Einfachfahrt in die Einsamkeit

Einfachfahrt in die Einsamkeit

Eine Überführungsfahrt mit Abstecher in die Templiner Gewässser und dem idealen Boot für zwei

„Also lautet ein Beschluss, dass man Zeit zu zweit verbringen muss!“ – Notfalls an der Schleusenwartestelle der neuen Schleuse Kannenburg

Rendezvouspläne am Küchentisch

Die Situation am winterlichen Küchentisch kennen viele berufstätige Paare: Jeder sitzt vor seinem Kalender und man bespricht die nächste Zukunft. Hier hab ich eine Fortbildung, da gehst du noch mal Ski fahren, da ist Filmkunstfest, hier Weltkanalkonferenz, da die Familienfeier, hier noch eine Messe. „Haben wir eigentlich irgendwann noch mal ein langes Wochenende zusammen zum Bootfahren?“
„Ähem. Also Ostern und das 1.-Mai-Wochenende schon mal nicht.“
„Was ist mit dem Himmelfahrtswochenende?“
„Passt!“
„Okay, dann lass uns wenigstens das blocken!“


Ich habe ein Rendezvous! Okay, nach 24,5 Ehejahren und mit dem eigenen Mann und vier Monate im Voraus geplant, aber deswegen muss es ja nicht weniger romantisch sein. Wo wir hinfahren? Das machen wir so wie immer: Mal gucken.
Mittwochnachmittag vor dem Vatertag soll es losgehen. Sonntag vorher komme ich von einer Geschäftsreise wieder, hupe einmal vor dem Büro um den bei offenem Fenster arbeitenden Gatten vom Schreibtisch nach Hause zu locken. Anderthalb Stunden später kommt er zu Hause an.
„Wir gehen ja am Mittwoch aufs Boot.“
„Öh, ja.“
„Haben wir schon ein Boot? Wo wollen wir den hin?“
„Öh, ja, mal sehen.“
Am Montagmittag erscheint der Gatte in meinem Büro und erkundigt sich, was ich davon hielte, einen Oneway nach Mildenberg zu machen. Es gebe allerdings keine schicke Kormoran, sondern eine kleine vetus 900. An der Müritz lägen sieben Stück davon, deswegen solle eine ab der neuen Basis Mildenberg zu chartern sein

Schnuckelige vetus 900

Die vetus 900 ist ein schnuckeliges Plastikboot mit einer Schlafkabine achtern. Das Doppelbett an der Backbordseite hat für Bootsverhältnisse fürstliche Ausmaße und außerdem gibt es eine Einzelkoje an Steuerbord. Im Salon steht zwischen anderthalb Sitzbänken ein großer Esstisch, es gibt Kühlschrank, eine etwas kurz geratene Küchenzeile und reichlich Stauraum für Boots- und Gemüsekiste im Regal. Das ideale Boot für zwei. Die „Picasso“ ist eine von den zwei Jüngsten vetus der Flotte. Anfang der 2000er waren uns zwei leere vetus-Rümpfe von irgendwoher zugelaufen, die auf der Kuhnle-Werft ausgebaut wurden. So sieht die „Picasso“ von innen mit weißen Flächen und dunklen Holzleisten, den blauen Polstern, den gewürfelten Gardinen und hölzernen Innentüren sehr nach Kormoran aus.
Ich schwelge in Erinnerungen an eine Überführung von der Müritz nach Zeuthen vor 25 Jahren. Damals waren wir – noch unverheiratet – mit nur einem Kleinkind (aber einem weiteren für die kommenden sechs Wochen terminiert) mit einer vetus 900 unterwegs gewesen.
„Na, klar, das wird schön!“ Optimismus war schon immer meine Stärke.

Hektik ohne Bier und Kaffee

Mittwochnachmittag: Nunja, die Schleuse Mirow schließt um 18 Uhr, das schaffen wir ohnehin nicht. So gegen halb sechs brechen wir im Büro auf, erst mal nach Hause Sachen packen, Bootskiste checken und so langsam mal auf der vetus ankommen.
Ich schnappe mir aus dem Hafenbüro schnell eine Runde Bettwäsche und Handtücher, werfe sie an Bord und flitze nach Hause. Im Gegensatz zu meinem früh aufstehenden Ehemann, habe ich noch nicht mal Klamotten zusammengepackt.
Die Bootskiste steht auf der Anrichte in der Küche. In diesem Jahr war sie bereits zwei Mal von den Kindern für Törns mitgenommen worden. Ich entferne zwei Flaschen Handseife (eine reicht) und vier Rollen Klopapier (hatte ich an Bord gesehen) und lege das gute Steiner-Fernglas dazu.
„Wo ist unser Reservekaffee?“ fragt der Gatte.
„Ähm, den hatte ich auf Geschäftsreise mit, den hole ich im Büro aus dem Auto.“
„Wo sind denn die ganzen Bierdosen aus dem Keller?“
„Ähm, die hatte ich auch auf Geschäftsreise mit.“ Ich lächele lieb, um zu vertuschen, dass ich die Dosenvorräte nicht wieder aufgefüllt habe.
Sein Blick ist eine Mischung aus Missbilligung wegen illegalem Angriff auf die Bierreserven und Freude über die sparsame Ehefrau, die lieber Getränke von Zuhause mitnimmt, als unterwegs teuer einzukehren.


Also los!
Zwei Reisetaschen, eine Kühltasche, ein Karton mit Wein, Sekt, die Bootskiste, eine weitere Kiste mit Bier, Wasser, Gemüse und Aufbackbrötchen (sind nur vier Stück deshalb greife ich in letzter Minute noch eine Brötchen-Backmischung aus der Speisekammer), sowie zwei Rucksäcke mit Laptops, Ladekabeln und mein großer Ordner für Kartenkorrekturen füllen den Kofferraum einigermaßen. Die Fahrräder sind schon im Hafen, müssen nur noch an Bord.

Wir werfen das ganze Zeug an Bord, ich fahre den Kombi weg. Während mein Mann unter Deck den Kühlschrank einräumt, stecke ich das Stromkabel aus und mache die Leinen los. Ich checke, ob die vetus vorne noch am Nachbarboot fest ist (ist sie nicht), dann schiebe ich den Gashebel nach vorne. Das Bugstrahlruder verweigert den Dienst. „Hmm, wohl nicht aktiviert“, denke ich, drücke ein bisschen am Fahrstand herum, nichts passiert. „Wir müssen nachher mal nach den Bugstrahler gucken“ rufe ich nach unten und fahre erst mal ohne aus dem Hafen.

Endlich unterwegs!

Später übergebe ich das Steuer zum Bettenbeziehen an den Gemahl. So machen wir es immer, einer räumt, der andere fährt und umgekehrt. Als soweit alles verstaut ist, genießen wir zusammen mit einem alkoholfreiem Bier die Fahrt in den sonnigen Abend. Endlich wieder unterwegs! Herrlich! Mein Mann ist in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Wasser, ich durfte an einem windigen März-Tag bereits einmal eine Gruppe Berichterstatter zur Bergung eines Flugzeugmotors chauffieren.

Endlich unterwegs! Auf der Kleinen Müritz verwöhnt uns die Abendsonne.

Tiefenentspannt kommen wir an der Sportbootwartestelle der Schleuse Mirow an. Mangels Bugstrahler legen wir eher unelegant an – egal, wir haben Hunger und das Essen ist fast zeitgleich fertig.
Bei der Fehlersuche nach dem Essen stellen wir fest, dass auch das Radio nicht geht. Da ich morgens keinerlei Geräusche vertrage, finde ich das lässlich, schade ist aber, dass ich nichts zum Laden an die USB-Steckdose anschließen kann.

Vor uns liegen die vier meist befahrenen Schleusen zwischen der Müritz und Berlin und wir haben gute Chancen, morgen früh schnell durchzurutschen und mit etwas Glück ohne Wartezeit auch die nächste Schleuse zu schaffen. Deswegen verzichten wir darauf, den Kuhnle-Tours-Notdienst anzurufen, wir wollen erst mal Strecke machen, damit wir Donnerstagabend in Fürstenberg sind, denn da können wir am Freitag noch einmal einkaufen gehen. Müssen wir auch, denn neben Brötchen und den scharfen Messern fehlt auch das Spüli aus der Bootskiste. Kann man auch mit Handseife abwaschen?

Brötchenduft in der Schleusenkammer

Ich wache am Himmelfahrtstag um acht auf und schleiche mich in den Salon, heize den Backofen vor und rühre die Brötchen-Backmischung an. Große Vatertagsaktion gibt es bei uns traditionell nicht, aber ein ordentliches Frühstück möcht schon sein. Im Bordbackofen dauern die Brötchen länger als auf der Packung angegeben, so dass wir, als die Schleuse pünktlich um neun Doppelgrün zeigt, ungefrühstückt in die Kammer fahren. Je tiefer wir mit der Müritz-Havel-Wasserstraße sinken, um so mehr steigt mir der Brötchenduft aus dem Backofen in die Nase. Hmjam.

Vatertag mit frisch gebackenen Brötchen aus dem Bordofen.

In der Schleuse stellen wir fest, dass wir unsere bewährte Schleusentechnik ändern müssen. Eigentlich stehe ich meist achtern mit der Leine in der Hand, um das Boot hinten zu sichern. Das hat den Grund, dass mein Mann ja den Bug, sollte ein Windstoß ihn zur Seite pusten, immer mit dem Bugstrahlruder zurück auf Linie bringen kann. „Es ist besser, wenn du vorne stehst“, weist der Gatte mich jedoch heute an, dann könne er das Heck mit eingeschlagenem Ruder und einen kurzen Stoß voraus an die Kaimauer ziehen.
Schon in der nächsten Schleuse bringt uns diese Veränderung nach 26 gemeinsamen Jahren auf dem Wasser einen ebenso giftigen wie kräftigen Anranzer eines vor uns fahrenden jungen Sachsen ein. Wir sollten doch bitte unseren „Scheiß-Kahn“ (seine Worte, dabei ist unsere vetus ein feines Bötchen) auf Abstand halten, werde ich unvermittelt angebrüllt. Wir waren tatsächlich ein bisschen dicht an dem schicken Gleitboot amerikanischer Herkunft dran – jedoch weit von einer Berührung entfernt – und ich hatte bereits leise nach achtern meinen Mann gebeten, einen Poller weiter hinten zu nehmen. Naja, wir wollen nicht nachtragend sein, die Sonne schien bereits warm vom Himmel und in dem pechschwarzen Jogginganzug im Partnerlook hätten wir uns auch unwohl gefühlt.

In einem Rutsch nach Fürstenberg

Wir können unser Glück nicht fassen, so schnell kommen wir durch die Schleusen Diemitz, Canow und Strasen durch. Für Himmelfahrt ist wirklich erstaunlich wenig los. Deshalb beschließen wir, bis Fürstenberg durchzufahren, bevor wir irgendwo auf den Notdienst warten und dann nachher doch beim Schleusen Schlange stehen müssen.
Es ist nicht mal 16 Uhr, da legen wir am Fürstenberger Yachtclub an, melden uns beim Hafenmeister und klauben Ein-Euro-Stücke zusammen, die wir für die Stromversorgung und am nächsten Morgen für die Dusche an Land benötigen. Das Duschen ist hier übrigens echt fair geregelt: Man zahlt einen Euro für ein paar Minuten Warmwasser. Unterbricht man den Wasserstrahl aus der Dusche, stoppt auch der Zähler, so dass man nach einem Euro auch sauber und ohne Schaumreste fertig ist.

1-Euro-Münzen für Strom und faire Duschen: Unsere vetus 900 „Picasso“ am Steg des Fürstenberger Yachtclubs.

Mit Buch und einem Glas Sekt mache ich es mir auf dem Achterdeck gemütlich. Silvio Kraballe ist wahrscheinlich der meistgelobteste Kuhnle-Tours-Mitarbeiter. In der Saison ist er der Gelbe Engel von Kuhnle-Tours. Wo auch immer ein Boot ein Problem hat, versucht er zunächst am Telefon zu helfen – oft sind es nur Kleinigkeiten oder Bedienungsfehler. Er hat die Gabe, sich ebenso ruhig wie präzise ausdrücken zu können, so dass viele Chartercrews nach seiner Anweisung von selbst wieder flott werden. Und wenn nicht, kommt er mit seiner fahrenden Werkstatt dahin, wo das Boot ist. Notfalls pumpt er ein kleines Schlauchboot auf und paddelt zum Boot.
Gegen 17 Uhr taucht er mit seinem Werkzeug in einem kleinen Wägelchen am Steg auf, schwingt sich an Bord und steigt in die Tiefen des Motorraums herab. Die Kontakte der Elektrik zum Motor, so erklärt er uns später, korrodieren mit der Zeit. Zuerst gibt es Wackelkontakte, dann geht irgendwann nichts mehr. Nach einer halben Stunde sind die Kontakte wieder blank und reden miteinander, das Bugstrahlruder geht wieder, leider auch das Radio.
Zum Abendessen spazieren wir 500 Meter in den Templiner Hof. Ein Gasthaus, dass direkt an der B 96 liegt, aber einen schönen ruhigen Biergarten hat und einen Koch, der gerne frische Zutaten verarbeitet. Es ist Mai, also bestellen wir von der Spargelkarte und bereuen es nicht.

Genießen in Fürstenberg: Aperol Spritz und Hähnchencurry mit Spargel im Templiner Hof.

Einkaufstour mit Draht- und Packesel

Am Freitag beschießen wir, das der naheliegende Netto-Markt mit Bäcker und Fleischer so dicht ist, dass es sich nicht lohnt, beide Fahrräder an Land zu hieven. Wir könnten ja unsere Einkäufe in einer Tüte verstauen und an den Lenker des leichteren Fahrrads hängen. Nachdem mein Mann mir versichert, dass ich nicht neben ihm herjoggen müsste, verzichte ich auf mein Fahrrad, genauso wie auf den dort angebrachten Fahrradkorb und den Gepäckträger. Seufz.
Es kommt wie es kommen musste: Die prall gefüllte Einkaufstasche scheuert am Vorderrad, ich balanciere ein Sixpack Bier unter dem einen Arm und einen neuen Fahrradsattel (gabs gerade beim Discounter) unter dem anderen und wache dabei mit Argusaugen über ein Schälchen Erdbeeren für den Nachtisch, das ganz oben in der Einkaufstasche liegt.

Jetzt wird es enger: Obertor der Schleuse Bredereiche an der Oberen Havel-Wasserstraße

Bis zur nächsten Schleuse haben wir ein Stück Havel vor uns und den schönen Stolpsee zu überqueren. Dann wird es enger und in schneller Reihe passieren wir die Schleusen Bredereiche, Regow, Zaaren und Schorfheide. Wir folgen der Havel durch dichte Wälder, manchmal auch an weiten Feldern entlang. Der Fluss krümmt sich mal hierhin mal dahin, von Entgegenkommern sieht man erst nur das Verdeck über das Schilf herausragen. Den Autopilot einstellen und die Hände vom Steuer nehmen wie auf dem Mittellandkanal, das läuft hier nicht. Was für ein Gekurbel!

Was für ein Gekurbel! An der OHW ist Kurvenfahrt angesagt.

Kurbelfahrt ins neue Revier

Gleich unterhalb der Schleuse Schorfheide geht es links ab in die Templiner Gewässer. Sieben Jahre war nach einem kurzen Stück Kanal und dem Großen Kuhwallsee die Fahrt zu Ende, denn die Schleuse Kannenburg in der Verbindung zwischen Kuhwallsee und Lankensee war zuerst wegen Baufälligkeit gesperrt, dann wegen Bauarbeiten. Die gingen im Herbst 2023 zu Ende und die Schleuse ging für ein paar Wochen in Probebetrieb. Ende April 2024 erfolgte die offzielle Wiedereröffnung des schicken Neubaus mit Staatssekretärin und großem Bahnhof.

Die neue Schleuse Kannenburg empfängt uns mit grünen Lichtern …
… und einer eigenwilligen Interpretation des Baujahrs. Erste Inbetriebnahme der Schleuse war im Herbst 2023.


Als wir uns der Schleuse nähern, sehen wir gleich rechts am Untertor die in Beton gegossene Jahreszahl 2022. Tja. Mag sein, dass dieses Betonteil 2022 gegossen worden ist. Die Schleuse war definitiv später fertig. Still und umkompliziert lässt sich das gute Stück trotzdem bedienen. Ein großes Display informiert über den Fortgang der Schleusung.

Templin: Für Bootfahrer geschlossen?

Für heute ist der Stadthafen von Templin unser Ziel. Der hatte in der Sperrzeit einen Betreiberwechsel und wurde fast komplett erneuert. Wir freuen uns nach der schicken neuen Schleuse auf einen schicken neuen Hafen und einen abendlichen Bummel durch die schöne Altstadt von Templin. Doch als wir unter der überdachten Pionierbrücke (es ist keine Pionierbrücke, die heißt nur so) hervorkommen und den Bug nach Steuerbord richten, sehen unsere Augen eine schöne neue Steganlage – aber mit Flatterband abgesperrt. Ganz zum Land hin liegt ein Boot quer in der Box, dahinter sehen wir ein Grüppchen nett beisammen sitzen. Wir nähern uns langsam.
„Können wir hier anlegen?“
„Nee.“
„Wo können wir denn anlegen?“
„Gar nicht.“

Anlegen ist nicht. Stadthafen Templin.

Hmpf. „Hausbootferien abseits vom Trubel“ – unter diesem Motto haben wir auf der boot in Düsseldorf, im Katalog, in Pressemitteilungen, auf Facebook und Instagram für die Templiner Gewässer die Werbetrommel gerührt. Soo abseits sollte es denn auch wieder nicht sein.
Wir gehen an den Fahrgastanleger nebenan. Der hat zwar ein hohes Geländer und keinen Stromanschluss, aber irgendwie werden wir das Boot da schon festgebunden kriegen. An dem Geländer prangt ein Schild: „Anlegen nur nach Rücksprache mit dampfer-templin.de.“
Ein paar Meter weiter liegt ein zur Ferienwohnung umgebautes Fahrgastschiff mit Gästen vorne drauf.
„Können wir hier anlegen?“
Eine freundliche Gästin steht auf und nimmt unsere Festmacherleinen an.
„Joar, wer soll schon wat dagegen ham?“
„Ich hab die Handynummer auf der Webseite gefunden“, melde ich meinem Gatten. „Soll ich da anrufen und das klar machen?“
„Nee, lass mal lieber. Nachher schickt der uns weg.“
Wir machen uns landfein, klettern über das Geländer und schlendern an der Stadtmauer entlang zu einem netten italienischem Restaurant.
Am nächsten Morgen werden wir vom glücklicherweise nur ganz leicht angefressenem Fahrgastschiffer vor dem ersten Frühstückskaffee auf das Schild aufmerksam gemacht. Wir besänftigen ihn mit der Frage, was er uns denn nun für das Anlegen berechnen müsse, worauf er ohne mit der Wimper zu zucken (und ohne eine Quittung anzubieten) „40 Euro“ sagt.
Gleich nach dem Frühstück legen wir ab.

Fahrgastanleger Templin: Kletterpartie zum Italiener

Zwischen Seerosen und zauberhaften Seen

Vom Templiner See aus sind noch vier weitere Seen zu erreichen – einer schöner als der andere. Open Sea Map zeigt sogar noch nette kleine Kanälchen an, die zu weiteren Seen führen, einer führt im Norden des Gleuensee nach Osten und entpuppt sich als eine schmale Rinne, komplett mit Seerosen und Schilf zugewachsen. Gleich daneben ist eine Anlegestelle, die aussieht wie eine ehemalige Verladestelle. Keinerlei Verbotsschilder sind zu sehen, ein Anleger für Abenteuerlustige also. Ein paar Meter weiter westlich ist eine Badestelle, der westlichste Zipfel des Sees ist für motorisierte Fahrzeuge gesperrt.

Nordende Gleuensee. Ehemalige Verladestelle?
Zwischen Bruchsee und Gleuensee: Das ist die breite, hohe Brücke!
Durchfahrtshöhe 3,71 Meter: Brücke zwischen Bruchsee und Fährsee

Anleger für Abenteuerlustige

Wir drehen um und erreichen über den Bruchsee und unter einer ebenso niedrigen (3,71 m) wie engen Brücke hindurch den Fährsee. Neben einer Wasserskistrecke gibt es hier eine weitere Anlegemöglichkeit: das Hotel Fährkrug. Das Hotel selbst ist ein Neubau aus den 90er Jahren, das in beeindruckend schöner Lage am See mit eigenem Badestrand liegt. Es gibt zwei Stege, an einem liegt ein Charterboot, den anderen nehmen wir. In der Mitte des Kopfstegs der ansonsten leeren Anlage sehe ich eine Edelstahlklampe blitzen. Nicht eben ein solider Poller, aber in dieser Ecke weht kein Lüftchen, also springe ich auf den Steg und schlinge die Vorleine um die Klampe. Und habe ein Brett des hölzernen Stegs in der Hand. Upsi!
Das Brett löst sich komplett. So schlinge ich den Festmachter um den darunter liegenden soliden Stahlträger, hinten hat mein Mann einen Dalben eingefangen. Wir kämmen uns die Haare, ziehen ordentliche Schuhe an und gehen durch den Garten auf das Hotel zu.

Anlegesteg für Abenteuerlustige des Hotels Fährkrug am Fährsee.
Fast leere Steganlage des Fährkrugs.


Wenn man die Anlage mit Wohlwollen betrachtet, fällt der Pflegezustand der Außenanlagen unter „naturnaher shabby-chic.“ Auf der Terrasse stehen jedoch einladende und saubere Gartenmöbel, ein Tisch ist besetzt. Wir setzen uns in die Sonne, werden schnell und freundlich in Empfang genommen und mit einer Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken versorgt. Die Soljanka ist reichhaltig mit Einlagen versehen, der Salat knackig, frisch und lecker und das Bier ist kalt und spritzig. Auch das, was beim Nachbartisch auf den Tellern ankommt, sieht gut aus. Nach dem Imbiss gehen wir noch mal nach Innen. Hier ist alles sauber und ordentlich, könnte aber auch mal einen Hausmeister gebrauchen, der Kleinigkeiten repariert. Seitdem ich den Törnplaner mache, kenne ich das Hotel, das immer wieder freundlich aber bestimmt abgewunken hat, nein danke, man möchte nicht im Törnplaner erscheinen. Schade.
An der Wasserskistrecke entlang tuckern wir auf der Suche nach einem weiteren Kanal, den ich als gesperrtes Gewässer eigetragen habe. Und richtig: Eine rot-weiß-rote Tonne (oder war es eine Schild?) versperrt die Einfahrt. Wir richten den Bug nach Süden um uns einen gemütlichen Ankerplatz für die Nacht im Zaarsee zu suchen.
Bei dem gemütlichen Getucker habe ich genug Zeit, den neuen Sattel an meinem alten Fahrrad anzubauen und wieder abzubauen und mit einem Ersatzteil vom alten Sattel wieder anzubauen, damit die Neigung des Sattels zu meinem Körper passt. Glücklicherweise hatte ich Fahrradwerkszeug eingesteckt, weil ich auch bei dem alten Sattel die Neigung verändern wollte.

Zwitschern, tschilpen und Kaltwasser-prusten

Im letzten Winkel des Sees außerhalb von Schilfgürtel und Seerosen lassen wir den Anker fallen und stellen den Motor aus. Stille? Von wegen! Hier zwitschert es, da tschilpt was, es kräht, krächzt, piept, schnattert und raschelt. Kurz: Die Natur haut alles an Geräuschen heraus, was geht. Andere Menschen oder gar Boote sehen wir nicht. Nach dem Essen wird es langsam schummrig, ich zünde eine mitgebrachte Kerze an. Noch romantischer kann es jetzt nicht werden.

Der Sonntagmorgen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Nach dem ersten Frühstückskaffee im Bett (es ist Muttertag!) nehme ich allen Mut zusammen und ein Handtuch und klettere die Badeleiter herunter in den Zaarsee. In der ersten Minute japse, pruste und ächze ich in dem doch überraschend kaltem Wasser, dass die Vögel um uns herum verstört verstummen. ,Naja, eine Runde ums Boot wirst du schon überleben,‘ denke ich. Nach der zweiten Runde: ,joar, fünf Minuten hältst du wohl aus.’ Am Ende schwimme ich laut meiner Taucheruhr von Garmin über 800 Meter in einer guten halben Stunde.

Wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat, ist das Wasser herrlich. Ich schätze den See auf um die 15 Grad, leider misst meine Uhr die Wassertemperatur nur bei Tauchgängen, ich müsste also vom Boot aus ins Wasser springen und ein paar Meter runter kommen. Das ist mir denn doch zu frisch. Und der Templiner Pegel hat leider keinen Temperaturanzeiger.


Um die Mittagszeit holen wir den Anker hoch und trödeln im strahlenden Sonnenschein durch die beiden Schleusen Templin und Kannenburg die Obere Havel-Wasserstraße zu Tal in Richtung Mildenberg. Auch hier krümmt sich der Fluss mal rechts, mal linksrum gen Süden. Abwechselnd steuern wir und wurschteln unter Deck unser Zeug zusammen, waschen ab, räumen die Schränke wieder ordentlich ein, ziehen die Betten ab, rollen die im ganzen Boot verteilten Ladekabel auf, sortieren den Müll, damit wir bei der Ankunft im neuen Hafen im Ziegeleipark nur noch umladen müssen und unser Transferfahrer nicht warten muss.
Still erreichen wir einen Liegeplatz, stecken den Strom ein, rollen die Festmacher zu Schnecken auf und heben unser Zeug über die Reling. Nach einer guten Stunde Fahrt kommen wir zu Hause an der Müritz an, trinken noch ein kleines Sonnenuntergangs-Bierlein. Für den Sonntagskrimi sind wir jetzt echt zu müde.

Interview mit @jenny_rosa_pusteblume – Hausbooturlaub mit der Kormoran 1140

Interview mit @jenny_rosa_pusteblume – Hausbooturlaub mit der Kormoran 1140

Die Bloggerin @jenny_rosa_pusteblume war im Juli mit einer Kormoran 1140 ab Hafendorf Müritz Richtung mecklenburgische Seenplatte unterwegs. Wie es ihr als Hausboot-Neuling ergangen ist und welche hilfreichen Tipps Sie für einen Hausbooturlaub mit Kindern und Hund hat, erfährst du in diesem Interview:

Kannst du dich für unsere Leser einmal vorstellen?

Ich bin Jenny und lebe mit meinem Mann und unserer kleinen 4 jährigen Tochter Rosalie am Stadtrand vom Großstadtdschungel Berlin. 2016 gaben mein Mann und ich uns an der Uckermark unter einem Apfelbaum auf unserer Scheunenhochzeit mit all unseren Liebsten das Ja-Wort, 2 Jahre später kam unsere kleine Tochter zur Welt. Aktuell bin ich auch schwanger und wir erwarten im Dezember unser 2. kleines Wunder.

Wie bist du zu Social Media gekommen?

Ursprünglich nutzte ich Social Media um mich mit der Familie und Freunden zu vernetzen und ab und an ein Update aus unserem Leben zu Posten – Urlaubsbilder etc. Mit der Hochzeit , den Vorbereitungen und Basteleien dazu und der darauffolgenden Schwangerschaft wuchs die Community und es kamen stetig neue Gesichter dazu, die uns bis heute begleiten. 

Wann warst du mit KUHNLE-TOURS unterwegs und mit welchem Hausboot?

Im Juli begann unser fünf-tägiges Hausboot Abenteuer auf der Kormoran 1140.

Mit wem warst du während des Törns unterwegs?

Wir waren 4 Erwachsene und 2 Kinder. Mein Mann, unsere kleine Tochter und ich. Meine Schwester, ihr Mann, ihre 11 jährige Tochter und der Jack Russel Willi waren ebenfalls an Bord.

Was war dein persönliches Highlight während des Törns?

Es ist eine intensive entschleunigende Zeit mit der Familie mit vielen verschiedenen Abenteuer. Wir haben auf dem Hausboot den Geburtstag meiner Schwester gefeiert das war mein persönliches Highlight. 

Wie war es, als Hausboot-Neuling zu starten? Gab es Herausforderungen? Wie kamt ihr mit dem Hausboot zurecht? Gab es Dinge, über die du überrascht warst?

Für mich war die Herausforderung das An- und Ablegen des Bootes und das Schleusen. Am Anfang war es sehr aufregend das Boot an den Steg heran zu manövrieren, jeder an Bord wird dafür benötigt und am Ende ist man stolz auf seine gemeinsame Teamarbeit, wir wurden bei jedem Mal besser. 

Wie gestaltete sich ein Hausbooturlaub mit Kindern? Worauf sollte man deiner Meinung nach achten? Welche Empfehlungen würdest du deinen Zuschauern geben, wenn diese eine Hausbootfahrt machen möchten?

Ein Hausboot ist aufregend, es ist mal etwas ganz anderes als ein „normaler“ Urlaub und dementsprechend auch aufregend für die Kinder. Je nachdem wie alt die Kinder sind und ob sie schwimmen können oder nicht, gibt es auch entsprechende Dinge worauf ich persönlich achten würde. 

Hier einige Tipps auf die ich achten würde: für das An- und Ablegen benötigt man alle helfenden Hände an Bord, zumindest 2 Personen – Man sollte sich die Frage stellen, ob sich die Kinder während dieser Zeit sicher alleine im Boot beschäftigen können.

Bei Regenwetter lohnt es sich genügend Spielzeug und Ablenkung mitzunehmen, denn wenn man nicht gerade anlegt, braucht man auf dem Boot Beschäftigung. Wir haben Activity etc. gespielt und es hat furchtbar viel Spaß gemacht. 

KUHNLE-TOURS bietet verschiedene Bootstypen an, unser Kormoran hatte viele Treppen nach oben ans Deck, nach unten in die Küche und Kabinen. Zum einen bedeutet dies kleine Hürden um ans Wasser zu gelangen 😉 aber zum Anderen auch Stolperfallen. Je nach Bedürfnis sollte man sich überlegen, ob man solch ein Boot mit vielen Treppen oder ein Febomobil das ebenerdig ist, wählt. 

Im Kapitänshandbuch von KUHNLE-TOURS gibt es hilfreiche Tipps für Familien sowie aufgestellte Regel-Ideen. Definitiv sollte man mit den Kindern vor Fahrtantritt Regeln aufstellen z.B. Während der Fahrt wird bei Nicht-Schwimmern eine Weste getragen. Nach draußen geht es nur in Begleitung eines Erwachsenen etc.

Wie war ein Urlaub auf dem Wasser mit Hund? Hast du Tipps?

Einen Hund ist es ja meist egal wie groß das „Haus“ ist, da er sich nur bei seinem Herrchen/Frauchen aufhält, solange er genügend Auslauf bekommt. Mein absoluter Tipp worauf man nicht verzichten sollte ist es ein SUP oder Beiboot mitzunehmen, denn wenn man nicht anlegt sondern auf einem See ankert, muss man dennoch mit dem Hund irgendwie an das Land für den nötigen Auslauf gelangen und dafür ist solch ein SUP das perfekte Taxi. 

Was darf in der Reisetasche auf keinen Fall fehlen?

Deko. 😂 Ich versuche es den Kindern immer so heimisch wie möglich zu machen, die Kabinen dekorierte ich mit Wimpel- Lichterketten und Nachtlichtern. 

Neben den normalen Reiseequipment wie Sachen, Kosmetik, Unterlagen, Apotheke empfiehlt es sich genügend Essen und Trinken und Powerbanks mitzunehmen. 

Weitere Eindrücke von der Reise findest du hier.

„Sie haben bestanden!“

„Sie haben bestanden!“

Pandemietrubel, Krieg und Inflation – das sind Begriffe, die die letzten Jahre geprägt haben. Doch für mich gab es auch noch positive Highlights in den vergangenen 3 Jahren: Ich habe mein Abitur bestanden, kurz darauf meinen Führerschein und dann ging es schon mit meiner Ausbildung zur Kauffrau im E-Commerce in Mecklenburg-Vorpommern bei KUHNLE-TOURS – 350 km entfernt von meinem Heimatort.

Hier bekam ich Einblicke in die Arbeit der Reservierung, des Backoffice und des Einkaufs. Die meiste Zeit verbrachte ich in der Abteilung des Marketings & E-Commerce. Hier lernte ich, Produkttexte zu schreiben, Hintergrundeinstellungen im Hotelsystem vorzunehmen, die Onlinebuchung zu pflegen und vieles mehr. Auch der Wechsel des Anbieters der Onlinebuchung gehörte zu meinem Verantwortungsbereich und wurde letztlich zu meinem Thema der mündlichen Prüfung. Dieser Prüfung vorangingen drei schriftliche Prüfungen und am Ende der mündlichen Prüfung war es dann geschafft: Ausbildung erfolgreich bestanden.

Eine kleine Überraschung zur bestandenen Prüfung von meinem Freund.

Ich, an meinem Prüfungstag!

Gleich am nächsten Tag war dann auch schon mein erster Tag als Fachangestellte für E-Commerce bei KUHNLE-TOURS. Auch wenn ich hier meine Ausbildung gemacht habe, war es noch mal ein anderes Gefühl, nun ausgelernt herzukommen. Denn neben vielen Glückwünschen brachte das auch viele Vorteile mit sich: flexible Arbeitszeiten und Homeofficetage. Das bedeutet: Zeitig anfangen zu arbeiten, um am Nachmittag den Sommer zu genießen!

Dafür ist natürlich der Standort im Hafendorf Müritz hervorragend geeignet: Direkt an der Müritz gelegen, bietet es sich an, seine Freizeit auf dem Wasser zu verbringen. Egal, ob SUP fahren, baden, sonnen oder Boot fahren – alles ist möglich. Teilweise gehört das aber auch zu meiner Arbeit, denn als E-Commerce Kauffrau bin ich unter anderem für die Contentproduktion zuständig und so heißt es ab und an „wir brauchen neue Fotos von Boot XY, organisiert mal eine Ausfahrt!“. Und so geht es dann mit dem ganzen Team an Bord. Da wir im Marketing/E-Commerce ein sehr junges Team sind, machen diese Ausfahrten natürlich auch ordentlich Spaß.

Ansonsten habe ich sehr ähnliche Aufgaben wie während meiner Ausbildung. Ein momentanes Projekt ist z. B. der Relaunch der Webseite (neues Design, neue Struktur, neuer Content, …). Bei KUHNLE-TOURS habe ich jetzt nach meiner Ausbildung die Möglichkeit, verschiedene Weiterbildungen zu belegen und somit ständig mein Wissen auszubauen.

(Hast du auch Lust, in so einem freundschaftlichen Team zu arbeiten? Dann bewirb dich jetzt!)

Mein peinlichstes Schleusenmanöver

Mein peinlichstes Schleusenmanöver

Eine Geschichte aus dem Nähkästchen von Harald Kuhnle
(Geschäftsführer KUHNLE-TOURS)

Der übermütige Start

Es war der Vorabend von meinem Geburtstag, wir waren spät dran als wir an einer Außenbasis in Frankreich für unsere geplante Bootsfahrt ankamen, also haben meine Frau und ich unser Gepäck und die Kinder an Bord geworfen, sind noch fix in den Supermarkt nebenan gestürmt und haben dann schnell abgelegt, um die erste Schleuse noch zu schaffen. Da es schon auf 19 Uhr zu ging, sagte meine Frau, dass sie schon mal die Betten für die Kinder (damals sechs und zwei Jahre alt) fertig machen wolle, ich solle sie rufen, wenn ich Hilfe in der Schleuse brauchte. Ich sagte das, was Männer immer in solchen Fällen sagen: „Geht klar, ich regel das!“ Die Große könne mir ja beim Schleusen helfen.

Der Tag danach

Am nächsten Morgen riefen mich die Mitarbeiter aus dem Stuttgarter Büro an, angeblich um mir zu Geburtstag zu gratulieren. Aber vor allem äußerten sie ihr Mitgefühl über unser Schleusenpech! Erst nach dem Urlaub fand ich heraus, wie der Buschfunk über Nacht zwischen Frankreich und Deutschland funktioniert hatte: Eine der einheimischen Reinigungsfrauen der Basis war ausgerechnet mit dem Schleusenwärter verheiratet, der ihr abends erzählte: „Heute hat dein Arbeitgeber wieder einen besonders bekloppten Kunden geschickt, na, nun hat er einen Festmacher weniger an Bord.“

Fazit

Jeder hat schon Dinge erlebt, die man gleich nach der Tat am besten für sich behalten hat und die man auch 20 Jahre später erst nach dem vierten Bier erzählt. Ist so. Und glauben Sie mir: Das, was unseren Chartercrews passieren kann (wie mit dem Beiboot sinken, Ankerhebel versenken, sowie Grundberührungen aller Art) ist mir auch schon alles passiert. Was wäre ein Skipperleben ohne Pleiten, Pech und Pannen? Langweilig. Wichtig ist das rheinische Motto, dass ich in über vierzig Jahren, die wir nun schon auf der „boot“ in Düsseldorf ausstellen, verinnerlicht habe: „Et hätt noch immer jot jejange.“

Wir sehen uns auf dem Wasser!

Ihr Harald Kuhnle

Kormoran 940 Tour Kleinseenplatte im Mai 2023

Kormoran 940 Tour Kleinseenplatte im Mai 2023

Angeregt durch Freunde und inspiriert von den genüsslichen Fotos des Kormorans entschieden wir uns im Mai diesen Jahres zu einer einwöchigen Hausbootstour auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Dem Polen hoch sei Dank hatten wir exzellentes Bootswetter (im Gegensatz zum Dauerregen in unserer Heimat in Süddeutschland).


Unsere Bootsvorerfahrung mit einer Penichette in Holland ließ unsere Wahl diesmal auf einen Bootstyp mit Bugstrahlruder fallen. Was sich wirklich als sehr vorteilhaft erwiesen hat. Kurz gesagt, wir waren als Paar mit unserem Kormoran rundum glücklich – tolles Rundumpanorama im kombinierten Küchen-wohnzimmer mit Innensteuerstand, kühles ruhiges Schlafzimmer im Heck, Außenwarmdusche nach dem kühlen Bad von der Heckterasse aus, luftiger Außensteuerstand und Hochterasse zum Entspannen am Abend. Alles prima eingerichtet und mehr als ausreichend Platz für 2 Leute.


Das fahren war das reinste Vergnügen und auch im Umgang mit den Schleusen oder dem Einparken bekamen wir im Lauf der Woche immer mehr Übung und vor Allem in den netten, besuchten Marinas immer freundliche Unterstützung von anderen Freizeitkapitänen oder dem Hafenmeister.


Die Kleinseenplatte ist angefangen von Rechlin, über Mirow, Neustrelitz, bis nach Fürstenberg das reinste Naturparadies, was wir in Deutschland für nicht mehr möglich gehalten hätten. Näher dran als mit dem Boot kann man eigentlich nicht mehr sein. Wunderbare Birken-Erlen-Bruchwälder, Schilfgürtel, Heidelandschaften, die junge Havel, eine abwechslungsreiche Mischung aus Seen, Fluß und Kanal, sowie hübsche kleine Städtchen ließen keine Minute Langeweile aufkommen. Für den Ohrenschmaus sorgten verschiedenste Vögel vom Morgengrauen bis in den Abend, sonst war fast nur das gleichmäßige Tuckern unseres Motors und das Plätschern des Wassers zu hören. Und natürlich kam auch der Gaumenschmaus nicht zu kurz. Ein ausreichend großer Kühlschrank machte uns unabhängig vom etwaigen Einkaufsmöglichkeiten unterwegs und immer wieder lockte eine Station der Müritzfischer zu frischen Fisch-Köstlichkeiten.


Abends im Hafen kam es immer wieder zu netten Begnungen. Es herrschte überall eine sehr offene, kamaradschaftliche Atmosphäre. Erstaunlich, wie weit man in Norddeutschland per Boot fahren kann und was man dabei so Tag für Tag alles in unserer Heimat erlebt.


Kurz und knapp: Entschleunigung pur, in herrlicher Landschaft mit einem wunderbaren Gefährt, was uns ganz neue Welten erschließen ließ. Für Naturliebhaber außerhalb der Saison ein MUSS!

Spätsommertörn mit einer Aquino auf der Seenplatte zwischen Müritz, Neustrelitz und Rheinsberg

Spätsommertörn mit einer Aquino auf der Seenplatte zwischen Müritz, Neustrelitz und Rheinsberg

Hier finden Sie einen ausführlichen Erfahrungsbericht von Herrn Wiswe, seiner Frau und der Schafpudelhündin Trudi. Sie sind zusammen im Oktober mit einer Aquino unterwegs gewesen. Gerade für Pärchen ist dieser Bericht sehr zu empfehlen.

Auf Kanaltour in Frankreich

Auf Kanaltour in Frankreich

Der Rhein-Marne-Kanal ist ein wunderbar entspannter Wasserwanderweg durch die abwechslungsreiche Landschaft Elsass-Lothringens. An den zahlreichen Schleusen kann man aber seine kleinen Abenteuer erleben.                Von Stephan-Thomas Klose

Hausboottour auf dem Rhine Marne Canal

Hausboottour auf dem Rhine Marne Canal

Ralf Rebe, bekannt durch seinen Blog Kreuzfahrt4.0, hat Urlaub auf einer Kormoran in Frankreich gemacht. Wie es ihm gefallen hat? Lesen Sie selbst.

Zurück zum Wasser

Zurück zum Wasser

– Drei Monate Leben auf einem Hausboot

„Am Wasser zu leben heißt, sich täglich an den Ursprung zu erinnern.“

– John F. Kennedy

Mit diesen Worten im Kopf begann für mich, Magdalene (32), meinen Freund Alexander (34) und unseren Hund Topaz (5) ein neues Abenteuer – ein neuer Abschnitt in unserem Leben.
Wir entschieden uns bewusst dafür, für drei Monate alles hinter uns zu lassen und auf ein Hausboot zu ziehen. Kein Urlaub. Kein Wochenendtrip. Sondern Leben. Auf dem Wasser.

Unser neues Zuhause hieß Kormoran 940 „Hilde“ und lag bei Kuhnle-Tours an der Mecklenburgischen Seenplatte. Ein Ort, an dem Wasserstraßen, Wälder und Himmel ineinanderfließen – und an dem Zeit plötzlich eine andere Bedeutung bekommt.

Ankommen – unser schwimmendes Zuhause

Langzeitmiete bei Kuhnle-Tours bedeutet, für Wochen oder Monate auf dem Wasser zu leben – mit allem, was dazugehört. Die Boote sind vollständig ausgestattet, fast wie kleine Wohnungen: Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnbereich. Uns fehlten nur Kleidung, persönliche Dinge und Lebensmittel, die wir im Dorf besorgten.

Beim Check-in wurden wir herzlich begrüßt. Bezogene Betten erwarteten uns, Hand- und Badetücher lagen kunstvoll gefaltet bereit, in der Küche wartete eine kleine Grundausstattung. Dazu kamen unsere gebuchten Extras: ein WLAN-Router fürs Arbeiten, zwei SUPs und ein Tischgrill für lange Abende. Nach der theoretischen und praktischen Einweisung – inklusive Charterschein – war Alexander offiziell Kapitän unseres schwimmenden Zuhauses. Währenddessen erkundete Topaz neugierig jedes Eck der „Hilde“.
Am Abend aßen wir im Captain’s Inn im Hafen – und fielen später erschöpft, glücklich und voller Vorfreude in die Betten.

Der erste Morgen – und der erste Abschied vom Steg

Am nächsten Morgen war der Hafen bereits lebendig. Motoren brummten, Leinen wurden gelöst, Möwen kreisten. Auch wir frühstückten kurz, lösten die Leinen und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Bucht.

Wir fuhren den Müritzarm entlang, Richtung Buchholz, bis wir einen stillen Ort fanden: eine kleine Bucht, umgeben von Wald, nur das leise Plätschern des Wassers und der Wind in den Blättern.
Hier wollten wir bleiben. Zumindest für den Anfang. Wir packten aus, richteten uns ein, verteilten Kleidung in die Schränke, Lebensmittel in die Fächer. Es fühlte sich an wie ein Umzug – nur sanfter. Langsamer.
Dann zogen wir unsere Badesachen an und sprangen gemeinsam ins Wasser. Ich ließ mich treiben, hörte Vögel, Blätter, Wellen. Unser neuer Garten war flüssig, weit und still.

Bucht - Müritzarm Richtung Buchholz

Alltag auf dem Wasser – Arbeit, Ruhe und kleine Rituale

Schon am ersten Tag zeigte sich, was dieses Leben besonders macht:
Nach dem Mittagessen – Nudeln mit Tomatensoße, gekocht von Alexander – arbeiteten wir beide im Homeoffice. Dank des mobilen WLANs blieb die Verbindung stabil, während draußen die Natur vorbeizog. Topaz meldete sich am Nachmittag, und wir paddelten mit dem SUP ans Ufer. Ein Spaziergang im Wald, ein tobender Hund, der Geruch von Sommer – und dann zurück zum Boot.

Die Tage danach – Leben in Bewegung

Die Wochen vergingen in einem Rhythmus, den wir nie kannten:

Wir beobachteten Regatten auf der Müritz, ließen den Tag am Bug sitzend ausklingen.
Wir sahen Feuerwerke der umliegenden Sommerfeste, die sich im Wasser spiegelten.
Wir lagen nachts an Deck, zählten Sterne und wünschten uns etwas, als eine Sternschnuppe über den Himmel zog.

In der kleinen Bootsküche backten wir einen Geburtstagskuchen, lachten über Mehl auf dem Boden und bestellten an einem Abend einfach Pizza an den Steg.
Wir arbeiteten, lebten, kochten, planten – ganz normal und doch vollkommen anders.

Wir fuhren durch Schleusen, erkundeten Seen und kleine Flüsse, machten Rundfahrten über die kleine Müritz, ließen uns treiben und kehrten immer wieder in unsere vertraute Bucht zurück.
Jeder Tag begann und endete am Wasser.

Feuerwerk in Röbel zum Seefest

Living on the Water – ein anderes Leben

Leben auf einem Hausboot bedeutet nicht Urlaub – es bedeutet Entschleunigung.
Man lebt näher an der Natur, näher an sich selbst. Man hört wieder auf die kleinen Dinge: Wind, Wasser, Licht. Man verliert Zeit – und gewinnt sie gleichzeitig zurück.

Nach drei Monaten wussten wir:
Das Wasser vergisst nicht. Und wir werden dieses Leben auch nicht vergessen.

Hausboot-Törn auf der Havel

Hausboot-Törn auf der Havel

Gleich zu Beginn beschert der Hausboot-Törn auf der Havel eine Überraschung. „So viel Komfort auf knapp dreizehn Metern!?“ Christian, Mitfahrer, Kollege und Hausboot-Frischling, ist „einfach nur platt“, während er seine Kabine mit Bad bezieht. Er geht das erste Mal mit auf Wasserfahrt. Die trockene Antwort des Skippers bleibt nicht aus: „Hab ich dir zu viel versprochen?“ Ein schmucker „Dampfer“, der das Herz jedes Charterboot-Kapitäns höher schlagen lässt. Vor der Crew liegt eine Kreuzfahrt der besonderen Art: Einweg zum Heimathafen an der Müritz, Deutschlands größtem See.

Vom dem an Oberdeck gelegenen Außensteuerstand – da hat man den besseren Überblick! – dirigiert der Skipper „seine“ Motoryacht vorsichtig aus der Marina Mildenberg nördlich der brandenburgischen Schifferstadt Zehdenick. Sechs Stunden weiter: Klarmachen zum Ankern! Feierabend nach 41 kurvenreichen Havel-Kilometern durch die idyllische Schorfheide auf dem Röblinsee westlich von Fürstenberg. „Den ganzen Tag an der frischen Luft und fünf Schleusungen, das macht hungrig“, finden die zwei und lassen sich das erste Bord-Abendbrot  genüsslich schmecken.

Indian Summer an der Havel

In erster Linie haben in diesen sonnig-herbstlichen Tagen Revier samt Boot gereizt: Havel und Brandenburg-mecklenburgische Seenplatte per „Luxusliner“. „Die Gewässer bilden ein abwechslungsreiches Landschaftsbild“, so der Bootsatlas, „da kaum ein See dem anderen gleicht. Neben Einzelseen gibt es Seengruppen und -ketten, verbunden durch Flussläufe und Kanäle.“ Das hat neugierig gemacht. Vor- und Nachsaison eignen sich am besten für eine Schnuppertour. „Im Hochsommer müsst ihr euch vor den Schleusen schon mal auf längeres Warten gefasst machen“, wird allgemein gewarnt.

Ein munterer Westwind hat den Seespiegel aufgeraut. Der Wald am nahen Horizont spielt in verschiedenen Schattierungen „Indian Summer“. Zwischen den Stämmen drängeln manchmal Freizeithütten ans Licht, Boote dümpeln an den Stegen. Die Luft duftet herbstlich würzig.

Bewährungsproben

Am linken Ufer überragt eine quadratische, weiße Tafel den dichten Schilfgürtel. Blick in die Karte und durchs Fernglas: Aha, dort zweigt das Fahrwasser ab. Ruder hart Backbord! Schräg gegenüber das nächste Wasserzeichen. Christian hat gut zu tun beim Steuern und muss sich voll auf den Kurs konzentrieren. Einmal lang lässt der Skipper das Signalhorn losdröhnen: ein vorgeschriebenes Schallzeichen für Entgegenkommende vor einer bootsschmalen Brücke. Dann die nächste „Bewährungsprobe“. Die Schleusenampel zeigt „Rot“, also Stopp. Einparken und Anlegen sind angesagt. Christian hält die Festmacherleine parat und streift sie schon recht gekonnt über einen Pfahl. Willig lässt sich der schnittige „Liner“ an die Wartepfähle legen. Die Crew, ein ehemaliger Bundesmariner und ein Volksmariner, hat sich gute Seemannschaft auf ihre Stralsund-Fahne geschrieben, die am Vormast flattert. Passt alles am „Tag der Deutschen Einheit“!

Klarer Sternenhimmel

Im Zehn-Kilometer-Tempo tuckert die MÜRITZ SAIL mit 68 PS dahin. Schließlich lockt eine windgeschützte Bucht zum Übernachten. Das klare Gewässer, von eiszeitlichen Gletschern ausgeschürft, ist metertief bis an den schmalen Sandstrand am Fuße eines Moränenhanges. Die Ankerkette rasselt in den Grund. Beherzt springt der Skipper wie schon am Morgen ins kühle Nass. Mächtige Buchenstämmen breiten ihre bunt leuchtenden Kronen schützend über dem Boot aus. In der Kombüse schmurgelt es längst. Christian steht am Herd mit Panoramablick auf Wälder, Wiesen und Felder. Leckere Düfte lassen Gaumenfreuden ahnen.

Der Abend klingt aus bei Wein und Kerzenschein im gemütlichen Salon. Ungewohnte Stille ringsum. „Wie klar hier der Sternenhimmel doch ist“, sinniert der Skipper auf dem dunklen Achterdeck, „so völlig ohne Lichtverschmutzung“. Leise plätschern die Wellen gegen den Rumpf – eine traumhafte Einschlafmelodie in kuschligen Kojen. Der Wind lässt die Blätter rauschen, durch die irgendwann ein freundlicher Vollmond blinzelt.

Hausboot-Törn auf der Havel

Schon der „preußische Naturbursche“ Fontane kam hierher und schwärmte von der Landschaft in seinen berühmten „Wanderungen durch die Mark“.

Bei einem Fischer rechts hinter der Schleuse Canow gibt es frisch Geräuchertes fürs Abendbrot: Aal und Maräne, den edlen „Süßwasserhering“, aus dem klaren, 30 Meter tiefen See. Der Wind spielt mit dem ankernden Boot. „Drehendes Restaurant mit See- und Grünblick“, kommentiert das Christian, „so was hab´ ich auch noch nicht erlebt“. Auf Südkurs dahinziehende Kraniche trompeten über dem Gewässer.

Königliche Yacht

„Zum Fünf-Uhr-Tee könnten wir eigentlich noch den Alten Fritz besuchen“, schlägt Christian vor. Ein Blick auf Karte und Uhr überzeugt: „Das schaffen wir doch dicke!“ Bald recken sich Turmspitzen über die Baumwipfel – bis Schloss Rheinsberg in ganzer Pracht vor dem Steven ausgebreitet liegt. Wo einst Friedrich II. von Preußen einen Teil seiner Jugend verbrachte, promenieren heute Spaziergänger und bestaunen die „königliche Yacht“ vor dem Schlosskai. Der Himmel reißt regiegemäß auf und lässt den gelben Barockbau leuchten. Der Alte Fritz hätte seine Freude daran gehabt!

Nach einer Übernachtung im traumhaften Zotzensee und einer kurzen Müritzstrecke heißt es im Hafendorf Rechlin am nächsten Mittag: Ende der Reise. 110 abwechslungsreiche Fluss-, Kanal- und Seen-Kilometer, ein Bruchteil von vielen hundert möglichen auf Europas größter Wasserlandschaft, aber auch zwölf Schleusen liegen hinter uns. Und der Skipper freut sich, mal wieder „richtig Kapitän“ gewesen zu sein.

Peer Schmidt-Walther  (Fotos: Christian Rödel)

Freischimmer

Freischimmer

„Rückwärts geht es immer gerade, daher ist es besser, du lässt das Ruder so, dass beim Vorwärtsfahren alles schon in die richtige Richtung geht. Zurück, Leerlauf, warten, nach vorne korrigieren und so kommst du rein“.

Konzentriert, mit hochrotem Kopf, die nackte Angst in den Augen, so versuche ich gerade den Kormoran zu bändigen. Ich, das ist Nik Linder, Apnoetaucher und eigentlich bekannt dafür, einen langen Atem zu haben und auch in herausfordernden Situationen entspannt zu bleiben – was mich bereits in den ersten Minuten meiner Tour auf der Müritz ans Limit bringt.

Die Kormoran 1290 namens „Strelitzie“ ist ein Hausboot der Firma Kuhnle-Tours mit Platz für 6-9 Personen und mit ziemlichen Ausmaßen. Ralf, Mitarbeiter der Firma, weist mich im Umgang mit dem Schiff ein. Führerscheinfrei darf man auf der Müritz und den anderen Seen umher fahren, ankern, Schleusen benutzen, ablegen und – was ich gerade versuche –  anlegen. Wenig später sind die Schweißperlen verschwunden und die Kormoran liegt mustergültig vertäut im Hafendort Müritz in Rechlin. Nach der praktischen Fahrstunde und einer theoretischen Einweisung in Schilder, Bojen und Vorfahrtsregeln darf ich nun eigenverantwortlich die Müritz entdecken.

Als Ralf mir zum Abschied viel Spaß wünscht, genieße ich noch eine Stunde der Ruhe, bis der Rest der Mannschaft kommt. Es sind vor allem Sportfreunde aus dem Apnoetauchen und dem Seatrekking. Apnoetauchen bedeutet, mit einem Atemzug zu tauchen. Entspannung, Ruhe, Meditation und Atemtechniken spielen dabei wichtige Rollen. Wer besser atmet, kann länger tauchen, wer sich besser auf sich konzentrieren kann, kann länger tauchen, wer entspannt bleibt und somit einen niedrigen Puls hat, der kann diese Fähigkeit wunderbar in den Alltag integrieren um auch dort ausgeglichener zu sein.

In den letzten Jahren war ich sehr viel als Reiseleiter auf Tauchschiffen unterwegs, vor allem an exotischen Plätzen wie der Südsee, den Bahamas, dem roten Meer und vielen weiteren wunderschönen Orten, an denen man die Natur und vor allem die Tierwelt, hauptsächlich unter Wasser genießen kann. Als Apnoetaucher kommt man den großen Tieren der Ozeane nahe. Da nicht geatmet wird, stören die Ausatemgeräusche wie beim Gerätetauchen die geräuschempfindlichen Tiere nicht. So kann man sich als Apnoe- oder Freediver Walen, Haien und Mantas sehr viel leichter nähern. Okay, so exotische Tiere haben Müritz & Co nicht im Angebot, aber in den letzten Jahren habe ich auch immer wieder erkannt, dass alle diese Reisen einen hohen Preis haben, den ich nicht mehr zahlen möchte. Fernreisen sind für mich vor allem anstrengend geworden. Der Flugstress, die hohen Erwartungen der Teilnehmer an die „Once-in-a-lifetime- Reisen“ und nicht zuletzt die Trennung von der Familie, wenn ich für ein Ziel wie Polynesien wieder mehrere Wochen unterwegs sein muss, weil sich Reisen zu derart fernen Destinationen sonst nicht lohnen. Nachdem ich während der Coronazeit nicht reisen durfte, habe ich einerseits gemerkt wie schön die Natur in unserer Umgebung rund um Freiburg ist und andererseits festgestellt, dass die Menschen, die bei mir zuhause leben, eigentlich ganz nett sind. Ich wollte daher mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, aber trotzdem coole Sachen machen.

So bin ich bei einem meiner Ausflüge während der Corona Pandemie mit meinem Auto einen Teil des Bodensees entlang gefahren. Ich wusste, dass es viele Menschen gibt, die den Bodensee schon einmal durchschwommen haben, nicht nur in der Breite, sondern auch in der Länge. Aber hatte schon jemand den Bodensee schwimmend umrundet? Der Bodensee hat einen Umfang von 273 Kilometern – sicherlich würde man nicht jeden Zentimeter umschwimmen müssen, aber knappe 200 Kilometer würden es schon sein. Und so kam es, dass ich 2022 in 20 Tagen den Bodensee umrundete – fast komplett alleine und ohne Support als erster Mensch überhaupt. Möglich war das nur, weil ich das Ganze als Seatrekking Projekt durchgeführt hatte.

Beim Seatrekking wandert man auch an Land, hauptsächlich aber im Wasser. So entdeckt man die Küstenlinie schwimmend, schnorchelnd und freitauchend. Die Wanderung führte mich bis dahin meistens an Küstenlinien am Meer entlang, so dass sich die Eindrücke über Wasser unter Wasser fortsetzten und das Ganze zu einem 360-Grad-Erlebnis machten. Solche Abenteuer müssten doch auch in meiner Heimat möglich sein! So einfach war das am Bodensee dann doch nicht. Durch die Begleitung des Fernsehsenders SWR wurde das Projekt bekannt und so machte sich recht schnell Widerstand am Bodensee breit: Ich würde verborgene Pfahlbauten zerstören, die Vögel der Schutzgebiete erschrecken und vieles mehr. Aussagen, die mich erstaunten, als ich im September 2022 tatsächlich dort unterwegs war und mir zwischen vielen Booten, Wassersportlern, Anglern und vielem mehr meinen Weg bahnte. Bei all den Menschen, sollte ausgerechnet ich das Problem sein? Ich, der im Einklang mit der Natur durch den See schnorchelte? Dabei gehört „Leave no trace“ zwingend zur Philosophie des Seatrekkings – keine Spuren hinterlassen und die Natur nicht stören. Es freute mich schon am ersten Tag hier an der Müritz das Gefühl zu haben willkommen zu sein. Hatte ich am Bodensee den Eindruck, dass alles, was ich tue eher stört, schien hier erstmal alles kein Problem zu sein.

Nach und nach trudeln alle Teilnehmer unserer Tour ein, die Leinen werden gelöst und die Reise geht los. Die erste kurze Etappe soll uns an die kleine Müritz bringen, wo wir am selben Abend noch ankern und den Tag beschließen möchten. Es ist Mitte Mai und im See nicht viel los. Wir haben einen einsamen Ankerplatz gefunden und heizen den Grill auf. Darauf finden sowohl Steaks, Würstchen sowie Grillkäse für die Veggie-Fraktion Platz. Satt und entspannt genießen wir die letzten wärmenden Sonnenstrahlen an Deck und beobachten Adler, die immer wieder ins Wasser hinein stoßen um Fische zu greifen. Morgen werden wir das Naturerlebnis um eine Perspektive erweitern, in dem wir schnorchelnd und freitauchend die Natur entdecken.

Selten so gut geschlafen. Die Kojen bieten ausreichend Platz und sanft schaukelnd und voller Eindrücke des ersten Tages bin ich gestern eingenickt. Gottseidank schnarcht Thomas, mein Zimmerpartner, nicht. Wie auch zuhause bin ich früh wach und mache erstmal Kaffee. Die Sonne geht auf und mit ihr höre ich den Kuckuck rufen. Ich bin zwar ein Morgenmensch und sobald die Augen offen sind, sofort wach und gut drauf. Doch wenn man häufig als Reiseleiter mit Gruppen unterwegs ist, nutzt man jede Minute die man haben kann für sich und gerade die frühen Minuten am Morgen sind besonders schön. Ein neuer Tag beginnt, was wird er wohl bringen?

Nach dem Frühstück bereiten wir unsere Seatrekking Taschen vor. Eigentlich passt dort alles rein, was man zum Überleben braucht. Meistens ist man drei, bis vier Tage unterwegs und die Tasche enthält Kochzeug, Nahrung, Wasser, Kleidung, Isomatte und Schlafsack. Ein Zelt findet sich aus mehreren Gründen nicht darin. Einerseits fehlt der Platz, auf der anderen Seite ist wildes kampieren in Deutschland und in vielen anderen Ländern nicht erlaubt, biwakieren hingegen meistens geduldet. Gegen Regen hilft ein „Tarp“ – eine Plane, die man abspannen kann, hauptsächlich schützt aber der wasserdichte Biwak-Überzieher vor Feuchtigkeit. In den letzten Jahren habe ich immer wieder gemerkt, dass dieses vollständige Outdoorerlebnis wenige Anhänger hat. Ein Tag in der Natur ist ja ganz schön, aber die Nacht umringt von Krabbeltieren und vielleicht sogar im Regen, das ganze ohne Dusche und Toilette? Nicht jedermanns und jeder Frau Sache. Die Kombination aus Naturerlebnis beim Schwimmen und Schnorcheln, sich abends aber in ein warmes Bett zurück zu ziehen, scheint perfekt zu sein.

In unsere Taschen muss heute nicht so viel rein. Kleidung für eine Erkundung an Land, Proviant und etwas zu trinken. Die Tasche wird mithilfe einer flexiblen Leash hinterhergezogen. Heute sind die Taschen leicht und die Strecke mit wenigen Kilometern recht kurz. Aber auch wenn es Strecken von acht bis zehn Kilometer sind, spürt man das Gewicht der Tasche beim Schwimmen kaum, selbst wenn sie voll bepackt sind. Wir ankern unsere „Strelitzie“ und gleiten einer nach dem anderen ins Wasser. Heute wollen wir durch einen engeren Kanal zu einem See schwimmen. Der Kanal ist zu eng und für unser Hausboot ist die Durchfahrt verboten. Das Wasser ist mit 15 Grad zwar kühl, aber unsere 5-mm-Neopren-Anzüge schützen uns perfekt. Leider ist die Sicht weniger gut und aus der Erkundung unter Wasser wird nicht viel. Das Schwimmen oder Schwimmwandern macht trotzdem Spaß und sorgt sofort für eine ausgeglichene Ruhe im Kopf. Es tut gut, sich im Wasser zu bewegen und umgeben von Schilf und Wasservögeln aller Art eine neue Umgebung kennen zu lernen.

An einem Bootshaus nutzen wir den Steg, um das Wasser zu verlassen und die Umgebung zu erkunden. Die Faszination Seatrekking macht auch aus, dass man in Gegenden kommt, wo man nur schwer mit dem Boot oder zu Fuß hinkommen kann. Wir entdecken Kraniche und sogar Emus – eines ist klar, was Vögel angeht muss sich die Müritz nicht vor exotischen Reisezielen verstecken, ein Ornithologe bekommt hier wahrscheinlich feuchte Augen. Bald brechen wir wieder auf und schwimmen zum Boot zurück.

Die kommenden Tage verbringen wir mit Schwimmen, wandern, Vögel beobachten und genießen das Umherfahren mit der „Strelitzie“. Es fehlt uns nichts: Haben wir Lust das Boot zu verlassen, legen wir an und machen einen Spaziergang oder gehen in einem der Cafés am Hafen einen Kuchen essen. Mit jeder Minute am Steuer bekomme ich mehr Routine im Umgang mit dem Hausboot.

Die Ruhe und entspannte Stimmung hat sich auf uns alle übertragen. Wir schwimmen an Land, um dort in der Natur Atem- und Entspannungsübungen zu machen. Doch irgendwann muss ich die „Strelitzie“ wieder in den Heimathafen in Rechlin schippern und den Gashebel endgültig auf „Neutral“ stellen. Bis alles im Auto verpackt und wir uns alle verabschiedet haben dauert es noch einen Moment. Dann geht es mit dem Auto wieder Richtung Heimat. Die weite Strecke ins badische Freiburg läuft eigentlich gut, kaum Stau und ich komme ganz gut voran. Aber eben nur „eigentlich“, könnte man die Strecke nicht auch entspannt auf … zum Beispiel einem Hausboot und entlang von Flüssen zurücklegen?

Über den Autor :

Nikolay „Nik“ Linder ist Apnoetaucher, Atemtrainer, Autor und begeisterter Schwimmer und Seatrekker. Als erster Mensch überhaupt hat er den Bodensee schwimmend und ohne Support umrundet. In seiner aktiven Apnoekarriere hat er mehrere Weltrekorde, darunter Rekorde im Streckentauchen unter Eis gebrochen. Die von ihm entwickelte Entspannungsmethode „Relaqua“ kombiniert Techniken aus dem Apnoetauchen, der Achtsamkeitsmeditation und den Atemtechniken aus dem Yoga. Kommendes Jahr wird er wieder mit einer Gruppe in der Müritz unterwegs sein und Schnorcheln, Freediving, Wandern, Seatrekken und Yoga machen.

Seatrekking - schwimmen im Wasser mit Rucksack

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