Törnbericht Tjonger Oktober

Törnbericht Tjonger Oktober

von Thomas

Wir waren mit 2 Erwachsenen und einem Kind (6 Jahre) für 5 Tage auf dem Hausboot

Tjonger unterwegs. Montagnachmittag ging es nach einer sehr freundlichen Einweisung mit Probefahrt direkt los, von Freundin und Kind konnte währenddessen das Schiff beladen und eingerichtet werden. Auch für den Kleinen gab es eine gut sitzende, intakte Schwimmweste.

Dienstag in der Früh sind wir direkt ohne Frühstück ausgelaufen und haben dies dank geräumigem Schiff auf der Fahrt nachgeholt. Nach 2,5h sind wir dann entspannt in Waren angekommen und konnten das Müritzeum anschauen. Der neu ausgebaute Warener Hafen ist auch gut bei nicht anwesendem Hafenmeister zu bezahlen und auf den Stromsäulen war dank spendabelem Vorlieger auch noch etwas Strom drauf ; ) Mittwoch ging es dann zurück über die Müritz, über Mirow in den Zotzensee, wo wir unsere erste Nacht vor Anker verbrachten – hier waren wir sehr dankbar über die gute Heizung, die uns ordentlich warm gehalten hat.

Donnerstag ging es dann wieder Richtung Heimathafen durch die Guillotinenschleuse von Mirow, sehr spannend und mit netter Schleusenwärterin, die über Lautsprecher alle Schiffe gut in die Schluse gelotst hat. Eigentlich wollten wir am Abend dann schon wieder im Hafen Rechlin sein, aber uns hat unser Nachmittagsankerplatz so gut gefallen, dass wir auch noch über Nacht geblieben sind. Dafür ging es dann gleich zum Sonnenaufgang am Freitag wieder zurück und das Schiff konnte beschädigungsfrei (puh ; ) wieder abgegeben werden.

 

Zur Tjonger kann gesagt werden, dass es für seine 22 Jahre noch gut in Schuss ist (Gebrauchsspuren wie bei allen Charterbooten sind ja normal). Das Fahrverhalten ist gut, die Geschwindigkeit mit 9,5 Km/h in Ordnung und der Wendekreis super!

Die Pantry ist geräumig, Backofen, Herd, Kühlschrank ist alles da. Auch duschen an Bord ist möglich, wenn auch nicht grade bequem. Bei der Ausstattung wären Holzschneidebretter (statt derer aus Glas) ganz gut.

Aufgefallen ist der wenige Stauraum, das kann bei Vollbelegung sicherlich zum Problem werden. Die Warmluftheizung an Bord läuft elektrisch und tut einen guten Dienst. Nur ist sie Lautstärkebedingt Nachts nicht benutzbar, was zumindest in einer der kalten Oktobernächte schön gewesen wäre.

 

Wir kommen gerne wieder!

 

Bootsurlaub auf Rädern

Bootsurlaub auf Rädern

von Adina und Timo Hermann

Deutlich später als geplant starten wir den Motor und fahren los. Das Verstauen unseres Gepäcks im Auto ist eigentlich Routine, dauert dieses Mal aber unerwartet lange. Denn jetzt kommen da noch die Küchenutensilien-Box sowie Taschen mit Arbeitshandschuhen, Fernglas, Anti-Mücken-Kerzen und sonstigen eher ungewöhnlichen Gegenständen hinzu. Von Berlin aus dauert die Autofahrt nach Zehdenick rund eine Stunde. Allerdings wollen wir zunächst einen Abstecher in den Ziegeleipark Mildenberg machen, den wir schon seit langem auf unserer Liste der interessanten Ausflugsziele haben.

 

Zwischenstopp im Ziegeleipark Mildenberg

Auf Rädern und Rollen in die Backsteinwelt

Der Ziegeleipark ist ein Industriedenkmal mit alten Ziegelei-Hütten, durch die ein interaktiver Rundgang führt, und einer Schmalspurbahn, mit der Besucher über das weitläufige alte Areal chauffiert werden. Auf dem Gelände stehen viele alte Gebäude, die es zu entdecken gilt. Wir beginnen unseren Rundgang und stellen erstaunt fest, dass selbst alte Industriedenkmäler durchaus rollstuhlgerecht gestaltet werden können: Über Spalten führen Rampen, die Wege sind verhältnismäßig eben, und die Breite reicht für die meisten Rollstühle auch locker aus. In den Film am Eingang schauen wir aus Zeitgründen nur fünf Minuten rein, wir haben insgesamt nur zwei Stunden Zeit und noch viel zu entdecken.

Wir marschieren vorbei an alten Maschinen und Förderbändern, haben den Geruch des Tons und der gigantischen Brennöfen noch in der Nase (was muss das für eine irrsinnige Hitze hier in den Räumen gewesen sein!) und lassen uns an den vielen Infosäulen von den ehemaligen Mitarbeitern die einzelnen Abschnitte der Ziegelproduktion erklären. Besonders beeindruckt uns hier, wie liebevoll die Produktion durch Licht- und Soundeffekte belebt wird – fast ist es, als wären wir selbst Arbeiter der Fabrik.

Anschließend geht es mit der Bahn „Thomas”, die laut unseres Führers heute wohl einen guten Tag hat (was nicht immer der Fall ist) über das Gelände. Mit Rampen kommen Rollstuhlfahrer auf den Wagen und können so bequem an der Rundfahrt teilnehmen. Während einer 45-minütigen Fahrt geht es hier in das größte europäische Tonstichgebiet, in dem vor allem während des Baubooms zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg massenhaft Ziegel für Berlin gebrannt wurden, begleitet von einem Museumsführer, der an sehenswerten Punkten anhält und mit launigen Erklärungen für Kurzweil sorgt.

Lorenbahnfahrt im Ziegeleipark Mildenberg: Kleiner Boxenstopp, bevor es richtig losgeht!

Nach der Rundfahrt basteln wir uns noch schnell zwei Mini-Ziegel als Andenken und begeben uns zurück zum Auto. Die Sonne lacht, und es verspricht ein warmes und spannendes Wochenende zu werden. Denn: um 15 Uhr werden wir in der Marina Zehdenick erwartet, um unser Hausboot für die kommenden sieben Tage in Empfang zu nehmen! Auf den ersten Blick scheint dieses Unterfangen bei der Planung ja beinahe banal: ein Hausboot, und das in einer Region, in der wir regelmäßig unterwegs sind. Bei der genaueren Törnplanung wurde es dann aber spannend: da waren doch einige Gebiete dabei, die wir tatsächlich noch nie besucht haben – schon gar nicht vom Wasser aus. So fahren wir voller Erwartungen nach Zehdenick.

Langsam wird mir aber doch etwas mulmig: Ich Süßwassermatrose soll mit einem knapp zwölf Meter langen Boot die Havel hochschippern? Als wir endlich ankommen und ich zum ersten Mal vor dem Boot stehe, ist mir nicht mehr mulmig. Ich mache mir fast in die Hose! Zwölf Meter sind groß. Verdammt groß. Und auch der alte Hafenmeister, der uns einweisen soll (ohne Bootsführerschein gibt es erst eine dreistündige Einweisung in das Leben auf Wasser, inklusive Regeln, Verkehrszeichen, Fahrphysik und dergleichen sowie eine praktische Fahrstunde) blickt skeptisch vom Boot auf mich und meine rollstuhlfahrende Gattin. Schließlich entlässt er uns aber doch in die Freiheit – wir schleppen unsere Tonnen an Gepäck an Bord, lösen die Leinen und fahren mit schlotternden Knien im Schleichtempo los. Das erste Tagesziel ist aus gutem Grund nicht weit – es geht schon wieder nach Mildenberg, gerade einmal fünf Kilometer die OHW (die Obere Havel-Wasserstraße) hinauf.

 

Tag 1 – Marina Zehdenick nach Mildenberg

Walzertanz im Hafenbecken und Crewverstärkung
Täuschend ruhig? Die Reise geht los und sie verspricht aufregend zu werden!

18:00 Uhr: Unser Abenteuer beginnt. Wir sind auf uns allein gestellt und lernen unser Hausboot „Phila”, ein rollstuhlgerechtes Febomobil 1180, allmählich kennen – die Fahreigenschaften sind für Autofahrer erst einmal gewöhnungsbedürftig, denn hier funktioniert alles viel langsamer und indirekter. Die Oberhavel schlängelt sich hier in angenehmer Breite Richtung Berlin, und dank des Niedrigwassers (rund 20 Zentimeter unter Normalpegel nach dem trockenen Sommer) fällt auch die Strömung, gegen die wir anfahren, eher gering aus. An wunderschönen Seerosenfeldern vorbei tuckern wir langsam in Schlangenlinien (so ein Boot ist unglaublich schnell übersteuert, solange der Skipper nicht seine hektischen Autofahrer-Manieren ablegt!) flussaufwärts.

19:30 Uhr Schließlich sichten wir die Hafeneinfahrt zum Neuen Hafen Mildenberg, den wir links liegen lassen, verringern unsere Fahrt und steuern gleich danach die Einfahrt zum Alten Hafen an. Auf der linken Seite haben wir schnell eine Box ausgemacht, in der wir rückwärts anlegen wollen, vergessen im selben Moment aber alles, was wir über Anlegemanöver gelernt haben. So folgt ein für die zahlreichen Zuschauer wohl amüsanter viertelstündiger Walzertanz im Hafenbecken, bis sich schließlich zwei andere Skipper unserer erbarmen und uns sicher in die Box manövrieren. Wie peinlich … Und gleich nach dem Anlegen werden wir uns des zweiten Anfängerfehlers bewusst, der uns hier unterlaufen ist: Die seitlichen Schwimmstege sind nicht nur viel zu schmal für Adinas Rollstuhl, sondern auch viel zu kurz. Sie reichen nicht annähernd an die Badeplattform heran, wo Adina hätte von Bord gehen können. Der Weg über das Heck scheidet aus, weil der Durchgang hinten für Rollstuhlfahrer zu eng ist – für Rollstuhlfahrer ist der vordere Ausgang gedacht, das lässt sich konstruktionsbedingt anders auch kaum lösen. Lektion 1, die wir an diesem Abend lernen: Nur vorwärts oder seitlich anlegen, und Lektion 2: Dringend noch einmal die Theorie über Anlegen büffeln … mit gesenktem Haupt und leicht angekratztem Ego marschiere ich zum Hafenbüro und melde uns an.

Platz haben wir genug, da muss auch Adina ran!

Schließlich richten wir uns in unserem komfortablen, neuen Zuhause für die kommenden sieben Tage gemütlich ein, beginnen zu kochen und freuen uns auf unsere Freunde aus Hamburg, die bereits auf dem Weg zu uns sind, um uns die kommenden beiden Tage zu begleiten. Erfreuliches Detail: Das Spülbecken ist unterfahrbar, und auch die Schubladen sind leichtgängig. Perfekt, Adina kann den Abwasch übernehmen! Pünktlich zum Essen treffen unsere Freunde auch ein und die Aufregung der vergangenen Stunden erscheint bei Pasta und Wein gleich in einem ganz anderen Licht. Es gibt viel zu erzählen, und so fallen wir schließlich erst spät in die Betten.

Betten gibt es übrigens insgesamt bis zu sieben auf unserem Hausboot: Das Febomobil 1180 verfügt hinten über ein Schlafzimmer mit Doppelbett, ein darüber gelegenes Einzel-Etagenbett und eine kleine Sanitärkabine mit Waschbecken, Duschwanne und Toilette. Dieser Bereich ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, für die gibt es vom Gang abgehend eine rollstuhlgerechte Schlafkabine mit Doppelbett und Schrank, daneben zwischen Schlafkabine und Salon/Küche ein größeres Badezimmer mit berollbarer Dusche (Achtung, die Therme an Bord hat keine Kapazitäten für endlose Duschorgien…), unterfahrbarem Waschbecken und Toilette mit Haltegriff. Zudem liefert Kuhnle-Tours neben einer klappbaren Rampe auch zwei Haltegriffe zur individuellen Anbringung mit, wenn das Boot von Rollstuhlfahrern gebucht wird. Das Sofa in der Lounge lässt sich ausklappen und zu einem Doppelbett umbauen. Die Küchenzeile ist neben einem dreiflammigen Gasherd mit Kühlschrank, Geschirr, allen wichtigen Kochutensilien und sogar Backofen ausgestattet – lediglich Verbrauchsmaterial, Gewürze und Co müssen Urlauber naturgemäß selbst mitbringen.

 

Tag 2 – Mildenberg nach Himmelpfort

Fernglas mitnehmen lohnt sich! Wir sichten einen Eisvogel!

9:00 Uhr Wir wollen nach einer kurzen, aber sehr angenehmen Nacht heute einigermaßen zeitnah ablegen, denn uns steht gleich am zweiten Tag die längste Etappe unserer Reise bevor. Mehr als 30 Kilometer sind es von Mildenberg bis in den Stolpsee, dabei dürfen wir auch gleich an vier Schleusen zeigen, was wir können (oder auch nicht). Zumindest können wir vier uns heute am Ruder abwechseln, was die Fahrt gleich viel entspannter macht, und wir trauen uns nach zwei Stunden auch, den Gashebel langsam Richtung volle Fahrt zu schieben, was uns auf immerhin 8 km/h beschleunigt. 15 PS sind bei führerscheinfreien Booten eben die Grenze, für die zulässigen 9 km/h auf den meisten Binnengewässern aber auch grundsätzlich ausreichend.

Zwischendurch sind dabei allerdings diverse Stopps zum Fotografieren fällig, denn die Natur hier ist unvergleichlich schön und unberührt: Wir fahren vorbei an unzähligen Graureihern, an einer Ziegenherde, die am Rande des Kanals zur Begrüßung blökt, und gleich zweimal haben wir das unglaublich seltene Glück, Eisvögel zu sehen! Diese wunderschönen kleinen blaugefiederten Kerlchen sind leider wahnsinnig schnell – zu schnell für all unsere Kameras. So bleibt lediglich ein Foto mit einem verschwommenen blau-metallic-farbenen Punkt in der Mitte, von dem wir allein wissen: Das war ein Eisvogel!

Die Navigation fällt währenddessen schwierig aus – Standortbestimmung via Google Maps scheitert regelmäßig daran, dass sämtliche Smartphones uns ein stumm-vorwurfsvolles “Kein Netz” anzeigen. Soviel also zum Netzausbau. Das entschleunigt wunderbar, ist aber nur so semi-optimal, wenn man zwischendurch Fotos oder Statusberichte posten möchte. Wir verlassen uns also auf Wasserkarten, Schilder und unser Gefühl.

Schließlich kommt nach einer Gabelung die erste Schleuse zum Vorschein, die Schleuse Schorfheide. Ein Blick durch das Fernglas (das zum unverzichtbaren Begleiter geworden ist!) zeigt: Grün! Die Schleuse ist offen, die Boote darin warten auf uns! So lässt es sich natürlich elegant direkt einfahren, ohne vorherige An- und Ablegemanöver. Im Schneckentempo schieben wir uns in die Schleuse, werfen die Leinen über die Poller und das Tor schließt sich hinter uns. Nach rund zehn Minuten befinden wir uns einen knappen Meter höher auf der Havel und laufen wieder aus. An den kommenden drei Schleusen haben wir nicht dasselbe Glück, hier ist jeweils Anlegen und Warten angesagt, und wir lernen schon jetzt, dass die Geschwindigkeit auf dem Wasser völlig anders ist, als man es als Autofahrer gewöhnt ist. Wir lernen langsam, unsere Ungeduld zu senken und die Vorzüge anzunehmen: Gemütlich dahintuckern, die Natur in aller Ruhe beobachten, und für egal welche Entscheidung ausreichend Zeit zu haben, selbst wenn uns ein dicker Pott entgegenkommt und wir gerade wieder einmal eher am linken Ufer entlang kriechen. Bis wir uns begegnen, haben längst alle ihre richtige Spur gefunden.

Inzwischen weitet sich die Havel zu einer breiten Mündung, und wir sind auf dem Stolpsee angekommen. Schön ist es hier! Wir halten uns rechts, weil wir am Stolpsee Bootshaus anlegen wollen, und bei Sicht rufe ich den Hafenmeister an, um sicherzugehen, dass er noch ein Plätzchen für uns frei hat.

 

17:00 Uhr Der Hafenmeister hat uns bereits durchs Fernglas erspäht. “Ihr seid det weiße große Ding da, oder? Dann gleich außen links festmachen, bloß nich rin!”, lautet seine Anweisung, der wir natürlich gern Folge leisten. Am Anleger wartet er bereits auf uns, begrüßt uns freundlich und macht uns fest. Er erklärt, dass er große Hausboote, Flöße, Caravan-Boote und dergleichen lieber gleich außen festmacht, weil der Abstand zwischen den Stegen eher klein ist und Anlegemanöver so schnell teuer werden können. Wir sind damit völlig zufrieden: Wir liegen seitwärts an einer Position, wo wir morgen locker wegkommen, der Schwimmsteg ist genau auf Höhe des Bootes, sodass Adina sogar ohne Rampe von Bord kommt. Das Sahnehäubchen: Der freie Ausblick auf den See ist fantastisch. Also alles super! Die Marina ist sauber und gepflegt, auch wenn es leider keine Sanitäreinrichtungen für Rollstuhlfahrer gibt. Egal, haben wir ja an Bord.

Weil die Mägen durchweg knurren, schlendern wir in das Örtchen Himmelpfort, wo sich neben einem alten Zisterzienserkloster auch ein Weihnachtspostamt befindet. Schließlich stehen wir an der Schleuse, die von Booten Richtung Lychen passiert werden muss, und ertappen uns dabei, dass wir uns plötzlich genauso über die Skipper darin lustig machen wir jene Zaungäste, die an unseren vergangenen Schleusen standen. Vielleicht also eine Art Ventil, um das eigene Unvermögen zu schmälern? Wer weiß. Der Hunger überwiegt der Schaulust, und wir lassen uns im nächstgelegenen Restaurant nieder, fallen über unser Essen her und marschieren anschließend satt und zufrieden zurück aufs Boot.

 

Tag 3 – Himmelpfort nach Fürstenberg/Havel

Verpflegung für Jedermann!

 

11:00 Uhr Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück, zu dem sich auch diverse Schwäne gesellen – wohl in der Hoffnung, etwas abzubekommen (was natürlich funktioniert hat – bemerkenswert ist allerdings die Dreistigkeit dieser Schwäne, die selbst beim Füttern noch den Futterspender zwischen den einzelnen Portionen anfauchen). Dann legen wir in aller Ruhe ab. Es ist ein wunderschöner sonniger, heißer Spätsommertag, und wir haben die zweitkürzeste Etappe des Törns vor uns: Nach Fürstenberg sind es gerade einmal fünf Kilometer über Stolpsee und Havel. Heute übernimmt Adina das Ruder, schließlich legen die Erbauer von der Kuhnle Werft Wert darauf, dass auch Rollstuhlfahrer das Boot problemlos steuern können. Und tatsächlich: Meine Gattin, die keinen Auto-Führerschein besitzt, kann dieses riesige Boot ohne Schwierigkeiten steuern, nur mit dem etwas groben Gashebel tut sie sich etwas schwer. Souverän steuert sie dann gleich mal über den weiten See und den Havelkanal bis in den Schwedtsee, wo wir uns steuerbord halten, anstatt direkt auf Fürstenberg zu zulaufen. Unsere Begleitcrew verlässt uns leider schon heute Abend, und wir wollen den vielleicht letzten warmen Sommertag des Jahres ausnutzen. Also steuern wir in den kleineren Zipfel des Schwedtsees. Hier am Nordost-Ufer des Sees liegt die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, die mahnend an die dunklen Kapitel deutscher Vergangenheit erinnert.

Am Rande des Sees finden wir schließlich ein ruhiges Plätzchen, stoppen auf, drehen den Bug in den Wind und lassen den Anker fallen. Noch schnell in die Badehose und die Badeleiter ausklappen, und zumindest die männlichen Crewmitglieder springen ins Wasser. Die Frauen plaudern gemütlich an Deck. Lange halten wir es im Wasser allerdings nicht aus, da es durch die nächtlichen Temperaturen bereits ordentlich abgekühlt ist, ich wärme mich auf dem Sonnendeck des Daches wieder auf.

Brücke in Fürstenberg: Das ersehnte Ziel ist in Sicht.

15:00 Uhr Nach ein paar Stunden Dümpeln brechen wir schließlich auf Richtung Hafen. Wir suchen uns am Stadtanleger Fürstenberg einen gemütlichen Liegeplatz, machen das Boot fest und wandern den kurzen Weg in die Stadt, um Fürstenberg anzusehen. In Fürstenberg gibt es nebeneinander gleich zwei Anleger, von denen allerdings beide einen kleinen Haken für Rollstuhlfahrer aufweisen: Der Yachtclub verfügt über ein Restaurant, ebenerdige Wege und rollstuhlgerechte Sanitäranlagen. Links davon, getrennt durch einen kleinen Fluss, die Iserdiek, liegt der Stadtanleger. Über die Iserdiek führt eine Brücke mit insgesamt jeweils fünf Stufen, ebenerdig sind die beiden Häfen trotz direkter Lage nebeneinander nur durch einen langen Feldweg zum Parkplatz des Yachtclubs verbunden. Wer nur im Hafen bleiben möchte, für den ist als Rollstuhlfahrer der Yachtclub die bessere Wahl, wer aber die Stadt anschauen möchte (wo es auch reichlich Restaurants gibt) und über Sanitäranlagen an Bord sowie eine mobile Rampe für die Stufe am Ende des Stegs verfügt, ist am Stadtanleger besser aufgehoben…

 

Wir lassen uns durch die Stufen der Brücke nicht aufhalten und gönnen uns schließlich ein Abschieds-Abendessen im Restaurant des Yachtclubs, um danach Abschied von unseren Freunden zu nehmen. Mit mulmigem Gefühl sitzen wir danach an Bord und sehen uns unsicher an: Zu zweit weiter? Die ganze Strecke, noch ganze sieben Schleusen? Wir trösteten uns mit Wein und einer guten Lektüre und halfen nebenbei einer ganz frischen Hausboot-Crew beim Anlegen. Das ist übrigens eine Selbstverständlichkeit im Wassersport, die uns tief beeindruckt hat: Jeder hilft dem anderen. Laufe ich in einen Hafen ein, steht meist ein Skipper auf und nimmt meine Leine entgegen, um mich festzumachen. Stehe ich an einer Schleuse und muss dort festmachen, genau dasselbe. Man ist freundlich und höflich, grüßt sich untereinander, tauscht sich aus und macht sich Mut, denn jeder kann auf dem Wasser irgendwann in Not geraten und dann dringend auf fremde Hilfe angewiesen sein. Eine Erfahrung, die uns nach wie vor prägt: Diese allgegenwärtige, selbstverständliche Hilfsbereitschaft war ganz anders als im Alltag – und das in Zeiten, in denen nicht selten Ellenbogen, Wut und Egoismus an der Tagesordnung sind.

 

Tag 4 – Fürstenberg nach Wolfsbruch

Schleusen zu zweit: Kein Erbarmen, anpacken ist angesagt!

 

8:30 Uhr Habe ich mich bei der Tourplanung übernommen? Wie komme ich durch die Schleuse, wenn Adina steuert – wer führt die Leine am Heck? Mit solchen und anderen Gedanken im Kopf löse ich die Achterleinen, starte den Motor und löse nacheinander auch die Leinen am Bug. Es wird ernst: Wir sind nur noch zu zweit, und haben heute über 20 Kilometer und weitere vier Schleusen vor uns. Nach kurzer Fahrt erreichen wir auch schon die Schleuse Fürstenberg: Rot! Und kein Anlegeplatz mehr frei. Ich stoppe auf und halte mich hinter einem weiteren Boot, das bereits vor dem Wartebereich kreuzt. Schließlich sind alle Boote, die gerade abwärts geschleust wurden, aus der Schleuse raus, das Zeichen springt auf grün, und es wird ernst. Langsam steuere ich mit zitternden Knien in die Schleusenkammer, komme nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an den richtigen Platz und werfe die Bugleine über den Poller. Die Crew eines nachfolgenden Bootes, das keinen Platz mehr in der Schleuse findet, übernimmt auf meine Bitte hin die Achterleine. Geht doch! Jetzt nur noch unbeschadet aus der Schleuse rauskommen… wir danken unseren Helfern, legen ab und gleiten als letztes Boot erstaunlich präzise aus der Schleusenkammer. Da scheint “Phila” ordentlich mitgeholfen zu haben, an meinen Qualitäten als Einsteigerskipper kann das nicht allein gelegen haben! Aber zugegeben: Mit ein wenig Übung ist das Boot ganz gut manövrierbar, auch dank Bugstrahlruder. So fasse ich neuen Mut, und wir schippern langsam durch ein ganzes Labyrinth aus Seen und Kanälen. Manche Seen streifen wir heute nur, manche müssen wir komplett durchfahren, manche Kanäle sind eng und kurvig, manche breiter. Die Zeit schreitet voran und wir gewinnen beide an Sicherheit. Auch die beiden nächsten Schleusen meistern wir dank Hilfe von netten anderen Bootsurlaubern problemlos. Wir genießen nun zunehmend unbeschwert die Natur, das Wasser und den leicht auffrischenden Wind. Ohne Jacke geht es heute allerdings nicht mehr, über Nacht sind die Temperaturen deutlich abgesunken. Die Sonne versteckt sich größtenteils, gelegentlich nieselt es ein wenig. Vergangene Woche sah die Wettervorhersage eigentlich noch viel positiver aus, aber hey, wir sind Naturmenschen. Sonne und Strand kann jeder!

 

16:00 Uhr In der Schleuse Wolfsbruch merke ich dann aber doch die fortgeschrittene Fahrzeit, die an meiner Konzentration geknabbert hat: Es geht abwärts in die Rheinsberger Gewässer und ich habe nichts besseres zu tun, als reflexartig meine Leine festzumachen. Vom Boot vor uns kommt ein Schrei: “Hey, nicht belegen!!!” – ich schrecke auf, löse den Knoten und stelle mir gerade vor, wie ich einen Notstopp auslösen muss, weil ich mein Boot am Poller aufgehängt habe – ups! Gerade noch rechtzeitig bekomme ich meinen (seemännisch völlig korrekten, aber leider unangebrachten) Knoten wieder auf. Ich spüre, dass es Zeit wird, die Füße hochzulegen.

Können wir auch kurze Zeit später: Nur 500 Meter hinter der Schleuse liegt die Marina Wolfsbruch, in der wir übernachten wollen. Die Einfahrt ist eine Herausforderung, geht im rechten Winkel backbord vom Kanal ab, aber wir bugsieren “Phila” mehr oder weniger elegant hindurch und machen seitlich an der Mauer hinter einer Hamburger Chartercrew fest. Leider hat hier das Niedrigwasser voll zugeschlagen: Wir liegen rund 50 Zentimeter unter dem Niveau der Hafenmauer. Keine Chance, hier mit Rollstuhl von Bord zu kommen. Später entpuppt sich das allerdings auch als geringer Verlust, denn außer einem Resort mit Hotel, Ferienhäusern, dem Hafen und zwei Restaurants gibt es hier nichts. Wirklich nichts. So bleibt uns mehr Zeit, mit unseren Nachbarn zu klönen (schließlich haben wir selbst mehrere Jahre in Hamburg gelebt), ein leckeres Risotto mit gebratener Chorizo zu köcheln und uns auszuruhen.

 

Tag 5 – Wolfsbruch nach Rheinsberg

Marina Wolfsbruch: Adina muss unten bleiben, weil die Kombi aus niedrigem Wasserstand und hoher Spundwand nicht zu überwinden ist.

Unsere Nachbarn reichen uns ihre Kaffeemaschine über Bord mit der Bitte, ihnen Strom zu spendieren. Die Elektrik ihres Bootes (von einem anderen Charterunternehmen) hat den Geist aufgegeben, und natürlich helfen wir da gerne aus – morgens ohne Kaffee verstößt ja schließlich gegen Menschenrechte! Zehn Minuten später wechseln Maschine und volle Kanne wieder den Besitzer, und wir planen den Tag: Gegen 10:00 Uhr wollen wir ablegen, um gegen Mittag in Rheinsberg zu sein, wo wir verabredet sind. Der Wind hat indes andere Pläne: Über Nacht hat er deutlich aufgefrischt und steht nun senkrecht auf unserem Boot. Unseren ersten Ablegeversuch quittiert “Phila” mit einem leisen Ächzen der Fender, als eine Böe uns prompt wieder gegen den Anleger drückt. “Hiergeblieben!”, scheint der Wind zu sagen. Langsam ahnen wir, dass aus unserem Mittagstermin nichts wird. Also machen wir wieder fest, beobachten das Wetter und starten eine Stunde später einen neuen Versuch.

 

 

11:00 Uhr Diesmal sind wir erfolgreicher, kommen aber nicht ohne diverse unsanfte Berührungen der Hafenmauer aus (die “Phila” uns glücklicherweise nicht weiter übel nimmt), nachdem wir es geschafft haben, im fast leeren Hafenbecken zu drehen. Schnell wird uns nun auch klar, warum die Empfehlung lautete, ab Windstärke 4 (etwa 20km/h, wenn sich Äste im Wind bewegen) einen Hafentag einzulegen. Dem gegenüber stehen aber unsere Zeitplanung und die unglückliche Situation im Hafen, die Adina auf das Boot verbannt, so versuchen wir dennoch unser Glück. In den Kanälen gibt es reichlich Strömungen, die viel Steuerarbeit verlangen, auf den Seen müssen wir schließlich kreuzen, um überhaupt noch voran zu kommen – das Boot steht mit seiner großen Fläche natürlich wie ein Segel im Wind.

 

14:30 Uhr Wir schaffen es schließlich, im Rheinsberger Stadthafen ein Liegeplätzchen zu ergattern, wo wir unseren Besucher empfangen können. Auch wenn wir einigermaßen erschöpft sind, sind wir insgeheim auch ein wenig stolz auf uns und fühlen uns schon beinahe wie gestandene Seeleute. Fast als hätten wir Orkane auf rauer See und den Angriff eines Riesenkraken überlebt! Auf jeden Fall genug Material für die ein oder andere Erzählung mit ein wenig Seemansgarn… Nachdem wir uns erholt haben, schlendern wir ein wenig durch Rheinsberg. Wir freuen uns, dass hier nicht zuletzt dank des barrierefreien Seehotel Rheinsberg schon wirklich viel in Richtung Barrierefreiheit getan wurde und erkunden das Schloss von außen – währenddessen wird uns als Kulisse ein wirklich spektakulärer Sonnenuntergang geboten (wo war die Sonne eigentlich den ganzen Tag?!). Im nahegelegenen Supermarkt füllen wir unsere geschrumpften Reserven auf und lassen uns anschließend in einem nahegelegenen Restaurant bewirten.

 

Tag 6 – Rheinsberg nach Canow

 

10:00 Uhr Endlich: Der Wind hat nachgelassen. Es ist immer noch böig und windig, aber lange nicht so stark wie gestern. Also heisst es wieder “Leinen los!”, und wir können voll in unserem Tourplan bleiben. Das heutige Ziel ist rund 15 Kilometer entfernt, es ist der Anleger Albertinenlust am Canower See, direkt an der Schleuse. An der Schleuse Wolfsbruch treffen wir wieder auf alte Bekannte und weil es hier irgendwie immer etwas länger zu dauern scheint (warum auch immer – die Schleuse macht gerade einmal 40 Zentimeter Hub und benötigt dafür gefühlte Ewigkeiten), plauschen wir mit anderen Crews, zeigen unser großzügig geschnittenes Boot neugierigen Skippern und können schließlich in die Kammer einlaufen.

Familienausflug zum Außenborder: unerwarteter Besuch von reizenden Gästen

Als wir den Kanal verlassen und über den Kleinen Pälitzsee schippern, stellen sich uns plötzlich einige Wegelagerer ins Fahrwasser: Eine Schwanenfamilie schwimmt dreist auf uns zu! Zwar haben sie keine Piratenflagge gehisst, ihre Absichten sind aber eindeutig, also stoppen wir auf und spendieren unser altes Brot, das von den Schwänen samt grauen Jungschwänen mehr oder weniger dankbar in Empfang genommen wird.

 

13:00 Uhr Nach Abschluss der Raubtierfütterung nehmen wir wieder Kurs auf Canow, wo wir mit dem bisher elegantesten Anlegemanöver am Steg festmachen. Übung macht den Meister! Zwar ist hier nichts so richtig barrierefrei und der Weg vom Steg endet auf einer Wiese, wo es recht steil über sandig-erdige Fahrspuren nach oben zur Straße geht, aber schließlich wollen wir diesen Ort doch erkunden. Obwohl wir die Region gut kennen, ist Canow bislang ein weißer Fleck auf unserer Karte. Wir sind sehr erstaunt, in dem Dorf mit 140 Einwohnern (laut Hafenmeister) gleich vier Restaurants, zwei Hotels, einen Fischer und einen Tante-Emma-Laden neben der Schleuse vorzufinden. Den Fischer haben wir für morgen eingeplant, dazu später mehr. Sogar Bootszubehör und maritime Deko finden sich hier an der Albertinenlust! Im Hochsommer tummeln sich hier locker 800 Menschen pro Tag, erzählt uns der Hafenmeister – viele Wassersportler, Paddler, Angler, dank der Lage zwischen zwei Seen. Und die idyllische Ruhe ist einmalig: Nur ein weiterer Gastlieger hat sich hierher verirrt, obwohl der Anleger direkt neben der Schleuse liegt. So genießen wir einen unglaublich ruhigen Abend am Steg, mit Blick auf den Schilfgürtel und schlafen schnell und tief, um uns für die vorletzte Etappe zu rüsten.

 

Tag 7 – Canow nach Mirow

So frei wie die Schwalben, sind auch wir auf der Phila.

7:00 Uhr Ich wache von selbst auf und schaue aus dem Fenster: Wir sind von Schwalben-Schwärmen umgeben! Überall sammeln sie sich, was angesichts des nun doch recht herbstlichen Wetters kein Wunder ist. Ein Blick auf den See und zur Schleuse: Es ist gar nichts los. Herrlich, also Ausspannen und gemütlich frühstücken vor dem Ablegen. Schließlich haben wir nur noch eine Etappe von 13 Kilometern bis Mirow vor uns – ein Klacks im Vergleich zu den bisherigen Strecken! Dass sich das bald als Trugschluss herausstellt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

10:00 Uhr Stau an der Schleuse, auf dem See, und dann drückt sich noch ein Fahrgastschiff an der Schlange vorbei. Na großartig, zu lange gewartet. Also noch etwas warten, schließlich ist gerade Pause in der Schleuse. Die Schlange wird schon wieder kürzer.

Mit großer Zuversicht der feindlichen Schleuse entgegen, bereit für alles was einen dort erwarten könnte.

10:45 Uhr Ich gebe auf. Die Schlange wird nicht kürzer. Am Anleger vor der Schleuse dürften sechs oder sieben Boote liegen, auf dem See stehen vier Boote. Wir legen seufzend ab und reihen uns ein, rücken etappenweise vor. “Timo, komm ran! Da passt ihr noch hin!” – erstaunt blicke ich zur Wartestelle und erkenne unsere Nachbarn aus Wolfsbruch wieder, die wir mit Kaffee-Notstrom versorgt hatten. Tatsächlich passt “Phila” gerade so noch an die Wartestelle, und wir können endlich anlegen. Die Wiedersehensfreude ist groß, bald trudelt aber eine Nachricht von vorne ein: Mittagspause! Echt jetzt?! Die Schlange vor der Schleuse wird immer größer, und der Schleusenwärter macht Pause? Okay okay, wir wollten ja entschleunigen… also fügen wir uns und richten uns mit anderen Bootsurlaubern einigermaßen gemütlich auf dem Grünstreifen im Wartebereich ein.

 

12:30 Uhr Wir sind keinen Meter vorangekommen. Die Pause (die wohl vorgeschrieben ist, ob der Wärter möchte oder nicht) ist längst vorbei. Der Buschfunk entlang der Wartezone verrät: Ein Defekt, da sind Mechaniker an den Schleusentoren zugange. Na klasse. Eigentlich wollten wir in einer Stunde in Mirow anlegen. Das war wohl nix…Wenigstens haben wir eine nette Wartegemeinschaft.

 

13:30 Uhr Was lange währt: Nach rund drei Stunden Wartezeit und mit ebenso langer Verspätung im Zeitplan verlassen wir endlich die Schleuse. Hinter dem Kanal steuern wir hart steuerbord, denn hier findet sich – genau: ein Anleger beim Fischer! Wir haben in den letzten vier Stunden noch keine zehn Minuten Fahrt gemacht und machen bereits wieder fest, um eines der wärmstens empfohlenen Fischbrötchen vom Canower Fischer zu ergattern. Und die Empfehlung war berechtigt: Der frische, mild geräucherte Saibling im Brötchen war ein Gedicht! Auf dem Steg haben wir den See, das Boot und auch die Möwen gut im Blick, um nicht am Ende noch Opfer einer Mundraub-Attacke aus der Luft zu werden. Gut gestärkt legen wir ab und machen uns auf zu unserer letzten Schleuse.

Nach all dem Warten an der Schleuse haben wir uns einen leckeren Snack für Zwischendurch redlich verdient.

14:30 Uhr “Backbord hatte ich eigentlich gesagt”, knurrt mich die offenbar leicht entnervte Schleusenwärterin an, als ich steuerbord die Vorleine über den Poller werfe. Der Österreicher, den wir in Canow kennen gelernt hatten und den ich für die Schleuse zur Führung der Achterleine mit an Bord genommen habe (Danke nochmal!), hat indes backboard festgemacht. “Phila” liegt jetzt zwar absurd quer in der Schleuse, aber immerhin sind wir der Aufforderung der Wärterin so halb nachgekommen. Unseren Abschiedsgruß erwidert sie auch nicht mehr, wir lassen unseren Helfer dankbar von Bord gehen und verlassen nun die letzte Schleuse Richtung Mirow.

 

16:30 Uhr Klar: wir sind zu spät dran. An der Schlossinsel finden wir keinen freien Liegeplatz mehr (warum musste ich diesen Anleger an der Schleuse auch wirklich allen empfehlen??). Wir fahren weiter über den See zum Strandrestaurant, wo noch genügend freie Liegeplätze vorhanden sind. Unsere österreichischen Freunde haben uns offenbar verfolgt und machen zwei Plätze weiter fest. Leider ist der Platz etwas entlegen vom Mirower Stadtzentrum, das eigentlich wirklich wunderschön ist, und der Weg extrem steil. So verzichten wir auf einen Ausflug zur Schlossinsel, der sonst eigentlich zum Pflichtprogramm gehört (die wir aber wegen Adinas Familie ohnehin bestens kennen), kochen gemütlich, und beginnen dann mit dem unangenehmen Teil: dem Packen.

Morgen früh endet unser Törn im drei Kilometer entfernten Granzow und wir werden etwas wehmütig angesichts all der Erinnerungen und der tollen Erlebnisse. Wir lassen unsere Fahrt ein wenig Revue passieren: Die anfängliche Angst vor den Schleusen und dem Wind kam uns nun völlig albern vor, diese Angst hatten wir wohl unterwegs von Bord geworfen Wir erinnern uns an all die netten Menschen, die wir überall kennenlernen durften. An die Hilfsbereitschaft auf dem Wasser, die beispiellos ist – an wirklich jedem Ort. An die wunderbaren Blicke in die Natur, die uns sonst an Land verwehrt bleiben, all die schönen Orte, die Graureiher und die Eisvögel. Ja, es war ein ganz anderer Urlaub als sonst. Ein Perspektivwechsel. Eine Neuentdeckung der Heimat, inklusive Anti-Stress-Kur. Und wir haben viel gelernt, haben viele Herausforderungen überwunden und sind nicht nur völlig entschleunigt und erholt, sondern auch gestärkt und gewachsen aus diesem Abenteuer herausgegangen. Es mag Leute geben, die denken, dass ein Hausboot-Urlaub wie Campen auf dem Wasser sei. Für uns war es jedoch viel aufregender, lehrreicher und voller Aha-Momente.

Seufz! Unser letzter Abend auf dem Febomobil „Phila“.

Tag 8 – Abschied von Phila

 

7:15 Uhr Fluchend stehe ich am Herd. Ich entzünde die Flamme, um Kaffeewasser zu kochen, und die winzige Flamme flackert kurz auf, um anschließend mit einem leisen vorwurfsvollen “Plopp” zu sterben. Pünktlich zum letzten Morgenkaffee ist offenbar das Gas alle. Wenn Ihr irgendetwas nicht erleben wollt, dann ist es Timo am frühen Morgen ohne Kaffee. Knurrend marschiere ich ins nahegelegene ins Hotel. “Coffee to go? Nee, wir ham keine Becher mehr!” – Wird ja immer besser. “Oh, doch!” – Geht doch. “Nee, einen Zehner kann ich nicht wechseln…” – Meine Nerven. “Oh, doch!” – Meine Güte, was für eine schwere Geburt. Endlich sind Timo und Kaffee vereint, und ich marschiere triumphierend zurück zum Boot, um Adina meine Beute zu präsentieren (und ausnahmsweise mit ihr zu teilen!).

 

8:00 Uhr Schön, wenigstens zum Abschied zeigt sich die Sonne doch nochmal. Im Sonnenaufgang drehen wir eine Ehrenrunde vor der Schlossinsel und drehen dann ab Richtung Granzow. Der See liegt spiegelglatt im sanften Sonnenlicht, und wortlos voller Erinnerungen wechseln wir uns am Ruder ab, um “Phila” zum letzten Tanz zu bitten.
Es ist schon verblüffend, wie in unserem Sprachgebrauch innerhalb einer Woche aus dem kalten “das Hausboot” ein zärtliches “unsere Phila” wurde.
Bald schon taucht der Anleger von Kuhnle-Tours auf und mit einer eleganten Drehung drücken wir “Phila” sanft in ihren Liegeplatz, um von ihr Abschied zu nehmen und von Bord zu gehen. Wehmütig packen wir zum Schluss unsere Küchenbox wieder zusammen, räumen unser Gepäck in den Wagen und ziehen ihn vom Steg, während der Hafenmeister bereits das Abwasser abpumpt und Frischwasser tankt. Auf Wiedersehen, Phila!

Ein schönes Andenken an die angenehme und erlebnisreiche Reise.

Fazit: Mit dem Hausboot barrierefrei unterwegs

Ein rollstuhlgerechtes Hausboot vereint die Idee, ein kuscheliges Nest mit auf die Reise zu nehmen, und den Wunsch, entspannt viele neue Orte zu entdecken, auf bestmögliche Weise. Und das, ohne dabei auf Komfort zu verzichten.

Wir haben uns anschließend mit der Pressesprecherin der Kuhnle-Group zusammengesetzt und unseren Törn diskutiert, viel gelacht und manche Anregung gegeben. Die Idee des Febomobil 1180 war von Anfang an, dass Rollstuhlfahrer nicht nur darauf sitzen können, sondern es auch selbst steuern. Das ist zumindest größtenteils machbar – je nach persönlichen Anforderungen. Menschen mit schwachen Muskeln werden sicher nicht das Boot an Land ziehen und festmachen, andere hingegen schon. Mit ein wenig Planung und Beratung können solche Punkte aber im Vorfeld schon geklärt werden, und dem Hausboot-Urlaub steht nichts im Wege. Auch ist den Anbietern durchaus bewusst, dass längst nicht jede Marina auf Rollstuhlfahrer eingerichtet ist. Dafür gibt es ein barrierearmes Bad, große Tanks für Frisch- und Abwasser, eine berollbare Dusche, modulare Hilfen wie Haltegriffe und Rampen, sowie extra viel Benzin mit an Bord. Bedingungslose Barrierefreiheit ist durch Marinas und andere Anleger nicht immer möglich, aber mit etwas Kompromissbereitschaft und praktischem Denken ist so ein wirklich unvergesslicher Urlaub gut machbar!

 

Über die Autoren: Adina und Timo Hermann sind Reiseblogger mit einem speziellen Schwerpunkt auf barrierefreies Reisen. Seit über zehn Jahren reisen sie gemeinsam, Adina als Rollstuhlfahrerin und Grafikerin, Timo als Ehemann, Fotograf und Autor. Auf Mobilista berichten sie von ihren Erlebnissen und geben ihre Erfahrungen weiter – objektiv, journalistisch aufbereitet, mit Praxistipps versehen. Dabei berichten sie sowohl aus der Perspektive des Rollstuhlfahrers als auch des Begleiters.

Der Sommer verabschiedet sich…

Der Sommer verabschiedet sich…

…die Vorbereitungen auf den Winter und die neue Saison beginnen.

Nach einer warmen Saison ist der Sommer nun vorbei und die Boote gehen in den Winterschlaf. Nach und nach werden die Boote von uns winterfest gemacht. Auch werden die Boote auf Mängel oder Schäden geprüft, sowie auf die Vollständigkeit des Inventars. Bettzeug wird von den Booten entnommen und die Schwimmwesten aufgehangen, Wasser- und Schmutzwassertanks werden von unseren Technikern entleert.

Hört sich zwar alles nicht sehr schwierig an, doch bei mehreren Booten ist man eine Weile beschäftigt. Einige Boote bleiben während des Winters im Wasser: unsere Stahlboote die Kormorane und die Febomobile. Die Glasfaserboote jedoch werden heraus gekrant und auf dem Firmengelände im Freigelände in den Winterschlaf gestellt. Die besonders betroffenen Boote werden in der Werft repariert oder bekommen einen neuen Anstrich. Auch nach der Hauptsaison haben wir also aller Hand zu tun.

Hausboot im Winterlager

Nun ja wo man gerade davon spricht mit „aller Hand zu tun“ momentan gibt es auch in der Schule viel zu tun. Meine Klasse, die KTFs (Kaufleute für Tourismus und Freizeit), organisiert bzw. ist dabei in diesem Jahr die 10. Regionale Kontaktbörse zu planen. Es ist meine erste außerbetriebliche Veranstaltung, bei der ich an den Planungen beteiligt bin. Bei der Kontaktbörse handelt es sich nicht um eine Partnervermittlung, sondern darum, dass Schüler der 8. bis 10. Klassen aus regionalen Schulen die Möglichkeit haben Betriebe aus der Nähe kennenzulernen. Die Schüler können nicht nur die Betriebe kennenlernen, sondern auch unsere Schule und die einzelnen Fachrichtungen, die an der Schule unterrichtet werden.

Hier werden die Fachrichtungen in Workshops eingeteilt um später jedem Schüler den gewünschten Workshop zuteilen zu können. Die KTF-Klasse wird in mehrere Teams aufgeteilt, wobei das bei uns etwas schwierig ist, denn wir sind nur zu viert, unterstützen uns aber gegenseitig. Aber auch andere Klassen helfen uns mit der Kontaktbörse z.B. die Mediengestalter designen den Flyer, die Hauswirtschaftler kümmern sich um das Catering und die Hotelfachleute übernehmen den Empfang der Schüler. Zum Glück bekommen wir auch Hilfe beim Auf- und Abbauen der Veranstaltung, für vier Leute wäre es sonst harte Arbeit.

Um die Schüler der regionalen Schulen über die Kontaktbörse in Kenntnis zu setzten, haben wir verschiedene Schulen besucht und die Kontaktbörse vorgestellt. Nach dem Besuch der Schulen wird alles im Computer eingetragen und später jedem Schüler sein Workshop zu geteilt. Das heißt wir haben noch einiges vor uns und sind noch lange nicht fertig. Wie es dann wird sehen wird am 13. Dezember.

Berlins öffentliche Sportbootliegestellen (1) von Land aus erkundet

Berlins öffentliche Sportbootliegestellen (1) von Land aus erkundet

Die Wanderroute entlang der Spree berührt vier von insgesamt 12 öffentlichen Sportbootliegestellen in Berlin.

  • Landwehrkanal km 9,8 rechtes Ufer unterhalb Wiener Brücke
  • Spreekanal km 1,6 linkes Ufer zwischen Neue Roßstraßenbrücke und Neue Grünstraßenbrücke
  • Spree-Oder-Wasserstraße km 15,3 –  15,41 rechtes Ufer Schiffbauerdamm
  • Spree-Oder-Wasserstraße km 12,1 rechtes Ufer Bundesratsufer

Alle Liegeplätze befinden sich unweit von U- und/oder S-Bahnstationen sowie im Einzugsgebiet der Leihradvermieter Call-a-Bike & Co., so dass das Charterboot notfalls schnell zu erreichen ist.

Wer unabhängig von den Sperrzeiten (10:30 – 19 h) zwischen Regierungsviertel und Mühlendammschleuse lieber durch den Landwehrkanal in Richtung Bahnhof Zoo fährt, sollte im beschaulichen Kiezviertel Kreuzberg an der Wiener Brücke festmachen und die Wandertour am Wehrgraben neben der oberen Schleuse beginnen. Hier befindet das Veranstaltungszentrum Arena Berlin mit coolen Locations und einer transportablen 1:1 Kopie der Hamburger Oberhafen-Kantine in Holzbauweise. Zwischen Flutgraben und Schleuse ragen die Terrassen des „Freischwimmers“ über die Wasserkante.

Auf dem Weg zur nächsten öffentlichen Sportbootliegestelle gehen wir auf der Puschkinallee, an der sich Relikte der früher hier verlaufenden Mauer befinden, in Richtung Kreuzberg bis zur U-Bahnstation Schlesisches Tor. Hier biegen wir nach rechts in die parallel zur U-Bahn verlaufende Oberbaumstraße ab und überqueren kurz darauf die allen Bootfahrern bekannte Oberbaumbrücke mit den beiden rotgeklinkerten Türmchen. Hinter der Brücke halten wir uns am rechten Ufer auf der Mühlenstraße in Richtung Innenstadt. Nach wenigen Schritten stehen wir am „The Wall Museum“ und folgen dem längsten verbliebenen Stück der inzwischen denkmalgeschützten Berliner Mauer mit den berühmten Graffitis, genannt „East Side Gallery“. Über die Mühlenstraße hinweg lohnt ein Blick auf die riesige Mercedes-Benz-Arena, bevor wir am Ende der Mauer den Ostbahnhof erreichen. (Tipp für Bootfahrer: Hier können Nachzügler oder Frühaussteiger unkompliziert an/von Bord gehen. Am Ende der Mauer ist ein Durchgang zum Park am Spreeufer) Wir gehen auf dem Stralauer Platz weiter. Neben einer Brache wurde marode Vorwendearchitektur um einem neuen Gebäudekomplex erweitert, unter dessen riesigem Glasdach das EnergieForum Berlin residiert. Wir verlassen das Atrium am Südende über eine zur Spree gelegene Terrasse und gelangen über den Parkplatz wieder zum Straulauer Platz. An der nächsten Kreuzung biegen wir links ab auf die Schillingbrücke und beobachten, wie ein blaues Polizeiboot auf seiner Vormittagstour die enge Durchfahrt ansteuert. Am Südufer rechts der Straße erhebt sich die Deutschlandzentrale der Gewerkschaft ver.di. Wir steigen vor dem Bürokomplex die Treppen zum Uferweg hinab und gelangen einige Meter weiter vor der verfallenen Ziegelfassade der ehemaligen Berliner Eisfabrik in ein buntes Zeltdorf, dass am Eingangsschild als „Teepee Land“ firmiert.  Wie Teepees, so die englische Schreibweise für ein Tipi, sehen die zumeist aus alten Planen kunstvoll zusammengebauten Bauwerke auch aus. Teepee Land versteht sich selbst als alternatives Wohnprojekt und als Ausdruck gegen den in der Stadt um sich greifenden Mietwucher. Auf dem Gelände befinden sich u.a. eine Art Versammlungsraum und Gemeinschaftsküche, ein Kompostklo und eine Bühne. Wer die Bewohner nett fragt, darf sicher auch mal einen Blick in ein Tipi werfen. Im Innern finden sich weder Schlafsäcke noch Isomatten, stattdessen kuschlige Doppelbetten, auf denen Kätzchen dösen. Als Heizung dient eine Art Blechwanne mit Steinen drin, die wie bei einem Saunaofen aufgeheizt werden und die gespeicherte Wärme allmählich abgeben. Da soll es auch bei heftigen Minusgraden nicht ungemütlich werden. Das Tipi hat sogar ein „Gästezimmer“ in Form eines weiteren Doppelbetts auf einem Zwischenboden darüber. Teepee Land hat auch einen kleinen Gemüsegarten, und ein unscheinbares Schild mit der Aufschrift „Bootshaus“ führt über eine steile Treppe zu einem in den sechziger Jahren errichteten Bunker, in dem die DDR-Grenztruppen ihre Patrouillenboote parkten. Anders als im Bereich der heutigen Eastside Gallery verlief die Mauer hier südlich der Spree. In der von außen unscheinbaren und innen sehr coolen Location liegt nach wie vor ein Boot im Becken und es finden interessante Events mit Blick auf den Schiffsverkehr statt, wie etwa Tango-Workshops.

Zwischen den neuen Gebäuden von Projektraum Spreefeld gelangen wir auf die Straße und von dort über die Michaelisbrücke zu den drei „Bügeleisen“ der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG. Auf der Wasserseite des markanten Gebäudes im Grünspan-Look begegnen uns etliche Leute auf dem Weg zur Zahlstelle für erhöhtes Beförderungsentgelt, die hier abseits des repräsentativen Haupteingangs dasselbe begleichen wollen. Alles ganz normale Leute, denen Schwarzfahren nicht ins Gesicht geschrieben ist.

Entlang der Holzmarktstraße verdecken Büro- und Gewerbegebäude den auf Stützen erbauten US-Bahnhof Jannowitzbrücke, dessen Gleise zum Teil über das Flussufer ragen.  Wieder überquere ich die Spree und stehe vor dem wuchtigen Klotz der chinesischen Botschaft am Märkischen Ufer. Einige Hausnummern weiter offeriert das Restaurant Marinehaus solide Hausmannskost aus dem Meer und hinter einer Uferkrümmung vor der Schleuse Mühlendamm liegt im Winterschlaf versunken der Historische Hafen. Hier haben vor allem Binnenschiffe eine neue Heimat gefunden, die als sogenannte Maßkähne den Schleusenmaßen der alten Kanäle rund um Berlin entsprachen. Von der gegenüberliegenden Seite habe ich einen Panoramablick auf die Oldtimer im Hafen, und von der Mühlendammbrücke auch auf die gleichnamige Schleuse daneben, die auch im Winter vor allem Rundfahrtenschiffe durchlässt.

Hinter den Schiffen des Historischen Hafens ersteckt sich hinter der Brücke zwischen Neuer Roßstraße und Fischerinsel der Spreekanal mit der zweiten öffentlichen Sportbootliegestelle auf unserer Tour.

Am anderen Ufer der Spree stoßen wir auf das Ephraim-Palais und entlang der Promenade auf zahlreiche Restaurants und Brauhäuser. Am Platz mit der Reiterstatue biegen wir in die Propststraße und befinden uns nun im Nikolaiviertel. Vorbei an der Zille-Destille und dem Heinrich-Zille-Museum stoßen wir auf die Nikolaikirche mit dem Wappenbrunnen davor. Ein paar Ecken weiter erhebt sich hinter der viel befahrenen Spandauer Straße der Turm des Roten Rathauses, das nach der Wende das Schöneberger Rathaus als Sitz des Regierenden Bürgermeisters ablöste. Durch das Foyer gelangen wir ins Treppenhaus, in dem auf einigen Etagen gerade eine Ausstellung typisch Berliner Produkte präsentiert.

Beim Verlassen der Berliner Regierungszentrale noch schnell ein Blick über eine lärmende Baustelle hinweg zum Fernsehturm, dann begeben wir uns vorbei an dem Traditionslokal „Mutter Hoppe“ über die Spree und mit Blick auf das Auswärtige Amt zum Schlossplatz, wo gegenüber dem ehemaligen Staatsratsgebäude Erich Honeckers das neue Berliner Stadtschloss an jener Stelle steht, wo zu DDR-Zeiten der Palast der Republik stand. Am Kupfergraben, einer aufgestauten und hier nicht mehr schiffbaren Verlängerung des Spreekanals entlang erreichen wir den berühmten Boulevard Unter den Linden, wo hinter der Brücke das Zeughaus mit dem Deutschen Historischen Museum zu einem lohnenswerten Einblick in die deutsche Geschichte einlädt.

In Richtung der imposanten Kuppel des Berliner Doms werden wir im Lustgarten von einer Osteuropäerinnen angesprochen, die den Passanten auf Schildern eine Spendenaktion vorgaukeln, bei der es sich ganz offensichtlich um organisierte Bettelei handelt. Hinter dem Alten Museum überqueren wir ein weiteres Mal die Spree und habe vom James-Simon-Park aus einen schönen Blick auf die Museumsinsel, deren Highlight, das Pergamon-Museum mit dem berühmten Altar gerade aufwändig restauriert wird.

Am Nordufer erreichen wir die Friedrichstraße mit dem Bahnhof, durch den man in Zeiten der Trennung in die „Hauptstadt der DDR“ eingereist ist. Heute erinnert daran nur noch die ehemalige, im Volksmund „Tränenpalast“ genannte Abfertigungshalle, die heute als Museum an die frühere Funktion erinnert.

Im Bereich des Schiffbauerdamms stoßen wir auf die dritte öffentliche Sportbootliegestelle unserer Tour. Von hier sind es nur wenige Schritte zu den Kneipen und Biergarten und zu den Theatern Friedrichstadtpalast und Admiralspalast. Für Bootfahrer ist auch hier dank des quirligen Bahnhofs Friedrichstaße ein idealer Punkt für eventuelle Crew-Wechsel.

Wir wollen die Friedrichstraße in nördlicher Richtung erkunden. Wenige Schritte weiter stehen Besucher vor dem Friedrichstadtpalast, dem schon zu DDR-Zeiten führenden Revuetheater Schlange. Wir lassen die Kulisse von der anderen Straßenseite auf uns wirken und wandern vorbei an der U-Bahnstation Oranienburger Tor bis zur Abzweigung Hannoversche Straße, wo die Friedrichstraße in die Chausseestraße mündet. Genau hier wohnte bis zu seiner Ausbürgerung in den Siebzigern der Liedermacher Wolf Biermann. Heute firmiert unter der bekannten Adresse das Berliner Greenpeace-Büro und daneben ein Italiener. Ein paar Häuser weiter verbirgt sich hinter einer Mauer der Französische Friedhof, den Biermann in seinem Lied „Hugenottenfriedhof“ besungen hat. Dieses Areal und auch das Bertold-Brecht-Wohnhaus gleich daneben lohnen der vielen Prominentengräber wegen auf jeden Fall einen Besuch. Die Zeit drängt, und so machen wir uns über die Hannoversche Straße, wo bis zur Wende die Ständige Vertretung der Bundesrepublik residierte, und vorbei an alten und neuen Gebäuden des berühmten Klinikums Charité auf den Weg zum Hauptbahnhof. Über die Invalidenstraße in westliche Richtung und den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erreichen wir die zentrale Bahnhofshalle.

Wir begeben uns durch den Bahnhof auf die andere Seite. Über den Washingstonplatz gelangen wir zum Spreeufer mit Blick aufs Kanzleramt. Wir halten uns am Ufer spreeabwärts und erreichen hinter Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, die letzte Sportbootliegestelle unseres Tagesausflugs am Bundesratsufer.

Start Boating auf der Spree – Wie Einsteiger aufs Boot kommen 

Start Boating auf der Spree – Wie Einsteiger aufs Boot kommen 

Nach der regionalen Premiere 2016 in Werder/Havel und dem ersten Berliner Start-Boating-Event 2017 auf der Müggelspree fand das Event in diesem Jahr noch zentraler gelegen in der Citymarina am Rummelsburger See statt. Interessenten konnten sich über die Website www.startboating.de für eine Fahrt auf einem oder mehreren der teilnehmenden Boote registrieren und nach der Anmeldung vor Ort im Stundentakt ans Steuer begeben, nachdem sie eine Rettungsweste verpasst bekommen hatten. In diesem Jahr fand Start Boating an der Spree bereits ab Freitag statt. Bis Sonntagabend gab es an drei Tagen genug Gelegenheiten, große und kleine, offene und geschlossene Boote der teilnehmenden Sponsoren ausgiebig zu testen.

Kuhnle-Tours hat als einziger teilnehmender Hausbootvermieter zwei Boote am Steg liegen. Neben dem bewährten Klassiker “Kormoran 1140” steht als Kontrast eine stylische “Aquino 1190” mit ähnlichem Platzangebot für Probefahrten bereit.

Die Instruktoren Georg und Klaus hatten bereits am Donnerstag das Vergnügen, sich auf der Überführungsfahrt von der Basis am Zeuthener See bei bestem Sonnenwetter auf das Wochenende einzustimmen und mit der Start-Boating-Crew einen Erkundungstörn bis ans Ende der East Side Gallery zu unternehmen, um einige attraktive Routen fürs Wochenende auszuloten. Am Abend wird das Angebot der Citymarina einem Test unterzogen. Neben der Hafenküche direkt auf dem Marinagelände bietet einige Schritte weiter zum Rummelsburger See hin die Hauptstadtkogge “Gode Wind” eine maritime Atmosphäre für hungrige Gäste. Im Hafen selbst wartet – gut geschützt hinter den Frachtschuten der Binnenflotte – ein vielseitiges Angebot an Mietbooten mit und ohne Skipper auf Kundschaft.

Obwohl das Wetter – im Rückblick etwas ungewöhnlich für diese Sommersaison – sich zunehmend von der durchwachsenen Seite zeigt, betreten am frühen Freitagnachmittag die ersten Gäste die Hausbootflotte des Start-Boating-Events. Nach der Begrüßung und Einweisung durch die Skipper geht es aufs Achterdeck an den Außensteuerstand, um je nach Mut und Laune das Ablegemanöver zu beobachten oder am besten selbst Hand anzulegen. Leinen los, nach anderen Fahrzeugen Ausschau halten und dann langsam zwischen den Pfählen ins Freie.

Mit der Kormaran ist das für Novizen eine kleine Herausforderung, denn in diesem Fall gilt es die Parkbox rückwärts zu verlassen, und den Bug nach dem Aufstoppen mit Hilfe des Querstrahlruders in Richtung Hafenausfahrt zu drehen. Ruder geradeaus, mit ausreichend Gas das Boot in Fahrt setzen und langsam in Richtung Fahrwasser treiben, bis die Sicht nach allen Seiten frei ist und keine anderen Boote in die Quere kommen. Spätestens ab hier heißt es für die Gäste reihum das Ruder zu übernehmen und entlang den roten Fahrwassertonnen Kurs zu halten. Vorbei an der malerisch gelegenen Stralauer Kirche geht es weiter zum Wohnschiff “Helene”, das gegenüber dem Treptower Schiffsanleger festliegt und einer Familie als festes Domizil dient.

Kurz darauf steuern wir den ersten Engpass unter der Elisenbrücke an, über die eine S-Bahn in Richtung Ostkreuz rattert, und haben nun an Backbord den Allianz-Tower und die riesigen Metallskulpturen der “Molecular Men” vor uns. Durch den Osthafen halten wir uns so weit wie möglich rechts am Ufer, denn die großen Rundfahrtenschiffe der Weißen Flotte beanspruchen selbstbewusst ihren Bereich des Fahrwassers in beiden Richtungen.

Inzwischen hat uns auch die Aquino eingeholt, deren Ablegemanöver sich etwas anders und dank der ausgetüftelten Steuertechnik noch narrensicherer vollzog. Im Manövermodus gilt es mit einem Joystick umzugehen. Wenn man die Funktionen einmal kapiert hat, ist das ein Kinderspiel. Sind die Leinen los und befindet sich das Boot etwa mittig zwischen den Pfählen, gibt man einen Push voraus bis sich der Rumpf in Bewegung setzt. Sobald das Boot durch Wind, Strömung oder Wellengang anderer Fahrzeuge abdriftet, korrigiert man mit dem Joystick nach: Quer nach Backbord oder Steuerbord, oder durch eine Drehbewegung mit oder gegen den Uhrzeigersinn auf der Stelle drehend. Ist man auch mit dem Heck zwischen den Pfählen durch (oder eventuell schon vorher), dreht man den Bug in Richtung Ausfahrt. So kann man sich Schritt für Schritt dem freien Fahrwasser entgegen tasten. Alte Hasen mögen darüber lächeln, sind aber insgeheim froh darüber, wenn ihr eigenes Boot so in sicherer Distanz bleibt. Hat die Joystick-Yacht die Hafenausfahrt wohlbehalten erreicht, dient der Knüppel als regulärer Gashebel und das Ruder wird mit dem Steuerrad auf Kurs gehalten.

Vor der Oberbaumbrücke drehen Kormoran und Aquino mit den ihnen eigenen technischen Möglichkeiten einen Wendekreis nach Backbord und wiederholen das Manöver nach der klassischen Methode nur mit Gashebel und harter Ruderlage. Allmählich stellen sich bei den Gästen am Steuer Erfolgserlebnisse ein. Nach dem zweiten Kreis hangeln wir uns am Kreuzberger Ufer weiter bis zur Oberschleuse des Landwehrkanals und beobachten die Einfahrt eines Rundfahrtenschiffes. Vorbei am Flutgraben mit der bei Berlinern und Touristen beliebten Eventlocation “Freischwimmer” nehmen wir hinter dem historischen Binnenschiffsabfertigungssteg im Bereich der ehemaligen Ost-West-Grenze Kurs auf das Badeschiff und das Partyschiff “Hoppetosse” vor dem Veranstaltungszentrum “Arena”. Dahinter wird es im Bereich eines querliegenden Wracks ein wenig eng und schon nehmen wir wieder Kurs auf die “Molecular Men” bis direkt an die Begrenzungstonnen heran. Zeit für einige Bilder und Selfies aus spektakulärer Perspektive, wie man sie nur von Booten aus haben kann, während die Skipper diese in Position halten.

Vor der Brücke am Allianz-Tower rufen unsere Gäste ihre Bekannten in einem Apartment auf der Halbinsel Stralau an, um ihr baldiges Aufkreuzen vom Wasser aus anzukündigen. Hinter der Brücke dann allgemeines Winken und Fotografieren – und eine Ehrenrunde vorm Balkon. Auf dem Weg zur Insel der Jugend am Treptower Park machen unsere Bootstester die Erfahrung, dass man Tretbooten und SUPs besonders vorsichtig begegnen sollte. Eine Lücke am öffentlichen Gastanleger vor dem Fastfood-Biergarten und ein Blick auf die Uhr erlauben das Einüben eines Anlegemanövers. Ähnlich wie beim Einparken eines Autos fahren wir – mit Distanz zu den anderen Booten – rückwärts in die Lücke. Was beim Auto die Vorderräder besorgen, erledigen wir mit dem Bugstrahler. Gut gemacht. Nun schnell in umgekehrter Reihenfolge ablegen, Sog und Wellenschlag vermeidend vorbei an den Stegen und Kurs nehmen auf die Citymarina am gegenüberliegenden Spreeufer.

Kurz vor den Stegen gaben die Gäste dann doch lieber das Steuerrad an den Skipper zurück. Übrigens auch die Schiffsführer hier beheimateter Charterschiffe, die sich wegen der Joystick-Steuerung für einen Probetörn auf der Aquino interessierten. Beim Einparken in die Box gab es erwartungsgemäß keine Schrammen, und dank der netten Gäste hatten die Skipper auch sonst viel Spaß.

P.S.: Ab dem Herbst hat Kuhnle-Tours in der Citymarina Berlin neben den in diesem Revier mit Sportbootführerschein Binnen mietbaren Kormoran und Aquino auch die führerscheinfreien Modelle der Febomobil-Baureihe liegen.

Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Familie auf Herbsttörn in Frankreich

Schleusen, Pokern, Würfelspiele – mit reichlich Lust auf Abenteuer und einer professionellen Glücksspiel-Ausrüstung düst Familie Groh in die Herbstferien nach Frankreich.

Eine Familienfeier führt uns aus dem Norden in die Alpen. Der Samstag steht ganz im Zeichen des Wiedertreffens der Cousins, Cousinen, Tanten, Onkels … Nach einem schönen Fest und einem stärkenden Frühstück packen wir unsere Sachen und fahren in die Herbstferien! Wir fahren mit einem Kuhnle-Hausboot, einer Kormoran 1280. Dieses Mal probieren wir ein neues Revier aus: Frankreich! Wir sind gespannt und freuen uns.

Sonntag

Mit fünf Stunden Verspätung erreichen wir um 23 Uhr den kleinen charmanten Hafen in Niderviller. An den Tischen sitzt eine Gruppe von jungen Männern, die gerade ihren Betriebsausflug ausklingen lässt: Mit vier Kormoranen hatten sie ein Teambuildingwochenende mit 20 Leuten. Wir bekommen gleich die wichtigsten Insidertipps und ein Willkommens-Bier.

Montag

Der nächste Tag begrüßt uns freundlich, die Sonne scheint, die Kinder schlafen bis 9 Uhr.

Charlotte (12):

Nach einer langen Nacht wachte ich auf. Unter meiner weichen Bettdecke war es warm. Ich schnappte mir mein Buch und las, bis alle wach waren. 

Der Blick aus dem Fenster war fantastisch! Der kleine Hafen mit dem Häuschen sah schön aus. Keine Welle war auf dem Wasser. Die Enten quakten, die Sonne lachte.

Als erstes musste eingekauft werden.

Der Hausboot Hafen Niderviller
Die Kuhnle-Tours Basis in Niderviller am Rhein-Marne-Kanal.

Und als der Einkauf im Boot verstaut war, gab es ein typisch französisches Frühstück mit Croissants und Baguette. Schon nach dem Frühstück wollten wir nicht mehr weg. Es war einfach zu gemütlich.

Aber als wir uns aufrafften, lohnte es sich!

 

Den Sportbootführerschein beim Hafenteam zum Kopieren bereithalten und ab geht’s zu „Cora“, dem französischen Supermarkt, nur 4 km entfernt. Mit viel zu vielen französischen Leckereien kehren wir glücklich zurück.

Was kommt alles mit aufs Hausboot
Unsere Beute von Cora, dem Supermarkt in Sarrebourg.

Wir frühstücken mit Croissants, Kaffee, Baguette und – weil es so lecker ist – auch mit Oliven, frischer Petersilie und zur Feier des Tages sogar mit einem Crémant d’Alsace – einem französischem Sekt. Parallel studieren wir den Törnplaner und beschließen, in Richtung Saverne zu starten. Hier erwarten und Tunnel und das Schiffshebewerk.

Es ist 13 Uhr – los geht’s. Gleich die erste Brücke ist schmal und stimmt uns auf die weitere Fahrt ein:

Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal
Passen wir da durch? Mit dem Hausboot unterwegs auf dem Rhein-Marne-Kanal.

Wir fahren nicht wie in Mecklenburg über große Seen, sondern genießen eine abwechslungsreiche Kanalfahrt, mit vielen Reihern, stehend am Ufer, und Fahrradfahrern und Profiradlern, die auf den sehr guten Radwegen parallel zum Kanal an uns vorbei düsen.

Wir freuen uns auf die zwei angekündigten Tunnels, denn, wer ist schon mal mit einem Boot durch einen Tunnel gefahren? Das ist schon fast so abstrus wie mit dem Schiff durch die Wüste. (Erlebt bei einer Reise in den Sinai vor gefühlt 100 Jahren!)

Und da ist der erste: knapp 500 Meter lang.

ab in den ersten Tunnel auf dem Rhein-Marne-Kanal
Schiffstunnel: Wasser und Boot verschwinden einfach in einem Berg.

Wir schalten den Scheinwerfer ein und fahren ganz langsam in die dunkle Röhre, die Kinder sind vorne rechts und links positioniert, der Mann hinten und ich versuche vom Steuerstand aus mein Bestes. Man sieht am Ende des Tunnels das Licht, das ist gut, und im Tunnel gibt es ausreichend weitere Beleuchtung.

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Trotzdem – es ist schmal und ungewohnt. Aber ohne Probleme passieren wir die 500 Meter und freuen uns wieder auf das Tageslicht.

Tunnelausfahrt. Rechts im Bild sind die Gleise der früheren Treidel-Lok zu sehen. Die zog die Schiffe ohne eigenen Antrieb durch den Tunnel, weil dieser für die Treidelpferde zu schmal war.

Abenteuer pur. Alle sind fröhlich und schon kündigt sich der zweite Tunnel mit über 2000 Metern Länge an. Auch dieser ist schnurgerade, so dass wir das Ende gut sehen können. Die Kinder rufen: „links etwas eng“, oder: „rechts wird es knapp“ und so schleichen wir uns gut geleitet durch den Tunnel. Es ist einfach eine tolle Erfahrung mit einem Boot durch einen Berg zu fahren! Im Nachhinein muss ich aber gestehen, ich fahre lieber über kleine Seen im Sonnenlicht. Übrigens: Gegenverkehr ist ausgeschlossen, eine Ampel regelt das Geschehen.

Nach den Tunneln sind alle sehr beeindruckt und wir genießen nun die warmen Sonnenstrahlen: Anfang Oktober und 23 Grad.

Und schon wartet das nächste Highlight: ein Schiffshebewerk. Wir sind oben und sehen das Tal vor uns in der „Tiefe“, das bedeutet es geht hinunter! Wir fahren ganz langsam in eine Art Wasserbecken – den Vorhafen – hinein und genießen von hier eine fantastische Aussicht.

Vor uns öffnet sich nun ein Tor, ein Boot kommt heraus. Jetzt sind wir dran: Langsam fahren wir in den Trog (es tropft erfrischend viel Wasser auf uns herunter), wie in eine größere Badewanne; ein zweites Boot folgt uns, viel mehr Platz ist nicht. Die Tore schließen. Wir stehen quer zum Berg in der „Badewanne“ und nun geht es mit samt der Wanne auf einer schiefen Ebene nach unten – die Kinder jubeln, wir sind beeindruckt.

45 Höhenmeter sind so in kürzester Zeit überwunden! Was das bedeutet im Vergleich zu vielen kleinen Schleusen, die hier vorher den die Schiffe den Berg herunter (oder heraus) brachten, verstehen wir einen Tag später noch viel besser (darüber berichten wir dann an späterer Stelle).

Unten angekommen halten wir gleich rechter Hand an und genehmigen uns erst einmal eine Pause von den vielen Eindrücken. Die Kinder spielen auf der angrenzenden Wiese und beobachten bei den Wehren und Mini-Seen die Vogelwelt: Fischreiher, Schwäne, … Die Bäume beginnen, sich bunt zu verfärben.

Wir beschließen, zu bleiben und den schönen Herbsttag hier unten ausklingen zu lassen. Es wird gekocht, gepokert und gewürfelt bis uns allen zeitig am Abend die Augen zu fallen.

 

Dienstag

Ein herrlicher Morgen. Das Wasser dampft.

Heute wollen wir bis nach Saverne fahren, das bedeutet, wir schleusen 13 Mal. Unsere vor der roten Ampel wartenden Mitschleuser erklären uns, dass alle Schleusen (wegen des schmalen Kanals) in eine Richtung frei geschaltet werden, so dass man wie mit einer grünen Welle alle 13 Schleusen nacheinander passieren kann, theoretisch ohne Gegenverkehr. Das bedeutet noch etwas warten … Irgendwann schaltet die Schleuse auf grün und tatsächlich haben wir bis Saverne freie Bahn. Das Wetter ist perfekt, die Sonne scheint, es ist warm (22 Grad) und wir schleusen uns voran durch die schönen Täler.

An jeder Schleuse wartet ein anderes verwunschenes Schleusenwärterhäuschen, die meisten sehen eher verlassen aus, denn die Schleusen funktionieren automatisch ohne Schleusenwärter. Schade eigentlich, es hätte sicher viel Spaß gemacht, die Franzosen kennen zu lernen.

Wir starten bei Schleuse Nummer 18 und landen in Saverne bei Nummer 30. Die „Mit-uns-Schleuser“ sind Franzosen, eine Familie mit zwei Jungs. Wir verstehen kein Wort und sie auch nicht, trotzdem sprechen wir bei jedem Schleusengang miteinander und freuen uns auf das Wiedersehen.

Charlotte:

Das mit den Mitschleusern war lustig:

Ich und Constantin standen vorne, wenn wir in die Schleusenkammer reinfuhren. Vor uns waren die anderen. Weil uns die Jungs die ganze Zeit angeglotzt hatten, haben wir das irgendwann auch gemacht und gemerkt, dass sie nicht nur Brüder, sondern Zwillinge waren. Sie redeten französisch, wodurch ich nur ab und zu ,,Oui, maman!“ oder: ,,NON!“ verstand.

Später zeigten sie, dass wir überholen könnten, weil sie Mittag aßen. Eigentlich schon ein bisschen schade, weil wir uns auch ohne Worte gut verstanden. „Mit ihnen zu reden, bringt eh nichts, weil wir sie sowieso nie wieder sehen“, dachte ich. Aber Abends, als wir in Saverne in der Nähe eines Hafens angelegt hatten, fuhren sie doch aber tatsächlich nochmal an uns vorbei und wir winkten ihnen freundlich.

Anscheinend hatten sie in der Nähe angehalten, da sie am Weg auf der anderen Seite des Bootes nochmal an uns vorbeiliefen.

Aber die Krönung war dann schließlich, als wir uns mitten in Saverne in einem mini-kleinen Supermarkt nochmal begegneten.

 

Saverne ist eine hübsche Kleinstadt.

Ecluse 30 – die Stadtschleuse in Saverne.

Gleich nach der Schleuse kommt rechter Hand das Schloss aus rotem Sandstein. Aber der Hafenmeister gegenüber sieht uns und weist uns den Weg zu einem Seitenkanal. Wir wenden und machen zwischen zwei großen Känen fest.

 

Der Landgang ist kurz, aber sehr schön! Wir kochen zusammen, sitzen an Deck, spielen Würfel und erzählen uns vom Tag: Der großen Burg, die wir vom Boot gesehen haben und den vielen Schleusen. Dazu gibt es Wein, Baguette und Käse.

 

 

 

Mittwoch

Der Tag beginnt mit frischen Croissants vom Bäcker und Kaffee und Tee. Wir spielen den ganzen Vormittag zusammen und starten erst gegen 13 Uhr:

13 Schleusen bergauf stehen auf dem Programm, wir wollen wieder zurück bis zum Schiffshebewerk und dort an der Halbinsel anlegen, Fußball spielen und grillen.

Das Schleusen zu Berg ist etwas anstrengender als bergab, denn das einströmende Wasser fließt schnell und wirbelt mächtig. Die Crew ist konzentriert und so gelingen uns die Manöver immer besser. Die Pausen zwischen den Schleusen sind kurz, so dass nicht viel Zeit zum Spielen bleibt. Wir sitzen an Deck, sonnen uns, genießen die fantastische Fahrt durch die Täler, mitten durch die hübschen Dörfer. Um 17.30 Uhr sind wir dann zurück.

Der Grill wird angeworfen und wir sitzen dann bei Steak und Wasser und Wein an Deck. Unsere allabendliche Würfelrunde beendet den Abend und um 22 Uhr liegen alle angenehm kaputt in den Kojen.

Donnerstag

Der Morgen ist mild. Wir beginnen den Tag mit Kaffee und warmen Croissants, diesmal aus dem Bordbackofen, im Angesicht der „Schiffshebebadewanne“. Um 10 Uhr starten wir in den Tag und „schleusen“ als erste an diesem Tag mit der Kormoran wieder die über 40 Meter nach oben – noch immer ein kleines Wunder.

Danach tunneln wir wieder.

Video Tunnelfahrt

Dieses Mal deutlich sicherer und entspannter, die vielen kleinen Schleusen waren eine gute Übung! Wir kehren im Hafen in Niderviller zum Mittag ein und wollen noch mal zu „Cora“, das eine oder andere ist dann doch alle geworden.

Mittagessen im Heimathafen.

Wir starten um 16 Uhr die Weiterfahrt ganz entspannt in die andere Richtung. Ab hier fährt nur noch Johannes 😊

Johannes, der Papa (55):

Ich habe bisher keinen Bootsführerschein, fahre aber gern und viel lieber auf den langen, geraden Kanälen von Niderviller Richtung Saarland. Da kann ich gut auf den „Mittelpunkt am Ende des Kanals“ zielen und bekomme auch bei voller Fahrt mit kleinen Bewegungen des Heckruders ein gutes Gefühl, wie sich so ein Boot von 12,80 Meter im Wasser steuern lässt. Auch die absichtlich verengten Einfahrten unter Brücken oder vor Ortschaften sind bald kein Problem mehr für mich. Herausfordernd ist immer Gegenverkehr, aber alle sind rücksichtsvoll und entspannt. Am schönsten ist das „Flow-Gefühl“, wenn bei voller Fahrt im Gegenwind mir die Schatten der Äste auf dem Kormoran-Dach suggerieren, das Boot würde gar nicht fahren. Es ist wie Fliegen!

Wir legen nach zwei Stunden an einer hübschen Stelle am Kanal an, die Kinder steigen aus, spielen Ball und erkunden das Ufer. Die Sonne verwöhnt uns und so gehen wir erst mit der Dunkelheit hinein.

 

 

Ein sagenhafter Sternenhimmel leuchtet durch die Kojenfenster! Wir lesen noch ein bisschen und schlummern dann schnell ein.

Freitag und Samstag

Der Morgen beginnt immer mit einer warmen Dusche und duftendem Kaffee.

Herbstferien mit Morgendusche auf der Badeplattform!

Unsere Fahrt führt uns die beiden Tage mit nur einer Schleusen (Ecluse 1) durch zahlreiche hübsche Kanäle. Dabei fahren wir sogar über eine Straße hinweg und schauen auf die Autos unter uns.

Kanalbrücke über eine Landstraße

Irgendwie witzig ist zudem die Fahrt durch einige große Seen, Etangs genannt, wobei man immer im Kanal bleibt, also eine Kanalfahrt durch einen See! Ankern auf dem See geht deshalb nicht. Die Seen sind an der höchsten Stelle des Rhein-Marne-Kanals und versorgen den Kanal mit Wasser.

Die Sonne scheint, es ist sehr schön warm, zeitweise spannen wir sogar den Sonnenschirm auf.

Die letzte Nacht verbringen wir an einer großen Wiese, wo noch einmal kräftig Ball gespielt wird. Leider kullert dieser ins Wasser, so dass einer von uns nun doch noch Baden gehen muss. Johannes opfert sich und rettet den Ball. Abbaden!

Abbaden! Mehr oder weniger freiwillg …

Abends wird noch mal ausgiebig gewürfelt und Karten gespielt,

bis wir dieses Mal kurz nach der Dunkelheit schon schlafen gehen.

Samstag

Mittags um 13.30 Uhr erreichen wir unseren Heimathafen. Wir hatten auf der Rückfahrt schon alles zusammen gepackt, so dass wir schon um 14 Uhr die Schlüssel abgeben und die Heimreise nach Mecklenburg antreten können.

Es war mal wieder ein cooler Kuhnle-Urlaub!

 

Alle Infos zu Ihrem Hausbooturlaub in Frankreich  

Industriekaufmännchen auf hoher See

Industriekaufmännchen auf hoher See

 

Die KUHNLE-GROUP bietet viele verschiedene Möglichkeiten für eine Ausbildung an.

Ob man sich nun für einen der handwerklichen Berufe entscheidet, oder nicht, man bekommt während der Ausbildung einen Einblick in so gut wie jeden gebotenen Beruf.

Ich selbst habe mich für den Ausbildungsberuf der Industriekauffrau bei der Kuhnle Werft entschieden. Es ist ein sehr weitläufiger Beruf, bei dem ich viele verschiedene Abteilungen der Firma kennenlernen darf und mich an den verschiedensten Aufgaben messen kann.

Der erste Tag den ich hier verbracht habe, war der Kennlerntag bei dem wir mit unserer Ausbilderin einen entspannten Ausflug mit einem der Hausboote machen durften. Wir erzählten voneinander und uns wurde Grundlegendes der Firma vermittelt. Anschließend an die Bootsfahrt erhielten wir eine Führung über das Firmengelände, haben dabei einige Mitarbeiter getroffen und hatten danach den Rest des Tages frei. Es war also ein sehr lockerer Einstieg in die Ausbildung.

Am nächsten Tag begann der erste richtige Arbeitstag. Mir wurde Stück für Stück erklärt wie mein Tagesablauf aussehen wird. Die gesamte erste Woche wurde ich dabei von einer Auszubildenden des zweiten Lehrjahres unterstützt und „eingearbeitet“. Am ersten richtigen Arbeitstag wurde ich natürlich mit Infos überschüttet, aber nach einer Woche hatte ich so langsam „den Dreh raus“. Man wird nicht einfach ins kalte Wasser geschmissen, sondern man bekommt jede Aufgabe ausführlich erklärt und bei weiteren Fragen kann man sich immer an die Ausbilder, oder einen anderen Mitarbeiter der Firma wenden.

Als Industriekauffrau wurde ich als erstes in die Abteilung „Back-Office“ eingeteilt. Meine wichtigste Aufgabe ist es die Post zu verwalten, damit auch die anderen Arbeiter zuverlässig ihre Arbeit erledigen können. Abgesehen von der regelmäßigen Bearbeitung der Post, stehen immer wieder neue und vielfältige Aufgaben an. Das Schreiben von Rechnungen und das Erledigen kleiner Aufgaben, wie zum Bespiel das Anfertigen von Aushängen gehören unter anderem auch dazu.

Bevor man eine Ausbildung beginnt und der erwartete Stichtag kommt macht man sich viele Gedanken darüber auf was für Menschen man treffen wird.

Wie ich bemerkt habe, habe ich mir darüber zu viele Gedanken gemacht, da die Kollegen wirklich sehr nett sind und auch die anderen Auszubildenden sind angenehme Zeitgenossen. Dabei spielt es in der KUHNLE-GROUP keine Rolle, ob man sich im ersten oder dritten Lehrjahr befindet. Der Umgang zwischen den Mitarbeitern ist auch recht locker und das bietet ein sehr angenehmes Arbeitsumfeld. Bei Verständnisproblemen oder auch allen anderen Problemen steht immer jemand zur Verfügung, der helfen kann.

Abgesehen von den tollen Leuten hier, ist die gebotene Umgebung ein Traum. Die ganze Firma hat eine sehr idyllische Umgebung, bei der selbst die stressigsten Situationen entspannt angegangen werden können. Der direkte Blick auf die Müritz gewährt eine verträumte Mittagspause oder einen harmonischen Feierabend.

So gesehen hätte ich mich für keinen besseren Ausbildungsbetrieb entscheiden können, da das Gesamtbild der KUHNLE-GROUP für Auszubildende ein tolles „Sprungbrett“ in die Zukunft darstellt.

 

Wenn Ihr auch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz seid, dann schaut doch mal auf www.kuhnle.jobs/jobs-chancen/ausbildungsstellen/  vorbei, vielleicht gibt es für Euch auch die passende Stelle.

 

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Stein auf Stein im Hafendorf Müritz

Von Dagmar Kuhnle

Am 5. Oktober 2018 gab es im Hafendorf Müritz Grund zum Feiern: Im Dachstuhl des ersten Gebäudes der Marina Müritz Apartments baumelte der Richtkranz und Harald Kuhnle durfte als Mit-Bauherr den symbolischen letzten Nagel in den Dachstuhl einschlagen, was das Ende des Rohbaus symbolisiert. Direkt daneben wartet schon das zweite Gebäude auf den Dachstuhl und ein paar Meter weiter legten Mit-Bauherr Christian Langhoff und Kuhnle den Grundstein für weitere zwei Gebäude. „Wenn alles nach Plan läuft“, so Christian Langhoff, „stehen hier im Sommer 2019 vier Häuser mit zusammen 20 schönen Ferienapartments mit Blick auf Müritz und Classee.“

Über den Dächern des Hafendorf Müritz: Richtkranz des ersten Apartmentgebäudes der Marina Müritz Apartments

Wie kam es dazu?

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“

Kaum ein Zitat passt besser auf das Hafendorf Müritz, als das von Goethe. Wissen Sie noch, wie es im Hafendorf Müritz vor über 20 Jahren aussah?

Werftgelände Ex-VEB Schiffswerft Rechlin
Das ehemalige Werftgelände des VEB Schiffswerft Rechlin (Luftbild von 1995).

Hallen, mehr oder weniger ansehnlich, der große Turm mittendrin, eine große, halb kaputte Sliprampe aus Beton – an Beton war überhaupt so einiges da. „Steine, aus denen ich etwas bauen konnte, waren in der Tat genug vorhanden“, schildert Harald Kuhnle seinen ersten Eindruck. „Tja, ich wollte aber eigentlich Boote bauen. Beton verwendet man da als Baustoff eher selten.“

Alle hatten sie hier gebaut: Seit 1917 die Erprobungsstelle, in der DDR eine Werft. Ein Wrack lag auch noch im Claassee, das hatte beide überdauert.

Gab es hier schlechte Vorzeichen, die Kuhnle davon hätten abhalten sollen, das Gelände zu übernehmen?

„Aufgeben war keine Option“ – Harald Kuhnle berichtet während der Feier vom auf und ab im Hafendorf Müritz.

„Jede Menge! Altlasten im Boden, 1100 ehemalige gefrustete Mitarbeiter des VEB Schiffswerft Rechlin, die Tatsache, dass ich als Maschinenbauingenieur in der Immobilienwelt höchstens als Lehrling durchgegangen wäre, fehlende Ahnung von allem, was nicht mit Maschinenbau, Wassersport und Tourismus zu tun hatte.“

Der letzte Nagel sitzt. Kritisch beäugt Mit-Bauherr und Rechtsanwalt Christian Langhoff (rechts), wie Harald Kuhnle den letzten symbolischen Hammerschlag ausführt.

Mit 41 Jahren war Harald Kuhnle plötzlich Besitzer einer Industriebrache und hatte ein paar Millionen Schulden. Er hatte das Gelände der ehemaligen Schiffswerft 1997 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Es gibt nichts zu beschönigen: Dieses Projekt hätte ihn fast ruiniert. Umweltausgleichsmaßnahmen, die Armleuchteralge, das Arbeitstempo in den Behörden, die eine oder andere Wirtschaftskrise, eine echte Bombe unter einem Hallenfundament, manch Stein legte sich ihm gut getarnt in den Weg.

Grundstein für die Gebäude 3 und 4. In einer Werkzeugkiste liegen sicher verpackt und vergraben Urkunden und Dokumente vom Tag der Grundsteinlegung.

Aufgeben war für Kuhnle keine Option. „Es hing nicht nur meine eigene Existenz am Erfolg dieses Projektes, sondern auch die von 80 Mitarbeitern und ihren Familien. Es blieb nur: Dranbleiben, durchhalten, langsam dicke Bretter bohren, hin und wieder ein Gericht bemühen, kämpfen.“ Er habe nie den Glauben an das Grundstück verloren.

Häfen waren immer der Dreh und Angelpunkt von wirtschaftlicher Entwicklung. Hier hatten KUHNLE-TOURS und Kuhnle Werft einen geschützten Hafen und vor der Tür den größten Binnensee Deutschlands. Verbunden mit 1700 Kilometern sensationell schöner Wasserwege. Harald Kuhnle blickt zurück: „Vielleicht war ich der einzige, der das touristische Potenzial dieser Fläche erkannt hat. Ein Vorteil, sicher. Aber zwischendurch wäre es nett gewesen, wenn ein großer Hotelkonzern oder ein Touristik-Riese das auch erkannt hätte. Naja, es ging auch so.“ Immer mehr einzelne Investoren ließen sich vom Sonnenuntergang an der Müritz begeistern, so ging es Stück für Stück voran.

Mit-Bauherr Langhoff: Lob und Dank für die Baufirma Gottfried Maag aus Teterow und den Bauleiter Thomas Maehl.

Am Freitag, 5. Oktober feierte Kuhnle zusammen mit Mitarbeitern, Freunden, Gästen und Geschäftspartnern Richtfest für die ersten beiden Gebäude der Marina Müritz Apartments und legte den Grundstein für die Bebauung der letzten Baulücke direkt am Wasser. Die Besonderheit der Marina Müritz Apartments ist, dass hier der Grundstückseigentümer als Mit-Bauherr wirkt. Harald Kuhnle ist mit dem Projektentwickler Frank Behn und dem Rechtsanwalt Christian Langhoff aus Stralsund eine Kooperation eingegangen, die nun ihre Früchte zeigt.

Makler und Investor: Carsten Scholz (rechts) von Engel & Völkers hat ein eigenes Haus im Hafendorf und erzählte warum sich das Investment an der Müritz lohnt.

Während in den Städten die Wohnungspreise explodieren und andere Ferienimmobilienentwickler an der Müritz die zu erwartende Wertsteigerung gleich beim Erstverkauf mit ansetzen, sind die Preise der Marina Müritz Apartments eher moderat: Ab 177.310 Euro brutto (149.000 € netto) zahlt man für ein knapp 60 Quadratmeter großes Apartment mit Wasserblick. Auf Wunsch übernimmt die Kuhnle-Group auch Vermarktung und Bewirtschaftung des Apartments.

Dichter am Wasser geht nicht: Vorn links im Bild vom Haus 1 ist ein Stückchen Hafenkante und ein Segelboot zu sehen.

Die Entwicklung des Hafendorfs Müritz zum wassertouristischen Zentrum der Südmüritz schreitet damit wieder ein Stück weiter voran. Seit Anfang 2002 ist aus einer Industriebrache in Traumlage nach und nach ein Feriendorf mit großem Wassersportangebot, Werftservice und dem besten Sonnenuntergang an Deutschlands größtem Binnensee geworden.

Aber: Es sind noch nicht alle Steine verbaut. „Wir hoffen immer noch auf einen Hotelinvestor, außerdem könnte man einige der noch vorhandenen Hallen durch weitere Apartmenthäuser ersetzen.“

 

Weitere Bilder und eine Webcam finden Sie in unserem Bautagebuch auf www.marina-mueritz.eu

Blick auf den Claassee und die Marina Müritz vom Penthouse aus.

 

Sängerin Anke Schüler kam aus der nördlichen Müritz mit Gitarre und Shanties.

 

Besuch auf der Baustelle: Das Richtfest wurde von den Gästen genutzt, um sich das Apartmenthaus genau anzusehen.

 

Lecker. Das Team vom Captains Inn und die Chartercrew hatten die Baustelle gastfreundlich hergerichtet.

 

Marina Müritz Apartments: Die Bauplätze für Haus 3 und 4 sind schon abgesteckt.

 

An die Schippe! Harald Kuhnle und Christian Langhoff bedecken den Grundstein mit Erde.

 

Gäste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Hamburg Berlin waren zur Richtfest-Grundstein-Feier an die Müritz gekommen.

 

Zur Begrüßung gab es von Azubi Ravshan Sharifov ein Glas Cremant von der Mosel.
1000 mal passiert – und dran vorbeigefahren Oder: Wer war schon mal in den Wentow-Gewässern?

1000 mal passiert – und dran vorbeigefahren Oder: Wer war schon mal in den Wentow-Gewässern?

OHW-km 24.9: Abzweig der Wentow-Gewässer

 

20 Jahre schippere ich nun schon zwischen Elbe und Oder umher. Mein Mann noch länger. Immer noch gibt es Ecken, in denen wir noch nie gewesen sind. War da überhaupt schon mal ein Hausbooot? Ein Boot? Folgen Sie uns zu den Wentow-Gewässern!

Prolog im Büro

„Jetzt ist der Sommer vorbei und wir waren gar nicht Boot fahren!“

„Hä? Wir sind eine Woche von Zeuthen aus an der Mittleren Spree gewesen, haben im Schwielochsee gebadet und haben dann noch eine Überführung von Zehdenick an die Müritz abgestaubt. Ich bin mit zig Pressereisen und Fernsehleuten über die Müritz und nach Mirow gejuckelt.“

„Aber als es so heiß war, sind wir nur einmal nach der Arbeit zum Baden raus. Ansonsten habe ich den Sommer aus dem Bürofenster angeguckt. Weißt du, dass es schon T-Shirts gibt auf denen steht ,Sommer 2018 – ich war dabei’? Ja am Bürofenster!“

„Also nach der Kanalkonferenz ist noch ein Wochenende frei, guck mal, ob da noch was rumliegt an Booten.“

Die mecklenburgischen und märkischen Gewässer – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Das sind die Abenteuer des Hausboots „Hasel“, das mit seiner zwei Personen starken Besatzung ein Wochenende lang unterwegs ist, um neue Gewässer zu erforschen. Viele Kilometer vom nächsten Funkmast entfernt, dringt die „Hasel“ in Kanäle voller Seerosenfelder und Schilfgürtel vor, die nur darauf lauern, die Kühlwasseransaugung zu verstopfen.

Es ist schon fast dunkel, als wir die Marina Zehdenick erreichen, wir finden den Bootsschlüssel im verabredeten Versteck. Während ich in die Achterkabine unserer Kormoran 940 abtauche, um uns ein Bett zu bauen (Warum schlafen eigentlich alle immer mit auseinander geschobenen Betten? Man ist doch verheiratet!), schleppt mein Mann unser Gepäck an Bord. Für zwei (!) Übernachtungen sind das:

  • eine Klappkiste mit Obst, Gemüse, Brot, Nudeln, Orangensaft, Milch
  • eine Kühlbox mit dem Inhalt des Kühlschranks zuhause, sowie zwei Flaschen kaltem Bier, deren Deckel gleich zischen, damit das Einräumen und Betten machen netter wird
  • eine Einkaufstasche mit Zeug, das wir noch schnell bei Edeka in Mirow gekauft haben
  • ein Karton mit Bier, französischem Wein, Crémant von Madame Lang (siehe Bericht Boot & Wein und Fluvius Spezial Wein vom Captains Inn)
  • eine Reisetasche mit Klamotten, Extrakissen und Waschtaschen
  • eine Klappkiste mit Zeugs was wir immer mit aufs Boot nehmen – unsere Bootskiste
  • zwei Bürorucksäcke mit Laptops, Zeug was wir unterwegs lesen wollen (und oft ungelesen wieder mitbringen), Ladekabel, Sonnenbrillen etc.
  • mein fetter Törnplaner/Törnatlas-Recherche-Ordner

Glücklicherweise ist Bettwäsche an Bord, so dass unsere vorsichtshalber eingepackten Schlafsäcke im Auto bleiben. (Dies zur Info für alle, die denken, wenn der Chef unterwegs ist, gibt es rote Teppiche oder so.)

Auslaufen ist heute nicht mehr, mittlerweile ist es stockduster geworden. Wir tappen über Betonplatten über das mehr oder weniger stilvoll gealterte Marinagelände zur Straße vor, richten unseren Kurs nach rechts und freuen uns, dass die Basis mit dem Hafenbetreiber im kommenden Frühjahr ein paar Kilometer Havelaufwärts zieht, wo schon von weitem ein Mast mit 20 Scheinwerfern zu sehen ist. Schnell ist das italienische Restaurant am Kanalufer erreicht, ebenso schnell stehen Aperitif und Vorspeise vor uns, Hauptgang und Wein folgen zügig und lecker.

Die Wentow-Gewässer

Unser Ziel für dieses Wochenende sind die Wentow-Gewässer. Die zweigen bei Kilometer 24,9 von der Oberen Havel-Wasserstraße nach Westen ab. Wir wissen, dass es da folgendes gibt:

  • 1 Schleuse (mit eingeschränktem Betriebsmodus wegen Wassermangel – Stichwort Sommer 2018)
  • 2 Kanalstücke (eins zwischen Schleuse und erstem See, eins später)
  • 1 großer See
  • 1 kleiner See
  • 1 Campingplatz
  • 1 Handvoll Brücken
Karte Wentow-Gewässer aus dem Törnatlas.

Die Wentow-Gewässer sind so eine Abzweigung, die man auf dem Weg von der Müritz nach Berlin oder umgekehrt gerne links liegen lässt. Es gibt auf der Strecke einige nette kleine Seenketten, die man erkunden kann, die meisten sind durchaus spektakulärer als die Wentow-Gewässer. Warum sollte man nach Dannenwalde oder Seilershof fahren, wenn man auch nach Rheinsberg, nach Templin oder Lychen kann? Keiner von uns kann sagen, wie oft wir schon dran vorbei gefahren sind. 1000 Mal passiert – jetzt soll es endlich rein gehen!

Abzweig der Wentow-Gewässer von der Oberen Havel-Wasserstraße.

„Die Schleuse Marienthal öffnet wegen Wassermangel nur um 9, 11, 13, 15 und 16.45 Uhr“, zitiere ich den schifffahrtspolizeilichen Hinweis des WSA Eberswalde. Wir wollen es mit dem Frühaufstehen nicht übertreiben, schließlich ist es eine gute Stunde Fahrt von Zehdenick bis zur Schleuse. Also peilen wir die Schleuse für 13 Uhr an.

Schleuse Marienthal

Gute 20 Minuten vorher sind wir da. Machen vor der Schleuse fest, deren Lichter zu unserer Verwunderung nicht rot leuchten, sondern aus sind. „Schleusung bitte beim Schleusenpersonal anmelden“ steht irgendwo. Ich linse über den Zaun zum Schleusenhof, ist da jemand? Außer einem Birnbaum, der jetzt im September seine Früchte zu Boden wirft, bewegt sich nichts.

Ich wandere zur Schleuse („Zutritt nur für Betriebsangehörige der WSV“). Die Schleuse ist oben, Obertor ist offen. Die Tür zum Schleusenhäuschen steht auch offen. „Klopfklopf“ rufe ich und poche zur Sicherheit an den Türrahmen. An der Tür klebt ein handgeschriebener Zettel: Mittagspause von 12.30 bis 13 Uhr. Aha!

Birnen vom Schleusenkanal

Zurück am Boot motiviere ich mein einziges Crewmitglied mit der Aussicht auf leckeren Birnenkompott dazu, die schönsten Früchte vom Kanalufer aufzusammeln. Dann setzen wir uns hin und gucken in die Luft. Mein Mann geht sicherheitshalber auch nochmal zur Schleuse vor und kommt mit dem gleichen Ergebnis wie ich wieder.

Punkt 13 Uhr marschiere ich noch mal durch die Gartenpforte. Von weitem sehe ich eine Dame gesetzteren Alters herbeieilen.

„Wat wolln Se? Durch die Schleuse?“

„Ja, bitte.“

„Wat ham Se denn fürn Tiefgang?“

„Etwa 75 Zentimeter.“

„Na det müssten Se schon jenau wissen. 75 könnte eben noch klappen. Drüber nich mehr.“

„Gibt ja keine Tauchtiefenbegrenzung für die Wentow-Gewässer“, kann ich mir nicht verkneifen klugzuscheißen.

„Unter der Brücke liegen n paar Steine. Passen Sie da bloß uff.“

„Unser Rumpf ist aus Stahl, der kann auch mal nen Stein ab. Aber danke!“

„Nicht dass es nachher heißt, ich hätte nichts gesagt.“

„Schon okay, wir machen keinen Ärger!“

„Und um 16 Uhr müssen Sie wieder hier sein, da ist die letzte Schleuse.“

„Ich dachte 16.45 Uhr?“

„Wir ham ja nun schon September, da ist nur bis 16 Uhr Betriebszeit.“

„Alles klar, wir kommen erst morgen wieder durch.“

„Und dahinter jibt et nüscht! Keene Jaststätte, keen Anlejer, nüscht.“

„Wir können Ankern!“

„Und weit kommen tun Se ooch nicht, da is Regatta!“

„Gab aber keinen Sperrhinweis, dann kann man da durch.“

„Aber passen Sie echt auf, wenn ich hier einmal schleuse, fehlen im Kanal zwanzig Zentimeter, das dauert, bis das wieder nachgelaufen ist.“

Die Schleuserin geht zum Obertor der Schleuse, um es zu schließen. Drückt irgendwo drauf, schüttelt den Kopf und kommt wieder zum Schleuserbude zurück. „Hatte ja den Strom usjestellt.“

Deswegen das fehlende rote Licht!

„Manchmal kommen sonst nämlich in der Mittagspause so Schlaumeier“, fährt sie fort, „die meinen, die könnten die Schleuse auch ohne mich schon mal runterfahren.“

Oha! Mit Selbstbedienungsschleusen kenn ich mich ja aus, aber eine eigentlich bediente Schleuse eigenmächtig zu entführen, hätte ich mich im Leben nicht getraut!

Schleuse Marienthal (vom Unterwasser aus fotografiert)
Ruhig Blut!

Ideal für Einsteiger

Die Schleuse Marienthal ist eigentlich eine ideale erste Schleuse für unerfahrene Bootscrews. Es ist wenig los, so dass einem keiner Ärger macht, wenn man nicht zügig genug in der Kammer ist. Wenn man sich an einer der hochfrequenttierten Automatikschleusen an der Müritz-Havel-Wasserstraße verhaspelt, kann das einer Einsteiger-Crew schon mal einen Anpfiff vom Nachbarboot einbringen, hier ist alles etwas gemütlicher. Außerdem ist da die Schleusenwärterin, die notfalls Rat und Tat bereit hält.

Die Schleuse ist fast unten. Mit einem „Wenn det Tor offen ist könn’ Se rin“, schickt mich die Schleuserin zurück aufs Boot. Wo ich die Ansage ausrichte, notfalls auch ohne grünes Licht loszufahren.

Tief durchatmen, mehr als eine Handbreit braucht kein Schiff.

Etwa zwei Kilometer ist der Kanal lang. Das Echolot zeigt anfangs einen Meter unter uns an, das wird dann schnell weniger, unter der Brücke treffen wir keine Steine, aber das Echolot-Display wirft uns unseren Übermut in Schleichfahrt stumm mit der Digitalanzeige vor: 0,3 m. Hmm …

Halbfertige Arbeiten an der Kanalböschung.

Der Kanal ist erstaunlich gut gepflegt. Das hätten wir jetzt hier nicht erwartet. Die Uferböschungen sind weitgehend freigeschnitten, die Wasserkante bildet eine sichtbar neue Faschinenreihe, darüber eine schöne Packlage mit Steinen auf Fließ. Nach der Hälfte der Strecke ist damit Schluss. Wir sehen noch ein gutes Stück aufgerolltes Fließ liegen, dann übernimmt die Wildnis den Kanal. Seerosen rechts und links tauchen ab, wenn wir uns annähern. Das Echolot zeigt jetzt 0,2 m. Wir atmen mal tief durch und nehmen noch ein bisschen mehr Gas weg.

„Hast du die Schuten vorne vor der Schleuse gesehen? An der Ecke zur OHW?“

„Ja, da lagen Steine drauf. Waren WSA-Schuten und ich glaube auch ein Schleppboot.“

„Ich tippe mal, die waren dabei, die ganzen Ufer neu zu machen, dann wurde der Sommer immer trockener und das Wasser weniger, so dass sie mit den Arbeitsbooten nicht mehr durchkamen.“

„Kannste recht haben.“

„Stell dir mal n holländischen Stahlverdränger mit 1,20 Tiefgang hier vor.“

„Der wird auch nach einem nassen Frühjahr Probleme haben, durchzukommen.“

„Umso mehr Platz für Kormorans und Febomobile.“

„Wenn ick hier aufmach, fehlen oben 20 Zentimeter.“ – Schleusenkanal oberhalb Marienthal

Ich streiche noch eine Brücke durch, die irrtümlich im Törnatlas eingezeichnet ist (war früher wohl mal eine Brücke der Tonlorenbahn der Ziegelei ganz in der Nähe) und dann sind wir auf dem Großen Wentowsee. In der Ferne erspähe ich einen Opti.

„Ist das die Regatta? Ein Opti?“

Tja. Der Opti biegt zu einem Bootshaus ans Ufer ab. In dem kleinen Boot, in dem üblicherweise Grundschulkinder ihre ersten Segelerfahrungen machen, sitzt ein Mann, der deutlich aus dem Opti-Alter raus ist.

„Seltsame Regatta, ein Opti mit einem großen Kerl drin.“

Wir warten erst mal ab, suchen Start- und Zielschiff. Nix zu sehen. Einfach vorbeifahren? Hmm.

Mittagspause mit Blick auf die Optimisten-Regatta

Während wir noch überlegen biegt eine ganze Armada der kleinen Sprietsegler um die Landspitze. Ein Opti kommt selten allein! War ja klar. Auffällig ist nur, dass die meisten Skipper aussehen, als ob sie ihre Schulzeit schon eine Weile hinter sich haben. Und dann taucht auch das Startboot auf. Wir sind direkt hinter der Startlinie. Zwischen uns und dem Rest der Wentow-Gewässer sammeln sich die Boote, weiter links neben dem Feld erstrahlt eine rote Tonne in der frühen Nachmittagssonne. Bei den Wasserständen des Sommers trauen wir uns nicht, die auf der falschen Seite zu passieren. Anker raus und Mittagspause!

Birnenkompott und Opti-Ankern

Während mein Mann Salat schnippelt, nehme ich mir die Birnen vor. Na, wenn das die allerschönsten waren, weiß ich, warum der Birnbaumbesitzer die einfach runterfallen lässt. Nach dem Schälen schnitze ich mir aus jeder Birne das Fruchtfleisch (heißt das bei Birnen so?) raus, kreise Wurmlöcher und faulige Stellen ein, bis ich tatsächlich einen Topf leckerer Birnenstücke vor mir habe. Jetzt etwas Zitronensaft und Zucker. Ähm. Zitronensaft gehört nicht zur Standardausstattung der Bootskiste. Die allerdings standardmäßige Tupperdose mit Zucker ist bis auf anderthalb Esslöffel leer. Beim Wühlen entdecke ich einen Flachmann Original Rügener Sanddorn-Likör. Den hatte ich mitgenommen, um eventuell einen norddeutschen Kir Royal als Apero zu machen. Moment mal! Sanddorn! Die Orange des Nordens! Ist ja fast das gleiche wie Zitrone! Außerdem Likör! Also süß. Ich öffne beherzt den Schraubverschluss, gönne den Birnen einen ordentlichen Schluck aus dem Flachmann und stelle den Topf auf den Herd. Noch ein bisschen köcheln, fertig. Während mein improvisiertes Birnenkompott abkühlt, essen wir einen Salat mit Ruccola aus dem Garten, Schafkäse vom Türken und Tomaten vom Bauern aus unserem Nachbardorf am Mirower Kanal. Lecker. Zum Birnenkompott reiche ich einen Rest abgelaufenen Bio-Öko-Vanillejoghurt, den eins der Kinder bei uns im Kühlschrank vergessen hat. Wir stoßen mit einen Gläschen Rosé vom Chateau Albuzeau auf die gelungene Mahlzeit und den Abwasch an.

Birnenkompott mit Sanddorn-Likör statt Zitronensaft und Zucker

Jetzt könnte es denn eigentlich auch mal weitergehen. Schließlich wollen wir heute Nachmittag noch einmal den großen und den kleinen Wentowsee umrunden. Und da kommt auch schon eins von den Trainerbooten auf uns zu. „Sie können hier links am Feld vorbei fahren, da ist tief genug!“

„Hinter die Tonne?“

„Ja, ist tief genug!“

Viele nette kleine Privatstege am Großen Wentowsee. Aber es ist genug Platz zum Ankern.

Und wirklich, mit ständig einem Meter auf dem Echolot drücken wir uns zwischen Optis und Südufer durch.

Jede Menge Anlegestellen gibt es hier am Ufer! Ein Steg neben dem nächsten. Aber auch ein „Anlegen verboten-Schild“ neben dem nächsten. Hinter jedem Schild ein schmucker Garten und Gebäude vom Kleingartenhäuschen bis zur Villa. Der Steg des Segelvereins am Nordufer ist von Optis und Begleitbooten umschwärmt, da brauchen wir gar nicht in die Nähe zu kommen. Also weiter am Südufer des Sees. Bei Zabelsdorf gibt es ein Stück Spundwand, an dem ein öffentlich zugänglicher Weg entlang führt, da wird man wohl anlegen können. Bei Ringsleben am Nordufer gibt es einen Floßverleih, aber freie Plätze sieht man da auch nicht, auch sieht der Steg eher aus, als sei er für liebliche leichte Flöße ohne schwerwiegenden Komfort gemacht, so dass eine Kormoran erstens den Steg blockieren würde und zweitens bei Wind wahrscheinlich beschädigen könnte. Den Anleger des Floßverleihs streiche ich von meiner Rechercheliste für den Törnplaner.

Bei Kilometer 6 macht der Wentowsee einen Knick nach Norden. Eigentlich hat die Natur hier einen perfekten Ankerplatz am nach Nordwesten liegenden Seeufer eingerichtet. Aber der Uferbereich ist mit gelben Tonnen abgesperrt. Wir haben schon einmal einem Wasserschutzpolizisten 30 Euro für Ankern auf der falschen Seeseite überreicht, dem Ufer kommen wir lieber nicht zu nahe.

Dschungel mit Mobilfunk

„Boah, ich hab LTE!“ stelle ich erstaunt beim Blick auf das Handy-Display fest.

„Dann sind wir in der Nähe der B 96, da steht ein Funkmast.“ Der taucht dann auch gleich hinter den Bäumen auf. Hatte ich schon bemerkt, dass hier links und rechts an allen Ufern Schilf und Bäume stehen? Natur gibt es hier genausoviel wie mobiles Internet.

Verbindungskanal zwischen großem und kleinem Wentowsee: 4 Meter reichen, wenn man selber 3,85 m hat!

Den schmalen Kanal, der zum kleinen Wentowsee führt, sieht man fast gar nicht.

„Zugewachsen. Das wird nix!“ stellt mein Mann trocken fest. Ich mag aber nicht aufgeben. Bei Seilershof gab es früher immer einen Steg an einem Hotel. Den will ich mir ansehen!

Zwischen den Seen

Beim näher hinfahren und genauer gucken sieht man rechts und links Wald, davor Schilf, davor Seerosen und in der Mitte – oh Wunder – einen etwa vier Meter breiter Streifen Wasser.

Brücke bei Dannenwalde

„Mit 3,85 Breite passen wir da doch locker durch.“ Mein Mann seufzt und schiebt den Gashebel ein Zentimeterchen nach vorn. Wir schlängeln und langsam durch die ein wenig mehr als einen Kilometer lange, eben nur fast zugewachsene Verbindung zwischen den Seen, tauchen problemlos unter der niedrigsten Brücke der Gewässer (der Eisenbahnbrücke gleich neben der von der B96) hindurch und dann öffnet sich der Kleine Wentowsee vor uns.

Und tatsächlich, am südlichen Ufer entdecken wir ein völlig grün zugespaktes Hotelschild. Gleich daneben ein Wasserwanderrastplatz mit Anlegemöglichkeit und Picknicktischen an Land. Na bitte! Wer sagt es denn. Das Hotel heißt inzwischen Seehotel Louise. Ich mache mir eine Notiz für die Nachrecherche. Außerdem verfügt auch der Ort Seilershof über einen öffentlichen Uferbereich mit einladend aussehender Spundwand. Eine weitere Notiz für den nächsten Törnplaner.

Dannenwalde am Nordufer des Sees hat keinerlei Anlegeplätze. Schade eigentlich, denn hier gibt es ein schönes Herrenhaus, eine achteckige Radfahrerkirche einen denkmalgeschützeten Öko-Bahnhof und einen Barfusspfad. Tja. Nicht für uns. Theoretisch könnte man ja – für eine Chartercrew ein nahezu verwegener Gedanke – am Nord- oder Südufer auch an einem Baum festmachen und den Heckanker ausbringen. Aber das ist natürlich verboten. Auch wenn nach 16 Uhr kein Polizeiboot mehr herkommen kann, die Schleuse ist ja dicht … Über die Raketenkatastrophe von Dannenwalde lesen wir bei Wikipedia, dass 1977 ein brennendes sowjetisches Munitionslager mehrere Stunden lang unkontrolliert Raketen in die Umgebung schickte. Oha.

Auf zum östlichen Zipfel

Mit einem Dreh am Steuerrad treten wir den Rückweg an. Die Wentow-Gewässer sind insgesamt nur knapp 11 Kilometer lang, das ist an einem Nachmittag umrundet. Einen letzten Zipfel haben wir noch nicht gesehen, nämlich die urspüngliche Verbindung zur Havel. Die Schleuse führt ja durch einen Kanal, die natürliche Verbindung ist das Tornowfließ etwas nördlich des Kanals. Bis 1946 bildeten Tornowfließ und Wentowsee die südliche Grenze Mecklenburgs. Den Kanal buddelten die Preußen 1732 um Holz verschiffen zu können. Die Tatsache, dass die Mecklenburger Zoll erhoben und der Müller von Tornow (auf der Mecklenburger Seite) den Wasserzufluss auf der Havel steuern konnte, mag auch eine Rolle gespielt haben.

Blick auf Ringsleben am Großen Wentowsee.

Zuerst gilt es eine Insel zu umfahren, die „Der Raatz“ heißt. Hier wird es wieder flacher. Aber 0,2 m im Display des Echolotes sind ja immer noch mehr als die bekannte Handbreit Wasser unter dem Kiel. Also los. Nanu? Was ist das? Plötzlich springt die Tiefenanzeige auf über 5 Meter Wassertiefe! Jetzt schon sechs! Vermutlich ist hier ein Tonloch, wir sind ja dicht an der Tonstichlandschaft, hier gab es Ziegeleien, mit Schuten wurden in der Gründerzeit die gebrannten Bausteine nach Berlin verschifft. (Eine Besuch im Ziegeleipark im nahe gelegenen Mildenberg ist eine gute Idee.) Frohen Mutes aber trotzdem misstrauisch tasten wir uns nach Westen, schon wieder Schilf und Seerosen. Es wird flacher. Mit dem Bootshaken bewaffnet stelle ich mich am Bug auf. Pieke ein ums andere Mal mit dem ausgefahrenen Haken ins Wasser: Kein Grund. Irgendwo kommt hier demnächst die Tornower Mühle, in der es schön sein soll und die für eine gute Küche bekannt ist. Wär doch gelacht, wenn wir uns da nicht anschleichen können!

In der Ferne sehen wir einen Anleger, sogar mit Boot. Aber hat das Boot soviel Tiefgang wie wir? Unser Fernglas ist mit an Bord und hat uns schon manch klaren Blick (unter anderem auf die Altersstruktur der Opti-Segler) gewährt, aber unter Wasser gucken kann das gute Steiner nicht.

Unser gutes Steiner-Fernglas. Hier im Einsatz, damit die Seiten des Recherche-Ordners nicht wegfliegen. Aber auch zum Durchgucken ist es genial.

Ich pieke noch ein, zwei Mal ins Wasser ohne Widerstand zu spüren, aber meinem Mann am Steuer wird die Sache zu brenzlig. „Wenn wir hier aufhocken, kann uns aus dem Loch keiner rausholen“, sagt er und legt den Rückwärtsgang ein. Keine Sekunde zu früh. Wir wirbeln jede Menge Schlamm und Dreck vom Wassergrund auf. Nicht gerade die beste Kost für Bugstrahlruder und Kühlwasseransauger.

Mit dem Abendessen in der Mühle Tornow wird es also nichts. Wir ankern hinter der Der-Raatz-Insel, köpfen den Crémant von Madame Lang und genießen die Stille. Wir sind völlig allein hier. Um uns nur Wasser, Wald und hin und wieder ein Vogel. Und unsere selbstgebrutzelte Nudelpfanne mit Zucchini aus dem Garten, Zwiebeln, Tomaten und türkischer Sucuk-Wurst. Zum Nachtisch gibt es Mousse au Chocolat aus dem Supermarkt.

Morgenbad im See?

Der Sonntagmorgen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, Rührei und Aufbackbrötchen aus dem Ofen. Jetzt sollte man eigentlich eine Runde im Sonnenschein schwimmen. Die Badewasserqualität im großen und kleinen Wentowsee hat drei von vier Sternen, gleichwohl ist das Wasser ein wenig trübe. Aber vor allem ist es uns jetzt im September trotz Sonne ein wenig zu frisch. So duschen wir uns auf der Badeplattform schön warm ab, faulenzen im Salon und auf dem Achterdeck, mangels Funkabdeckung lesen wir denn doch in den mitgebrachten Zeitschriften und sonstigen Unterlagen.

Dem einzigen uns schon vorher bekannten Anlegesteg statten wir einen kurzen Besuch ab: Der Campingplatz hat sich bisher immer überreden lassen, im Törnplaner zu erscheinen und Gäste an seinem kleinen Steg aufzunehmen. Von hier zur Mühle nach Tornow wären es mehr als zwei Kilometer zu laufen gewesen. Dann lieber Ankern und selber kochen.

Langsam wird es Zeit, den Anker zu lichten und den Heimweg nach Zehdenick anzutreten. Schließlich wollen wir uns noch den neuen Hafen angucken, in dem ab nächstem Jahr unsere Boote übergeben werden sollen. (Später sehen wir, dass im Prerauer Stich schon ein paar hundert Meter Schwimmstege bereit liegen, auch der Landzugang ist fertig und ein nagelneuer Kran steht an Land.)

Stege für die Neue Marina Zehdenick im Prerauer Stich

Im Kanal vor der Schleuse Marienthal kommt von achtern ein Segler mit gelegtem Mast auf. Hinter ihm noch einer. An der Schleuse wartet bereits ein kleines Kajürmotorboot. Alles Zaungäste der Regatta von gestern.

Auf dieser Seite der Schleuse gibt es keine Birnen, nur Eicheln und nette Leute auf den anderen Booten, mit denen man sich die Wartezeit verplauschen kann: „Ein Verkehr ist das heute hier! Wie auf der Autobahn.“

Gestern hatte die Schleusenwärterin einen Strich auf ihrer Liste gemacht – das waren wir. Heute sind es vier.

 

Über die Autorin: Dagmar Rockel-Kuhnle ist Pressetante und Texterin bei Kuhnle-Tours. Da das nicht abendfüllend ist, betreibt sie seit 1999 den nautischen Kleinverlag Quick Maritim Medien in dem Törnplaner und Törnatlas erscheinen. Um die immer aktuell zu halten, ist sie oft und gerne mit dem Boot unterwegs. Glücklicherweise teilt sie die Freude am Bootfahren mit ihrem Ehemann Harald Kuhnle, der seit 1991 eine Charterflotte betreibt.

Im Winter durch Berlin

Im Winter durch Berlin

O5. Februar 2OI8 (Tag1)

I2:45 Uhr Wir verlassen die Mecklenburgische Seenplatte und freuen uns auf BERLIN. Das Wetter wird traumhaft: Sonne, Sonne, Sonne und schön knacke kalt.

Die Kinder freuen sich riesig und haben alles eingepackt: vom Kuscheltier bis zum Schachbrett.

Berlin, Rummelsburg, Citymarina, gleich neben der Hafenküche Berlin:

I5 Uhr Wir sind an Bord unseres Lieblingsschiffes, einer KORMORAN , diesmal eine 1150 (das heißt, dass das Boot 11,50 m lang ist und damit wunderbar groß, damit alle Platz haben.)
Die Jungs von der Marina sind total unkompliziert, berlinerisch freundlich und wir haben Spaß an Bord zu gehen.
Neben dem Charterboot – alles voll mit Hausbooten, auf denen es sich einige Berliner gemütlich gemacht haben und hier auch den Winter verbringen.

Wir packen aus und ein und genießen das maritime Ambiente. Nun erst mal einen Bordschluck: leckerer Sekt und das Gute: die Eiswürfel finden sich auf Deck: Außentemperatur minus 2 Grad.

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Wir sind schon viel mit der Kormoran auf den Mecklenburger Seen unterwegs gewesen, Berlin ist neu für uns. Und wir haben etwas Respekt: vor der Schifffahrt, den Schubverbänden, den nicht bekannten Wasserstraßen. Deshalb soll die Probefahrt im Winter sein, wenn nicht so viel los ist.

Sonnenuntergang ist um 16.30 Uhr. Wir beschließen deshalb die erste Nacht im Hafen zu verbringen. Ein schöner Sonnenuntergang verspricht gutes Wetter für morgen. Die warmen Sachen liegen parat, Mütze, Schal, Handschuhe, da kann es morgen gerne kalt werden.

Die Vorräte sind ausreichend, so dass wir beim nahe gelegenen Supermarkt morgen mit dem Schiff nicht anhalten brauchen. Es ist erst mal alles dabei.

Die Tochter malt

der Sohn hat es sich in der Kinderkoje mit seinen Kuscheltieren gemütlich gemacht.


Wir quackeln und freuen uns auf die gemeinsamen Winterferien!
Die Heizung läuft lautlos, es ist gemütlich warm, wir haben extra Zudecken, so dass niemand frieren kann. Die Kinder schlafen gemeinsam und wir trinken noch ein Glas Rotwein, zusammen mit einem Schulfreund, der zufällig nebenan im Kletterpark unterwegs war. Es gesellt sich noch ein weiterer Schulkamerad dazu, der schon immer mal auf so ein Boot wollte. Wir berichten von vergangenen Schiffstouren und genießen das gemütliche Beisammensein…

O6. Februar 2OI8 (Tag 2) 

Die Sonne scheint und es geht los. Ganz langsam! 10 m nach vorne, leicht nach rechts, das Schiff steuert sich einwandfrei, ganz ruhig passieren wir die Berliner Hausbootbesitzer, grüßen heftig und schon sind wir raus aus dem Hafen und fahren auf der Treptower Spree.
Wir haben uns abends entschieden über den Teltowkanal bis nach Potsdam zu fahren und dann über den Wannsee zurück durch Berlin nach Rummelsburg, wir haben ca. 4-5 Tage Zeit…
Der Teltowkanal überrascht uns positiv, er ist breit, kaum Verkehr, Sohnemann ist mit an Deck

und gemütlich eingepackt schippern wir die malende Tochter und den schachspiel-aufbauenden Vater

in Richtung Potsdam vorbei an den „Weinbergen von Berlin“,

durch alte Brücken bis zur Schleuse Keinmachnow – cooles Teil.

Gegen 17 Uhr sind wir am Griebnitzsee

– traumhafte Villen reihen sich hier aneinander und wir beschließen hier Anker zu werfen und diesen Anblick zu genießen. Es ist extrem ruhig!

Auf dem gesamten Teltowkanal kam uns nicht ein Boot entgegen, ausser 2 Schubverbänden. Ein dunkelblauer Himmel, malerischer Sonnenuntergang,

der Mond leuchtet hell – ein Traum! Und wir schauen (zum ersten Mal an Bord, obwohl wir schon seit ca. 5 Jahren Bootsurlaub machen) „Traumschiff“. Der Fernseher machts möglich! Sonst sind wir auch ohne gut ausgekommen. Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Königsberger Klopse: auf dem Boot gibt es das, was es sonst zu Hause nicht gibt: angerührten Kartoffelbrei, Königsberger Klopse aus der Büchse, Flammkuchen aus dem Kühlregal… Man kann natürlich auch richtig kochen, die Küche lässt an nichts zu wünschen übrig, aber wir haben ja Urlaub! Wir spielen „Name, Stadt, Land“, Schach, ein bisschen wird auch geübt: die unregelmäßigen Verben, sowohl in Deutsch für den Drittklässler, als auch in Englisch mit Mausi aus der 6. Klasse.

7. Februar 2018

10 Uhr krabbeln wir an Deck: die kalte Luft, der Duft des Kaffees, mehr geht nicht.

Nachts waren es minus sieben Grad, das Eis gefriert schon am Ufer, aber durch die Strömung, ist es gut befahrbar. Vor dem Kaffee geht es für meinen Mann in das kalte Nass.

Frühstück:

Ab in die warmen Klamotten und in Zeitlupentempo passieren wir die Villen.

Natürlich könnten wir auch von unten steuern, aber die klare kalte Luft ist zu verführerisch. Alles liegt ganz ruhig vor uns. Töchterchen malt wieder.

Die Männer spielen Schach.

Wir sind in Potsdam! Babelsberg begrüßt uns mit seinem schönen Park, dem Schloss. Da die Bäume keine Blätter tragen, sieht man sehr gut die baulichen Anlagen!
Zuerst fahren wir weiter in Richtung Schwielowsee, aber irgendwie ist es hier nicht so spektakulär und außerdem kommen gen Süden Wolken auf, so dass wir hinter der Fährstelle wenden und Kurs nehmen in Richtung Glienicker Brücke – für uns Ossis immer noch ein Thema und ein besonderer Ort.

Direkt unter der Brücke halten wir an und nehmen noch den älteren Sohn mit Frau und Enkelkind (ein Jahr) an Bord.

Wir begegnen langen Schubverbänden.

Weiter geht’s gen Norden in den Krampnitzsee. Wir passieren die alten Wach- und Grenzposten, Erinnerungen …. Es gibt Kaffee und Stracciatella-Kuchen. Graureiher, Kormorane, … Wir genießen die Vogelwelt!

Es ist 16 Uhr, die Dämmerung lässt nicht lange auf sich warten.

Wir bringen die kleine Familie zurück zur Glienicker Brücke und fahren in der wunderschönen Abendsonne weiter zur Pfaueninsel.

16.45 Uhr ist die Sonne weg, wir ankern. Die Kinder lieben das Ankern: wie tief ist es: am westlichen Ufer 15 m, 16 m , es wird immer tiefer, obwohl das Ufer näher kommt. Und ach ja in der Karte steht es auch, Achtung „Kante“, also erst extrem tief und dann extrem flach. Wir verlassen die Wasserstraße in Richtung Pfaueninsel. Hier wird es langsam flacher: 5, 4, 3 m. Manchmal geht es ganz schnell, aber wir fahren ja langsam. Bei 3 m wird der Anker runter gelassen, das Boot dreht sich in den leicht wehenden Wind. Wir stehen neben der Wasserstraße und es wird langsam richtig kalt draußen. Ab und an schaukelt das Boot ganz leicht, denn ein Schubverband kommt vorbei. Heute Nacht soll es minus 13 Grad werden! Mal sehen, ob es warm bleibt. Wie immer spielen wir abends zusammen, lesen uns Geschichten vor und gegen 20 Uhr liegen alle gemütlich in der Falle, heute sicherheitshalber unter 2 Decken.


8. Februar 2018 (Tag 3)

Alle haben gut geschlafen, draußen ist der See leicht gefroren, aber die Eisdecke beginnt sich langsam zu schließen. Nächste Nacht werden wir auf jeden Fall wieder in der Stadt verbringen: Da ist es deutlich wärmer. Wir wollen starten, aber die gesamte Bordenergie ist in diesem Moment weg. Da haben wir wohl zu lange die Batterien verbraucht. Aber egal, es gibt ja immer einen Notknopf. Nach rechts drehen wie beim Starten nur viel weiter rum. Damit springt der Motor verlässlich an. Er blubbert ganz zufrieden. Wir kochen Kaffee und Kakao für die Kinder. Wir trinken den Kaffee mit Mütze an Deck, die Kinder den Kakao gemütlich im Bett. Diese Morgenstunden sind einfach immer unvergesslich schön! Heute kühlt sich niemand im Wasser ab. Wir kuscheln dann noch in den Kojen zusammen: Familienkuscheln! Und nach warmen Brötchen mit Honig geht’s los – ab in die Hauptstadt.

Mitten durch Berlin! Im Radio läuft (nicht ganz leise) coole Musik. Wir nähern uns der Urbanität.
Wir fahren über den Wannsee!
Dann kommt eine Schleuse. Wir werden freundlich empfangen! Das Schleusen geht einfach, und noch einfacher jetzt, wenn keine anderen Boote mitschleusen. Die Kinder helfen stolz und routiniert. Schon geht’s weiter.

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Berlin von der Wasserseite aus kennenlernen – eine völlig neue, begeisternde Perspektive. Man sieht moderne Bauten, kleine Häfen, dann wieder Industrielandschaften, Kräne, riesige Baustellen, wohin man schaut.

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Dann wieder die Rückseite von Kaffees mit ihren Terrassen direkt am Wasser (zur Zeit natürlich nicht besetzt, weil – WINTER, aber man kann sich vorstellen, was hier im Sommer los ist.) Ganz anders als in Mecklenburg, wo die Natur einmalig besticht, sind es die Bauten hier. Das Wetter ist traumhaft, die Sonne scheint, viele Menschen sind an den Ufern unterwegs. Alle winken, grüßen, wollen mit aufsteigen. Wir genießen die Musik, das urbane Umfeld und die Möglichkeit fast lautlos ganz langsam durch die durchaus niedrigen Brücken zu gleiten.

Die Kinder sind auch begeistert. Sie holen sich die Decken raus, legen sich auf das Deck und wollen nichts verpassen.

Wir sind wohl die Einzigen – außer ein bisschen Berufsschifffahrt – kaum zu glauben! Dann kommt der spannendste Teil: das Kanzleramt! Ganz langsam gleiten wir an der „Machtzentrale“ vorbei.

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Die Architektur ist beeindruckend! Der Reichstag!

Und dann die Museumsinsel: das Bode-Museum direkt vor uns,

das Pergamonmuseum rechts neben uns,

der Berliner Dom, mächtig gewaltig und wir genau daneben.

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Linkerhand sieht man den Fernsehturm,

dann eine knappe Stunde später die Oberbaumbrücke direkt vor uns.

16.50 wir sind wieder in unserem Hafen Citymarina in Rummelsburg. Wieder bei traumhaftem Sonnenuntergang!

Wir haben ein bisschen Angst vor dem „Einparken“, aber dank Bugstrahlruder gelingt es uns ganz langsam rückwärts einzuparken. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich, obwohl wir uns doch eigentlich nicht kennen. Aber auf und am Wasser sind alle eine große Familie.

9.Februar 2018 (Tag 4)

Der zweite große Bruder kommt an Bord und so starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück gemeinsam in Richtung Müggelsee.

Die Nacht war wieder sehr kalt, die Eisdecke beginnt zuzufrieren. Wie ein hauchdünnes Glas.

 

Vorbei am Köpenicker Schloss fahren wir bis zur Regattastrecke,

 

dort wird das Eis dicker und wir beschließen ganz langsam die Heimreise anzutreten. Wir kommen uns vor, wie auf einem kleinen Eisbrecher, sind aber ganz froh, dass die Schollen noch keine geschlossene Eisdecke bilden. Es gibt lustige klirrende Geräusche.
Zurück im Hafen wird mittlerweile schon gekonnt 😉 eingeparkt. Wir laden aus, verabschieden uns von den Jungs von der Marina und treten glücklich die Heimreise an!
Berlin, du hast dich von deiner schönsten Seite gezeigt und wir durften dabei sein – vielen Dank!