Mehr Baustelle als Vergnügungsdampfer

Mehr Baustelle als Vergnügungsdampfer

Wenn Schiffe reden könnten, dann hätten sie was zu erzählen. Zum Beispiel, wie laut und wie gefährlich es gewesen sein muss auf der Helling der Stettiner Oderwerke AG im Jahr 1905. Da wurde nämlich ein knapp 16 Meter langer Schraubenschleppdampfer auf Kiel gelegt, der auch als Eisbrecher Dienst tun sollte und dieser Tage als „Ares“ in Mecklenburg unterwegs ist.
Die Stahlplatten des Rumpfes wurden damals nicht auf die Spanten (sozusagen das Gerippe des Schiffs) geschweißt, sondern genietet. So dicht wie möglich am Bauplatz stand seinerzeit ein mit Kohle beheizter Nietkocher. Der Nietheizer erwärmte die Nieten, bis sie rotglühend waren und warf sie dann mit einer Zange einem Kollegen zu, der fing den Niet in seinem Fangeimer auf, griff ihn mit der Zange und steckte ihn in ein vorbereitetes Loch. Innen im Rumpf stand dann der eigentliche Nieter der den Niet von Innen mit einem Presslufthammer und einem Hilfswerkzeug (dem Nietzieher) bearbeitete, so dass zwei Metallplatten pottendicht miteinander verbunden waren. Das stetige Hämmern auf Stahl muss eine enorme Geräuschkulisse ergeben haben.

Schon äußerlich eine Schönheit: Der Niedergang in den künftigen Wohnbereich befindet sich vor dem Steuerhaus.

Die Eisennieten der „Ares“ sind stumme Zeugen dafür, mit welchem Aufwand und unter welchen Gefahren für die Arbeiter der Werft früher Schiffe gebaut wurden. Seit sich ab den 1940er Jahren das Schweißen im Schiffbau immer mehr durchsetzte, nimmt die Zahl der genieteten Schiffs- und Bootsrümpfe, die noch unterwegs sind, kontinuierlich ab. Selbst die dickste Stahlplatte hält dem Rostfraß nicht ewig stand. Umso ehrenwerter ist es, wenn ein solches Zeugnis der Schiffbaukunst erhalten wird.

Deck bemoost!

„Als ich die damalige ,Barbarossa’ und heutige ,ARES’ in Berlin zum ersten Mal sah, war klar, dass das in der ersten Zeit mehr Baustelle als Vergnügungsdampfer sein würde“, berichtet Astrid Hiersche und ergänzt: „Das Deck war im Bereich des Schanzkleids wie ein altes Hausdach teilweise mit Moos bewachsen. Teilweise konnte ich den Rost mit den Finger eindrücken.“ Der Plan war einfach: Der Schleppdampfer sollte auf eigenem Kiel und aus eigener Kraft von Berlin ins heimatliche Schwerin gelangen; und auf dem Weg dorthin sollte eine Werft angesteuert werden, die die „Ares“ aus dem Wasser heben, den Rumpf untersuchen und – wo erforderlich – instandsetzen konnte. Die Wahl auf die Kuhnle Werft.

Erstwasserung zur Überprüfung der Trimmung.

Die Arbeiten waren dann doch aufwändiger als erwartet. „Aber alles gut, mein Kundenbetreuer Christian Peter hat mich immer auf dem laufenden gehalten. Wir haben besprochen, was an weiteren Arbeiten notwendig ist und was das extra kosten würde. Und manche Stellen sieht man eben erst, wenn man die ersten Schichten Moos, Farbe und Rost abgetragen hat.“ Christian Peter und Franko Musfeld, der in der Werfthalle für die Ausführung der Arbeiten sorgte, hätten ihr immer transparent gemacht, was für ein Problem aufgetreten ist, wie die Lösung aussähe und was sie kosten würde. Vom Kranen, über die Schallmessung der Rumpfstärke, die Schweiß- und Lackierarbeiten am Unterwasserschiff, der Restaurierung der Ruderblattaufhängung, der Schweiß- und Lackierarbeiten auf dem Oberdeck, die neuen Opferanoden und der Erneuerung des Ankerkastens reichen die Werftarbeiten.

Boot zum Anpacken

Ganz ohne Schmerzen hat das neue Bauprojekt des Ehepaares Hiersche nicht begonnen. Schweren Herzens haben sie sich von ihrem letzten Restaurationsobjekt getrennt – einem neun Meter langen schwedischen Mahaghoniboot mit schlanken Linien und zeitloser Eleganz. „Ganz schwieriges Thema“ sagt Astrid Hiersche, die das Holz des verkauften Schweden restauriert, geschliffen, lackiert und wieder geschliffen und wieder lackiert hat. Frau Hiersche hat viel Liebe und Zeit in das Holzprojekt gesteckt und wird auch bei der „Ares“ wieder anpacken. Ihr Pro-Tipp für alle Frauen, die wie sie vor Dreckarbeit nicht zurückschrecken: „Fingernägel dick lackieren, dann sieht man die schwarzen Ränder nicht.“

Die „Ares“ kurz nach der Taufe auf dem Weg zur ersten Probefahrt.

„Mir war wichtig, dass die klassischen Werftarbeiten wirklich fertig sind“, sagt Hiersche. „Das was mein Mann und ich am im Wasser liegenden Schiff nicht selbst oder nur unter größtem Aufwand selbst machen können, wollte ich erledigt haben.“ Schließlich soll die „Ares“ die nächsten fünf Jahre im Wasser liegen bleiben. Da Hiersches Mann auch technischer Taucher ist, wird er den Rumpf zwischendurch eben im Wasser liegend vom Bewuchs befreien.

Sobald die „Ares“ an ihrem neuen Liegeplatz im Ziegelaußensee angekommen ist, geht für Hiersche und ihren Mann die Arbeit erst richtig los. Der Innenausbau steht an. „Es soll zeitgerecht sein, so auf dem Niveau der 20er oder 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.“ Außer bei sicherheitsrelevanten Elementen (wie zum Beispiel einem Binnenfunkgerät) wird es keinen Kunststoff an Bord geben, statt Duschtasse gebe es dann eben eine verkupferte Zinkwanne.

Um den Antrieb macht sich Hiersches Ehemann wenig Sorgen. „Die originale Dampfmaschine ist schon 1978 ausgebaut worden, zwischenzeitlich war ein untermotorisierter Diesel installiert. Der ist in den 1990ern durch einen Daimler-Benz OM355-Diesel-Motor mit nun ca. 11,5 Litern Hubraum und immerhin 200 PS von 1969 ersetzt worden.“ Mit Schiffsdieseln kennt er sich als Diplom-Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik aus. Bis auch der Motor perfekt in Schuss ist, wird das Schiff mit maximal 900 Umdrehungen gen Schwerin tuckern. Das bringt den 38 Tonnen schweren ehemaligen Schleppdampfer immerhin auf 10 Kilometer pro Stunde. Gleichwohl bleibt die Optik des Schiffs mit dem originalen, hohen klappbaren Schornstein erhalten. „Wenn man den nicht hätte niederlegen können, hättet ihr jetzt ein Oberlicht im Werftdach“, grinst die Eignerin der „ARES“. Dann schnappt sich das ambitionierte Ehepaar Pinsel und Farbrollen, der schwarze Rumpf muss noch den neuen Bootsnamen aufgemalt bekommen.

Abgeschlossene Werft Ausbildung

Abgeschlossene Werft Ausbildung

Zwei Mitarbeiter aus unserer Werft haben ihre Ausbildung als Mechatroniker/Industriemechaniker abgeschlossen. Wie die Ausbildung verlief erfährst du hier:

Armin hat seine Ausbildung 2019 begonnen, nachdem er 2018 ein zweiwöchiges Praktikum im Handwerk bei der KUHNLE-Werft absolviert hatte. Er entschied sich für die Ausbildung zum Mechatroniker, so dass er aus Berlin an die Müritz zog. Der Arbeitsalltag in der Werft ist nicht planbar, da bei einem Charterbetrieb Havarie Fälle und sonstige kurzfristige Reparaturen auftreten können, die sofort instandgesetzt werden müssen. Je nach Auftragslage wird entschieden, in welcher Reihenfolge die Arbeiten ausgeführt werden. Seine Aufgabenbereiche liegen bei Elektrotechnik, Anschluss von Motoren, Versorgungssysteme, Bootselektrik.

Um die Kenntnisse zu festigen, hatte Armin Lehrgänge in den Bereichen Steuerungstechnik sowie Drehen und Fräsen von Metall. Diese fanden am überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) in Waren statt.

Den theoretischen Teil hatte er in Neustrelitz, unweit von seinem neuen Wohnsitz, in Blockunterricht (jeweils zwei Wochen) absolviert. Für die Abschlussprüfung hatte er im ÜAZ Zeit sich auf die Prüfung vorzubereiten. Sie unterteilte sich in den Bereichen Elektrotechnik/Metalltechnik, Sozialkunde/Wirtschaft, Arbeitsplanung und Funktionsanalyse. Darauf folgte die letzte Prüfung: der betriebliche Auftrag. Hierbei musste Armin zu einem vorher festgelegtem Auftrag einen Arbeitsplan erstellen, die Materialien beschaffen, den Auftrag ausführen und schlussendlich den Auftrag verschriftlichen.

Hier findest du weitere Informationen zu der Ausbildung zum Mechatroniker.

Johannes hingegen hat sich für die Ausbildung zum Industriemechaniker entschieden, nachdem er im Internet nach offenen Ausbildungsstellen gesucht hatte. Bei KUHNLE-TOURS hat ihn dann die Auszeichnung „Top-Ausbildungsbetrieb“ schlussendlich überzeugt, so dass er von Schwerin nach Rechlin gezogen ist. Auch die Region und die umliegende Natur haben ihn zugesprochen. Er hatte schon einige Vorkenntnisse im Bereich Metallbau, wodurch ihm der Start in den Arbeitsalltag leicht fiel.

Den theoretischen Teil der Ausbildung fand in Stralsund statt. Hier wird der Unterricht in Blöcke (zwei bis vier Wochen) unterteilt. Dabei wird den Azubis eine Unterkunft im Wohnheim gestellt, so dass man nicht den weiten Weg pendeln muss.

Ebenfalls fanden einige Lehrgänge im Bereich Zerspannung/Drehen/Fräsen sowie im Metallbereich statt.  

Die Abschlussprüfung war in verschiedene Bereiche (Instandhaltung, Auftragsfunktionsanalyse, Fertigungsaufträge) unterteilt, die Johannes als sehr anspruchsvoll empfunden hatte. Aber mit der Prüfungsvorbereitung am ÜAZ war er gut auf die bevorstehende Prüfung vorbereitet.

Weitere Informationen zu der Ausbildung als Industriemechaniker findest du hier.

Beide Kollegen haben die Prüfung bestanden und wurden übernommen. Mit ihren erworbenen Fachkenntnissen sind sie eine Bereicherung für das Team. Wir wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft!

Möchtest du auch Teil unseres Teams werden? Dann bewirb dich jetzt unter jobs@kuhnle-tours.de.

Wie ist es eigentlich Azubi zu sein bei der Kuhnle Werft?

Wie ist es eigentlich Azubi zu sein bei der Kuhnle Werft?

Und wer wüsste das wohl besser, als unsere ehemaligen Azubis?! Und so habe ich einfach mal gefragt, wie denn nun die Ausbildung bei der Kuhnle Werft ist.

Ein oft verwendeter Ausdruck war „gut aufgehoben“. Das Wichtigste an einer Ausbildung ist die richtige Unterstützung. Viele unserer Werft-Azubis standen auch einmal am Anfang ihrer Ausbildung, ohne irgendeine Ahnung, was genau sie nun wirklich erwartet und ob sie es am Ende auch schaffen würden. Aber anscheinend hatten alle genau dasselbe Ziel: Am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung zu bestehen und während der Ausbildungsjahre möglichst viel Wissen zu erfassen. Nach den Berichten der Azubis gelang dies fast kinderleicht. Denn mit der richtigen und intensiven Unterstützung durch die Ausbilder und der Freude am Job gelang es ohne größere Probleme. Und ist es nicht viel wert zu wissen, dass man in seiner Firma und bei seinen Arbeitskollegen gut aufgehoben ist, auch wenn etwas mal nicht ganz so rund läuft?!

Eine weitere Frage, die mir während des Gespräches in den Sinn kam war, in wie fern die Azubis integriert werden und wie stark das Gefühl ist, dass sie wirklich dazu gehören und gebraucht werden. Denn auch das fördert das Gefühl in der Ausbildung unterstützt zu werden.

Die Antwort war deutlich: man könnte es abkürzen mit „ Lackieren, schweißen, schleifen, Schäden ausbessern“. Aber auf keinen Fall negativer Natur, alle waren sich einig, dass genau dieses Eingebunden sein viel mehr Erfahrungen liefert und auch das Selbstbewusstsein stärkt. Denn nur durch die Praxis kann man bestimmte Tätigkeiten perfektionieren. Da die Ausbildungsberufe, wie Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik und Industriemechaniker, viele unterschiedliche sowie interessante Aufgaben mit sich bringen, hat es an Praxis nicht gefehlt. Es wurde aber auch dazu erwähnt, dass trotz vieler verschiedener Aufgaben und der damit wachsenden Selbstständigkeit nie ein Azubi bei Fragen oder Problemen vernachlässigt wurde. Motto war: „Es ist die Aufgabe eines Azubis Fragen zu stellen“ und „ aus Fehlern lernt man“.

Weiter ging es im Gespräch natürlich auch um die Berufsschule und wie weit einige fahren mussten, um diese besuchen zu können. Auch trotz weiter Fahrtstrecken, wie bis nach Fürstenwalde schien auch die Berufsschulzeit glatt abgelaufen zu sein. Na klar gab es auch hin und wieder mal nicht so gute Ergebnisse, was jedoch keinen unserer ehemaligen Azubis vom Ziel abgehalten hat. Auch waren die Berufsschullehrer ebenso, wie die Ausbilder im Betrieb immer zur Stelle.

Allgemein wurde aus dem Gespräch ersichtlich, dass das Erreichen einer abgeschlossenen Berufsausbildung für unsere Azubis nicht all zu anstrengend war. Aufgrund der guten Vorbereitung im Betrieb und ebenso in der Berufsschule könnten die Prüfungen ohne größerer Probleme absolviert und bestanden werden. Unsere ehemaligen Auszubildenden gingen ebenfalls darauf ein, dass sowohl der Beruf als auch die Ausbildung sie ungemein interessierte, was die Abschlussprüfung entspannter gestaltete. Aber auch ein großes Lob ging an die Ausbilder und unser Unternehmen, was sie täglich und mit Freude unterstützten, ihnen alles beibrachten und einfach wie eine zweite Familie für sie da war.

Mehr Informationen zu den Ausbildungsberufen der Kuhnle Werft finden Sie hier: https://www.kuhnle.jobs/ausweiterbildung/ausbildung/