgenden Bootes, das keinen Platz mehr in der Schleuse findet, übernimmt auf meine Bitte hin die Achterleine. Geht doch! Jetzt nur noch unbeschadet aus der Schleuse rauskommen… wir danken unseren Helfern, legen ab und gleiten als letztes Boot erstaunlich präzise aus der Schleusenkammer. Da scheint “Phila” ordentlich mitgeholfen zu haben, an meinen Qualitäten als Einsteigerskipper kann das nicht allein gelegen haben! Aber zugegeben: Mit ein wenig Übung ist das Boot ganz gut manövrierbar, auch dank Bugstrahlruder. So fasse ich neuen Mut, und wir schippern langsam durch ein ganzes Labyrinth aus Seen und Kanälen. Manche Seen streifen wir heute nur, manche müssen wir komplett durchfahren, manche Kanäle sind eng und kurvig, manche breiter. Die Zeit schreitet voran und wir gewinnen beide an Sicherheit. Auch die beiden nächsten Schleusen meistern wir dank Hilfe von netten anderen Bootsurlaubern problemlos. Wir genießen nun zunehmend unbeschwert die Natur, das Wasser und den leicht auffrischenden Wind. Ohne Jacke geht es heute allerdings nicht mehr, über Nacht sind die Temperaturen deutlich abgesunken. Die Sonne versteckt sich größtenteils, gelegentlich nieselt es ein wenig. Vergangene Woche sah die Wettervorhersage eigentlich noch viel positiver aus, aber hey, wir sind Naturmenschen. Sonne und Strand kann jeder!

 

16:00 Uhr In der Schleuse Wolfsbruch merke ich dann aber doch die fortgeschrittene Fahrzeit, die an meiner Konzentration geknabbert hat: Es geht abwärts in die Rheinsberger Gewässer und ich habe nichts besseres zu tun, als reflexartig meine Leine festzumachen. Vom Boot vor uns kommt ein Schrei: “Hey, nicht belegen!!!” – ich schrecke auf, löse den Knoten und stelle mir gerade vor, wie ich einen Notstopp auslösen muss, weil ich mein Boot am Poller aufgehängt habe – ups! Gerade noch rechtzeitig bekomme ich meinen (seemännisch völlig korrekten, aber leider unangebrachten) Knoten wieder auf. Ich spüre, dass es Zeit wird, die Füße hochzulegen.

Können wir auch kurze Zeit später: Nur 500 Meter hinter der Schleuse liegt die Marina Wolfsbruch, in der wir übernachten wollen. Die Einfahrt ist eine Herausforderung, geht im rechten Winkel backbord vom Kanal ab, aber wir bugsieren “Phila” mehr oder weniger elegant hindurch und machen seitlich an der Mauer hinter einer Hamburger Chartercrew fest. Leider hat hier das Niedrigwasser voll zugeschlagen: Wir liegen rund 50 Zentimeter unter dem Niveau der Hafenmauer. Keine Chance, hier mit Rollstuhl von Bord zu kommen. Später entpuppt sich das allerdings auch als geringer Verlust, denn außer einem Resort mit Hotel, Ferienhäusern, dem Hafen und zwei Restaurants gibt es hier nichts. Wirklich nichts. So bleibt uns mehr Zeit, mit unseren Nachbarn zu klönen (schließlich haben wir selbst mehrere Jahre in Hamburg gelebt), ein leckeres Risotto mit gebratener Chorizo zu köcheln und uns auszuruhen.

 

Tag 5 – Wolfsbruch nach Rheinsberg

Marina Wolfsbruch: Adina muss unten bleiben, weil die Kombi aus niedrigem Wasserstand und hoher Spundwand nicht zu überwinden ist.

Unsere Nachbarn reichen uns ihre Kaffeemaschine über Bord mit der Bitte, ihnen Strom zu spendieren. Die Elektrik ihres Bootes (von einem anderen Charterunternehmen) hat den Geist aufgegeben, und natürlich helfen wir da gerne aus – morgens ohne Kaffee verstößt ja schließlich gegen Menschenrechte! Zehn Minuten später wechseln Maschine und volle Kanne wieder den Besitzer, und wir planen den Tag: Gegen 10:00 Uhr wollen wir ablegen, um gegen Mittag in Rheinsberg zu sein, wo wir verabredet sind. Der Wind hat indes andere Pläne: Über Nacht hat er deutlich aufgefrischt und steht nun senkrecht auf unserem Boot. Unseren ersten Ablegeversuch quittiert “Phila” mit einem leisen Ächzen der Fender, als eine Böe uns prompt wieder gegen den Anleger drückt. “Hiergeblieben!”, scheint der Wind zu sagen. Langsam ahnen wir, dass aus unserem Mittagstermin nichts wird. Also machen wir wieder fest, beobachten das Wetter und starten eine Stunde später einen neuen Versuch.

 

 

11:00 Uhr Diesmal sind wir erfolgreicher, kommen aber nicht ohne diverse unsanfte Berührungen der Hafenmauer aus (die “Phila” uns glücklicherweise nicht weiter übel nimmt), nachdem wir es geschafft haben, im fast leeren Hafenbecken zu drehen. Schnell wird uns nun auch klar, warum die Empfehlung lautete, ab Windstärke 4 (etwa 20km/h, wenn sich Äste im Wind bewegen) einen Hafentag einzulegen. Dem gegenüber stehen aber unsere Zeitplanung und die unglückliche Situation im Hafen, die Adina auf das Boot verbannt, so versuchen wir dennoch unser Glück. In den Kanälen gibt es reichlich Strömungen, die viel Steuerarbeit verlangen, auf den Seen müssen wir schließlich kreuzen, um überhaupt noch voran zu kommen – das Boot steht mit seiner großen Fläche natürlich wie ein Segel im Wind.

 

14:30 Uhr Wir schaffen es schließlich, im Rheinsberger Stadthafen ein Liegeplätzchen zu ergattern, wo wir unseren Besucher empfangen können. Auch wenn wir einigermaßen erschöpft sind, sind wir insgeheim auch ein wenig stolz auf uns und fühlen uns schon beinahe wie gestandene Seeleute. Fast als hätten wir Orkane auf rauer See und den Angriff eines Riesenkraken überlebt! Auf jeden Fall genug Material für die ein oder andere Erzählung mit ein wenig Seemansgarn… Nachdem wir uns erholt haben, schlendern wir ein wenig durch Rheinsberg. Wir freuen uns, dass hier nicht zuletzt dank des barrierefreien Seehotel Rheinsberg schon wirklich viel in Richtung Barrierefreiheit getan wurde und erkunden das Schloss von außen – währenddessen wird uns als Kulisse ein wirklich spektakulärer Sonnenuntergang geboten (wo war die Sonne eigentlich den ganzen Tag?!). Im nahegelegenen Supermarkt füllen wir unsere geschrumpften Reserven auf und lassen uns anschließend in einem nahegelegenen Restaurant bewirten.

 

Tag 6 – Rheinsberg nach Canow

 

10:00 Uhr Endlich: Der Wind hat nachgelassen. Es ist immer noch böig und windig, aber lange nicht so stark wie gestern. Also heisst es wieder “Leinen los!”, und wir können voll in unserem Tourplan bleiben. Das heutige Ziel ist rund 15 Kilometer entfernt, es ist der Anleger Albertinenlust am Canower See, direkt an der Schleuse. An der Schleuse Wolfsbruch treffen wir wieder auf alte Bekannte und weil es hier irgendwie immer etwas länger zu dauern scheint (warum auch immer – die Schleuse macht gerade einmal 40 Zentimeter Hub und benötigt dafür gefühlte Ewigkeiten), plauschen wir mit anderen Crews, zeigen unser großzügig geschnittenes Boot neugierigen Skippern und können schließlich in die Kammer einlaufen.

Familienausflug zum Außenborder: unerwarteter Besuch von reizenden Gästen

Als wir den Kanal verlassen und über den Kleinen Pälitzsee schippern, stellen sich uns plötzlich einige Wegelagerer ins Fahrwasser: Eine Schwanenfamilie schwimmt dreist auf uns zu! Zwar haben sie keine Piratenflagge gehisst, ihre Absichten sind aber eindeutig, also stoppen wir auf und spendieren unser altes Brot, das von den Schwänen samt grauen Jungschwänen mehr oder weniger dankbar in Empfang genommen wird.

 

13:00 Uhr Nach Abschluss der Raubtierfütterung nehmen wir wieder Kurs auf Canow, wo wir mit dem bisher elegantesten Anlegemanöver am Steg festmachen. Übung macht den Meister! Zwar ist hier nichts so richtig barrierefrei und der Weg vom Steg endet auf einer Wiese, wo es recht steil über sandig-erdige Fahrspuren nach oben zur Straße geht, aber schließlich wollen wir diesen Ort doch erkunden. Obwohl wir die Region gut kennen, ist Canow bislang ein weißer Fleck auf unserer Karte. Wir sind sehr erstaunt, in dem Dorf mit 140 Einwohnern (laut Hafenmeister) gleich vier Restaurants, zwei Hotels, einen Fischer und einen Tante-Emma-Laden neben der Schleuse vorzufinden. Den Fischer haben wir für morgen eingeplant, dazu später mehr. Sogar Bootszubehör und maritime Deko finden sich hier an der Albertinenlust! Im Hochsommer tummeln sich hier locker 800 Menschen pro Tag, erzählt uns der Hafenmeister – viele Wassersportler, Paddler, Angler, dank der Lage zwischen zwei Seen. Und die idyllische Ruhe ist einmalig: Nur ein weiterer Gastlieger hat sich hierher verirrt, obwohl der Anleger direkt neben der Schleuse liegt. So genießen wir einen unglaublich ruhigen Abend am Steg, mit Blick auf den Schilfgürtel und schlafen schnell und tief, um uns für die vorletzte Etappe zu rüsten.

 

Tag 7 – Canow nach Mirow

So frei wie die Schwalben, sind auch wir auf der Phila.

7:00 Uhr Ich wache von selbst auf und schaue aus dem Fenster: Wir sind von Schwalben-Schwärmen umgeben! Überall sammeln sie sich, was angesichts des nun doch recht herbstlichen Wetters kein Wunder ist. Ein Blick auf den See und zur Schleuse: Es ist gar nichts los. Herrlich, also Ausspannen und gemütlich frühstücken vor dem Ablegen. Schließlich haben wir nur noch eine Etappe von 13 Kilometern bis Mirow vor uns – ein Klacks im Vergleich zu den bisherigen Strecken! Dass sich das bald als Trugschluss herausstellt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

10:00 Uhr Stau an der Schleuse, auf dem See, und dann drückt sich noch ein Fahrgastschiff an der Schlange vorbei. Na großartig, zu lange gewartet. Also noch etwas warten, schließlich ist gerade Pause in der Schleuse. Die Schlange wird schon wieder kürzer.

Mit großer Zuversicht der feindlichen Schleuse entgegen, bereit für alles was einen dort erwarten könnte.

10:45 Uhr Ich gebe auf. Die Schlange wird nicht kürzer. Am Anleger vor der Schleuse dürften sechs oder sieben Boote liegen, auf dem See stehen vier Boote. Wir legen seufzend ab und reihen uns ein, rücken etappenweise vor. “Timo, komm ran! Da passt ihr noch hin!” – erstaunt blicke ich zur Wartestelle und erkenne unsere Nachbarn aus Wolfsbruch wieder, die wir mit Kaffee-Notstrom versorgt hatten. Tatsächlich passt “Phila” gerade so noch an die Wartestelle, und wir können endlich anlegen. Die Wiedersehensfreude ist groß, bald trudelt aber eine Nachricht von vorne ein: Mittagspause! Echt jetzt?! Die Schlange vor der Schleuse wird immer größer, und der Schleusenwärter macht Pause? Okay okay, wir wollten ja entschleunigen… also fügen wir uns und richten uns mit anderen Bootsurlaubern einigermaßen gemütlich auf dem Grünstreifen im Wartebereich ein.

 

12:30 Uhr Wir sind keinen Meter vorangekommen. Die Pause (die wohl vorgeschrieben ist, ob der Wärter möchte oder nicht) ist längst vorbei. Der Buschfunk entlang der Wartezone verrät: Ein Defekt, da sind Mechaniker an den Schleusentoren zugange. Na klasse. Eigentlich wollten wir in einer Stunde in Mirow anlegen. Das war wohl nix…Wenigstens haben wir eine nette Wartegemeinschaft.

 

13:30 Uhr Was lange währt: Nach rund drei Stunden Wartezeit und mit ebenso langer Verspätung im Zeitplan verlassen wir endlich die Schleuse. Hinter dem Kanal steuern wir hart steuerbord, denn hier findet sich – genau: ein Anleger beim Fischer! Wir haben in den letzten vier Stunden noch keine zehn Minuten Fahrt gemacht und machen bereits wieder fest, um eines der wärmstens empfohlenen Fischbrötchen vom Canower Fischer zu ergattern. Und die Empfehlung war berechtigt: Der frische, mild geräucherte Saibling im Brötchen war ein Gedicht! Auf dem Steg haben wir den See, das Boot und auch die Möwen gut im Blick, um nicht am Ende noch Opfer einer Mundraub-Attacke aus der Luft zu werden. Gut gestärkt legen wir ab und machen uns auf zu unserer letzten Schleuse.

Nach all dem Warten an der Schleuse haben wir uns einen leckeren Snack für Zwischendurch redlich verdient.

14:30 Uhr “Backbord hatte ich eigentlich gesagt”, knurrt mich die offenbar leicht entnervte Schleusenwärterin an, als ich steuerbord die Vorleine über den Poller werfe. Der Österreicher, den wir in Canow kennen gelernt hatten und den ich für die Schleuse zur Führung der Achterleine mit an Bord genommen habe (Danke nochmal!), hat indes backboard festgemacht. “Phila” liegt jetzt zwar absurd quer in der Schleuse, aber immerhin sind wir der Aufforderung der Wärterin so halb nachgekommen. Unseren Abschiedsgruß erwidert sie auch nicht mehr, wir lassen unseren Helfer dankbar von Bord gehen und verlassen nun die letzte Schleuse Richtung Mirow.

 

16:30 Uhr Klar: wir sind zu spät dran. An der Schlossinsel finden wir keinen freien Liegeplatz mehr (warum musste ich diesen Anleger an der Schleuse auch wirklich allen empfehlen??). Wir fahren weiter über den See zum Strandrestaurant, wo noch genügend freie Liegeplätze vorhanden sind. Unsere österreichischen Freunde haben uns offenbar verfolgt und machen zwei Plätze weiter fest. Leider ist der Platz etwas entlegen vom Mirower Stadtzentrum, das eigentlich wirklich wunderschön ist, und der Weg extrem steil. So verzichten wir auf einen Ausflug zur Schlossinsel, der sonst eigentlich zum Pflichtprogramm gehört (die wir aber wegen Adinas Familie ohnehin bestens kennen), kochen gemütlich, und beginnen dann mit dem unangenehmen Teil: dem Packen.

Morgen früh endet unser Törn im drei Kilometer entfernten Granzow und wir werden etwas wehmütig angesichts all der Erinnerungen und der tollen Erlebnisse. Wir lassen unsere Fahrt ein wenig Revue passieren: Die anfängliche Angst vor den Schleusen und dem Wind kam uns nun völlig albern vor, diese Angst hatten wir wohl unterwegs von Bord geworfen Wir erinnern uns an all die netten Menschen, die wir überall kennenlernen durften. An die Hilfsbereitschaft auf dem Wasser, die beispiellos ist – an wirklich jedem Ort. An die wunderbaren Blicke in die Natur, die uns sonst an Land verwehrt bleiben, all die schönen Orte, die Graureiher und die Eisvögel. Ja, es war ein ganz anderer Urlaub als sonst. Ein Perspektivwechsel. Eine Neuentdeckung der Heimat, inklusive Anti-Stress-Kur. Und wir haben viel gelernt, haben viele Herausforderungen überwunden und sind nicht nur völlig entschleunigt und erholt, sondern auch gestärkt und gewachsen aus diesem Abenteuer herausgegangen. Es mag Leute geben, die denken, dass ein Hausboot-Urlaub wie Campen auf dem Wasser sei. Für uns war es jedoch viel aufregender, lehrreicher und voller Aha-Momente.

Seufz! Unser letzter Abend auf dem Febomobil „Phila“.

Tag 8 – Abschied von Phila

 

7:15 Uhr Fluchend stehe ich am Herd. Ich entzünde die Flamme, um Kaffeewasser zu kochen, und die winzige Flamme flackert kurz auf, um anschließend mit einem leisen vorwurfsvollen “Plopp” zu sterben. Pünktlich zum letzten Morgenkaffee ist offenbar das Gas alle. Wenn Ihr irgendetwas nicht erleben wollt, dann ist es Timo am frühen Morgen ohne Kaffee. Knurrend marschiere ich ins nahegelegene ins Hotel. “Coffee to go? Nee, wir ham keine Becher mehr!” – Wird ja immer besser. “Oh, doch!” – Geht doch. “Nee, einen Zehner kann ich nicht wechseln…” – Meine Nerven. “Oh, doch!” – Meine Güte, was für eine schwere Geburt. Endlich sind Timo und Kaffee vereint, und ich marschiere triumphierend zurück zum Boot, um Adina meine Beute zu präsentieren (und ausnahmsweise mit ihr zu teilen!).

 

8:00 Uhr Schön, wenigstens zum Abschied zeigt sich die Sonne doch nochmal. Im Sonnenaufgang drehen wir eine Ehrenrunde vor der Schlossinsel und drehen dann ab Richtung Granzow. Der See liegt spiegelglatt im sanften Sonnenlicht, und wortlos voller Erinnerungen wechseln wir uns am Ruder ab, um “Phila” zum letzten Tanz zu bitten.
Es ist schon verblüffend, wie in unserem Sprachgebrauch innerhalb einer Woche aus dem kalten “das Hausboot” ein zärtliches “unsere Phila” wurde.
Bald schon taucht der Anleger von Kuhnle-Tours auf und mit einer eleganten Drehung drücken wir “Phila” sanft in ihren Liegeplatz, um von ihr Abschied zu nehmen und von Bord zu gehen. Wehmütig packen wir zum Schluss unsere Küchenbox wieder zusammen, räumen unser Gepäck in den Wagen und ziehen ihn vom Steg, während der Hafenmeister bereits das Abwasser abpumpt und Frischwasser tankt. Auf Wiedersehen, Phila!

Ein schönes Andenken an die angenehme und erlebnisreiche Reise.

Fazit: Mit dem Hausboot barrierefrei unterwegs

Ein rollstuhlgerechtes Hausboot vereint die Idee, ein kuscheliges Nest mit auf die Reise zu nehmen, und den Wunsch, entspannt viele neue Orte zu entdecken, auf bestmögliche Weise. Und das, ohne dabei auf Komfort zu verzichten.

Wir haben uns anschließend mit der Pressesprecherin der Kuhnle-Group zusammengesetzt und unseren Törn diskutiert, viel gelacht und manche Anregung gegeben. Die Idee des Febomobil 1180 war von Anfang an, dass Rollstuhlfahrer nicht nur darauf sitzen können, sondern es auch selbst steuern. Das ist zumindest größtenteils machbar – je nach persönlichen Anforderungen. Menschen mit schwachen Muskeln werden sicher nicht das Boot an Land ziehen und festmachen, andere hingegen schon. Mit ein wenig Planung und Beratung können solche Punkte aber im Vorfeld schon geklärt werden, und dem Hausboot-Urlaub steht nichts im Wege. Auch ist den Anbietern durchaus bewusst, dass längst nicht jede Marina auf Rollstuhlfahrer eingerichtet ist. Dafür gibt es ein barrierearmes Bad, große Tanks für Frisch- und Abwasser, eine berollbare Dusche, modulare Hilfen wie Haltegriffe und Rampen, sowie extra viel Benzin mit an Bord. Bedingungslose Barrierefreiheit ist durch Marinas und andere Anleger nicht immer möglich, aber mit etwas Kompromissbereitschaft und praktischem Denken ist so ein wirklich unvergesslicher Urlaub gut machbar!

 

Über die Autoren: Adina und Timo Hermann sind Reiseblogger mit einem speziellen Schwerpunkt auf barrierefreies Reisen. Seit über zehn Jahren reisen sie gemeinsam, Adina als Rollstuhlfahrerin und Grafikerin, Timo als Ehemann, Fotograf und Autor. Auf Mobilista berichten sie von ihren Erlebnissen und geben ihre Erfahrungen weiter – objektiv, journalistisch aufbereitet, mit Praxistipps versehen. Dabei berichten sie sowohl aus der Perspektive des Rollstuhlfahrers als auch des Begleiters.

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Von Dagmar Kuhnle

Am 5. Oktober 2018 gab es im Hafendorf Müritz Grund zum Feiern: Im Dachstuhl des ersten Gebäudes der Marina Müritz Apartments baumelte der Richtkranz und Harald Kuhnle durfte als Mit-Bauherr den symbolischen letzten Nagel in den Dachstuhl einschlagen, was das Ende des Rohbaus symbolisiert. Direkt daneben wartet schon das zweite Gebäude auf den Dachstuhl und ein paar Meter weiter legten Mit-Bauherr Christian Langhoff und Kuhnle den Grundstein für weitere zwei Gebäude. „Wenn alles nach Plan läuft“, so Christian Langhoff, „stehen hier im Sommer 2019 vier Häuser mit zusammen 20 schönen Ferienapartments mit Blick auf Müritz und Classee.“

Über den Dächern des Hafendorf Müritz: Richtkranz des ersten Apartmentgebäudes der Marina Müritz Apartments

Wie kam es dazu?

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

Kaum ein Zitat passt besser auf das Hafendorf Müritz, als das von Goethe. Wissen Sie noch, wie es im Hafendorf Müritz vor über 20 Jahren aussah?

Werftgelände Ex-VEB Schiffswerft Rechlin
Das ehemalige Werftgelände des VEB Schiffswerft Rechlin (Luftbild von 1995).

Hallen, mehr oder weniger ansehnlich, der große Turm mittendrin, eine große, halb kaputte Sliprampe aus Beton – an Beton war überhaupt so einiges da. „Steine, aus denen ich etwas bauen konnte, waren in der Tat genug vorhanden“, schildert Harald Kuhnle seinen ersten Eindruck. „Tja, ich wollte aber eigentlich Boote bauen. Beton verwendet man da als Baustoff eher selten.“

Alle hatten sie hier gebaut: Seit 1917 die Erprobungsstelle, in der DDR eine Werft. Ein Wrack lag auch noch im Claassee, das hatte beide überdauert.

Gab es hier schlechte Vorzeichen, die Kuhnle davon hätten abhalten sollen, das Gelände zu übernehmen?

„Aufgeben war keine Option“ – Harald Kuhnle berichtet während der Feier vom auf und ab im Hafendorf Müritz.

„Jede Menge! Altlasten im Boden, 1100 ehemalige gefrustete Mitarbeiter des VEB Schiffswerft Rechlin, die Tatsache, dass ich als Maschinenbauingenieur in der Immobilienwelt höchstens als Lehrling durchgegangen wäre, fehlende Ahnung von allem, was nicht mit Maschinenbau, Wassersport und Tourismus zu tun hatte.“

Der letzte Nagel sitzt. Kritisch beäugt Mit-Bauherr und Rechtsanwalt Christian Langhoff (rechts), wie Harald Kuhnle den letzten symbolischen Hammerschlag ausführt.

Mit 41 Jahren war Harald Kuhnle plötzlich Besitzer einer Industriebrache und hatte ein paar Millionen Schulden. Er hatte das Gelände der ehemaligen Schiffswerft 1997 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Es gibt nichts zu beschönigen: Dieses Projekt hätte ihn fast ruiniert. Umweltausgleichsmaßnahmen, die Armleuchteralge, das Arbeitstempo in den Behörden, die eine oder andere Wirtschaftskrise, eine echte Bombe unter einem Hallenfundament, manch Stein legte sich ihm gut getarnt in den Weg.

Grundstein für die Gebäude 3 und 4. In einer Werkzeugkiste liegen sicher verpackt und vergraben Urkunden und Dokumente vom Tag der Grundsteinlegung.

Aufgeben war für Kuhnle keine Option. „Es hing nicht nur meine eigene Existenz am Erfolg dieses Projektes, sondern auch die von 80 Mitarbeitern und ihren Familien. Es blieb nur: Dranbleiben, durchhalten, langsam dicke Bretter bohren, hin und wieder ein Gericht bemühen, kämpfen.“ Er habe nie den Glauben an das Grundstück verloren.

Häfen waren immer der Dreh und Angelpunkt von wirtschaftlicher Entwicklung. Hier hatten KUHNLE-TOURS und Kuhnle Werft einen geschützten Hafen und vor der Tür den größten Binnensee Deutschlands. Verbunden mit 1700 Kilometern sensationell schöner Wasserwege. Harald Kuhnle blickt zurück: „Vielleicht war ich der einzige, der das touristische Potenzial dieser Fläche erkannt hat. Ein Vorteil, sicher. Aber zwischendurch wäre es nett gewesen, wenn ein großer Hotelkonzern oder ein Touristik-Riese das auch erkannt hätte. Naja, es ging auch so.“ Immer mehr einzelne Investoren ließen sich vom Sonnenuntergang an der Müritz begeistern, so ging es Stück für Stück voran.

Mit-Bauherr Langhoff: Lob und Dank für die Baufirma Gottfried Maag aus Teterow und den Bauleiter Thomas Maehl.

Am Freitag, 5. Oktober feierte Kuhnle zusammen mit Mitarbeitern, Freunden, Gästen und Geschäftspartnern Richtfest für die ersten beiden Gebäude der Marina Müritz Apartments und legte den Grundstein für die Bebauung der letzten Baulücke direkt am Wasser. Die Besonderheit der Marina Müritz Apartments ist, dass hier der Grundstückseigentümer als Mit-Bauherr wirkt. Harald Kuhnle ist mit dem Projektentwickler Frank Behn und dem Rechtsanwalt Christian Langhoff aus Stralsund eine Kooperation eingegangen, die nun ihre Früchte zeigt.

Makler und Investor: Carsten Scholz (rechts) von Engel & Völkers hat ein eigenes Haus im Hafendorf und erzählte warum sich das Investment an der Müritz lohnt.

Während in den Städten die Wohnungspreise explodieren und andere Ferienimmobilienentwickler an der Müritz die zu erwartende Wertsteigerung gleich beim Erstverkauf mit ansetzen, sind die Preise der Marina Müritz Apartments eher moderat: Ab 177.310 Euro brutto (149.000 € netto) zahlt man für ein knapp 60 Quadratmeter großes Apartment mit Wasserblick. Auf Wunsch übernimmt die Kuhnle-Group auch Vermarktung und Bewirtschaftung des Apartments.

Dichter am Wasser geht nicht: Vorn links im Bild vom Haus 1 ist ein Stückchen Hafenkante und ein Segelboot zu sehen.

Die Entwicklung des Hafendorfs Müritz zum wassertouristischen Zentrum der Südmüritz schreitet damit wieder ein Stück weiter voran. Seit Anfang 2002 ist aus einer Industriebrache in Traumlage nach und nach ein Feriendorf mit großem Wassersportangebot, Werftservice und dem besten Sonnenuntergang an Deutschlands größtem Binnensee geworden.

Aber: Es sind noch nicht alle Steine verbaut. „Wir hoffen immer noch auf einen Hotelinvestor, außerdem könnte man einige der noch vorhandenen Hallen durch weitere Apartmenthäuser ersetzen.“

 

Weitere Bilder und eine Webcam finden Sie in unserem Bautagebuch auf www.marina-mueritz.eu

Blick auf den Claassee und die Marina Müritz vom Penthouse aus.

 

Sängerin Anke Schüler kam aus der nördlichen Müritz mit Gitarre und Shanties.

 

Besuch auf der Baustelle: Das Richtfest wurde von den Gästen genutzt, um sich das Apartmenthaus genau anzusehen.

 

Lecker. Das Team vom Captains Inn und die Chartercrew hatten die Baustelle gastfreundlich hergerichtet.

 

Marina Müritz Apartments: Die Bauplätze für Haus 3 und 4 sind schon abgesteckt.

 

An die Schippe! Harald Kuhnle und Christian Langhoff bedecken den Grundstein mit Erde.

 

Gäste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Hamburg Berlin waren zur Richtfest-Grundstein-Feier an die Müritz gekommen.

 

Zur Begrüßung gab es von Azubi Ravshan Sharifov ein Glas Cremant von der Mosel.
Im Winter durch Berlin

Im Winter durch Berlin

O5. Februar 2OI8 (Tag1)

I2:45 Uhr Wir verlassen die Mecklenburgische Seenplatte und freuen uns auf BERLIN. Das Wetter wird traumhaft: Sonne, Sonne, Sonne und schön knacke kalt.

Die Kinder freuen sich riesig und haben alles eingepackt: vom Kuscheltier bis zum Schachbrett.

Berlin, Rummelsburg, Citymarina, gleich neben der Hafenküche Berlin:

I5 Uhr Wir sind an Bord unseres Lieblingsschiffes, einer KORMORAN , diesmal eine 1150 (das heißt, dass das Boot 11,50 m lang ist und damit wunderbar groß, damit alle Platz haben.)
Die Jungs von der Marina sind total unkompliziert, berlinerisch freundlich und wir haben Spaß an Bord zu gehen.
Neben dem Charterboot – alles voll mit Hausbooten, auf denen es sich einige Berliner gemütlich gemacht haben und hier auch den Winter verbringen.

Wir packen aus und ein und genießen das maritime Ambiente. Nun erst mal einen Bordschluck: leckerer Sekt und das Gute: die Eiswürfel finden sich auf Deck: Außentemperatur minus 2 Grad.

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Wir sind schon viel mit der Kormoran auf den Mecklenburger Seen unterwegs gewesen, Berlin ist neu für uns. Und wir haben etwas Respekt: vor der Schifffahrt, den Schubverbänden, den nicht bekannten Wasserstraßen. Deshalb soll die Probefahrt im Winter sein, wenn nicht so viel los ist.

Sonnenuntergang ist um 16.30 Uhr. Wir beschließen deshalb die erste Nacht im Hafen zu verbringen. Ein schöner Sonnenuntergang verspricht gutes Wetter für morgen. Die warmen Sachen liegen parat, Mütze, Schal, Handschuhe, da kann es morgen gerne kalt werden.

Die Vorräte sind ausreichend, so dass wir beim nahe gelegenen Supermarkt morgen mit dem Schiff nicht anhalten brauchen. Es ist erst mal alles dabei.

Die Tochter malt

der Sohn hat es sich in der Kinderkoje mit seinen Kuscheltieren gemütlich gemacht.


Wir quackeln und freuen uns auf die gemeinsamen Winterferien!
Die Heizung läuft lautlos, es ist gemütlich warm, wir haben extra Zudecken, so dass niemand frieren kann. Die Kinder schlafen gemeinsam und wir trinken noch ein Glas Rotwein, zusammen mit einem Schulfreund, der zufällig nebenan im Kletterpark unterwegs war. Es gesellt sich noch ein weiterer Schulkamerad dazu, der schon immer mal auf so ein Boot wollte. Wir berichten von vergangenen Schiffstouren und genießen das gemütliche Beisammensein…

O6. Februar 2OI8 (Tag 2) 

Die Sonne scheint und es geht los. Ganz langsam! 10 m nach vorne, leicht nach rechts, das Schiff steuert sich einwandfrei, ganz ruhig passieren wir die Berliner Hausbootbesitzer, grüßen heftig und schon sind wir raus aus dem Hafen und fahren auf der Treptower Spree.
Wir haben uns abends entschieden über den Teltowkanal bis nach Potsdam zu fahren und dann über den Wannsee zurück durch Berlin nach Rummelsburg, wir haben ca. 4-5 Tage Zeit…
Der Teltowkanal überrascht uns positiv, er ist breit, kaum Verkehr, Sohnemann ist mit an Deck

und gemütlich eingepackt schippern wir die malende Tochter und den schachspiel-aufbauenden Vater

in Richtung Potsdam vorbei an den „Weinbergen von Berlin“,

durch alte Brücken bis zur Schleuse Keinmachnow – cooles Teil.

Gegen 17 Uhr sind wir am Griebnitzsee

– traumhafte Villen reihen sich hier aneinander und wir beschließen hier Anker zu werfen und diesen Anblick zu genießen. Es ist extrem ruhig!

Auf dem gesamten Teltowkanal kam uns nicht ein Boot entgegen, ausser 2 Schubverbänden. Ein dunkelblauer Himmel, malerischer Sonnenuntergang,

der Mond leuchtet hell – ein Traum! Und wir schauen (zum ersten Mal an Bord, obwohl wir schon seit ca. 5 Jahren Bootsurlaub machen) „Traumschiff“. Der Fernseher machts möglich! Sonst sind wir auch ohne gut ausgekommen. Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Königsberger Klopse: auf dem Boot gibt es das, was es sonst zu Hause nicht gibt: angerührten Kartoffelbrei, Königsberger Klopse aus der Büchse, Flammkuchen aus dem Kühlregal… Man kann natürlich auch richtig kochen, die Küche lässt an nichts zu wünschen übrig, aber wir haben ja Urlaub! Wir spielen „Name, Stadt, Land“, Schach, ein bisschen wird auch geübt: die unregelmäßigen Verben, sowohl in Deutsch für den Drittklässler, als auch in Englisch mit Mausi aus der 6. Klasse.

7. Februar 2018

10 Uhr krabbeln wir an Deck: die kalte Luft, der Duft des Kaffees, mehr geht nicht.

Nachts waren es minus sieben Grad, das Eis gefriert schon am Ufer, aber durch die Strömung, ist es gut befahrbar. Vor dem Kaffee geht es für meinen Mann in das kalte Nass.

Frühstück:

Ab in die warmen Klamotten und in Zeitlupentempo passieren wir die Villen.

Natürlich könnten wir auch von unten steuern, aber die klare kalte Luft ist zu verführerisch. Alles liegt ganz ruhig vor uns. Töchterchen malt wieder.

Die Männer spielen Schach.

Wir sind in Potsdam! Babelsberg begrüßt uns mit seinem schönen Park, dem Schloss. Da die Bäume keine Blätter tragen, sieht man sehr gut die baulichen Anlagen!
Zuerst fahren wir weiter in Richtung Schwielowsee, aber irgendwie ist es hier nicht so spektakulär und außerdem kommen gen Süden Wolken auf, so dass wir hinter der Fährstelle wenden und Kurs nehmen in Richtung Glienicker Brücke – für uns Ossis immer noch ein Thema und ein besonderer Ort.

Direkt unter der Brücke halten wir an und nehmen noch den älteren Sohn mit Frau und Enkelkind (ein Jahr) an Bord.

Wir begegnen langen Schubverbänden.

Weiter geht’s gen Norden in den Krampnitzsee. Wir passieren die alten Wach- und Grenzposten, Erinnerungen …. Es gibt Kaffee und Stracciatella-Kuchen. Graureiher, Kormorane, … Wir genießen die Vogelwelt!

Es ist 16 Uhr, die Dämmerung lässt nicht lange auf sich warten.

Wir bringen die kleine Familie zurück zur Glienicker Brücke und fahren in der wunderschönen Abendsonne weiter zur Pfaueninsel.

16.45 Uhr ist die Sonne weg, wir ankern. Die Kinder lieben das Ankern: wie tief ist es: am westlichen Ufer 15 m, 16 m , es wird immer tiefer, obwohl das Ufer näher kommt. Und ach ja in der Karte steht es auch, Achtung „Kante“, also erst extrem tief und dann extrem flach. Wir verlassen die Wasserstraße in Richtung Pfaueninsel. Hier wird es langsam flacher: 5, 4, 3 m. Manchmal geht es ganz schnell, aber wir fahren ja langsam. Bei 3 m wird der Anker runter gelassen, das Boot dreht sich in den leicht wehenden Wind. Wir stehen neben der Wasserstraße und es wird langsam richtig kalt draußen. Ab und an schaukelt das Boot ganz leicht, denn ein Schubverband kommt vorbei. Heute Nacht soll es minus 13 Grad werden! Mal sehen, ob es warm bleibt. Wie immer spielen wir abends zusammen, lesen uns Geschichten vor und gegen 20 Uhr liegen alle gemütlich in der Falle, heute sicherheitshalber unter 2 Decken.


8. Februar 2018 (Tag 3)

Alle haben gut geschlafen, draußen ist der See leicht gefroren, aber die Eisdecke beginnt sich langsam zu schließen. Nächste Nacht werden wir auf jeden Fall wieder in der Stadt verbringen: Da ist es deutlich wärmer. Wir wollen starten, aber die gesamte Bordenergie ist in diesem Moment weg. Da haben wir wohl zu lange die Batterien verbraucht. Aber egal, es gibt ja immer einen Notknopf. Nach rechts drehen wie beim Starten nur viel weiter rum. Damit springt der Motor verlässlich an. Er blubbert ganz zufrieden. Wir kochen Kaffee und Kakao für die Kinder. Wir trinken den Kaffee mit Mütze an Deck, die Kinder den Kakao gemütlich im Bett. Diese Morgenstunden sind einfach immer unvergesslich schön! Heute kühlt sich niemand im Wasser ab. Wir kuscheln dann noch in den Kojen zusammen: Familienkuscheln! Und nach warmen Brötchen mit Honig geht’s los – ab in die Hauptstadt.

Mitten durch Berlin! Im Radio läuft (nicht ganz leise) coole Musik. Wir nähern uns der Urbanität.
Wir fahren über den Wannsee!
Dann kommt eine Schleuse. Wir werden freundlich empfangen! Das Schleusen geht einfach, und noch einfacher jetzt, wenn keine anderen Boote mitschleusen. Die Kinder helfen stolz und routiniert. Schon geht’s weiter.

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Berlin von der Wasserseite aus kennenlernen – eine völlig neue, begeisternde Perspektive. Man sieht moderne Bauten, kleine Häfen, dann wieder Industrielandschaften, Kräne, riesige Baustellen, wohin man schaut.

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Dann wieder die Rückseite von Kaffees mit ihren Terrassen direkt am Wasser (zur Zeit natürlich nicht besetzt, weil – WINTER, aber man kann sich vorstellen, was hier im Sommer los ist.) Ganz anders als in Mecklenburg, wo die Natur einmalig besticht, sind es die Bauten hier. Das Wetter ist traumhaft, die Sonne scheint, viele Menschen sind an den Ufern unterwegs. Alle winken, grüßen, wollen mit aufsteigen. Wir genießen die Musik, das urbane Umfeld und die Möglichkeit fast lautlos ganz langsam durch die durchaus niedrigen Brücken zu gleiten.

Die Kinder sind auch begeistert. Sie holen sich die Decken raus, legen sich auf das Deck und wollen nichts verpassen.

Wir sind wohl die Einzigen – außer ein bisschen Berufsschifffahrt – kaum zu glauben! Dann kommt der spannendste Teil: das Kanzleramt! Ganz langsam gleiten wir an der „Machtzentrale“ vorbei.

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Die Architektur ist beeindruckend! Der Reichstag!

Und dann die Museumsinsel: das Bode-Museum direkt vor uns,

das Pergamonmuseum rechts neben uns,

der Berliner Dom, mächtig gewaltig und wir genau daneben.

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Linkerhand sieht man den Fernsehturm,

dann eine knappe Stunde später die Oberbaumbrücke direkt vor uns.

16.50 wir sind wieder in unserem Hafen Citymarina in Rummelsburg. Wieder bei traumhaftem Sonnenuntergang!

Wir haben ein bisschen Angst vor dem „Einparken“, aber dank Bugstrahlruder gelingt es uns ganz langsam rückwärts einzuparken. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich, obwohl wir uns doch eigentlich nicht kennen. Aber auf und am Wasser sind alle eine große Familie.

9.Februar 2018 (Tag 4)

Der zweite große Bruder kommt an Bord und so starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück gemeinsam in Richtung Müggelsee.

Die Nacht war wieder sehr kalt, die Eisdecke beginnt zuzufrieren. Wie ein hauchdünnes Glas.

 

Vorbei am Köpenicker Schloss fahren wir bis zur Regattastrecke,

 

dort wird das Eis dicker und wir beschließen ganz langsam die Heimreise anzutreten. Wir kommen uns vor, wie auf einem kleinen Eisbrecher, sind aber ganz froh, dass die Schollen noch keine geschlossene Eisdecke bilden. Es gibt lustige klirrende Geräusche.
Zurück im Hafen wird mittlerweile schon gekonnt 😉 eingeparkt. Wir laden aus, verabschieden uns von den Jungs von der Marina und treten glücklich die Heimreise an!
Berlin, du hast dich von deiner schönsten Seite gezeigt und wir durften dabei sein – vielen Dank!

Einmal hin… Einmal her – Einfachfahrt von Zeuthen zum Hafendorf Müritz

Einmal hin… Einmal her – Einfachfahrt von Zeuthen zum Hafendorf Müritz

Im Juli 2015 haben wir die Gelegenheit ergriffen und eine Einfachfahrt von Zeuthen ins Hafendorf Müritz gewagt. In den Berliner Gewässern sind wir zu ersten Mal gewesen. So viele Kanäle, Seen und Natur hatten wir nicht erwartet. Da wir eine „Überführungsfahrt“ gebucht hatten, sind wir natürlich zügig gen Müritz gefahren. Wir werden aber

Wer sich traut, kann das auch bei uns tun

Wer sich traut, kann das auch bei uns tun

Hochzeit auf einem Hausboot

Die Trauboote bieten den gewohnten Komfort unserer Hausboote. Zur Wahl stehen die Bootstypen Kormoran 1500, Kormoran 1280 und Kormoran 1260, die vetus 1500 und die vetus 1200 K3.

Die Trauung nimmt das Standesamt Röbel-Müritz/Rechlin in Absprache mit dem Brautpaar vor. Die Formalitäten, die die Anmeldung für die Eheschließung betreffen, regeln Sie mit Ihrem zuständigen Standesamt. Ihr Standesamt wird dann das Standesamt Röbel-Müritz/Rechlin ermächtigen, die Eheschließung durchzuführen. Auf dem Hochzeitsboot können von Sonnenaufgang

Hausboot als Tauchstation

Hausboot als Tauchstation

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was unter Ihrem Hausboot los ist? Da passiert nämlich viel mehr, als Echolot und Fischfinder anzeigen.

Um den Teil der Mecklenburgischen und Märkischen Gewässer kennen zu lernen, die sich unter der Wasseroberfläche verbergen, braucht man nicht mehr als Tauchermaske

Kleine Matrosen sind willkommen

Kleine Matrosen sind willkommen

Ob mit der Großfamilie oder nur mit Mama und Papa, Hausbooturlaub ist für den Nachwuchs etwas ganz Besonderes. Der Aufenthalt auf und am Wasser regt die Fantasie ebenso an, wie er für den Umgang mit dem nassen Element sensibilisiert. Auch die Natur im Wasser und am Ufer wird aus der Nähe für Kinder während einer Hausbootreise begreifbar.