Bootsurlaub auf Rädern

Bootsurlaub auf Rädern

von Adina und Timo Hermann

Deutlich später als geplant starten wir den Motor und fahren los. Das Verstauen unseres Gepäcks im Auto ist eigentlich Routine, dauert dieses Mal aber unerwartet lange. Denn jetzt kommen da noch die Küchenutensilien-Box sowie Taschen mit Arbeitshandschuhen, Fernglas, Anti-Mücken-Kerzen und sonstigen eher ungewöhnlichen Gegenständen hinzu. Von Berlin aus dauert die Autofahrt nach Zehdenick rund eine Stunde. Allerdings wollen wir zunächst einen Abstecher in den Ziegeleipark Mildenberg machen, den wir schon seit langem auf unserer Liste der interessanten Ausflugsziele haben.

 

Zwischenstopp im Ziegeleipark Mildenberg

Auf Rädern und Rollen in die Backsteinwelt

Der Ziegeleipark ist ein Industriedenkmal mit alten Ziegelei-Hütten, durch die ein interaktiver Rundgang führt, und einer Schmalspurbahn, mit der Besucher über das weitläufige alte Areal chauffiert werden. Auf dem Gelände stehen viele alte Gebäude, die es zu entdecken gilt. Wir beginnen unseren Rundgang und stellen erstaunt fest, dass selbst alte Industriedenkmäler durchaus rollstuhlgerecht gestaltet werden können: Über Spalten führen Rampen, die Wege sind verhältnismäßig eben, und die Breite reicht für die meisten Rollstühle auch locker aus. In den Film am Eingang schauen wir aus Zeitgründen nur fünf Minuten rein, wir haben insgesamt nur zwei Stunden Zeit und noch viel zu entdecken.

Wir marschieren vorbei an alten Maschinen und Förderbändern, haben den Geruch des Tons und der gigantischen Brennöfen noch in der Nase (was muss das für eine irrsinnige Hitze hier in den Räumen gewesen sein!) und lassen uns an den vielen Infosäulen von den ehemaligen Mitarbeitern die einzelnen Abschnitte der Ziegelproduktion erklären. Besonders beeindruckt uns hier, wie liebevoll die Produktion durch Licht- und Soundeffekte belebt wird – fast ist es, als wären wir selbst Arbeiter der Fabrik.

Anschließend geht es mit der Bahn „Thomas”, die laut unseres Führers heute wohl einen guten Tag hat (was nicht immer der Fall ist) über das Gelände. Mit Rampen kommen Rollstuhlfahrer auf den Wagen und können so bequem an der Rundfahrt teilnehmen. Während einer 45-minütigen Fahrt geht es hier in das größte europäische Tonstichgebiet, in dem vor allem während des Baubooms zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg massenhaft Ziegel für Berlin gebrannt wurden, begleitet von einem Museumsführer, der an sehenswerten Punkten anhält und mit launigen Erklärungen für Kurzweil sorgt.

Lorenbahnfahrt im Ziegeleipark Mildenberg: Kleiner Boxenstopp, bevor es richtig losgeht!

Nach der Rundfahrt basteln wir uns noch schnell zwei Mini-Ziegel als Andenken und begeben uns zurück zum Auto. Die Sonne lacht, und es verspricht ein warmes und spannendes Wochenende zu werden. Denn: um 15 Uhr werden wir in der Marina Zehdenick erwartet, um unser Hausboot für die kommenden sieben Tage in Empfang zu nehmen! Auf den ersten Blick scheint dieses Unterfangen bei der Planung ja beinahe banal: ein Hausboot, und das in einer Region, in der wir regelmäßig unterwegs sind. Bei der genaueren Törnplanung wurde es dann aber spannend: da waren doch einige Gebiete dabei, die wir tatsächlich noch nie besucht haben – schon gar nicht vom Wasser aus. So fahren wir voller Erwartungen nach Zehdenick.

Langsam wird mir aber doch etwas mulmig: Ich Süßwassermatrose soll mit einem knapp zwölf Meter langen Boot die Havel hochschippern? Als wir endlich ankommen und ich zum ersten Mal vor dem Boot stehe, ist mir nicht mehr mulmig. Ich mache mir fast in die Hose! Zwölf Meter sind groß. Verdammt groß. Und auch der alte Hafenmeister, der uns einweisen soll (ohne Bootsführerschein gibt es erst eine dreistündige Einweisung in das Leben auf Wasser, inklusive Regeln, Verkehrszeichen, Fahrphysik und dergleichen sowie eine praktische Fahrstunde) blickt skeptisch vom Boot auf mich und meine rollstuhlfahrende Gattin. Schließlich entlässt er uns aber doch in die Freiheit – wir schleppen unsere Tonnen an Gepäck an Bord, lösen die Leinen und fahren mit schlotternden Knien im Schleichtempo los. Das erste Tagesziel ist aus gutem Grund nicht weit – es geht schon wieder nach Mildenberg, gerade einmal fünf Kilometer die OHW (die Obere Havel-Wasserstraße) hinauf.

 

Tag 1 – Marina Zehdenick nach Mildenberg

Walzertanz im Hafenbecken und Crewverstärkung
Täuschend ruhig? Die Reise geht los und sie verspricht aufregend zu werden!

18:00 Uhr: Unser Abenteuer beginnt. Wir sind auf uns allein gestellt und lernen unser Hausboot „Phila”, ein rollstuhlgerechtes Febomobil 1180, allmählich kennen – die Fahreigenschaften sind für Autofahrer erst einmal gewöhnungsbedürftig, denn hier funktioniert alles viel langsamer und indirekter. Die Oberhavel schlängelt sich hier in angenehmer Breite Richtung Berlin, und dank des Niedrigwassers (rund 20 Zentimeter unter Normalpegel nach dem trockenen Sommer) fällt auch die Strömung, gegen die wir anfahren, eher gering aus. An wunderschönen Seerosenfeldern vorbei tuckern wir langsam in Schlangenlinien (so ein Boot ist unglaublich schnell übersteuert, solange der Skipper nicht seine hektischen Autofahrer-Manieren ablegt!) flussaufwärts.

19:30 Uhr Schließlich sichten wir die Hafeneinfahrt zum Neuen Hafen Mildenberg, den wir links liegen lassen, verringern unsere Fahrt und steuern gleich danach die Einfahrt zum Alten Hafen an. Auf der linken Seite haben wir schnell eine Box ausgemacht, in der wir rückwärts anlegen wollen, vergessen im selben Moment aber alles, was wir über Anlegemanöver gelernt haben. So folgt ein für die zahlreichen Zuschauer wohl amüsanter viertelstündiger Walzertanz im Hafenbecken, bis sich schließlich zwei andere Skipper unserer erbarmen und uns sicher in die Box manövrieren. Wie peinlich … Und gleich nach dem Anlegen werden wir uns des zweiten Anfängerfehlers bewusst, der uns hier unterlaufen ist: Die seitlichen Schwimmstege sind nicht nur viel zu schmal für Adinas Rollstuhl, sondern auch viel zu kurz. Sie reichen nicht annähernd an die Badeplattform heran, wo Adina hätte von Bord gehen können. Der Weg über das Heck scheidet aus, weil der Durchgang hinten für Rollstuhlfahrer zu eng ist – für Rollstuhlfahrer ist der vordere Ausgang gedacht, das lässt sich konstruktionsbedingt anders auch kaum lösen. Lektion 1, die wir an diesem Abend lernen: Nur vorwärts oder seitlich anlegen, und Lektion 2: Dringend noch einmal die Theorie über Anlegen büffeln … mit gesenktem Haupt und leicht angekratztem Ego marschiere ich zum Hafenbüro und melde uns an.

Platz haben wir genug, da muss auch Adina ran!

Schließlich richten wir uns in unserem komfortablen, neuen Zuhause für die kommenden sieben Tage gemütlich ein, beginnen zu kochen und freuen uns auf unsere Freunde aus Hamburg, die bereits auf dem Weg zu uns sind, um uns die kommenden beiden Tage zu begleiten. Erfreuliches Detail: Das Spülbecken ist unterfahrbar, und auch die Schubladen sind leichtgängig. Perfekt, Adina kann den Abwasch übernehmen! Pünktlich zum Essen treffen unsere Freunde auch ein und die Aufregung der vergangenen Stunden erscheint bei Pasta und Wein gleich in einem ganz anderen Licht. Es gibt viel zu erzählen, und so fallen wir schließlich erst spät in die Betten.

Betten gibt es übrigens insgesamt bis zu sieben auf unserem Hausboot: Das Febomobil 1180 verfügt hinten über ein Schlafzimmer mit Doppelbett, ein darüber gelegenes Einzel-Etagenbett und eine kleine Sanitärkabine mit Waschbecken, Duschwanne und Toilette. Dieser Bereich ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, für die gibt es vom Gang abgehend eine rollstuhlgerechte Schlafkabine mit Doppelbett und Schrank, daneben zwischen Schlafkabine und Salon/Küche ein größeres Badezimmer mit berollbarer Dusche (Achtung, die Therme an Bord hat keine Kapazitäten für endlose Duschorgien…), unterfahrbarem Waschbecken und Toilette mit Haltegriff. Zudem liefert Kuhnle-Tours neben einer klappbaren Rampe auch zwei Haltegriffe zur individuellen Anbringung mit, wenn das Boot von Rollstuhlfahrern gebucht wird. Das Sofa in der Lounge lässt sich ausklappen und zu einem Doppelbett umbauen. Die Küchenzeile ist neben einem dreiflammigen Gasherd mit Kühlschrank, Geschirr, allen wichtigen Kochutensilien und sogar Backofen ausgestattet – lediglich Verbrauchsmaterial, Gewürze und Co müssen Urlauber naturgemäß selbst mitbringen.

 

Tag 2 – Mildenberg nach Himmelpfort

Fernglas mitnehmen lohnt sich! Wir sichten einen Eisvogel!

9:00 Uhr Wir wollen nach einer kurzen, aber sehr angenehmen Nacht heute einigermaßen zeitnah ablegen, denn uns steht gleich am zweiten Tag die längste Etappe unserer Reise bevor. Mehr als 30 Kilometer sind es von Mildenberg bis in den Stolpsee, dabei dürfen wir auch gleich an vier Schleusen zeigen, was wir können (oder auch nicht). Zumindest können wir vier uns heute am Ruder abwechseln, was die Fahrt gleich viel entspannter macht, und wir trauen uns nach zwei Stunden auch, den Gashebel langsam Richtung volle Fahrt zu schieben, was uns auf immerhin 8 km/h beschleunigt. 15 PS sind bei führerscheinfreien Booten eben die Grenze, für die zulässigen 9 km/h auf den meisten Binnengewässern aber auch grundsätzlich ausreichend.

Zwischendurch sind dabei allerdings diverse Stopps zum Fotografieren fällig, denn die Natur hier ist unvergleichlich schön und unberührt: Wir fahren vorbei an unzähligen Graureihern, an einer Ziegenherde, die am Rande des Kanals zur Begrüßung blökt, und gleich zweimal haben wir das unglaublich seltene Glück, Eisvögel zu sehen! Diese wunderschönen kleinen blaugefiederten Kerlchen sind leider wahnsinnig schnell – zu schnell für all unsere Kameras. So bleibt lediglich ein Foto mit einem verschwommenen blau-metallic-farbenen Punkt in der Mitte, von dem wir allein wissen: Das war ein Eisvogel!

Die Navigation fällt währenddessen schwierig aus – Standortbestimmung via Google Maps scheitert regelmäßig daran, dass sämtliche Smartphones uns ein stumm-vorwurfsvolles “Kein Netz” anzeigen. Soviel also zum Netzausbau. Das entschleunigt wunderbar, ist aber nur so semi-optimal, wenn man zwischendurch Fotos oder Statusberichte posten möchte. Wir verlassen uns also auf Wasserkarten, Schilder und unser Gefühl.

Schließlich kommt nach einer Gabelung die erste Schleuse zum Vorschein, die Schleuse Schorfheide. Ein Blick durch das Fernglas (das zum unverzichtbaren Begleiter geworden ist!) zeigt: Grün! Die Schleuse ist offen, die Boote darin warten auf uns! So lässt es sich natürlich elegant direkt einfahren, ohne vorherige An- und Ablegemanöver. Im Schneckentempo schieben wir uns in die Schleuse, werfen die Leinen über die Poller und das Tor schließt sich hinter uns. Nach rund zehn Minuten befinden wir uns einen knappen Meter höher auf der Havel und laufen wieder aus. An den kommenden drei Schleusen haben wir nicht dasselbe Glück, hier ist jeweils Anlegen und Warten angesagt, und wir lernen schon jetzt, dass die Geschwindigkeit auf dem Wasser völlig anders ist, als man es als Autofahrer gewöhnt ist. Wir lernen langsam, unsere Ungeduld zu senken und die Vorzüge anzunehmen: Gemütlich dahintuckern, die Natur in aller Ruhe beobachten, und für egal welche Entscheidung ausreichend Zeit zu haben, selbst wenn uns ein dicker Pott entgegenkommt und wir gerade wieder einmal eher am linken Ufer entlang kriechen. Bis wir uns begegnen, haben längst alle ihre richtige Spur gefunden.

Inzwischen weitet sich die Havel zu einer breiten Mündung, und wir sind auf dem Stolpsee angekommen. Schön ist es hier! Wir halten uns rechts, weil wir am Stolpsee Bootshaus anlegen wollen, und bei Sicht rufe ich den Hafenmeister an, um sicherzugehen, dass er noch ein Plätzchen für uns frei hat.

 

17:00 Uhr Der Hafenmeister hat uns bereits durchs Fernglas erspäht. “Ihr seid det weiße große Ding da, oder? Dann gleich außen links festmachen, bloß nich rin!”, lautet seine Anweisung, der wir natürlich gern Folge leisten. Am Anleger wartet er bereits auf uns, begrüßt uns freundlich und macht uns fest. Er erklärt, dass er große Hausboote, Flöße, Caravan-Boote und dergleichen lieber gleich außen festmacht, weil der Abstand zwischen den Stegen eher klein ist und Anlegemanöver so schnell teuer werden können. Wir sind damit völlig zufrieden: Wir liegen seitwärts an einer Position, wo wir morgen locker wegkommen, der Schwimmsteg ist genau auf Höhe des Bootes, sodass Adina sogar ohne Rampe von Bord kommt. Das Sahnehäubchen: Der freie Ausblick auf den See ist fantastisch. Also alles super! Die Marina ist sauber und gepflegt, auch wenn es leider keine Sanitäreinrichtungen für Rollstuhlfahrer gibt. Egal, haben wir ja an Bord.

Weil die Mägen durchweg knurren, schlendern wir in das Örtchen Himmelpfort, wo sich neben einem alten Zisterzienserkloster auch ein Weihnachtspostamt befindet. Schließlich stehen wir an der Schleuse, die von Booten Richtung Lychen passiert werden muss, und ertappen uns dabei, dass wir uns plötzlich genauso über die Skipper darin lustig machen wir jene Zaungäste, die an unseren vergangenen Schleusen standen. Vielleicht also eine Art Ventil, um das eigene Unvermögen zu schmälern? Wer weiß. Der Hunger überwiegt der Schaulust, und wir lassen uns im nächstgelegenen Restaurant nieder, fallen über unser Essen her und marschieren anschließend satt und zufrieden zurück aufs Boot.

 

Tag 3 – Himmelpfort nach Fürstenberg/Havel

Verpflegung für Jedermann!

 

11:00 Uhr Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück, zu dem sich auch diverse Schwäne gesellen – wohl in der Hoffnung, etwas abzubekommen (was natürlich funktioniert hat – bemerkenswert ist allerdings die Dreistigkeit dieser Schwäne, die selbst beim Füttern noch den Futterspender zwischen den einzelnen Portionen anfauchen). Dann legen wir in aller Ruhe ab. Es ist ein wunderschöner sonniger, heißer Spätsommertag, und wir haben die zweitkürzeste Etappe des Törns vor uns: Nach Fürstenberg sind es gerade einmal fünf Kilometer über Stolpsee und Havel. Heute übernimmt Adina das Ruder, schließlich legen die Erbauer von der Kuhnle Werft Wert darauf, dass auch Rollstuhlfahrer das Boot problemlos steuern können. Und tatsächlich: Meine Gattin, die keinen Auto-Führerschein besitzt, kann dieses riesige Boot ohne Schwierigkeiten steuern, nur mit dem etwas groben Gashebel tut sie sich etwas schwer. Souverän steuert sie dann gleich mal über den weiten See und den Havelkanal bis in den Schwedtsee, wo wir uns steuerbord halten, anstatt direkt auf Fürstenberg zu zulaufen. Unsere Begleitcrew verlässt uns leider schon heute Abend, und wir wollen den vielleicht letzten warmen Sommertag des Jahres ausnutzen. Also steuern wir in den kleineren Zipfel des Schwedtsees. Hier am Nordost-Ufer des Sees liegt die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, die mahnend an die dunklen Kapitel deutscher Vergangenheit erinnert.

Am Rande des Sees finden wir schließlich ein ruhiges Plätzchen, stoppen auf, drehen den Bug in den Wind und lassen den Anker fallen. Noch schnell in die Badehose und die Badeleiter ausklappen, und zumindest die männlichen Crewmitglieder springen ins Wasser. Die Frauen plaudern gemütlich an Deck. Lange halten wir es im Wasser allerdings nicht aus, da es durch die nächtlichen Temperaturen bereits ordentlich abgekühlt ist, ich wärme mich auf dem Sonnendeck des Daches wieder auf.

Brücke in Fürstenberg: Das ersehnte Ziel ist in Sicht.

15:00 Uhr Nach ein paar Stunden Dümpeln brechen wir schließlich auf Richtung Hafen. Wir suchen uns am Stadtanleger Fürstenberg einen gemütlichen Liegeplatz, machen das Boot fest und wandern den kurzen Weg in die Stadt, um Fürstenberg anzusehen. In Fürstenberg gibt es nebeneinander gleich zwei Anleger, von denen allerdings beide einen kleinen Haken für Rollstuhlfahrer aufweisen: Der Yachtclub verfügt über ein Restaurant, ebenerdige Wege und rollstuhlgerechte Sanitäranlagen. Links davon, getrennt durch einen kleinen Fluss, die Iserdiek, liegt der Stadtanleger. Über die Iserdiek führt eine Brücke mit insgesamt jeweils fünf Stufen, ebenerdig sind die beiden Häfen trotz direkter Lage nebeneinander nur durch einen langen Feldweg zum Parkplatz des Yachtclubs verbunden. Wer nur im Hafen bleiben möchte, für den ist als Rollstuhlfahrer der Yachtclub die bessere Wahl, wer aber die Stadt anschauen möchte (wo es auch reichlich Restaurants gibt) und über Sanitäranlagen an Bord sowie eine mobile Rampe für die Stufe am Ende des Stegs verfügt, ist am Stadtanleger besser aufgehoben…

 

Wir lassen uns durch die Stufen der Brücke nicht aufhalten und gönnen uns schließlich ein Abschieds-Abendessen im Restaurant des Yachtclubs, um danach Abschied von unseren Freunden zu nehmen. Mit mulmigem Gefühl sitzen wir danach an Bord und sehen uns unsicher an: Zu zweit weiter? Die ganze Strecke, noch ganze sieben Schleusen? Wir trösteten uns mit Wein und einer guten Lektüre und halfen nebenbei einer ganz frischen Hausboot-Crew beim Anlegen. Das ist übrigens eine Selbstverständlichkeit im Wassersport, die uns tief beeindruckt hat: Jeder hilft dem anderen. Laufe ich in einen Hafen ein, steht meist ein Skipper auf und nimmt meine Leine entgegen, um mich festzumachen. Stehe ich an einer Schleuse und muss dort festmachen, genau dasselbe. Man ist freundlich und höflich, grüßt sich untereinander, tauscht sich aus und macht sich Mut, denn jeder kann auf dem Wasser irgendwann in Not geraten und dann dringend auf fremde Hilfe angewiesen sein. Eine Erfahrung, die uns nach wie vor prägt: Diese allgegenwärtige, selbstverständliche Hilfsbereitschaft war ganz anders als im Alltag – und das in Zeiten, in denen nicht selten Ellenbogen, Wut und Egoismus an der Tagesordnung sind.

 

Tag 4 – Fürstenberg nach Wolfsbruch

Schleusen zu zweit: Kein Erbarmen, anpacken ist angesagt!

 

8:30 Uhr Habe ich mich bei der Tourplanung übernommen? Wie komme ich durch die Schleuse, wenn Adina steuert – wer führt die Leine am Heck? Mit solchen und anderen Gedanken im Kopf löse ich die Achterleinen, starte den Motor und löse nacheinander auch die Leinen am Bug. Es wird ernst: Wir sind nur noch zu zweit, und haben heute über 20 Kilometer und weitere vier Schleusen vor uns. Nach kurzer Fahrt erreichen wir auch schon die Schleuse Fürstenberg: Rot! Und kein Anlegeplatz mehr frei. Ich stoppe auf und halte mich hinter einem weiteren Boot, das bereits vor dem Wartebereich kreuzt. Schließlich sind alle Boote, die gerade abwärts geschleust wurden, aus der Schleuse raus, das Zeichen springt auf grün, und es wird ernst. Langsam steuere ich mit zitternden Knien in die Schleusenkammer, komme nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an den richtigen Platz und werfe die Bugleine über den Poller. Die Crew eines nachfolgenden Bootes, das keinen Platz mehr in der Schleuse findet, übernimmt auf meine Bitte hin die Achterleine. Geht doch! Jetzt nur noch unbeschadet aus der Schleuse rauskommen… wir danken unseren Helfern, legen ab und gleiten als letztes Boot erstaunlich präzise aus der Schleusenkammer. Da scheint “Phila” ordentlich mitgeholfen zu haben, an meinen Qualitäten als Einsteigerskipper kann das nicht allein gelegen haben! Aber zugegeben: Mit ein wenig Übung ist das Boot ganz gut manövrierbar, auch dank Bugstrahlruder. So fasse ich neuen Mut, und wir schippern langsam durch ein ganzes Labyrinth aus Seen und Kanälen. Manche Seen streifen wir heute nur, manche müssen wir komplett durchfahren, manche Kanäle sind eng und kurvig, manche breiter. Die Zeit schreitet voran und wir gewinnen beide an Sicherheit. Auch die beiden nächsten Schleusen meistern wir dank Hilfe von netten anderen Bootsurlaubern problemlos. Wir genießen nun zunehmend unbeschwert die Natur, das Wasser und den leicht auffrischenden Wind. Ohne Jacke geht es heute allerdings nicht mehr, über Nacht sind die Temperaturen deutlich abgesunken. Die Sonne versteckt sich größtenteils, gelegentlich nieselt es ein wenig. Vergangene Woche sah die Wettervorhersage eigentlich noch viel positiver aus, aber hey, wir sind Naturmenschen. Sonne und Strand kann jeder!

 

16:00 Uhr In der Schleuse Wolfsbruch merke ich dann aber doch die fortgeschrittene Fahrzeit, die an meiner Konzentration geknabbert hat: Es geht abwärts in die Rheinsberger Gewässer und ich habe nichts besseres zu tun, als reflexartig meine Leine festzumachen. Vom Boot vor uns kommt ein Schrei: “Hey, nicht belegen!!!” – ich schrecke auf, löse den Knoten und stelle mir gerade vor, wie ich einen Notstopp auslösen muss, weil ich mein Boot am Poller aufgehängt habe – ups! Gerade noch rechtzeitig bekomme ich meinen (seemännisch völlig korrekten, aber leider unangebrachten) Knoten wieder auf. Ich spüre, dass es Zeit wird, die Füße hochzulegen.

Können wir auch kurze Zeit später: Nur 500 Meter hinter der Schleuse liegt die Marina Wolfsbruch, in der wir übernachten wollen. Die Einfahrt ist eine Herausforderung, geht im rechten Winkel backbord vom Kanal ab, aber wir bugsieren “Phila” mehr oder weniger elegant hindurch und machen seitlich an der Mauer hinter einer Hamburger Chartercrew fest. Leider hat hier das Niedrigwasser voll zugeschlagen: Wir liegen rund 50 Zentimeter unter dem Niveau der Hafenmauer. Keine Chance, hier mit Rollstuhl von Bord zu kommen. Später entpuppt sich das allerdings auch als geringer Verlust, denn außer einem Resort mit Hotel, Ferienhäusern, dem Hafen und zwei Restaurants gibt es hier nichts. Wirklich nichts. So bleibt uns mehr Zeit, mit unseren Nachbarn zu klönen (schließlich haben wir selbst mehrere Jahre in Hamburg gelebt), ein leckeres Risotto mit gebratener Chorizo zu köcheln und uns auszuruhen.

 

Tag 5 – Wolfsbruch nach Rheinsberg

Marina Wolfsbruch: Adina muss unten bleiben, weil die Kombi aus niedrigem Wasserstand und hoher Spundwand nicht zu überwinden ist.

Unsere Nachbarn reichen uns ihre Kaffeemaschine über Bord mit der Bitte, ihnen Strom zu spendieren. Die Elektrik ihres Bootes (von einem anderen Charterunternehmen) hat den Geist aufgegeben, und natürlich helfen wir da gerne aus – morgens ohne Kaffee verstößt ja schließlich gegen Menschenrechte! Zehn Minuten später wechseln Maschine und volle Kanne wieder den Besitzer, und wir planen den Tag: Gegen 10:00 Uhr wollen wir ablegen, um gegen Mittag in Rheinsberg zu sein, wo wir verabredet sind. Der Wind hat indes andere Pläne: Über Nacht hat er deutlich aufgefrischt und steht nun senkrecht auf unserem Boot. Unseren ersten Ablegeversuch quittiert “Phila” mit einem leisen Ächzen der Fender, als eine Böe uns prompt wieder gegen den Anleger drückt. “Hiergeblieben!”, scheint der Wind zu sagen. Langsam ahnen wir, dass aus unserem Mittagstermin nichts wird. Also machen wir wieder fest, beobachten das Wetter und starten eine Stunde später einen neuen Versuch.

 

 

11:00 Uhr Diesmal sind wir erfolgreicher, kommen aber nicht ohne diverse unsanfte Berührungen der Hafenmauer aus (die “Phila” uns glücklicherweise nicht weiter übel nimmt), nachdem wir es geschafft haben, im fast leeren Hafenbecken zu drehen. Schnell wird uns nun auch klar, warum die Empfehlung lautete, ab Windstärke 4 (etwa 20km/h, wenn sich Äste im Wind bewegen) einen Hafentag einzulegen. Dem gegenüber stehen aber unsere Zeitplanung und die unglückliche Situation im Hafen, die Adina auf das Boot verbannt, so versuchen wir dennoch unser Glück. In den Kanälen gibt es reichlich Strömungen, die viel Steuerarbeit verlangen, auf den Seen müssen wir schließlich kreuzen, um überhaupt noch voran zu kommen – das Boot steht mit seiner großen Fläche natürlich wie ein Segel im Wind.

 

14:30 Uhr Wir schaffen es schließlich, im Rheinsberger Stadthafen ein Liegeplätzchen zu ergattern, wo wir unseren Besucher empfangen können. Auch wenn wir einigermaßen erschöpft sind, sind wir insgeheim auch ein wenig stolz auf uns und fühlen uns schon beinahe wie gestandene Seeleute. Fast als hätten wir Orkane auf rauer See und den Angriff eines Riesenkraken überlebt! Auf jeden Fall genug Material für die ein oder andere Erzählung mit ein wenig Seemansgarn… Nachdem wir uns erholt haben, schlendern wir ein wenig durch Rheinsberg. Wir freuen uns, dass hier nicht zuletzt dank des barrierefreien Seehotel Rheinsberg schon wirklich viel in Richtung Barrierefreiheit getan wurde und erkunden das Schloss von außen – währenddessen wird uns als Kulisse ein wirklich spektakulärer Sonnenuntergang geboten (wo war die Sonne eigentlich den ganzen Tag?!). Im nahegelegenen Supermarkt füllen wir unsere geschrumpften Reserven auf und lassen uns anschließend in einem nahegelegenen Restaurant bewirten.

 

Tag 6 – Rheinsberg nach Canow

 

10:00 Uhr Endlich: Der Wind hat nachgelassen. Es ist immer noch böig und windig, aber lange nicht so stark wie gestern. Also heisst es wieder “Leinen los!”, und wir können voll in unserem Tourplan bleiben. Das heutige Ziel ist rund 15 Kilometer entfernt, es ist der Anleger Albertinenlust am Canower See, direkt an der Schleuse. An der Schleuse Wolfsbruch treffen wir wieder auf alte Bekannte und weil es hier irgendwie immer etwas länger zu dauern scheint (warum auch immer – die Schleuse macht gerade einmal 40 Zentimeter Hub und benötigt dafür gefühlte Ewigkeiten), plauschen wir mit anderen Crews, zeigen unser großzügig geschnittenes Boot neugierigen Skippern und können schließlich in die Kammer einlaufen.

Familienausflug zum Außenborder: unerwarteter Besuch von reizenden Gästen

Als wir den Kanal verlassen und über den Kleinen Pälitzsee schippern, stellen sich uns plötzlich einige Wegelagerer ins Fahrwasser: Eine Schwanenfamilie schwimmt dreist auf uns zu! Zwar haben sie keine Piratenflagge gehisst, ihre Absichten sind aber eindeutig, also stoppen wir auf und spendieren unser altes Brot, das von den Schwänen samt grauen Jungschwänen mehr oder weniger dankbar in Empfang genommen wird.

 

13:00 Uhr Nach Abschluss der Raubtierfütterung nehmen wir wieder Kurs auf Canow, wo wir mit dem bisher elegantesten Anlegemanöver am Steg festmachen. Übung macht den Meister! Zwar ist hier nichts so richtig barrierefrei und der Weg vom Steg endet auf einer Wiese, wo es recht steil über sandig-erdige Fahrspuren nach oben zur Straße geht, aber schließlich wollen wir diesen Ort doch erkunden. Obwohl wir die Region gut kennen, ist Canow bislang ein weißer Fleck auf unserer Karte. Wir sind sehr erstaunt, in dem Dorf mit 140 Einwohnern (laut Hafenmeister) gleich vier Restaurants, zwei Hotels, einen Fischer und einen Tante-Emma-Laden neben der Schleuse vorzufinden. Den Fischer haben wir für morgen eingeplant, dazu später mehr. Sogar Bootszubehör und maritime Deko finden sich hier an der Albertinenlust! Im Hochsommer tummeln sich hier locker 800 Menschen pro Tag, erzählt uns der Hafenmeister – viele Wassersportler, Paddler, Angler, dank der Lage zwischen zwei Seen. Und die idyllische Ruhe ist einmalig: Nur ein weiterer Gastlieger hat sich hierher verirrt, obwohl der Anleger direkt neben der Schleuse liegt. So genießen wir einen unglaublich ruhigen Abend am Steg, mit Blick auf den Schilfgürtel und schlafen schnell und tief, um uns für die vorletzte Etappe zu rüsten.

 

Tag 7 – Canow nach Mirow

So frei wie die Schwalben, sind auch wir auf der Phila.

7:00 Uhr Ich wache von selbst auf und schaue aus dem Fenster: Wir sind von Schwalben-Schwärmen umgeben! Überall sammeln sie sich, was angesichts des nun doch recht herbstlichen Wetters kein Wunder ist. Ein Blick auf den See und zur Schleuse: Es ist gar nichts los. Herrlich, also Ausspannen und gemütlich frühstücken vor dem Ablegen. Schließlich haben wir nur noch eine Etappe von 13 Kilometern bis Mirow vor uns – ein Klacks im Vergleich zu den bisherigen Strecken! Dass sich das bald als Trugschluss herausstellt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

10:00 Uhr Stau an der Schleuse, auf dem See, und dann drückt sich noch ein Fahrgastschiff an der Schlange vorbei. Na großartig, zu lange gewartet. Also noch etwas warten, schließlich ist gerade Pause in der Schleuse. Die Schlange wird schon wieder kürzer.

Mit großer Zuversicht der feindlichen Schleuse entgegen, bereit für alles was einen dort erwarten könnte.

10:45 Uhr Ich gebe auf. Die Schlange wird nicht kürzer. Am Anleger vor der Schleuse dürften sechs oder sieben Boote liegen, auf dem See stehen vier Boote. Wir legen seufzend ab und reihen uns ein, rücken etappenweise vor. “Timo, komm ran! Da passt ihr noch hin!” – erstaunt blicke ich zur Wartestelle und erkenne unsere Nachbarn aus Wolfsbruch wieder, die wir mit Kaffee-Notstrom versorgt hatten. Tatsächlich passt “Phila” gerade so noch an die Wartestelle, und wir können endlich anlegen. Die Wiedersehensfreude ist groß, bald trudelt aber eine Nachricht von vorne ein: Mittagspause! Echt jetzt?! Die Schlange vor der Schleuse wird immer größer, und der Schleusenwärter macht Pause? Okay okay, wir wollten ja entschleunigen… also fügen wir uns und richten uns mit anderen Bootsurlaubern einigermaßen gemütlich auf dem Grünstreifen im Wartebereich ein.

 

12:30 Uhr Wir sind keinen Meter vorangekommen. Die Pause (die wohl vorgeschrieben ist, ob der Wärter möchte oder nicht) ist längst vorbei. Der Buschfunk entlang der Wartezone verrät: Ein Defekt, da sind Mechaniker an den Schleusentoren zugange. Na klasse. Eigentlich wollten wir in einer Stunde in Mirow anlegen. Das war wohl nix…Wenigstens haben wir eine nette Wartegemeinschaft.

 

13:30 Uhr Was lange währt: Nach rund drei Stunden Wartezeit und mit ebenso langer Verspätung im Zeitplan verlassen wir endlich die Schleuse. Hinter dem Kanal steuern wir hart steuerbord, denn hier findet sich – genau: ein Anleger beim Fischer! Wir haben in den letzten vier Stunden noch keine zehn Minuten Fahrt gemacht und machen bereits wieder fest, um eines der wärmstens empfohlenen Fischbrötchen vom Canower Fischer zu ergattern. Und die Empfehlung war berechtigt: Der frische, mild geräucherte Saibling im Brötchen war ein Gedicht! Auf dem Steg haben wir den See, das Boot und auch die Möwen gut im Blick, um nicht am Ende noch Opfer einer Mundraub-Attacke aus der Luft zu werden. Gut gestärkt legen wir ab und machen uns auf zu unserer letzten Schleuse.

Nach all dem Warten an der Schleuse haben wir uns einen leckeren Snack für Zwischendurch redlich verdient.

14:30 Uhr “Backbord hatte ich eigentlich gesagt”, knurrt mich die offenbar leicht entnervte Schleusenwärterin an, als ich steuerbord die Vorleine über den Poller werfe. Der Österreicher, den wir in Canow kennen gelernt hatten und den ich für die Schleuse zur Führung der Achterleine mit an Bord genommen habe (Danke nochmal!), hat indes backboard festgemacht. “Phila” liegt jetzt zwar absurd quer in der Schleuse, aber immerhin sind wir der Aufforderung der Wärterin so halb nachgekommen. Unseren Abschiedsgruß erwidert sie auch nicht mehr, wir lassen unseren Helfer dankbar von Bord gehen und verlassen nun die letzte Schleuse Richtung Mirow.

 

16:30 Uhr Klar: wir sind zu spät dran. An der Schlossinsel finden wir keinen freien Liegeplatz mehr (warum musste ich diesen Anleger an der Schleuse auch wirklich allen empfehlen??). Wir fahren weiter über den See zum Strandrestaurant, wo noch genügend freie Liegeplätze vorhanden sind. Unsere österreichischen Freunde haben uns offenbar verfolgt und machen zwei Plätze weiter fest. Leider ist der Platz etwas entlegen vom Mirower Stadtzentrum, das eigentlich wirklich wunderschön ist, und der Weg extrem steil. So verzichten wir auf einen Ausflug zur Schlossinsel, der sonst eigentlich zum Pflichtprogramm gehört (die wir aber wegen Adinas Familie ohnehin bestens kennen), kochen gemütlich, und beginnen dann mit dem unangenehmen Teil: dem Packen.

Morgen früh endet unser Törn im drei Kilometer entfernten Granzow und wir werden etwas wehmütig angesichts all der Erinnerungen und der tollen Erlebnisse. Wir lassen unsere Fahrt ein wenig Revue passieren: Die anfängliche Angst vor den Schleusen und dem Wind kam uns nun völlig albern vor, diese Angst hatten wir wohl unterwegs von Bord geworfen Wir erinnern uns an all die netten Menschen, die wir überall kennenlernen durften. An die Hilfsbereitschaft auf dem Wasser, die beispiellos ist – an wirklich jedem Ort. An die wunderbaren Blicke in die Natur, die uns sonst an Land verwehrt bleiben, all die schönen Orte, die Graureiher und die Eisvögel. Ja, es war ein ganz anderer Urlaub als sonst. Ein Perspektivwechsel. Eine Neuentdeckung der Heimat, inklusive Anti-Stress-Kur. Und wir haben viel gelernt, haben viele Herausforderungen überwunden und sind nicht nur völlig entschleunigt und erholt, sondern auch gestärkt und gewachsen aus diesem Abenteuer herausgegangen. Es mag Leute geben, die denken, dass ein Hausboot-Urlaub wie Campen auf dem Wasser sei. Für uns war es jedoch viel aufregender, lehrreicher und voller Aha-Momente.

Seufz! Unser letzter Abend auf dem Febomobil „Phila“.

Tag 8 – Abschied von Phila

 

7:15 Uhr Fluchend stehe ich am Herd. Ich entzünde die Flamme, um Kaffeewasser zu kochen, und die winzige Flamme flackert kurz auf, um anschließend mit einem leisen vorwurfsvollen “Plopp” zu sterben. Pünktlich zum letzten Morgenkaffee ist offenbar das Gas alle. Wenn Ihr irgendetwas nicht erleben wollt, dann ist es Timo am frühen Morgen ohne Kaffee. Knurrend marschiere ich ins nahegelegene ins Hotel. “Coffee to go? Nee, wir ham keine Becher mehr!” – Wird ja immer besser. “Oh, doch!” – Geht doch. “Nee, einen Zehner kann ich nicht wechseln…” – Meine Nerven. “Oh, doch!” – Meine Güte, was für eine schwere Geburt. Endlich sind Timo und Kaffee vereint, und ich marschiere triumphierend zurück zum Boot, um Adina meine Beute zu präsentieren (und ausnahmsweise mit ihr zu teilen!).

 

8:00 Uhr Schön, wenigstens zum Abschied zeigt sich die Sonne doch nochmal. Im Sonnenaufgang drehen wir eine Ehrenrunde vor der Schlossinsel und drehen dann ab Richtung Granzow. Der See liegt spiegelglatt im sanften Sonnenlicht, und wortlos voller Erinnerungen wechseln wir uns am Ruder ab, um “Phila” zum letzten Tanz zu bitten.
Es ist schon verblüffend, wie in unserem Sprachgebrauch innerhalb einer Woche aus dem kalten “das Hausboot” ein zärtliches “unsere Phila” wurde.
Bald schon taucht der Anleger von Kuhnle-Tours auf und mit einer eleganten Drehung drücken wir “Phila” sanft in ihren Liegeplatz, um von ihr Abschied zu nehmen und von Bord zu gehen. Wehmütig packen wir zum Schluss unsere Küchenbox wieder zusammen, räumen unser Gepäck in den Wagen und ziehen ihn vom Steg, während der Hafenmeister bereits das Abwasser abpumpt und Frischwasser tankt. Auf Wiedersehen, Phila!

Ein schönes Andenken an die angenehme und erlebnisreiche Reise.

Fazit: Mit dem Hausboot barrierefrei unterwegs

Ein rollstuhlgerechtes Hausboot vereint die Idee, ein kuscheliges Nest mit auf die Reise zu nehmen, und den Wunsch, entspannt viele neue Orte zu entdecken, auf bestmögliche Weise. Und das, ohne dabei auf Komfort zu verzichten.

Wir haben uns anschließend mit der Pressesprecherin der Kuhnle-Group zusammengesetzt und unseren Törn diskutiert, viel gelacht und manche Anregung gegeben. Die Idee des Febomobil 1180 war von Anfang an, dass Rollstuhlfahrer nicht nur darauf sitzen können, sondern es auch selbst steuern. Das ist zumindest größtenteils machbar – je nach persönlichen Anforderungen. Menschen mit schwachen Muskeln werden sicher nicht das Boot an Land ziehen und festmachen, andere hingegen schon. Mit ein wenig Planung und Beratung können solche Punkte aber im Vorfeld schon geklärt werden, und dem Hausboot-Urlaub steht nichts im Wege. Auch ist den Anbietern durchaus bewusst, dass längst nicht jede Marina auf Rollstuhlfahrer eingerichtet ist. Dafür gibt es ein barrierearmes Bad, große Tanks für Frisch- und Abwasser, eine berollbare Dusche, modulare Hilfen wie Haltegriffe und Rampen, sowie extra viel Benzin mit an Bord. Bedingungslose Barrierefreiheit ist durch Marinas und andere Anleger nicht immer möglich, aber mit etwas Kompromissbereitschaft und praktischem Denken ist so ein wirklich unvergesslicher Urlaub gut machbar!

 

Über die Autoren: Adina und Timo Hermann sind Reiseblogger mit einem speziellen Schwerpunkt auf barrierefreies Reisen. Seit über zehn Jahren reisen sie gemeinsam, Adina als Rollstuhlfahrerin und Grafikerin, Timo als Ehemann, Fotograf und Autor. Auf Mobilista berichten sie von ihren Erlebnissen und geben ihre Erfahrungen weiter – objektiv, journalistisch aufbereitet, mit Praxistipps versehen. Dabei berichten sie sowohl aus der Perspektive des Rollstuhlfahrers als auch des Begleiters.

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Von Dagmar Kuhnle

Am 5. Oktober 2018 gab es im Hafendorf Müritz Grund zum Feiern: Im Dachstuhl des ersten Gebäudes der Marina Müritz Apartments baumelte der Richtkranz und Harald Kuhnle durfte als Mit-Bauherr den symbolischen letzten Nagel in den Dachstuhl einschlagen, was das Ende des Rohbaus symbolisiert. Direkt daneben wartet schon das zweite Gebäude auf den Dachstuhl und ein paar Meter weiter legten Mit-Bauherr Christian Langhoff und Kuhnle den Grundstein für weitere zwei Gebäude. „Wenn alles nach Plan läuft“, so Christian Langhoff, „stehen hier im Sommer 2019 vier Häuser mit zusammen 20 schönen Ferienapartments mit Blick auf Müritz und Classee.“

Über den Dächern des Hafendorf Müritz: Richtkranz des ersten Apartmentgebäudes der Marina Müritz Apartments

Wie kam es dazu?

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

Kaum ein Zitat passt besser auf das Hafendorf Müritz, als das von Goethe. Wissen Sie noch, wie es im Hafendorf Müritz vor über 20 Jahren aussah?

Werftgelände Ex-VEB Schiffswerft Rechlin
Das ehemalige Werftgelände des VEB Schiffswerft Rechlin (Luftbild von 1995).

Hallen, mehr oder weniger ansehnlich, der große Turm mittendrin, eine große, halb kaputte Sliprampe aus Beton – an Beton war überhaupt so einiges da. „Steine, aus denen ich etwas bauen konnte, waren in der Tat genug vorhanden“, schildert Harald Kuhnle seinen ersten Eindruck. „Tja, ich wollte aber eigentlich Boote bauen. Beton verwendet man da als Baustoff eher selten.“

Alle hatten sie hier gebaut: Seit 1917 die Erprobungsstelle, in der DDR eine Werft. Ein Wrack lag auch noch im Claassee, das hatte beide überdauert.

Gab es hier schlechte Vorzeichen, die Kuhnle davon hätten abhalten sollen, das Gelände zu übernehmen?

„Aufgeben war keine Option“ – Harald Kuhnle berichtet während der Feier vom auf und ab im Hafendorf Müritz.

„Jede Menge! Altlasten im Boden, 1100 ehemalige gefrustete Mitarbeiter des VEB Schiffswerft Rechlin, die Tatsache, dass ich als Maschinenbauingenieur in der Immobilienwelt höchstens als Lehrling durchgegangen wäre, fehlende Ahnung von allem, was nicht mit Maschinenbau, Wassersport und Tourismus zu tun hatte.“

Der letzte Nagel sitzt. Kritisch beäugt Mit-Bauherr und Rechtsanwalt Christian Langhoff (rechts), wie Harald Kuhnle den letzten symbolischen Hammerschlag ausführt.

Mit 41 Jahren war Harald Kuhnle plötzlich Besitzer einer Industriebrache und hatte ein paar Millionen Schulden. Er hatte das Gelände der ehemaligen Schiffswerft 1997 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Es gibt nichts zu beschönigen: Dieses Projekt hätte ihn fast ruiniert. Umweltausgleichsmaßnahmen, die Armleuchteralge, das Arbeitstempo in den Behörden, die eine oder andere Wirtschaftskrise, eine echte Bombe unter einem Hallenfundament, manch Stein legte sich ihm gut getarnt in den Weg.

Grundstein für die Gebäude 3 und 4. In einer Werkzeugkiste liegen sicher verpackt und vergraben Urkunden und Dokumente vom Tag der Grundsteinlegung.

Aufgeben war für Kuhnle keine Option. „Es hing nicht nur meine eigene Existenz am Erfolg dieses Projektes, sondern auch die von 80 Mitarbeitern und ihren Familien. Es blieb nur: Dranbleiben, durchhalten, langsam dicke Bretter bohren, hin und wieder ein Gericht bemühen, kämpfen.“ Er habe nie den Glauben an das Grundstück verloren.

Häfen waren immer der Dreh und Angelpunkt von wirtschaftlicher Entwicklung. Hier hatten KUHNLE-TOURS und Kuhnle Werft einen geschützten Hafen und vor der Tür den größten Binnensee Deutschlands. Verbunden mit 1700 Kilometern sensationell schöner Wasserwege. Harald Kuhnle blickt zurück: „Vielleicht war ich der einzige, der das touristische Potenzial dieser Fläche erkannt hat. Ein Vorteil, sicher. Aber zwischendurch wäre es nett gewesen, wenn ein großer Hotelkonzern oder ein Touristik-Riese das auch erkannt hätte. Naja, es ging auch so.“ Immer mehr einzelne Investoren ließen sich vom Sonnenuntergang an der Müritz begeistern, so ging es Stück für Stück voran.

Mit-Bauherr Langhoff: Lob und Dank für die Baufirma Gottfried Maag aus Teterow und den Bauleiter Thomas Maehl.

Am Freitag, 5. Oktober feierte Kuhnle zusammen mit Mitarbeitern, Freunden, Gästen und Geschäftspartnern Richtfest für die ersten beiden Gebäude der Marina Müritz Apartments und legte den Grundstein für die Bebauung der letzten Baulücke direkt am Wasser. Die Besonderheit der Marina Müritz Apartments ist, dass hier der Grundstückseigentümer als Mit-Bauherr wirkt. Harald Kuhnle ist mit dem Projektentwickler Frank Behn und dem Rechtsanwalt Christian Langhoff aus Stralsund eine Kooperation eingegangen, die nun ihre Früchte zeigt.

Makler und Investor: Carsten Scholz (rechts) von Engel & Völkers hat ein eigenes Haus im Hafendorf und erzählte warum sich das Investment an der Müritz lohnt.

Während in den Städten die Wohnungspreise explodieren und andere Ferienimmobilienentwickler an der Müritz die zu erwartende Wertsteigerung gleich beim Erstverkauf mit ansetzen, sind die Preise der Marina Müritz Apartments eher moderat: Ab 177.310 Euro brutto (149.000 € netto) zahlt man für ein knapp 60 Quadratmeter großes Apartment mit Wasserblick. Auf Wunsch übernimmt die Kuhnle-Group auch Vermarktung und Bewirtschaftung des Apartments.

Dichter am Wasser geht nicht: Vorn links im Bild vom Haus 1 ist ein Stückchen Hafenkante und ein Segelboot zu sehen.

Die Entwicklung des Hafendorfs Müritz zum wassertouristischen Zentrum der Südmüritz schreitet damit wieder ein Stück weiter voran. Seit Anfang 2002 ist aus einer Industriebrache in Traumlage nach und nach ein Feriendorf mit großem Wassersportangebot, Werftservice und dem besten Sonnenuntergang an Deutschlands größtem Binnensee geworden.

Aber: Es sind noch nicht alle Steine verbaut. „Wir hoffen immer noch auf einen Hotelinvestor, außerdem könnte man einige der noch vorhandenen Hallen durch weitere Apartmenthäuser ersetzen.“

 

Weitere Bilder und eine Webcam finden Sie in unserem Bautagebuch auf www.marina-mueritz.eu

Blick auf den Claassee und die Marina Müritz vom Penthouse aus.

 

Sängerin Anke Schüler kam aus der nördlichen Müritz mit Gitarre und Shanties.

 

Besuch auf der Baustelle: Das Richtfest wurde von den Gästen genutzt, um sich das Apartmenthaus genau anzusehen.

 

Lecker. Das Team vom Captains Inn und die Chartercrew hatten die Baustelle gastfreundlich hergerichtet.

 

Marina Müritz Apartments: Die Bauplätze für Haus 3 und 4 sind schon abgesteckt.

 

An die Schippe! Harald Kuhnle und Christian Langhoff bedecken den Grundstein mit Erde.

 

Gäste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Hamburg Berlin waren zur Richtfest-Grundstein-Feier an die Müritz gekommen.

 

Zur Begrüßung gab es von Azubi Ravshan Sharifov ein Glas Cremant von der Mosel.
Unser Video-Projekt

Unser Video-Projekt

 

Anfang des Jahres sind unsere Kollegen aus dem Marketing und BackOffice auf uns zugekommen, mit dem Wunsch nach einem neuen Azubi-Video, das jungen Menschen die Jobs bei KUHNLE-TOURS näher bringen soll und Lust an einer Ausbildung in unserem Unternehmen weckt. Und wer könnte für die Produktion eines solchen Videos besser geeignet sein als wir? Da das alte Azubi-Video wirklich etwas in die Jahre gekommen ist, schauen wir uns erstmal bei YouTube an, was andere Unternehmen so auf die Beine stellen.  Denn so wirklich einen Plan, wie so etwas funktioniert, haben wir nicht.

Azubi von Kuhnle-Tours mit einem Sportboot unterwegs auf der Müritz

In jedem zweiten Video sitzen irgendwelche Leute vorm Rechner und erklären irgendetwas. Ist ja wahnsinnig spannend… Na so sollte unser Video aber schon mal nicht werden. Unsere ersten Gedanken sind da eher: Mehr Action! Boot fahren! Wasser und Werftarbeiten!

OK, nachdem jeder sich noch weitere Gedanken gemacht hat, geht es jetzt daran einen Plan zu erstellen, was überhaupt genau zu machen ist bei so einem Videodreh.  Daher haben wir uns für ein erstes Meeting im Besprechungsraum getroffen und erste Aufgaben wurden verteilt. Leider hat noch keiner Erfahrungen auf dem Gebiet, aber manchmal ist der „Sprung ins kalte Wasser“ ja auch förderlich für die persönliche Entwicklung 🙂

Nach den ersten Wochen fällt auf, dass alles etwas schleppend läuft. Es gibt noch keinen genauen Ablaufplan, und auch die Kommunikation untereinander läuft noch nicht so rund.  Das ist natürlich auch unseren Ausbildern aufgefallen und so wurde ein weiteres Meeting mit den Ausbildern angesetzt um Verbesserungsvorschläge und Tipps einzuholen.

Kamera - Social Media Kuhnle-Tours

Zumindest unser Kommunikationsproblem haben wir relativ schnell in den Griff bekommen. Zum einen haben ja alle eine Firmenmailadresse und als Hilfe für unsere Kollegen ohne täglichen Zugang zu ihrem Outlook-Konto, haben wir jetzt auch eine WhatsApp Gruppe eingerichtet. Diese hilft nebenbei noch dabei die Azubi-Kollegen kennen zu lernen, denen man auf dem Flur nicht so häufig begegnet.

Rund ums Storyboard habe wir uns dann auch nochmal gekümmert und weitere Ideen ausgetauscht. Azubivideos mit Leuten die vorm Rechner sitzen gibt es ja im Überfluss, deswegen wollen wir eine Tour mit einem unserer Boote machen und unser Gelände etwas vorstellen. Daneben soll es dann noch Interviews mit den verschiedenen Azubis aus den einzelnen Abteilungen geben. Also das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Denn unsere Boote sind ja schließlich auch ein schlagendes Argument für eine Ausbildung bei KUHNLE-TOURS, denn jeder kann sich hier auch mal ein Boot ausleihen und selber eine Runde auf der Müritz drehen. Wer kann das sonst schon an seinem Arbeitsplatz?

Mit der Kernidee sind auch unsere Ausbilder zufrieden, aber an den Details müssen wir noch arbeiten.

Zur Hilfe haben wir ein Storyboard von einem älteren Fernsehdreh mit einer Aquino  bekommen, um mal einen Anhaltspunkt zu haben, wie so etwas auszusehen hat.  Dagegen war unser erstes Storyboard  wirklich leider nur ein kleiner Stichpunktzettel. Da merkt man dann was alles zu beachten ist, bei einem Videodreh. (Was wird gebraucht? Wer steht hinter der Kamera? Wer steht vor der Kamera? Was wird gesagt? Wie soll gefilmt werden?)  Also geht’s ab an die Arbeit: Storyboard verfeinern.

Nach dem 3. Versuch wurde das Storyboard dann endlich akzeptiert. Jetzt geht es an die praktische Umsetzung. Das heißt für mich: Boot organisieren, Termin klar machen und Kamera besorgen. Der Ablauf ist ja schon im Storyboard geregelt.

Dann ging es also bei bestem Wetter raus aufs Wasser, fast alle waren dabei, es wurden verschiedene Aufnahmen gemacht, vom Beiboot und auch von der Kormoran. Zurück im Hafen wurden dann die Aufnahmen gesichtet…

Das war dann leider nicht mehr so lustig. Ein schöner Reinfall. Man hätte wohl die Personalien im Storyboard noch besser regeln sollen. Und auch die Organisation war mindestens verbesserungswürdig. So wurde z.B. ein Grill organisiert, aber nichts zum Drauflegen, blöd. Auch über die Akkulaufzeit und den Speicher hatte sich vorher leider niemand Gedanken gemacht und so ist von unserem Plan am Ende nicht viel übrig geblieben.  Unseren Ausbildern hat das dann natürlich auch nicht sonderlich gefallen. So wurde dann beim nächsten Meeting beschlossen, dass die Aufgaben etwas anders verteilt werden, mit der Hoffnung, dass es jetzt besser läuft, auch Storyboard und Organisation werden nochmal verbessert und detaillierter aufgeschrieben.

Da ich jetzt für die Organisation und das Storyboard eingeteilt bin, mache ich mich jetzt nochmal an die Arbeit. Auch das Marketing schaltet sich jetzt noch proaktiver in unsere Planungen ein, so sieht unser Storyboard auf jeden Fall schon besser aus als das Letzte. Diesmal ist auch die Aufgabenverteilung geklärt.

Nächste Woche soll es dann wieder so weit sein, das Wetter sieht gut aus und alle sind dabei. Es geht wieder mit Kamera und Equipment aufs Boot.

Wie es diesmal klappt und wie es weitergeht, das erfahrt Ihr dann in meinem nächsten Teil zu unserem Video-Projekt. Vielleicht gibt es dann auch schon die ersten Videosequenzen 😉

 

Wer auch Interesse an einer Ausbildung bei KUHNLE-TOURS hat, der findet unter www.kuhnle.jobs viele interessante Angebote.

Das Leben als Hafenmeister!!

Das Leben als Hafenmeister!!

 

Während der Ausbildung bekommt man als Azubi bei Kuhnle-Tours die Möglichkeit verschiedene Bereiche kennenzulernen.
Als Kauffrau für Tourismus und Freizeit bekomme ich vor allem Einblicke in zwei Bereiche die unterschiedlicher nicht sein könnten: der eine findet im Büro statt, in dem man mit dem Gast hauptsächlich per Telefon oder E-Mail in Kontakt kommt. Bei dem anderen Bereich steht man, im Gegensatz dazu, immer persönlich mit dem Gast im Kontakt.
Der Tag als Hafenmeister beginnt um 8 Uhr. Doch bevor es beginnen kann, findet noch eine kleine Besprechung unter Kollegen statt: Was ist wichtig und muss erledigt werden? Wie soll der Tag ablaufen? Wo wird gearbeitet? Wer macht was?…etc.

Marina im Hafendorf Müritz
Marina im Hafendorf Müritz

An Chartertagen herrscht hier z.B. viel Betrieb, denn wir haben morgens Gäste, die ihr Boot abgeben wollen und nachmittags Gäste, die wieder ein Hausboot übernehmen wollen. An solchen Tagen ist konzentriertes und strukturiertes Arbeiten wichtig um den Gästen eine entspannte An- und Abreise ermöglichen zu können. Im Laufe des Vormittags, wenn alle Rückgaben erledigt wurden, geht es auf die Boote. Die zurückgekommenen Boote werden dann von unseren Technikern gewartet und geprüft. Dann werden sie von außen sowie von innen gereinigt und je nach Wunsch des Gastes bekommen sie Bettwäsche oder Handtücher auf ihr Boot bzw. sind bei den Kormoran- und Aquino-Booten diese Extras schon im Preis enthalten. An warmen Tagen kann man dann schon mal ins Schwitzen kommen :).

Neuer Motor für ein Hausboot - Reperatur
Das kommt natürlich nur sehr selten vor 🙂 Motortausch bei einer Kormoran

Schnell kann so der Vormittag vergehen und eh man sich versieht ist es Mittag. Von 12 Uhr bis 13 Uhr ist dann die Mittagspause, hier kann man sich stärken und auf den nächsten Ansturm vorbereiten. Ab 13 Uhr kommen dann auch schon die ersten Gäste und wollen ihr Boot übernehmen. Doch bevor wir ihnen das Boot übergeben können, wird erst einmal geprüft ob es denn schon fertig ist. Sobald das „Okay“ vom Charterchef kommt können wir mit den Gästen die Anreiseunterlagen „fertig machen“ und diese dann zu Ihrem Boot schicken. Dort werden sie dann von einem Einweiser begrüßt, der ihnen dann das Boot erklärt. Den Gästen wird also gezeigt, welcher Schalter für welche Funktion ist, wie der Kühlschrank funktioniert, wie die Ankerwinde arbeitet und was sonst noch so zu beachten ist.
Unsere Gäste, die führerscheinfrei fahren, bekommen nach der praktischen Einweisung auch eine theoretische Einweisung, fast so wie in der Fahrschule. So werden die Gäste auf ihren Törn vorbereitet und wissen, was auf ihrer Fahrt zu beachten ist.

Hausboot Kormoran in der Marina im Hafendorf Müritz
Kormoran in der Marina

Wenn kein Chartertag ist, dann ist es immer etwas ruhiger hier und man kann sich mehr auf die Gastlieger konzentrieren. Auch die Ferienwohnungen stehen dann noch auf dem Programm, da diese keine festen An- und Abreisetage haben. Und natürlich fallen noch jede Menge andere Sachen an, die im Hafen gemacht oder vorbereitet werden müssen. Und wenn das Wetter stimmt und die Sonne scheint, dann kommen auch unsere Kleinboote ans Arbeiten und werden von unseren Gästen übernommen (Das kann natürlich auch alles an Chartertagen passieren:-)).
Im Hafenbüro zu arbeiten kann sehr abenteuerlich sein, manchmal etwas hektisch aber auch witzig und aufregend hier hat man einen persönlichen Draht zum Kunden, man steht ihm gegenüber. Die Gäste sind hier viel offener als am Telefon und man kann sich auch mal direkt mit den Gästen unterhalten. So bekommt man hautnah die guten und schlechten Reaktionen der Gäste mit, ich versuche dann natürlich direkt darauf zu reagieren und den Gästen so einen schönen Aufenthalt bei uns im Hafendorf zu ermöglichen.

Schlussendlich machen mir beide Bereiche großen Spaß und die Abwechslung lässt es nie langweilig werden. Gerade bei dem Wetter könnte ich mir auch schlimmeres vorstellen als draußen am Wasser arbeiten zu dürfen:-)

Tonne an der Ausfahrt zur Müritz
Hafendorf Müritz – Ausfahrt Müritz

 

Wenn Ihr auch eine Ausbildung im Bereich Tourismus und Freizeit machen möchtet (oder in einem anderen Bereich) , dann schaut doch mal bei kuhnle.jobs vorbei 😉