Berlin-Oder-Umfahrung vom 24.9.-8.10.2021 mit einem Motorboot Typ Kormoran 1150 der Firma KUHNLE-TOURS

Berlin-Oder-Umfahrung vom 24.9.-8.10.2021 mit einem Motorboot Typ Kormoran 1150 der Firma KUHNLE-TOURS

Die zurückgelegte Strecke – 544 KM

Die Berlin-Oder-Umfahrung ist eine Wegstrecke auf dem Wasser rund um Berlin. Die Strecke ist ca. 400 km lang, aber je nachdem, welche Abstecher man noch fahren will, kommt man leicht auf 500 – 600 km, und eventuell noch mehr. Berlin ist umgeben von herrlichen Seen, Kanälen und schiffbaren Flüssen, sodass die Stadt und die Erholungsgebiete dieser Metropole von der Wasserseite neue, schöne und interessante Einblicke ermöglichen. Um dies einmal zu erleben charterten wir, das sind Helga, Heimke, Friedrich und Klaus, ein passendes Motorboot für 2 Paare. Wir entschieden uns für ein Boot des Typs Kormoran 1150, von der Firma KUHNLE-TOURS, Rechlin.


Wir starteten am Nachmittag des 24. Septembers von Zeuthen aus. Gleich nach der Übergabe und dem Verstauen des Gepäcks nutzten wir den Nachmittag und fuhren sogleich in Richtung Rahnsdorf (Neu Venedig), und ankerten im Seddinsee. Am nächsten Tag auf dem Oder-Havel-Kanal fuhren wir bis Müllrose, dann von Eisenhüttenstadt, die Oder abwärts, ca. 130 km, über Frankfurt/Oder, Hohensaaten bis zur Schleuse Liepe am Eingang des Finowkanals. Wir besichtigten das alte und neue Schiffshebewerk Niederfinow und befuhren den Finowkanal aus dem 17. Jahrhundert mit seinen 14 Schleusen. Dann ging es bis Oranienburg, wo wir die Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen besuchten.
Bald ging es dann auf der Havel bis Potsdam und anschließend über den Teltowkanal, Landwehrkanal und wieder auf der Spree kreuz und quer durch die City von Berlin. Zum Abschluss gönnten wir uns 4 Tage “Erholungstrip” auf der Dahme, sowie auf den Teupitzer und Storkower Gewässern. Insgesamt legten wir in 14 Tagen 544 km zurück, dabei passierten wir 31 Schleusen und 3 Hubbrücken. Außer Zeuthen, Müllrose und ein wenig Oranienburg haben wir keine weiteren Stadtbesichtigungen gemacht. Wir haben uns im wesentlichen an der wunderschönen Kanal- und Flusslandschaft, sowie an den reichlich vorhandenen Wasservögeln, die uns im Wasser, auf den Bäumen und in der Luft begegneten, erfreut. Die Stadtansichten im Zentrum Berlins haben wir bewundert und die vielen, teils einfachen und entzückend hergerichteten Datschen, sowie die üppigen Stadtvillen auf den gepflegten Gärten mit Wasseranschluss und mit den schicken Motorbooten am Steg, ohne Neid zu verspüren, bewundert.
Teilnehmer: Helga & Heimke, Friedrich & Klaus (Klaus Schiffsführer mit Motorbootführerschein Binnen)

1.Tag, Feitag, 24.9. (Plan)


Ankunft Zeuthen, Bootsübergabe, Proviant verstauen.
Wenn noch Zeit ist, und Lust, fahren wir noch bis Köpenick zum Großen Müggelsee, Rahnsdorf, Klein Venedig.
Am 24.9. fahren Friedrich und Helga von Kappeln, und Heimke und Klaus von Wedel los, um gegen 13 Uhr in Zeuthen bei Berlin, das bereits im Frühjahr bei KUHNLE-TOURS gecharterte Motorboot, zu übernehmen. Wir hatten uns für einen Kormoran 1150 entschieden, ein Boot gut geeignet für zwei Paare mit separatem Wasch-/Duschraum und WC für beide Paare. Mit dem gleichen Typ waren wir bereits 3 Jahre zuvor in Polen auf den Masurischen Seen unterwegs gewesen. Tatsächlich waren Heimke und Klaus bereits kurz vor 13 Uhr am Ort, in der Marina in Zeuthen. Etwa eine halbe Stunde später kamen auch Helga und Friedrich an. Wir konnten bereits gegen 14:30 Uhr das Gepäck an Bord
bringen, anschließend hatten wir eine relativ kurze Einweisung. Dann fuhren Helga und Klaus zum nahen Rewe-Supermarkt und kauften die notwendigen Dinge für ein paar Tage ein. Als alles verstaut war, konnten wir um 16.05 Uhr die Marina verlassen, in Richtung Rahnsdorf. Zu der Zeit hatten wir dann das erste Auslaufbier verdient. Wir tranken es mit Genuss. Klaus, unser Skipper mit Motorbootsführerschein (Binnen) hatte sich gleich an das Boot gewöhnt, es reagierte in allen Bereichen gutmütig auf seine Ruder- und Maschinenkommandos. Über den Seddinsee und Gossenkanal kamen wir nach Rahensdorf, in die Siedlung Neu-Venedig. Traumhafte Datschen, aber auch üppige Vorstadtvillen umsäumten das Ufer. Wir wollten zu dem Ausflugslokal Neu Helgoland. Dort durften wir auch anlegen, wollten unser Begrüßungsdinner zu uns nehmen, aber wir hätten nicht über Nacht dort liegen bleiben können und weil es schon recht spät am Abend war mussten wir leider umkehren und gingen im Seddinsee vor Anker. Das Abendbrot bereiteten wir aus eigenen Mitteln zu und es war lecker. Mit einem Glas Wein beendeten wir den Tag, leicht müde, nach 22 Uhr.
22 km, 0 Schleusen


2.Tag, Samstag, 25.9. (Plan)
Gr. Müggelsee, dann: Eichwalde, Fürstenwalde, Müllrose
Wir hatten eine sehr schöne, ruhige Nacht hinter einer kleinen Insel im Seddinsee verbracht. Heimke sah eine Wasserratte in der Nähe unseres Bootes. Wir schliefen alle gut und fest. Nach einem ausführlichen Frühstück, von Helga und Klaus zubereitet, weich gekochten Eiern, gutem Kaffee. Um 9.15 Uhr hievten wir den Anker heraus und fuhren zur Wermsdorfer Schleuse. Wir hatten uns kurz vorher angemeldet und konnten so direkt in die Schleuse hineinfahren. Schon nach einer Viertelstunde ging es wieder weiter, auf dem Spree-Oder-Kanal in Richtung Osten. Hinter Fürstenwalde (Schleuse 13.05 bis 13.15 Uhr) machen wir fest am Wasserwanderplatz „Streitsberg“ zur Mittagspause. Unsere Damen bereiteten leckere Bratkartoffeln mit den Steaks, die wir uns noch in Zeuthen besorgt hatten. Nach einer 1 1/4 stündigen Pause ging es dann weiter. Schleuse Kerksdorf (16.25 Uhr – 17 Uhr) bis wir schließlich in Müllrose um 18.45 in der Marina festmachen. Kurz davor, beim Einladen in die Marina, erleben wir einen außergewöhnlich schönen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang an der Marina in Müllrose

Freundliche Begrüßung durch den Betreiber der Anlage. Er weist uns einen Liegeplatz zu. Wir können Strom nehmen und werden die Hafengebühr im „Leuchtturm“ entrichten, wo uns am späteren Abend, nachdem wir bei Resthelligkeit das Städtchen erkundet haben, noch 1-2 Bierchen bekommen, trotz geschlossener Gesellschaft einer Seniorengruppe, wo am späteren Abend als Überraschung für den Gastgeber noch eine Striptease Show stattfinden soll, zu der wir leider nicht eingeladen werden. Unsere Hafengebühr beträgt 1 Euro/Meter, also 11,50 Euro plus 1,-€ für Strom. Wir wandern noch zum Markt, dort steht eine sehr alte Kirche, 13. Jahrhundert, aber heute nicht mehr zugänglich, weil zu es zu spät ist. Am Markt sind zwei Bäcker, die am Sonntag ab 7 Uhr Brötchen und Brot verkaufen. Insgesamt sind wir erfreut und angenehm überrascht, über die freundlichen Menschen, die uns auf Fragen behilflich sind, die uns zuwinken (Angler und Wanderer am Ufer des Kanals, sowie Camper), die freundliche Kneipenbedienung im Leuchtturm und die freundlichen Schleusenmeister.
Heute 70 KM , 3 Schleusen

Tag, Sonntag 26.9. (Plan)

Müllrose – Eisenhüttenstadt, Frankfurt/Oder, Kienitz.
Nach ausgiebiger Frühstücksrunde mit von Friedrich geholten frischen Brötchen machen wir uns, bei herrlichem Spätsommerwetter, um 9.25 Uhr wieder auf die Reise. Heute ist Wahltag. Wir sind gespannt, wie die Wahl ausgehen wird.

Um 12 Uhr kommen wir in Eisenhüttenstadt an. Die große Kammerschleuse wird für uns erst gegen 15 Uhr geöffnet, so legen wir uns an einen Poller des „Alten Stadthafens“ und machen eine Pause. Die mögliche Stadtbesichtigung ersparen wir uns, nachdem im Reiseführer nichts gutes über die Stadt geschrieben ist. Beim Annähern an Eisenhüttenstadt fahren wir an kilometerlangen Fabrikanlagen der Eisenhütte vorbei. Der Schleusenmeister, sehr freundlich, hat gegen 15 Uhr ein kleines Fahrgastschiff von unten hoch zu schleusen, und wegen des enormen
Wasserverbrauchs müssen wir nun warten, bis das hochgeschleust ist, dann können wir zu Tal geschleust werden. Tatsächlich geht die Schleuse um 15 Uhr auf, wir alleine rein. Festgemacht, während der Schleusung, wird an Schwimmpollern, die mit dem Wasserstand herunter/heraufgleiten. Eine riesige Erleichterung für die Schiffsleute. Um 15.35 Uhr sind wir durch, nun auf der Oder. Hier fließt die Oder mit ca. 4-5 km Strömungsgeschwindigkeit abwärts, und wir kommen so mit unserer eigenen Geschwindigkeit von ca. 10 km/h. zügig voran.
Die Oder Landschaft ist sehr offen, beidseitig des Flusses Buhnen, auf die man auf keinen Fall stoßen sollte. Aber sie sind bei dem vorherrschenden Wasserstand gut sichtbar. Die Wassertiefe unter dem Kiel schwankt zwischen 0,1 bis 1.0 Meter. Unser Tiefgang ist 0,75 Meter, sodass die Wassertiefe manchmal recht knapp ausreicht für uns. Wir gewöhnen uns schnell an das System, wie das Fahrwasser ausgesteuert werden soll, nämlich mit roten und grünen Baken (rot auf polnischer, grün auf deutscher Seite) und gelben Kreuzen jeweils links und rechts des Ufers. Schon um 18.10 Uhr sind wir in Frankfurt/Oder fest an einem für Sportboote reservierten Anleger. Laut Plan wollten wir bis Kienitz, aber wegen der langen Verzögerung in Eisenhüttenstadt wurde das nun nichts mehr. Wir gehen zum nahen Griechen in einem
schön innen restaurierten Lagerhaus und essen dort lecker in freundlicher Atmosphäre. Klaus kriegt Lammhaxe in Auberginensoße- ganz ausgezeichnet. Es plagen uns die Mücken, wie schon vorher abends an den windstillen Liegeplätzen.
Heute ca. 57 KM zurückgelegt. 1 Schleuse

Frankfurt/Oder

4.Tag, Montag, 27.9. (Plan)

Kienitz, Hohensaaten, Oderberg, Niederfinow (Schiffshebewerk)
Heute wird wieder ein schöner Tag. Der Himmel ist noch etwas dunstig. 9.15 Uhr Leinen los, weiter geht es auf der großen Oder. Abgesehen von vereinzelten Anglern auf den Buhnen auf beiden Seiten des Stromes gibt es zunächst keinerlei Schiffsverkehr. Wir sahen zuletzt bei Eisenhüttenstadt ein kleines Fahrgastschiffchen, das uns entgegenkam und die lange Verzögerung vor der dortigen Schachtschleuse verursacht hatte. Auch bei Frankfurt kam gestern so ein kleines uns entgegen. Aber sonst gab es nichts, außer weite flache Landschaft, Wiesen, alte, gelegentlich abgestorbene hohe Bäume und viele Grau- und Seidenreiher.

Ein Seidenreiher

Abends bei Hohnsaaten sahen wir riesige Formationen Kraniche, sie flogen mit ständigem Trompeten in Richtung Nord-West. Vermutlich Rügen oder Darß. Von 15.45 Uhr bis 16.05 Uhr schleusen wir durch die Hohensaaten – Ost Schleuse, bei der wir uns angemeldet hatten und die nach kurzer Wartezeit bereit für uns war. Nun fahren wir noch bis zur Liepe-Schleuse, wo wir um 17.40 Uhr vor der Einfahrt zum Finow-Kanal über Nacht festmachen. Der Schleusenmeister wird uns morgen ab 9 Uhr in den Kanal hinein schleusen. Nun wandern wir noch zu dem riesigen Schiffshebewerk Niederfinow, das von einem neuen, überwiegend aus Beton gebauten, Schiffshebewerkes ersetzt werden wird. Es ist seit einigen Jahren im Bau, sollte bereits 2020 fertig sein, ist aber noch nicht. Abends viele Mücken. Heute haben wir 97 KM zurückgelegt. Eine Schleuse

5.Tag, Dienstag, 28.9. (Plan)


Finowkanal bis Eberswalde (12 Schleusen )
Wir hatten uns gestern schon vor die Lieper Schleuse gelegt, nachdem wir das mit dem Schleusenmeister abgesprochen hatten. Um 9 Uhr wäre er dann bereit, uns in den Kanal hinein zu lassen. Tatsächlich kurz nach 9 Uhr ging die uralte Schleuse auf und schon ging es los. Die Schleuse, Jahrgang 1877, wird mit der Hand bedient, wie wohl alle der nun folgenden, in diesem sehr alten Kanal, dessen Ursprünge aus dem 17. Jahrhundert sind. Auf diesem wunderschönen und engen Kanal, der zum Teil Wassertiefen von 0,75 bis 1 Meter aufwies (unser Echolot zeigte auf der ersten Strecke teilweise 0,0 m, unter Kiel schafften wir es aber trotzdem. Wir kamen an schönen einfacheren Häusern, teils sehr gepflegten, teils weniger gepflegten und auch wohl verwilderten, wenn nicht verlassenen Grundstücken vorbei. Ziegen waren am meckern, Schafe am blöken und vor uns öfter Schwäne mit bis zu 5 Kindern, die vor uns aufflogen, weil wir sie offenbar in ihrer Ruhe verschreckten. Heimke meinte, wir sollten etwas langsamer fahren, obwohl unsere Geschwindigkeit stark reduziert, und wohl kaum schneller als 6 km/h war. Der Kanal sehr kurvig und mit hohen, alten Bäumen, oder mit Schilf bewachsen, was den Kanal ziemlich eingeengt. Nun soll der Kanal 2023 für mehrere Jahre geschlossen werden. Man will ihn komplett sanieren. Wir passieren die Schleusen Liepe, Stecherschleuse, Ragöse, Kupferhammer, Drahthammerschleuse und Eberswalde.

Dort im Stadthafen legten wir an, um im 100 Meter entfernten Einkaufszentrum bei Edeka unseren Proviant aufzufüllen. Anschließend gingen wir zum nahen Pizzabäcker. Das waren echte Italiener und backten uns jedem eine sehr schmackhafte Pizza. Helga und Heimke sind von den Geschäften im Ort sehr angetan. Dort gibt es Pariser chic, Schuh und Kleidermode. Eberswalde war früher ein technischer Standort mit z.B. einer Kupferhütte, mit Walzwerk. Alles ist bereits Geschichte, einige restaurierte Gebäude, aber auch allerlei schrecklicher Verfall. Wir wollen noch ein Stückchen weiter, kommen aber nur bis zur Straßenbrücke, (sie heißt Hubbrücke Eisenspalterei) die alle 2 Stunden geöffnet werden kann, durch drehen eines Schalters. Da wir zu lange gegessen haben, kommen wir erst um 18 Uhr durch die Brücke, und dann ist die Weiterfahrt blockiert, weil auf dem Kanal bereits 17 Uhr Betriebsschluss ist. Wir verholen zur Wolfwinkler Schleuse und bleiben diese Nacht auf der Warteposition. Festmacherbier 18.30-19.30 Uhr, auf dem Oberdeck.
16 KM, 7 Schleusen, 1 Hubbrücke

6.Tag. Mittwoch, 29.9.(Plan)


Eberswalde, Oranienburg (Sachsenhausen)
Ruhige Nacht, Tag fängt trocken an, im Laufe des Tages zieht eine nasse Kaltfront über uns hinweg und es regnet stundenlang aus Kübeln und unsere arme Deckcrew steht im Wasser. Erst ganz spät am Nachmittag klart es auf und dann erschien sogar noch die Sonne. Erst ab 9.45 Uhr geht heute Morgen die Schleuse (Wolfswinkler) für uns auf. Der Schleusenwärter musste auf der vorherigen Schleuse noch ein anderes Boot abfertigen. Danach geht es einigermaßen schnell im Schneckentempo weiter, Schleusen Heegermühle, Schöpfurt, Grafenbrück, Leesenbrück, und Ruhlsdorf. Da machen wir ab 14.30 Uhr fest und legen nun eine Mittagspause ein, legen uns vor die Schleuse und es gibt lecker Brat fleisch mit Salat. Um 15 Uhr setzen wir die Reise fort und sind wenige Minuten danach auf der großen, breiten
Havel-Oder-Wasserstraße (HOW). Der Finowkanal wird nun verlassen. Es geht zügig voran bis Lehnitz. Vor uns nun eine Weile, ein großes Binnenschiff, wir bleiben hinter ihm, weil die Lehmitzschleuse uns sowieso nicht vor dem Binnenschiff Schleusen würde. Die riesige Schleuse ist schnell klar, und wir schummeln uns mit dem holländischen Binnenschiff durch.

holländisches Binnenschiff

Der holländische Kapitän ist sehr freundlich, kollegial und verschont uns mit heftigem Schraubenwasser und so geht alles sehr easy vonstatten. Um 18.45 Uhr machen wir dann fest, an der hochmodernen Steganlage von Oranienburg, unmittelbar vor dem Turn- und Sportzentrum. Wir zahlen unser Liegegeld (25 Euro Tag und Nacht). Wir erhalten beim Einkaufen Nachricht vom Ableben von Ulla und sind sehr traurig.
37 KM, 7 Schleusen


7.Tag, Donnerstag, 30.9. (Plan)


Oranienburg, Spandau, Glienicker Brücke – Potsdam
Uns ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen…. wie folgt: Gegen 8 Uhr holt heute Friedrich Brötchen und Brot beim nahen Lidl. Danach ausführliches Frühstück. Gegen 10 Uhr bestellen wir eine Taxe, mit der wir eine kurze Stadtrundfahrt und Ablieferung vor dem Eingang zum KZ Sachsenhausen vereinbaren. Der Taxifahrer erzählte ein wenig von den augenblicklichen Schwierigkeiten mit den Behörden, Planungen und Misshelligkeiten, aber er gab zu ,dass „früher“ auch nicht alles gut funktioniert hat.

Sachsenhausen erschreckt auch durch die außergewöhnliche Dimension. Die Dokumentation war in Wort und Bild sehr informativ. Das Lager wurde von 1937 bis 1945 immer wieder vergrößert. Nach 1945 vom NKWD teilweise weitergenutzt, und erst dann Anfang der 1950er Jahre stillgelegt. 1992 nach einem Besuch von Izak Rabin, dem israelitischen Ministerpräsidenten, wurde die für die jüdischen Häftlinge extra gehaltenen Lagergebäude von Rechtsradikalen in Brand gesteckt. Die Gebäude sind wieder hergerichtet, aber die Brandmerkmale hat man teilweise gelassen.

Weitere Informationen: www.sachsenhausen-sbg.de
Auf dem Rückweg passieren wir die Gaststätte und die Marina „Mirage“ Lubea und gönnen uns ein kühles frisch gezapftes Radeberger und genießen dieses in warmer Spätsommer Sonne. Anschließend fahren wir mit unserem Boot in die Oranienburger Havel bis zum Schlosshafen, den wir zunächst nicht finden konnten, weil er laut Karte direkt am Schloss hinter der Straßenbrücke sein sollte. Dabei war er ca. 500 Meter hinter der Brücke, und es gab dort 2 Häfen, nämlich den Servicehafen und die Marina, in die wir natürlich zunächst einliefen. Das war sehr eng dort und ein in die Durchfahrt ragender Bugkorb eines Motorbootes wurde leicht touchiert. Hier war kein Platz für uns, und so verholten wir doch in den Servicehafen. Dort war auch der Hafenmeister, Duschen, WC, Wasser und Entsorgung sind möglich.
Aber wir verschieben das alles auf Morgen. Wir wanderten in die Innenstadt und gingen gut essen beim Italiener, direkt neben dem Schloss. Danach an Bord, Tagesabschluss mit Bier, Wein und Neckereien.
3 KM, 0 Schleusen


8.Tag, Freitag, 1.10. (Plan)


Potsdam – Teltowkanal – Neukölln Schifffahrtskanal – Landwehrkanal – Richtung Charlottenburg.
Nach einer langen Fahrt auf der Oder-Havel-Wasserstraße bei herrlichem Sonnenschein und den letzten warmen Sonnenstrahlen, kommen wir schließlich zu den Havelseen. Die Ufer sind zum Teil umsäumt mit herrlichen Stadtvillen, hübschen Einfamilien- und Wochenendhäusern. Die Häuser, die umgebenden von großen Gärten sind, sind meistens sehr gepflegt. Wir kommen gegen 12.30 Uhr zur Spandauer Schleuse, müssen dort bis 13 Uhr warten und kommen dann zügig mit ein paar Sportbooten durch. Durch die Havelseen geht es weiter bis Potsdam. Schlepp-/bzw. Schubverbände und einige Binnenschiffe kommen uns entgegen oder überholen uns, um in die Schleuse vor uns einzulaufen. Nach der Schleuse Spandau machen wir an einer Kaimauer fest.

Zum Mittag wird auf dem Deck gegrillt

Friedrich wirft seinen mitgebrachten Holzkohlegrill an und es gibt einen schmackhaften Fleisch- und Würstchengrill mit Bratkartoffeln. Nach einer gute Stunde fahren wir noch ein wenig weiter, kommen durch die Glienicker Brücke, bis wir um 16.55 Uhr in Potsdam einen Gastliegeplatz bei einem Motoryachtclub bekommen.

Glienicker Brücke

Allerdings zahlen wir für das Liegen, mit Strom und WC/Duschbenutzung 25 Euro. Wir wandern zur nahen Innenstadt und kaufen erst einmal wieder für die nächsten Tage ein.

Den Abend beschließen wir wieder mit einem einfachen Abendbrot mit Brot und Aufschnitt, anschließend gibt es noch Bier und ein Gläschen Wein.
40 km, 1 Schleuse

9.Tag, Samstag 2.10. (nur bis 10 Uhr!!)


Charlottenburg – Spreebogen – Regierungsviertel – Spree bis Zeuthen.
Auch heute morgen ist es wieder trocken, aber recht kühl, geschätzt 5 – 7°, aber im Laufe des Tages klart es auf und die Sonne scheint sehr intensiv. Es wird richtig warm. Von unserem Liegeplatz fahren wir wieder ein Stückchen zurück, um dann in den Griebnitzsee um Babelsberg herum in den Teltowkanal einzulaufen. Der Teil Griebnitzkanal ist landschaftlich sehr schön, umsäumt von wunderschönen kleineren und größeren und riesigen Protzvillen. Teils mit Garagen für die Luxusboote. Im Teltowkanal gibt es, abgesehen von einzelnen Grünflächen, z.B. auch einen Wohnmobilstellplatz im Bereich Kanalkilometer 6, vor der Autobahn A115, Abfahrt Klein Machnow, sehr schön am Kanal gelegen. Ansonsten ist im Teltowkanal kaum Interessantes zu sehen, außer stillgelegte Industrien, ein riesiges abgeschaltetes Kraftwerk und Industriebranche. Um 11 Uhr Klein Machnow Schleuse. Ausfahrt aus Schleuse erst 11.30 Uhr, wegen Gegenberufsverkehr, Schubverbände z.B. mit Eisenschrott beladen. Wir drehen sodann in den Neuköllner Schifffahrtskanal und müssen die Schleuse selbst bedienen, was ohne Probleme auch funktioniert. Die Schleusung dauert kaum 10 Minuten und schon geht es weiter, dann in den Landwehrkanal (ab 14.30 Uhr). Es ist Einbahnverkehr auf diesem Kanal, er ist nur von Ost nach West befahrbar! Der Landwehrkanal ist insgesamt ein erfreuliches Erlebnis. Kreuzberg!! Hunderte von Menschen liegen am Ufer, sonnen sich, reden miteinander, haben Spaß.

Landwehrkanal: viele Menschen sonnen sich bei dem herrlichen Wetter

Auf den einsehbaren Straßen pulsiert das Leben, viele, viele Menschen sind auf den Straßen. Wir sehen schöne große Wohnhäuser. Hier müsste man wohnen, wenn man in Berlin Zentrum wohnen möchte. Es geht zügig durch diesen Kanal, unter anderem am Technikmuseum mit einem Rosinenbomber außen hängend ausgestellt vorbei.

Deutsches Technikmuseum in Berlin

Auch an den Büros von Mercedes, Maserati, Commerzbank, dem Ministerium für Verteidigung. Es geht weiter bis zur Unterschleuse um 15.40 Uhr, die wir 10 Minuten später bereits zusammen mit einem Ausflugsschiff verlassen können. Dann drehen wir in die Spree ein, in den Spreebogen, wo wir um 16.30 Uhr am Bundesratsufer festmachen. Es warten bereits 2 weitere Sportboote auf die Durchfahrt am kommenden Sonntag, da wir die Passage auf der Spree in diesem Bereich nur bis 10 Uhr beginnen können. (Nur für Boote ohne Funkanlage) Es ist ein ruhiger öffentlicher Liegeplatz ohne Versorgung. Aber es gibt Restaurants in 10 Minuten Umkreis und wir nutzen die Gelegenheit, um beim Italiener Mocca ausführlich warm zu essen. (Auf Empfehlung eines aufdringlichen Ägypters, der uns nach dem Festmachen belästigte). Wir beschließen den Abend mit einem weiteren Gläschen Wein.
51 KM, 3 Schleusen

10. Tag, Sonntag, 3.10. (Plan)


Zeuthen – Königswusterhausen, Dahme, Teupitzsee. Meine Planung, Wochen vor unserer Reise gemacht, stimmt nicht mehr. Wir sind zeitmäßig nicht unter Druck und in sofern spielt sie auch keine Rolle. Ich lasse es so stehen.
Wir stehen, wie fast immer, bereits um 7.30 Uhr auf, und frühstücken wie gehabt gemeinsam. Der Tag ist grau, aber trocken und im Laufe des Tages wieder wird es schön, abends viele Mücken. Nachmittags wird es ganz warm. 8.40 Uhr Leinen los, wir fahren durch das Regierungsviertel, an all den neuen Gebäuden vorbei, dem Kanzleramt, dem Bellevue, dem Hauptbahnhof. Ganz wenig Verkehr. Es geht ganz schnell alles vorbei, obwohl Klaus die Maschine ganz langsam betätigte und wir durch Nachberechnung ca. 6 km/h feststellten.

Schon um 9.45 Uhr bis 9.55 Uhr passieren wir die Mühlendammschleuse und fahren weiter an Köpenick vorbei, in Richtung Dahme, Zeuthen, nach Süden. Gegen Mittag passieren wir wieder den Ausgangspunkt unserer Reise. Wir legen nicht an, sondern fahren weiter. Ab Zeuthen wird das Ufer der Dahme zusehend mit modernen Mehrfamilienhäusern umsäumt, die manche, der teils sehr gediegenen Villen, mit gepflegten Gärten am Wasser, haben für ihre teuren Luxusyachten Garagen am Wasser, zumindest aber Liegeplätze. Wir passieren den Hafeneinfahrt Königswusterhausen. Von 14.05 Uhr bis 14.35 Uhr passieren wir die kleine Schleuse Neue Mühle. Erneute Überraschung: sehr nette Grundstücke mit teilweise modernen Einfamilienhäusern, sowie Gartengrundstücke mit kleineren Datschen, alles sehr gut und gepflegt. Um 15 Uhr ankern wir im Krüpelsee. Am frühen Abend schmeißt Friedrich wieder seinen wunderschönen Holzkohlengrill an und wir haben ein sonntägliches Festessen mit Lammfilet, Rumpsteak, Kalbssteak, Bratkartoffeln und mediterranem Gemüse von Helga und Heimke liebevoll zubereitet. Dazu ein leckeres Pils, bzw. Grauburgunder. Zu vermerken ist, dass sehr viele Ruderer, Segler und Hausboote auf den Seen unterwegs waren. Die Ruderrennstrecke auf der Dahme, vor dem Ortsteil Grünau/Karolinenhof fiel besonders auf. Der Abschluss auch diesen wunderschönen Tages, bildet ein gemütliches Beisammensein mit Akkordeon und Grauburgunder.
44 KM, 2 Schleusen

11. – 14. Tag, 4.10. – 7.10.)
Dahme, Spree, Rundfahrt Teupitzer und Storkower Gewässer

11. Tag, Montag, 4.10.


Wir hatten eine absolut ruhige Nacht in der Achterkabine, während Helga und Friedrich unter dem Kettengeräusch leiden mussten, das durch das Schwanken des Bootes am Anker entstand. Wir schliefen etwas länger und heute Morgen waren Helga und Friedrich zuerst auf der Matte und machten Frühstück. Heimke und Klaus kamen ein wenig später. Der Morgen war grau, aber trocken und recht kühl. Nach dem Frühstück gingen wir um 9.25 Uhr Anker auf und setzten die Reise durch den Krüpelsee, Dolgensee bis Prieros fort, wo wir anlegten um einzukaufen. Nach 2 stündigem Aufenthalt ging es weiter durch Schmöldesee, Hölzerner See, Klein Köriser See, Moddergraben und Großer Moddersee. Dort vor der niedrigen Klappbrücke mussten wir nun fast 2 Stunden warten, weil die Öffnungszeiten 2 mal am Tag, nur um 11 und 17 Uhr waren und nicht mit unseren Informationen aus dem Törnatlas übereinstimmten. Tatsächlich um 17 Uhr geht die Brücke auf und wir fahren über den Schulzens See, Zemminsee, Schweriner See, in den Teupitzer See und legen am Hafensteg in Teupitz mit Stromanschluss an. 17.55 Uhr sind wir fest. Die Fahrt durch dieses Seengebiet war ein absolutes Highlight unserer Reise. Die Seen mit leicht modderigem Wasser, die Uferbereiche umsäumt, teils mit Urwäldern oder Freizeitanlagen, Campingplätzen und in den engeren Bereichen mit hübschen Häuschen, einige neuere natürlich, dem Zeitgeist entsprechend, zum Teil recht protzig. Fast alle diese Anwesen waren gut gepflegt, fast alle hatten Geldbeutel und Neigung entsprechend, größere oder kleinere Motorboote direkt am eigenen Anleger,
manche hatten auch Segelyachten bis zu – geschätzten 9 Metern – vor der Haustür liegen. Abends gingen Friedrich und Helga in das einzige, noch offene Restaurant, mehrere andere Restaurants waren wegen Montagsruhe oder, weil die Saison eigentlich wohl zu Ende ist, geschlossen. Trotzdem fiel auf, dass noch einzelne schwimmende Bungalows (Hausboote) mit 15 PS Außenbordmotoren – wegen der Führerscheinfreiheit – noch unterwegs waren. Der Tag endete mit einem außergewöhnlich rot-buntem Sonnenuntergang, und gegenüber der Sonne gab es einen rosaroten 180° reichenden herrlichen Regenbogen.
32 KM, 0 Schleusen, 1 Hubbrücke

12. Tag, Dienstag 5.10.


Es regnet, wir fahren von „unten“. Müssen den Weg von gestern teils wieder zurück und wollen in die Dahme, in Richtung Spreewald schippern. Um 11 Uhr nehmen wir die von Hand betätigte Zugbrücke wieder. Die Schleuse in Prieros ist seit 4.10., also seit gestern, nicht mehr besetzt, nur noch auf besondere Anforderung. Die Weiterfahrt auf der Dahme sparen wir uns deshalb, weil wir ja auch wieder zurück müssten und wir wollen ja nicht den Winter auf dem Boot verbringen, falls der Schleusenwärter stirbt. Wir „parken“ vor der Schleuse und unsere beiden Engel machen uns ein fantastisches Sauerkrautessen, Würstchen dazu grillt Friedrich. Zwischendurch war es mal trocken, aber im Laufe des Tages pieselt es wieder stark, wir entscheiden uns für einen Abzweig in Richtung Storkower Gewässer. Landen dann an der Fischerei am Wolziger See, wo wir gegen 15.50 Uhr festmachen. Ein junger Hafenmeister bittet uns in den kleinen Hafen, wo wir nun ruhig und sicher für 1,50€/Meter plus Strom über Nacht liegen können. Es gibt bei ihm, dem Hafenmeister, geräucherte Fische. In der Gaststätte wird Fisch in verschiedenen Varianten angeboten. Leider haben wir heute schon so gut Mittag gegessen, deshalb fällt der Gaststätten Besuch heute mal wieder aus. Wir haben ja vielleicht noch Gelegenheit auf der Rückfahrt hier einzufallen. Friedrich versucht, mit Klaus die Bildbearbeitung auf dem Apple PC zu verstehen, gelingt leider nicht, immerhin können wir schon einmal die Bilder durch Übertragung von den Kameras abspeichern. Zum Abendbrot gibt es geräucherten Saibling. 14 KM, 0 Schleusen, 1 Hubbrücke

13.Tag, Mittwoch, 6.10

Der Tag fängt heute morgen hell und sonnig an. Bis zum frühen Nachmittag scheint die Sonne noch einmal warm. Heute fahren wir erst nach 10 Uhr wieder weiter, wir haben nicht mehr viel vor, nur noch einen Abstecher in die Storkower Gewässer. Kurz nach der Schleuse Kummersdorf sehen wir eine Ansammlung von Kranichen auf einer Wiese. Der Kanal ist wunderschön, eng und wir bummeln mit ca. 8 km/h durch diese schöne Landschaft. Bei Storkow müssen wir auch eine Selbstbedienungsschleuse,anschließend noch eine Hubbrücke, die wir auch selber bedienen dürfen, passieren. Im Storkowersee ankern wir um 13.05 Uhr und machen eine ausführliche Mittagspause.

Kraniche in Kummersdorf

Wir essen, die in der Fischerei gezüchteten und geräucherten Lachsforellen, mit Vergnügen. Dazu machten Helga und Heimke leckeren frischen Salat. Inzwischen hat sich der Himmel ziemlich bezogen, Wind kommt auf. Aber es bleibt trocken. Der große Storkowsee zeichnet sich durch sehr klares Wasser aus. Man kann am Rand des Kanals bis auf ca. 1,5- 2 Meter den Grund sehen. Wir fahren nach ausgiebiger Mittagspause noch ein wenig über den großen Storkowsee bis zu seinem Ende und schippern im anschließenden Kanal noch bis zur Wendisch-Rietz-Schleuse, drehen dort aber um und gehen im Großen Storkower See vor Anker, für diese vorletzte Nacht an Bord. Gute Abendstimmung auf dem See, mit ruhigem Sonnenuntergang. Wunderbarer Sternenhimmel, Milchstraße sehr hell und deutlich zu erkennen.
21 km , 2 Schleusen

14.Tag, Donnerstag, 7.10.


Wir hatten eine absolut ruhige Nacht. Als wir morgens in die Gänge kommen empfängt uns der Tag mit dichtem Nebel. Wir essen in Ruhe noch Frühstück, haben es ja nicht so eilig, und dann geht plötzlich, wie ein Vorhang, der Nebel weg und wir haben nach ca. 10 Minuten absolut klare Luft und blauen Himmel ohne ein kleines Wölkchen. So blieb das fast den ganzen Tag. Ein wunderschöner Abschluss unserer insgesamt sehr gelungenen Bootspartie. Schnell öffnen wieder die Schleusen, die erste mit Selbstbedienung, die anderen mit freundlichen Schleusenmeister, bzw. Meisterinnen. Wir legen zur Mittagszeit bei der Fischerei am Wolziger See an und essen wunderbar Lachsforelle und kross gebratenen Wels. Schmeckte vorzüglich, dazu gab es ein Spreewälder Schwarzbier, lecker!

Wir setzten die Fahrt zügig fort und kamen wie geplant am Nachmittag in Zeuthen an und legten uns auf einen freien Platz in der Kuhnle Marina. Um 16.30 Uhr machten wir das Boot zum letzten Mal fest. Das erste Gepäck ging von Bord, und Klaus hatte einen Strafzettel über 15 Euro wegen falschen parken am PKW, der Zettel war in der Regenrinne, völlig durchweicht, und wir müssen das morgen im Rathaus abklären. Wir machten das Abendbrot an Bord mit mitgebrachten geräucherten Saiblingen und einem Stück vom geräucherten, dicken Aal.
31 KM , 3 Schleusen

15. Tag, 8.10.


Die Bootsübergabe soll gegen 9.30 Uhr stattfinden. Wir sind gespannt auf die Endabrechnung. Morgens gehe ich zum Auto, das auf der Straße vor der Kuhnle Marina abgestellt ist. Ich fand ein nasses, total verwittertes Knöllchen im Graben unter der Windschutzscheibe, das Tage vorher mir verpasst worden ist. Zunächst war ich der Meinung, dass hier ein eindeutiger Irrtum vorlag, denn es gab kein Verkehrsschild, das mich am Parken an diesem Ort gehindert haben könnte, ich stand nur ein wenig schräg, mit der rechten Seite auf dem nicht klar markierten „Bürgersteig“, der übergangslos auf gleichem Niveau des Straßenbelags war. Kein Grünstreifen, keine Begrenzung zwischen Bürgersteig und Straße waren vorhanden (Ein Parkplatz in der Nähe des Kuhnle Depots wäre sehr hilfreich). Nachdem die Bootsübergabe problemlos abgeschlossen war, trafen wir Vier uns zum letzten gemeinsamen Frühstück in der nahen Backstube. Danach gingen Heimke und Klaus ins Rathaus, um die Ordnungswidrigkeit zu „verhandeln“. Klaus erhielt eine Verwarnung , weil er den Bürgersteig versperrt hätte. Nun gut, es war nicht so eindeutig und so zahlte er das Bußgeld mit murren sofort, damit sollte die Sache aus der Welt sein, aber er fand es schofelig, kleinkariert und ungerecht. Gleich danach, gegen 11.30 Uhr waren wir auf der Autobahn und kamen um 15 Uhr in Wedel an. Auch Helga und Friedrich kamen im Laufe des späteren Tages nach 6 stündiger Fahrt in Kappeln an.

Zusammenfassung: Wir haben 544 KM Flussfahrt, 31 Schleusen, und 3 Hubbrücken bewältigt. Insgesamt haben wir 68,3 Stunden motort. Von insgesamt 15 Tagen hatten wir einmal Regenschauer und einen verregneten Tag, die übrige Zeit waren zwar nicht immer sehr warm, aber trocken und meistens schien auch die Sonne. Abgesehen von unerträglichem Motorenlärm bei Motorumdrehungen über 1500 UPM war das Boot technisch einwandfrei, wir hatten keinerlei Ausfälle. 0,75 m Tiefgang ist sehr geeignet für dieses Revier. Die Manövrierfähigkeit mit Bugstrahlruder und einem Propeller ist ausgezeichnet. Die Berlin-Oder-Umfahrung ist eine sehr empfehlenswerte Bootsfahrt. Man benötigt ca. 10 – 14 Tage.

Auf dem Boot

Auf dem Boot

Törnbericht von Familie Meyer

Am frühen Morgen trittst du vor die Tür der Achterkabine, und sprachlos blickst du auf zwei Himmel und zwei Sonnen, die sich voneinander entfernen. Die Vögel haben bereits wieder Ruhe gegeben, und da auf den anderen Booten noch niemand aufgestanden ist, ist es völlig still.


Und ein bisschen später, es ist nicht mehr so still, aber dafür wärmt die Sonne schon sehr angenehm, steht ihr auf dem Deck mit dem ersten Kaffee, und du denkst an diesen Satz von Johnny Cash, auf die Frage nach seiner Vorstellung vom Paradies: this morning, with her, having coffee.


Und dann tuckert ihr gemütlich durch Flüsse und Kanäle, rechts und links alle Farben grün, bis zur ersten Schleuse, wo ihr die Wartezeit – ihr habt es ja überhaupt nicht eilig – für einen weiteren Kaffee nutzt. Und in der Schleuse klappt es schon ganz gut mit dem Anlegen und dem Nicht-Festmachen, boah, wir halten 12 Tonnen Schiff mit den bloßen Händen …


Und am Nachmittag beim Ankern in der kleinen Bucht ist es wieder ganz leise und friedlich, und während das Boot an der Kette schwoit, seht ihr den Kormoranen zu, wie sie ihre Flügel trocknen.


Und abends in der Marina – das Anlegen klappte nur so lala, aber morgen wird es bestimmt besser – macht ihr euch Spaghetti mit Tomatensoße, die nirgendwo besser schmecken als in der Abenddämmerung auf dem Achterdeck, auch wenn die Stuhlkissen schon etwas klamm werden und man sich eine Jacke überziehen muss.


Und wenn du dann später in der Koje liegst und einige kleine Wellen gegen den Rumpf plätschern hörst, fühlst du dich ein wenig wie ein echter Seemann, und während du auf die verschwommene Grenze zwischen Tag und Traum zutreibst, siehst du Käpt’n Jack Sparrow am Ruder auf jenen Kompass blicken, der stets dahin weist, wohin man sich wirklich, wirklich wünscht, und dann murmelst du noch: now bring me that horizon, und dann bist du auch schon eingeschlafen.

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Auf Kanaltour in Frankreich

Auf Kanaltour in Frankreich

Der Rhein-Marne-Kanal ist ein wunderbar entspannter Wasserwanderweg durch die abwechslungsreiche Landschaft Elsass-Lothringens. An den zahlreichen Schleusen kann man aber seine kleinen Abenteuer erleben.                Von Stephan-Thomas Klose

Es ist Mittwoch, 12. August, 17.55 Uhr: In fünf Minuten werden die 15 automatischen Schleusen zwischen Lagarde und Nancy abgeschaltet. Dann heißt es: Nachtruhe auf dem Rhein-Marne-Kanal. Alle Augen der Hausbootbesatzung richten sich beschwörend auf die unscheinbare Radarsäule für Schleuse Nr. 17 bei Bauzemont. Sie ist die letzte vor Einville-au-Jard, unserem geplanten Liegeplatz für diese Nacht. Nur diese Schleuse trennt uns noch von Wasser, Landstrom, Dusche, Lebensmitteln und vor allem: Getränken! Nur diese Schleuse noch, dann sind wir in der kleinen Ortschaft im östlichen Lothringen (der heutigen Region „Grand Est“), für die unser Törnatlas „Fluviacarte“ all jene Herrlichkeiten verspricht. Wir brauchen dringend Nachschub: Durch die heißen, hochsommerlichen Temperaturen von 34 °C und mehr sind unsere Getränkebestände völlig erschöpft.

Die letzte Schleuse für heute

„Sie blinkt!“ ruft unser Steuermann. „Geschafft!“ Tatsächlich: Die Radarsäule hat das Signal unserer Fernbedienung aufgenommen. Der Jubel der Hausbootbesatzung kennt keine Grenzen. Doch zu früh gefreut: Schleuse Nr. 17 gibt noch ein aufwärtsschleusendes Hausboot frei. Dann schließen sich direkt vor uns die Eisentore. Die Signallampen erlöschen. Es ist genau 18 Uhr. Die französische Wasserstraßenverwaltung VNF macht keine Ausnahmen. Feierabend. Wir sind gefangen im Nirgendwo zwischen Kanalkilometer 195 und 198. Wir werden die Nacht an einer kleinen Anlegestelle in völliger Stille und Abgeschiedenheit verbringen; ohne Getränke und ohne Verpflegung. Jetzt ist uns klar, warum so viele andere Hausboote Fahrräder an Bord haben.

Wunderbarer Wasserwanderweg

Genau diese Stille und Abgeschiedenheit sind es aber auch, die den Rhein-Marne-Kanal – die Franzosen nennen ihn selbstverständlich den Marne-Rhein-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) – zu einem wunderbar entspannten Wasserwanderweg für die Sportschifffahrt machen – gerade auch in Corona-Zeiten. Einige Skipper sprechen despektierlich von der „Sauerkrauttour“. Tatsächlich aber ist der Kanal ein französisches Bauwerk, das Mitte des 19. Jahrhunderts von 1839 bis 1853 errichtet wurde, um eine Ost-West-Verbindung vom Pariser Becken zum Rhein herzustellen.

Die ursprünglich 313 Kilometer lange Wasserstraße von Vitry-le-François – ab hier zählt auch die Kilometrierung – bis Straßburg gehört zu den längsten Kanälen Frankreichs. Die bergige Topografie mit Höhenunterschieden bis zu 281 Metern hatte die Konstrukteure vor große Herausforderungen gestellt. Nach dem damaligen Stand des Wasserbaus waren Hubhöhen über 2,5 Meter technisch noch nicht möglich. Die Folge sind 154 Schleusen und fast neun Kilometer Tunnelstrecken. Ursprünglich waren die Schleusenkammern mit 35 Metern Länge auf das Maß der hölzernen motorlosen Frachtkähne jener Zeit zugeschnitten. Ab der Jahrhundertwende, als die Motorschifffahrt aufkam, wurden die Schleusen auf 38,5 Meter, das so genannte Freycinet-Maß, verlängert. Und noch in den 1960er-Jahren, als die Tage der gewerblichen Binnenschifffahrt in Frankreich längst gezählt waren, modernisierten die Franzosen den Kanal unverdrossen weiter – mit gewaltigen Wasserbauwerken wie dem Schiffshebewerk bei Arzviller oder der Schachtschleuse von Réchicourt, die mit ihren 16 Hub-Metern die höchste Schleuse Frankreichs ist.

9 Kilometer Tunnelstrecke

Schleusen-Trauma-Therapie

Die große Schachtschleuse von Réchicourt war es auch, die uns an jenem Mittwoch zwei Stunden kostete, sodass wir unser Tagesziel nicht mehr erreichten. Ein Flusskreuzfahrer hatte Vorfahrt. Réchicourt machte den Anfang der Schleusenstrecke, denn ich hatte mich bei der Planung des diesjährigen einwöchigen Hausboot-Törns für den Kanalabschnitt von der Charterbasis in Niderviller Richtung Westen nach Nancy entschieden – eine einfache Fahrtstrecke von 81,6 Kilometern Länge mit 21 Schleusen. Der Törnatlas veranschlagt dafür 15,5 Stunden Fahrtzeit – in einer Woche hin und zurück mit unserem Kuhnle-Klassiker „Kormoran 1140“ (62 PS, Höchstgeschwindigkeit 12 km/h) also gut zu bewältigen.

Eine abwechslungsreiche Landschaft säumt den Kanal mit schattigen, dicht bewaldeten Ufern, dann wieder scheinbar endlosen Feldern und Wiesen und dazwischen kleinen altmodischen Ortschaften oder Gehöften. Bei Dombasle-sur-Meurthe geht die Fahrt sogar mitten durch die gewaltigen Produktionsanlagen eines Solvay-Chemiewerkes. Hier stehen die größten Kalkbrennöfen der Welt.

Der Kanal führt durch kleine Ortschaften

Aber es waren weniger die landschaftlichen Aspekte, die für die Wahl der Route den Ausschlag gegeben hatten, als vielmehr die Absicht, hier ein altes Trauma endlich dauerhaft zu überwinden. Bei unserem ersten Kuhnle-Hausboot-Törn im April 2011 auf der Müritz-Elde-Wasserstraße über die Mecklenburgische Seenplatte hatten wir ein Fiasko in der Plauer Eldeschleuse erlebt. Eine unsachgemäß geführte Leine hatte sich beim Abwärtsschleusen an der Bootsklampe festgezogen. Obwohl der Hub nur 1,33 Meter beträgt, war das Boot in bedenkliche Schräglage geraten. Diesen Schleusen-Schreck hatte die Familien-Crew nie überwunden. Bis jetzt.

Eindrucksvolles Nancy

Als wir am Donnerstag um 15.30 Uhr im großzügig bemessenen Freizeithafen Saint-Georges unseres Reiseziels Nancy festmachen, haben wir 21 Abwärtsschleusungen erfolgreich bewältigt. Ab Réchicourt hatten wir die Schleusen mit der Fernbedienung gesteuert, die uns der VNF-Schleusenwärter in die Hand gedrückt hatte. Anfunken, Warten, Einfahren, Festmachen, Schleusen, Loswerfen und Ausfahren können wir jetzt aus dem effeff. Unser Trauma ist überwunden.

Das wird auf dem großartigen Stanislaus-Platz von Nancy gefeiert. Dieses städtebauliche Gesamtkunstwerk aus neoklassizistischen Palästen, Brunnen, Triumphbogen und einheitlich vergoldeten schmiedeeisernen Portalen, Lampen und Balkonen gehört zum Weltkulturerbe. Die Hausbootbesatzung ist beeindruckt.

Hafen Saint-Georges

Am nächsten Morgen treten wir die Rückfahrt an. Sie hält am Folgetag noch eine Überraschung für uns bereit: Die Schleuse Nr. 19 bei Maixe ist außer Betrieb. Und das ausgerechnet an einem Samstagmorgen. Wie soll es jetzt weitergehen? Doch nur fünf Minuten später kommt ein VNF-Fahrzeug angebraust. Die öffentlich-rechtliche französische Wasserstraßenverwaltung hat tatsächlich eine Wochenendbereitschaft! Kurze Zeit später öffnen sich die Tore; wir können die Fahrt fortsetzen. Dieser prompte Service versöhnt uns mit dem superpünktlichen Dienstschluss am Mittwoch in der Einöde vor Schleuse Nr. 17. Besagter Abend fand übrigens doch noch ein gutes Ende: Mit einem in holprigem Französisch herbeigerufenen „Henrion“-Taxi aus Lunéville gelang es uns, einen Supermarkt zu erreichen; zum Getränke-Großeinkauf. Wir waren gerettet.

Auch Wochenendbereitschaft bei der französischen Wasserstraßenverwaltung
Primus Kormoran 940

Primus Kormoran 940

Trotz der Tatsache, dass die Kormoran 940 das kleinste Modell der Kormoranreihe ist, sorgte sie medial wohl für die größte Aufmerksamkeit. Im Jahre 2007, genauer gesagt im September wurde eines dieser Boote zusammen mit der Brauerei Lübzer verlost. Dies sorgte über die Landesgrenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinweg für Schlagzeilen, unter anderem hier: https://www.lifepr.de/pressemitteilung/kuhnle-tours-gmbh/Endlich-Leinen-Los-Endlich-Luebzer/boxid/7578

Die Kormoran 940 ist für drei bis fünf Personen geeignet und somit ideal für Paare oder kleine Familien. Direkt beim Eingang am Heck befinden sich die Schlafkojen, drei an der Zahl. Besonderheit dabei ist, dass man quasi von der Badeplattform in das Schlafzimmer gelangt. Somit stehen der morgendlichen Schwimmrunde nach dem Aufstehen lediglich drei Treppenstufen im Weg. Ebenso befindet sich dort auf der Badeplattform die beliebte Außendusche.

Kajüte im Boot

Biegt man dann doch in die andere Richtung ab, kommt man rechts in die Nasszelle. Diese lebt ganz nach dem Motto „klein aber fein“, somit ist alles Notwendige vorhanden und der Weg für die morgendliche Badroutine ist geebnet.

Die Nasszelle

Kommt man aus der Nasszelle heraus, geht rechts der Weg hoch in den Salon, das Herzstück der Kormoran 940. Vorne links ist der innere Steuerstand zu finden, praktischerweise ist direkt daneben eine kleine Sitzecke, welche zu einem Doppelbett umfunktioniert werden kann. Gegenüber der Sitzecke befindet sich die Pantry, die Kochzeile. Mit einem Kühlschrank, einem Backofen und einer Kochnische findet man dort alles, was für eine Bootsreise benötigt wird. Absolutes Highlight des Salons ist der 360 Grad Panorama-Blick durch die rundum Verglasung.

Rundum Blick im Salon
Rundum Blick im Salon

Wer die Sonne auf der Haut spüren möchte, kann links oder rechts aus der Tür gehen und sich vorne an den Bug des Bootes setzen. Dort leistet einem die KUHNLE-TOURS Fahne Gesellschaft.

Fahne am Bug des Hausbootes

Andererseits kann man natürlich auch zur Heckleiter gehen und sich auf den Weg zum Sonnendeck machen, von dort ist die Aussicht nicht minder schöner. Des Weiteren befindet sich dort der äußere Steuerstand, welcher besonders gerne genutzt wird. Bootskapitän an der frischen Luft mit einem schönen Ausblick – was will man mehr.

Äußerer Steuerstand

Insgesamt besticht die Kormoran 940 durch viel Komfort und schöner Ausstattung und vielen Features, die das Leben an Bord noch angenehmer machen. Als eines der wenigen Boote in unserer Flotte ist die Kormoran 940 in jeder Region (Ausnahme Hafen Fürstenberg) buchbar, damit steht dem Ausflug auf der Mecklenburgischen Seenplatte, auf der Masurischen Seenplatte in Polen oder im Gebiet Elsass in Deutschland/Frankreich nichts im Wege (Übrigens, als Paar sparen Sie 10 % bei einer Buchung der Kormoran 940 in Niderviller, Frankreich!). Dieses Boot macht es einem schwer, sich nicht wohl zu fühlen während des Bootsurlaubs.

Vier Schweizer Seebären  unterwegs auf der Dahme

Vier Schweizer Seebären unterwegs auf der Dahme

Koni: Aspirant, Deckhand, Kü-Chef, F&B, Anker
Peter: Deckhand, Kü-Chef, Kassier Wasser, Bootsschlüssel
Walti: Skipper, Navigation, Manöver, Deckhand, Meteo, Sani, Motor
Thomas: Deckhand, Meteo, Kü-Chef, F&B, Sehenswürdigkeiten/Reiseführer, Foto + Fahrten-Bericht